Junkers Ju 87
| Junkers Ju 87 Stuka | ||||
|---|---|---|---|---|
Junkers Ju 87D | ||||
| Typ | Sturzkampfflugzeug, Erdkampfflugzeug | |||
| Entwurfsland | ||||
| Hersteller | Junkers | |||
| Erstflug | 17. September 1935 | |||
| Indienststellung | Frühjahr 1937 | |||
| Produktionszeit | 1937 bis 1944 | |||
| Stückzahl | unter 6.000 (exakte Zahl unklar) | |||
| Version | Junkers | Weserflug | Summe | Bauzeit |
|---|---|---|---|---|
| A | 192 | 70 | 262 | Juli 1937 – September 1938 |
| B-1 | 311 | 386 | 697 | September 1938 – Mai 1940 |
| B-2 | 56 | 169 | 225 | Februar 1940 – Oktober 1940 |
| R-1 | 105 | 105 | Januar 1940 – Mai 1940 | |
| R-2 | 472 | 472 | Juni 1940 – Juli 1941 | |
| R-4 | 144 | 144 | Mai 1941 – Oktober 1941 | |
| D-1 | 592 | 592 | August 1941 – Juli 1942 | |
| D-3 | 1559 | 1559 | Mai 1942 – November 1943 | |
| D-5 | 1488 | 1488 | Mai 1943 – September 1944 | |
| G-2 | 208 | 208 | Dezember 1943 – Juli 1944 | |
| Summe | 559 | 5193 | 5752 |
Versionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Ju 87 A
- erste Serienversion, Junkers-Jumo-210-Motoren mit 640 und 680 PS
- Bewaffnung: ein MG 17 in der rechten Tragfläche, ein bewegliches MG 15 im Heckstand, Bombenlast maximal 500 kg
Ju 87 B
- erste Großserienversion, Junkers-Jumo-211-Motoren mit 1100, später 1200 PS
- Bewaffnung: zwei MG 17 in den Tragflächen, ein bewegliches MG 15 im Heckstand, Bombenlast maximal 1000 kg

Ju 87 C
- Ju 87 B mit Ausrüstung für den Einsatz auf dem Flugzeugträger Graf Zeppelin. Zwischen April und Oktober 1941 wurden die bestellten fünf Flugzeuge von Junkers abgeliefert.
- nach dem Scheitern des Trägerprojekts wieder auf Stand Ju 87 B zurückgebaut
Ju 87 R
- „R“ wie Reichweite, wie Ju 87 B aber 300-l-Zusatztank unter jeder Tragfläche für doppelte Reichweite, Bombenlast maximal 500 kg mit Zusatztanks
- oft eingesetzt gegen Schiffsverkehr im Ärmelkanal oder im Mittelmeer
Ju 87 D
- meistgebaute Modellreihe
- aerodynamische Überarbeitung mit zusätzlichen Kühlern unter den Tragflächen und verkleinertem Kühler unter dem Motor, ab D-5 mit größerer Spannweite (15 m statt 13,80 m)
- die Panzerung wurde verbessert und die maximale Startmasse auf ≈6500 kg erhöht
- Motoren von 1300 bis 1500 PS und höhere Treibstoffkapazität für ≈1400 km Reichweite
- Erhöhung der Bombenlast auf bis zu 1800 kg, Ersatz des beweglichen MG 15 im Heckstand durch ein bewegliches Zwillings-MG MG 81 Z
- Schlachtfliegerversionen ab D-5 mit zwei 20-mm-Kanonen MG 151/20 statt der MG 17 in den Tragflächenknicken, Wegfall der Sturzflugbremsen

Ju 87 G (G-1 und G-2)
- Schlachtflieger und Panzerjäger, auch bekannt als „Kanonenvogel“ und „Panzerknacker“
- G-1 Umbau aus älteren Ju 87 D, G-2 Umbau und Neubau mit vergrößerten Tragflächen der D-5.
- Bewaffnung: zwei 3,7-cm-Kanonen FlaK 18 unter den Tragflächen und das bewegliche MG 81 Z im Heckstand, keine Bombenmitnahme
- Reichweite mit ~1200 km leicht unterhalb der Ju 87 D
Ju 87 H
- Schulungsflugzeug mit Doppelsteuerung, aus der Ju 87 D hervorgegangen
Ju 87 T
- Trägerversion für die Graf Zeppelin auf Basis Ju 87 D, nur Planungsstadium
Erhaltene Maschinen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute existieren insgesamt nur noch zwei vollständige Ju 87.
Ein Exemplar befindet sich im Museum of Science and Industry in Chicago.[7] Die letzte vollständig erhaltene Ju 87 in Europa befindet sich im Royal Air Force Museum Hendon, Großbritannien.[8]
In Deutschland ist eine beschädigte Ju 87 B im Technik-Museum Sinsheim zu sehen, die 1989 bei St. Tropez aus 90 Metern Wassertiefe geborgen wurde.[9] Außerdem besaß das Deutsche Technikmuseum Berlin zwei Ju-87-Wracks, die in der russischen Tundra gefunden worden waren. Eines wird ausgestellt, das zweite Wrack wurde an Paul Allens Flying Heritage & Combat Armor Museum (FHCAM) verkauft. Im November 2018 gab das FHCAM an, dass die R-4 mit der Werknummer 6234 flugfähig restauriert werden soll.[10]
Im September 2014 wurde vor der kroatischen Insel Žirje das Wrack einer italienischen Ju 87 R-2 der Regia Aeronautica gefunden, die am 12. April 1941 nach einem Angriff auf die jugoslawische Marinebasis von Jadrtovac in der Adria notwassern musste. Das Flugzeug befand sich in relativ gutem Zustand und sollte möglicherweise geborgen werden;[11][12] allerdings verschlechterte sich der Zustand seit dem Bekanntwerden des Funds.[13] Ab Oktober 2024 wurde im Rahmen eines Pilotprojekts die Unterwasserkonservierung des Wracks mittels Opferanode geprüft und auf Basis der Ergebnisse entschieden, das Wrack nicht zu bergen.[14]
Einsatzländer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Deutsches Reich
Königreich Italien
Bulgarien
Unabhängiger Staat Kroatien
Rumänien
Russische Befreiungsarmee
Slowakei
Ungarn
Jugoslawien
Spanien
Während der Schlacht von Tali-Ihantala (25. Juni bis 9. Juli 1944) wurde Finnland vom Deutschen Reich unter anderem mit rund zwei Dutzend Ju 87 im Gefechtsverband Kuhlmey unterstützt.
Technische Besonderheiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sturzflugautomatik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Damit ein sicheres Abfangen auch bei durch die hohen g-Kräfte verursachter kurzzeitiger Bewusstlosigkeit des Piloten gewährleistet werden konnte, war in allen Ju 87 eine Sturzflug- und Abfangautomatik eingebaut, die dem Flugzeugführer das Anvisieren, das Anfliegen des Zieles und das anschließende Abfangen erleichterte. Durch das Betätigen der Automatik wurden die Sturzflugbremsen ausgefahren, worauf eine Trimmklappe am Höhenruder die Maschine in einen kopflastigen Flugzustand brachte. Außerdem wurde der Steuerknüppel auf einen Ausschlag von 5° begrenzt. Beim Erreichen einer vorberechneten Abwurfhöhe löste der Pilot die Bombe(n) aus, wodurch die Automatik die Trimmklappe wieder zurückfuhr, das Flugzeug schwanzlastig wurde und der Abfangvorgang eingeleitet wurde. Damit die Bombe unter dem Rumpf nach dem Auslösen nicht in die Luftschraube geraten konnte, führte eine Abweisergabel sie aus dem Propellerbereich. In der Regel wurde der Sturz in einem Winkel von 70 bis 90° geflogen.
Sirene bzw. Lärmgerät
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]An beiden Fahrgestellverkleidungen waren bei den frühen Versionen der Ju 87 Lärmgeräte eingebaut, deren Luftschrauben der Fahrtwind antrieb. Sie verstärkten den Heulton beim Sturzangriff. Diese Lärmgeräte der Ju 87 wurden und werden bereits seit den 1950er Jahren fälschlicherweise oft als Jerichotrompete oder gleichbedeutend Jericho-Gerät bezeichnet.[15][16] Jericho-Geräte waren jedoch orgelpfeifenähnliche Papphülsen, die, fallweise an den Leitwerksflossen von deutschen Abwurfbomben des Typs SC50 und SC250 montiert, ebenfalls der psychologischen Kriegführung dienten.[17][18]
Laut dem Generalstabschef des XXXXVIII. Panzerkorps Friedrich Wilhelm von Mellenthin haben sowjetische Soldaten „die Schock- und Splitterwirkung von Stuka-Angriffen bald ziemlich unbeeindruckt hingenommen“.[19]
Technische Daten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

- Länge: 11,00 m
- Höhe: 3,77 m (Mastspitze bis Boden)
- Flügelspannweite: 13,80 m (B-1), 15,00 m (ab D-5, G-2)
- Tragflügelfläche: 31,9 m², 33,60 m² (ab D-5, G-2)
- Gewicht: leer: ca. 2750 kg (B-1, D-1), mit Zuladung 4250 kg (B-1), 5720 kg (D-1), 6585 kg (D-5).
- Triebwerk: ein flüssigkeitsgekühlter Junkers-Jumo-211-V12-Motor mit hängenden Zylindern
- Ju 87 B-1: Jumo 211A mit 1000 PS (736 kW) Startleistung
- Ju 87 B-2: Jumo 211D mit 1200 PS (883 kW) Startleistung
- Ju 87 D-/G-Serie: Jumo 211J mit 1420 PS (1044 kW) Startleistung
- Höchstgeschwindigkeit: 390 km/h (B-1), 408 km/h (D-1), 402 km/h (D-5)
- Dienstgipfelhöhe: 8000 m (B-1), 7320 m (D-1, D-5)
- Reichweite: mit typischer Bombenzuladung 550 km (B-1), 820 km (D-1,D-5)
- Bewaffnung Ju 87 B:
- Bewaffnung Ju 87 D:
- zwei 7,92-mm-MG 17 (D-5: zwei 20-mm-Kanonen MG 151/20) starr in den Tragflächenknicken
- ein 7,92-mm-Zwillings-MG MG 81 Z beweglich im Heckstand
- Bombenlast:
- eine einzelne Bombe von bis zu 1400 kg unter dem Rumpf (D-5 Überlast: bis 1800 kg)
- typisch eine 500- oder 1000-kg-Bombe unter dem Rumpf, vier 50- oder 70-kg-Bomben unter den Tragflächen
- Abwurfbehälter AB 250, AB 70 und AB 50 mit jeweils 224, 50 oder 40 Splitterbomben, dickwandig 1 kg
- diverse Sonderbewaffnungen wie 2-kg-Splitterbomben oder Behälter mit mehreren Maschinengewehren möglich
Museale Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Originale Ausstellungsstücke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ju 87 G-2 im Royal Air Force Museum, Hendon (GB)
- Ju 87 R-2 / Trop (WerksNr. 5954) im Museum Science and Industry, Chicago (USA)
Unvollständige Ausstellungsstücke und Nachbauten mit Originalteilen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ju 87 B im Technik Museum Sinsheim (DE) - Wrack aus dem Mittelmeer -
- Ju 87 G-2 im Uraler Bergbau- und Metallurgie-Gesellschaft (UMMC), Werchnjaja Pyschma (RU) - Nachbau mit Originalteilen -
Restaurierungsprojekte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ju 87 Flying Heritage & Combat Armor Museum
- Ju 87 American Heritage Museum
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Jonathan Falconer: Junkers Ju 87 Stuka. Motorbuch, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-613-04352-7.
- Manfred Griehl: Junkers Ju 87 „Stuka“: Sturzkampfbomber, Schlachtflugzeug, Panzerjäger. Motorbuch, Stuttgart 1998, ISBN 3-613-01897-7.
- Eric M. Brown Berühmte Flugzeuge der Luftwaffe 1939–1945. Motorbuch, Stuttgart 1988, ISBN 3-87943-846-3.
- Junkers Ju 87 D-1/Das Lärmgerät. In: Luftfahrtlexikon. Verlag E.S Mittler & Sohn, 1978, S. 3895 ff.
- Helmut Erfurth: Vom Original zum Modell: Junkers. Ju 87. Bernard & Graefe Verlag, Bonn 1999, ISBN 3-7637-6017-2.
- Friedrich König: Die Geschichte der Luftwaffe. (= Landser-Bibliothek. Bd. 3, ZDB-ID 1175798-x), Pabel, Rastatt 1980, S. 146.
- Kenneth Munson: Bomber. Patrouillen- und Transportflugzeuge 1939–1945. 3. Auflage. Orell Füssli, Zürich 1977.
- Wolfgang Wagner: Hugo Junkers Pionier der Luftfahrt – seine Flugzeuge. (= Die deutsche Luftfahrt. Bd. 24). Bernard & Graefe, München u. a. 1996, ISBN 3-7637-6112-8.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die Ju 87 bei Luftarchiv.de
- Umfangreiche Infos zu Junkers-Flugzeugen (englisch)
- Die Ju 87 bei der Luftwaffe Resource Group (englisch)
- Tarnschemen verschiedener Versionen der Ju 87 bei Wings Palette (englisch)
- Video eines Tauchganges zur Ju 87
- H. F. King: Germany's Dive Bombers. (PDF) The Junkers Ju 87. In: FLIGHT, September 28, 1939. Flight International, 28. August 1939, S. a–f, abgerufen am 12. November 2018 (englisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ vgl. Olaf Groehler: Geschichte des Luftkriegs 1910 bis 1980. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1981, S. 163.
- ↑ Deutsche Biographie: Pohlmann, Hermann – Deutsche Biographie. Abgerufen am 5. September 2019.
- ↑ Übungshalber Gründe für die Bombardierung der Dörfer; abgerufen am 3. November 2023.
- ↑ Nazi-Stuka-Tests in Spanien 1938; abgerufen am 3. November 2023.
- ↑ ¿Por qué Hitler bombardeó cuatro pacíficos pueblos de Castellón? El País, 25. Dezember 2015 (spanisch).
- ↑ Alexander Iwanowitsch Pokryschkin: Himmel des Krieges. Militärverlag der DDR, Berlin 1974, S. 45.
- ↑ Royal Air Force Museum, London: Transportation Gallery: 1941 Junkers Ju-87R-2 Tropical Stuka. ( vom 24. März 2008 im Internet Archive) Museum of Science and Industry, Chicago.
- ↑ Battle of Britain Aircraft Collection. ( vom 27. November 2007 im Internet Archive) (Archivseite).
- ↑ Junkers Ju-87 | Technik Museum Sinsheim. Abgerufen am 5. September 2019.
- ↑ Junkers Ju 87 R-4 Stuka. In: Collection. Flying Heritage & Combat Armor Museum, 10. November 2018, abgerufen am 12. November 2018 (englisch).
- ↑ Heiko Müller: Stuka ruht in der Adria. In: Klassiker der Luftfahrt. Nr. 4/2015, S. 38–40.
- ↑ Ju-87 Stuka Discovered. Videomaterial eines Tauchganges zur Ju 87 vor Sibenik. Abgerufen am 5. September 2019.
- ↑ Junkers JU 87 STUKA. Abgerufen am 5. August 2022 (englisch).
- ↑ Taucher finden Weltkriegs-Flugzeug am Grund der Adria – und wollen „Stuka“ auf spektakuläre Art erhalten. 23. Dezember 2024, abgerufen am 6. März 2026.
- ↑ Wolfgang Thamm: Fliegerbomben: die Spreng- und Brandbombenentwicklung in der Luftwaffe; von der einfachen Fliegerbombe zur modernen Abwurfmunition und ihre Einsätze – mit Gegenüberstellung der Entwicklungen in England, USA und Russland sowie anderer Staaten. Bernard und Graefe, 2003, ISBN 978-3-7637-6228-6, S. 148 (google.de [abgerufen am 3. Oktober 2024]).
- ↑ Ernst Udet: Ein Fliegerleben. Ullstein, 1954, S. 156 (google.de [abgerufen am 3. Oktober 2024]).
- ↑ D. (Luft) 4300 – Abwurfmunition, Bomben, Munitions-Handbuch – Teil 1 Minenbomben – Heft 2 SC 250 – V. Zusatzgeräte. Berlin Dezember 1942.
- ↑ vgl. Foto In: historyofwar.org.
- ↑ Friedrich Wilhelm von Mellenthin: Panzerschlachten. Eine Studie über den Einsatz von Panzerverbänden im Zweiten Weltkrieg. Neckargemünd 1963, S. 170.




