Das Geschwader war nach Max Immelmann benannt, einem der bekanntesten deutschen Jagdflieger des Ersten Weltkrieges. Wegen seiner Erfolge im Luftkampf hatte er von seinen Gegnern den Beinamen „Adler von Lille“ erhalten. Ihm war die höchste Tapferkeitsauszeichnung Preußens verliehen worden: Der Orden Pour le Mérite. Aufgrund dieses Ehrennamens waren die Geschwaderangehörigen berechtigt, am rechten Unterarm einen Ärmelstreifen mit der Aufschrift „Geschwader Immelmann“ zu tragen.
Das Geschwader wurde zunächst unter dem Namen Sturzkampfgeschwader 2 „Immelmann“ am 1. Mai 1939 neu aufgestellt. Unterteilt war es in drei Gruppen: die in Cottbus stationierte I.Gruppe, die II.Gruppe in Stolp-Reitz und die III.Gruppe in Bad Langensalza. Die Geschwaderkennung war T6.
Das Geschwader hatte am 5. Juli 1943 einen Geschwaderstab, die I. bis III. Gruppe und eine 10. Panzerjagdstaffel. Die drei Gruppen waren in Staffeln unterteilt. Die 1. bis 3. Staffel gehörte der I. Gruppe, die 4. bis 6. Staffel der II. Gruppe und die 7. bis 9. Staffel der III. Gruppe an. Jede Staffel, geführt durch einen Staffelkapitän, war in drei Schwärme mit je vier Flugzeugen unterteilt. Daraus ergab sich eine Sollstärke der Sturzkampfgruppe von 36 Flugzeugen in den drei Staffeln und 3 Flugzeugen für die Gruppenstabsstaffel mit dem Gruppenkommandeur. Dies ergab bei drei Sturzkampfgruppen eine Sollstärke von 117 Flugzeugen und 3 Flugzeuge für den Geschwaderkommodore und seinen Stab sowie 9 Flugzeuge für die 10. Panzerjagdstaffel. Daraus ergibt sich eine Sollstärke von 129 Flugzeugen zu dieser Zeit.[1]
Alle drei Gruppen nahmen 1939 mit der 1. Fliegerdivision der Luftflotte 1 am Überfall auf Polen teil. Dabei wurde als eine der ersten Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges am Morgen des 1. September 1939 der Luftangriff auf Wieluń geflogen. Bei diesem Angriff auf die polnische Kleinstadt Wieluń starben 1200 Zivilisten. Militärische Ziele waren durch die Flugzeugführer nicht festgestellt worden.[2] Da es sich um einen Angriff auf ein nicht militärisches Ziel handelte, ist die Bombardierung als Kriegsverbrechen zu werten.[3][4]
Im Jahre 1940 nahm es mit dem VIII. Fliegerkorps am Westfeldzug und der Luftschlacht um England teil. Dabei griffen am 24. Mai im Ärmelkanal die I. und III. Gruppe den britischen Zerstörer Wessex an und versenkten ihn.[5] Am 4. Juli griffen Teile des Geschwaders im Ärmelkanal den britischen Konvoi OA 178 an. Dabei versenkten sie das Hilfsflakschiff HMS Foylebank (5582 BRT) sowie die Frachter Dallas City (4952 BRT), Deucalion (1796 BRT), Kolga (3526 BRT) und Britsum (5255 BRT) und beschädigen neun weitere Schiffe mit 40.236 BRT schwer.[6]
Ju 87 des StG 2 auf einem Feldflugplatz in der Sowjetunion, Januar 1942
Ab Juni 1941 wurde das Geschwader im Rahmen des Deutsch-Sowjetischen Krieges an die Ostfront verlegt. Am 26.Juni 1941 attackierte es südlich von Hrodna 60 sowjetischePanzer, konnte dabei aber lediglich einen Panzer T-34 zerstören.
Vom 21. bis 24. September 1941 startete das Geschwader mehrere Angriffe auf die Baltische Flotte in den Häfen von Kronstadt und Leningrad. Während dieser Angriffe traf OberleutnantHans-Ulrich Rudel mit einer 1000-kg-Bombe das SchlachtschiffMarat, das daraufhin auf Grund lief. Die Artillerietürme B, C und D mit ihren 30,5cm Rohren blieben aber einsatzbereit. Das Schlachtschiff Oktjabrskaja Rewoljuzija wurde durch sechs mittlere Bomben schwer getroffen und der Kreuzer Kirow durch eine abstürzende Ju 87 stark beschädigt. Der Zerstörer Stereguschtschi kenterte nach einem Volltreffer, die Kreuzer Maksim Gorki und Grosjaschtschi sowie die Zerstörer Gordy, Grosjaschtschi und Silny wurden bei dem Angriff beschädigt.[7]
Am 4. und 5. April nahmen Teile des StG 2 am Unternehmen Eisstoß teil. Zusammen mit Teilen des Sturzkampfgeschwaders 1, des Kampfgeschwaders 1 und des Jagdgeschwaders 54 griffen sie erneut Kriegsschiffe der sowjetischen Flotte im Leningrader Hafen an. Dabei wurden beschädigt: das Schlachtschiff Oktjabrskaja Rewoljuzija durch vier Bombentreffer, der Kreuzer Maksim Gorki durch sieben Treffer mittleren Kalibers, die Kreuzer Kirow und Petropawlowsk und der Zerstörer Silnyj durch je einen schweren Treffer, sowie der Zerstörer Grozjashchi, der Minenleger Marti und das Schulschiff Swir durch leichtere Treffer. Beschädigt wurden außerdem die Zerstörer Stoyki und Swirepy sowie die Unterseeboote M-79, P-2 und P-3.[8]
Ende 1942 wurde dem Geschwader aufgrund der schlechten Erfahrungen bei der Panzerbekämpfung eine „Panzerjäger-Staffel“ zugeteilt, die so erfolgreich war, dass anschließend jedem Stuka-Geschwader eine solche Staffel hinzugefügt wurde. Ab Frühjahr 1943 erhielt das Geschwader neue Flugzeuge des Typs Ju 87 G-1 „Kanonenvogel“, die mit zwei Rheinmetall-Borsig 3,7-cm-Flak 37 unter den Tragflächen ausgestattet waren. Den ersten erfolgreichen Abschuss eines Feindpanzers verzeichnete wiederum Rudel im März 1943. Diese Maschinen wurden aber schon 1944 durch verbesserte Maschinen des Typs Ju 87 G-2 ersetzt.
Das Geschwader mit seinen drei Gruppen nahm ab 5. Juli 1943 am Unternehmen Zitadelle teil. Unter der Luftflotte 4 dem VIII. Fliegerkorps zugeteilt, unterstützte es den südlichen Angriffskeil beim gescheiterten Angriff in Richtung Kursk.[9]
Das Sturzkampfgeschwader 2 wurde am 18. Oktober 1943 in Schlachtgeschwader 2 „Immelmann“ umbenannt und die II.Gruppe erhielt neue JagdbomberFocke-Wulf Fw 190, ab Juni 1944 auch die I.Gruppe.
Anfang 1944 unterstützte die II./SG2 den Rückzug der deutschen Verbände aus Kirowohrad und war stark an den Gefechten auf der Krim beteiligt. Hier flog die II.Gruppe auch viele Jagdeinsätze und verbuchte den Abschuss von 247 sowjetischen Flugzeugen, Leutnant August Lambert allein 70 innerhalb von nur drei Wochen.
Bis zum 8. Mai 1945 unterstützte das Geschwader weiterhin den Rückzug der deutschen Truppen an der Ostfront. Geschwaderkommodore Rudel entschied aber dann, in Richtung Westen zu ziehen, um sich den Amerikanern zu ergeben. Rudel selbst und einige andere Piloten mit drei Ju 87 und vier Fw 190 flogen in Richtung Westen und landeten sicher auf dem von den Amerikanern kontrollierten Flugfeld in Kitzingen. Der Rest des Geschwaders, der in einem Konvoi dorthin unterwegs war, hatte weniger Glück. Er wurde auf dem Weg angegriffen und es gab nur wenige Überlebende.
Georg Tessin:Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Vierzehnter Band, Die Landstreitkräfte: Namensverbände/Die Luftstreitkräfte (Fliegende Verbände)/Flakeinsatz im Reich 1943–1945. Biblio Verlag, Osnabrück 1980, ISBN 3-7648-1111-0.
Henry L. de Zeng, Douglas G. Stankey:Dive-Bomber and Ground-Attack Units of the Luftwaffe 1933–1945. Classic Publications, Hersham, UK 2013, ISBN 978-1-906537-09-8 (englisch).
↑Ziel vernichtet in Zeit online vom 1. September 2009, abgerufen am 8. Juli 2011
↑Hans-Erich Volkmann: Wolfram von Richthofen, die Zerstörung Wieluńs und das Kriegsvölkerrecht. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift. 70 (2011), S. 287–328, insbesondere S. 290 (zur Zahl der Opfer), S. 314 ff. (Wieluń als militärisches Übungsziel) u. S. 326 ff. (Kriegsverbrechen).