Ballen (Stückgut)

Der Ballen (von mittelhochdeutsch balle, althochdeutsch ballo „rundliche Papierrolle, eine gewisse Quantität zusammengerollten oder gepackten Papiers, Tuch und dergleichen“, zu ballen, „zu einem Ball machen“[1]) ist ein Begriff aus der Materialwirtschaft bzw. der Logistik. Er bezeichnet ein Stückgut gleichartigen Materials, welches sich vornehmlich zum erleichterten Transport in einem gepackten oder geschnürten Zustand befindet, wozu das Material häufig zusammengepresst wird. Das Wort Ballen lässt sich in diesem Zusammenhang von dem Wort Ball bzw. Bündel ableiten und ist so auch prinzipiell in einer runden Form vorzufinden.
Begriff
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Der in der Umgangssprache gebräuchlichste Zusammenhang ist aus dem Bereich der Landwirtschaft und bezeichnet den Strohballen. Der Strohballen ist ein kubischer oder zylindrischer Körper bestehend aus gepresstem Stroh und lagert auf dem Felde. Strohballen werden durch Ballenpresse gepresst und können von erheblichem Gewicht sein, sodass sie nicht unmittelbar transportfähig sind. Die Transportfähigkeit wird jedoch durch die runde Form des Strohballens erleichtert. Andere Ballen, welche eine Bündelung von transportfähigen Gütern vorsehen, sind z. B. der Holzballen, der Teppichballen oder der Papierballen. Seit Jahrhunderten wird der Ballen auch als übliche Verpackungs- und Versandform für nach en Verarbeitungsländern zu liefernden textilen Faserrohstoffen genutzt.[2] Maße und Dichte für Baumwollballen sind z. B. in DIN ISO 8115-1:2024-05 geregelt.[3]
Zähl- und Stückmaß
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ballen als Zähl- und Stückmaß[4] war im Handel mit Leder verbreitet und
- 1 Ballen = 20 Stück Rollen = 220 Stück Juchten
oder mit Häuten
- 1 Ballen = 30 Stück Pfundsleder
In der Textilindustrie
- Leinwandhandel 1 Ballen = 12 Stück mit 12–30 Ellen
- Tuchhandel in Breslau 1 Ballen = 10 Stück Tuch mit 32 Ellen
- Wollhandel in England 1 Ballen = 60 Pack (auch 30) zu 4 Pfund
Auch war Ballen ein Handelsgewicht und galt in Brüssel und Antwerpen mit diesen Werten
In Belgien hatte er die Bezeichnung Fargot.
Im türkischen Handel hatte
Ballen war auch ein Maß im Handel mit Glastafeln:[7]
- Einfaches Glas 1 Ballen = 25 Bund zu 6 Tafeln
- Gefärbtes Glas 1 Ballen = 12 ½ Bund zu 3 Tafeln
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- K. Hoffmann, E. Krenn, G. Stanker: Fördertechnik. 7. Auflage. R. Oldenbourg, Wien 2005
- Verein Netzwerk Logistik. Stückgut. Abgerufen am 26. August 2011 von vnl.at
- Kleineres Brockhaus’sches Konversations-Lexikon für den Handgebrauch. Band 1, Brockhaus, F. A. Brockhaus, Leipzig 1854, S. 364.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 47.
- ↑ Hugo Glafey (Hrsg.): Textil-Lexikon – Handwörterbuch der gesamten Textilkunde. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/Berlin 1937, S. 48.
- ↑ Anton Schenek: Lexikon Garne und Zwirne: Eigenschaften und Herstellung textiler Fäden., Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-87150-810-1, S. 45.
- ↑ Wilhelm Hoffmann: Allgemeine Enzyklopädie für Kaufleute, Fabrikanten, Geschäftsleute, oder vollständiges Wörterbuch über den Handel, die Fabriken, Manufakturen, Künste u. Gewerbe. Band 2, Verlag Otto Wigand, Leipzig 1848, S. 50.
- ↑ Johann Friedrich Krüger: Vollständiges Handbuch der Münzen, Maße und Gewichte aller Länder der Erde. Verlag Gottfried Basse, Quedlinburg und Leipzig 1830, S. 13.
- ↑ Walther Hinz: Islamische Masse und Gewichte. E. J. Brill Archive, Leiden/Köln 1970, S. 33.
- ↑ Kleineres Brockhaus’sches Konversations-Lexikon für den Handgebrauch. Band 1, Brockhaus, F.A. Brockhaus, Leipzig 1854, S. 365.