Stilleit kristallisiert im kubischen Kristallsystem, konnte bisher jedoch nur in Form mikroskopisch kleiner Einschlüsse in Linneit entdeckt werden. Das Mineral ist im Allgemeinen undurchsichtig (opak) und nur in dünnsten Schichten durchscheinend[7] mit einem metallischen Glanz auf den Oberflächen. In polierten Dünnschliffen unter dem Auflichtmikroskop erscheint Stilleit grau und ähnelt dabei dem Tetraedrit, allerdings ohne die für dieses Mineral typischen olivbraunen oder grünlich-blauen Farbtöne.
Da der Stilleit bereits vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Stilleit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Stilleit lautet „Slw“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist definiert[5] beziehungsweise nicht dokumentiert.[8]
Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[9]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Stilleit in die Abteilung „Metallsulfide, M:S=1:1 (und ähnliche)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Zink (Zn), Eisen (Fe), Kupfer (Cu), Silber (Ag) usw.“ zu finden ist, wo es zusammen mit Coloradoit, Hawleyit, Metacinnabarit, Rudashevskyit, Sphalerit und Tiemannit die „Sphaleritgruppe“ mit der Systemnummer 2.CB.05a bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Stilleit die System- und Mineralnummer 02.08.02.02. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:1“ in der „Sphaleritgruppe (Isometrisch: F43m)“, in der auch Sphalerit, Metacinnabarit, Tiemannit, Coloradoit, Hawleyit und Rudashevskyit eingeordnet sind.
In einer weiteren Uranerzlagerstätte, der Santa-Brigida-Mine bei Sañogasta im Departamento Chilecito (Provinz La Rioja) in Argentinien fand sich Stilleit ebenfalls vergesellschaftet mit Clausthalit sowie mit Eukairit (auch Selenkupfersilber), Tiemannit (auch Selenquecksilber) und den Kupferseleniden Klockmannit und Umangit.[5]
Stilleit gehört zu den sehr seltenen Mineralbildungen, das nur in wenigen Proben aus bisher weniger als 10 Vorkommen entdeckt wurde (Stand 2024).[10] Seine Typlokalität Shinkolobwe-Mine ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in der Demokratischen Republik Kongo. In Argentinien fand sich das Mineral außer in der Santa-Brigida-Mine bei Sañogasta noch in der Sierra de Cacho nahe Villa Castelli unb im Bergbaubezirk Los Llantenes (alle Provinz La Rioja).
In Deutschland trat Stilleit nur in der Grube Roter Bär bei Sankt Andreasberg in Niedersachsen und im Bergbaurevier Tilkerode im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt zutage.[10]
Des Weiteren konnte Stilleit noch in Mineralproben aus dem Bohrloch M-5-00, die 2007 im Zuge des Stratigraphischen Kernbohrungsprogramms nahe Wellburns Creek in der kanadischen Provinz Manitoba entnommen wurden, sowie in den sogenannten Jordan Areva Resources in der die Lisdan-Siwaga-Störung des Gouvernement Amman in Jordanien gefunden werden.[10]
Paul Ramdohr:Stilleit, ein neues Mineral, natürliches Zinkselenid, von Shinkolobwe. In: Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft. Band1, 1956, S.481–483 (rruff.info[PDF; 273kB; abgerufen am 29.Juli 2024]).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band42, 1957, S.580–586 (englisch, rruff.info[PDF; 644kB; abgerufen am 29.Juli 2024]).
R. W. G. Wyckoff:Crystal Structures 1. 2. Auflage. Interscience Publishers, New York 1963, S.85–237 (englisch).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.77 (englisch).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Stilleite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 46kB; abgerufen am 29.Juli 2024]).
↑Stilleite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 29.Juli 2024(englisch).