Polhemusit ist ein sehr seltenes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung (Zn,Hg)S und damit chemisch gesehen ein Zink-Quecksilber-Sulfid. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals. In der idealisierten Zusammensetzung wird dabei ein Stoffmengenverhältnis von Zn: Hg = 3: 1 angenommen.[6][7]
Polhemusit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und entwickelt bis zu 25μm große Prismen oder Dipyramiden sowie mikroskopisch kleine Körner mit einem harz- bis diamantähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Das Mineral ist nahezu undurchsichtig und nur in dünnen Abschnitten durchscheinend. Die im Allgemeinen schwarzen Kristalle und Körner erscheinen in polierten Bereichen grau mit intensiv roten, inneren Reflexionen.
Das Mineral wurde erstmals in Mineralproben aus der Lagerstätte „B & B“ im Bergbaurevier Big Creek im Valley County des US-Bundesstaates Idaho entdeckt. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Benjamin F. Leonard (1921–2008),[8] George A. Desborough und Cynthia W. Mead, die das Mineral nach dem amerikanischen Geologen Clyde Polhemus Ross benannten.[3] Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1972 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangs-Nr. der IMA: 1972-017), die den Polhemusit noch im selben Jahr anerkannte. Publiziert wurde die Erstbeschreibung 1978 im englischsprachigen Fachmagazin American Mineralogist.[3]
Da der Polhemusit erst 1972 als eigenständiges Mineral anerkannt und dies erst 1978 publiziert wurde, ist er in der zuletzt 1977 aktualisierten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Polhemusit die System- und Mineralnummer 02.08.03.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:1“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 02.08.03.
Neben seiner Typlokalität, der Lagerstätte „B & B“ bei Big Creek in Idaho konnte das Mineral in den USA nur noch in der Getchell Mine am Adam Peak im Bergbaubezirk Potosi in Nevada entdeckt werden.
Weltweit sind derzeit lediglich vier weitere Fundorte dokumentiert (Stand 2025): Die Dongping-Mine (Silber-Quecksilber-Lagerstätte) bei Baojing in der zu China gehörenden Autonomen Bezirk Xiangxi (Hunan), die Agh-Darreh-Mine im iranischen Verwaltungsbezirk Takab (West-Aserbaidschan), die Gold-Lagerstätte „Vorontsovsk“ bei Turinsk in der russischen Oblast Swerdlowsk und der gleichnamige Tiefseegraben nahe der Stadt Whakatāne in der Kermadec-Tonga-Subduktionszone vor der Nordinsel Neuseelands.[11]
Weitere Fundorte wie die Rudges-Mine bei Harford im Latrobe Municipality im australischen Bundesstaat Tasmanien, die „Miniera di Monte Arsiccio“ bei Sant’Anna di Stazzema in der italienischen Provinz Lucca (Toskana) und der Sandsteinbruch „Rabe“ bei Huczwice im Bezirk Lisko (Baligród) in der polnischen Woiwodschaft Karpatenvorland gelten bisher als fraglich bzw. nicht bestätigt.[11]
B. F. Leonard, George A. Desborough, Cynthia W. Mead:Polhemusite, a new Hg-Zn sulfide from Idaho. In: American Mineralogist. Band53, 1978, S.1153–1161 (englisch, minsocam.org[PDF; 991kB; abgerufen am 6.Dezember 2025]).
1234567B. F. Leonard, George A. Desborough, Cynthia W. Mead:Polhemusite, a new Hg-Zn sulfide from Idaho. In: American Mineralogist. Band53, 1978, S.1153–1161 (englisch, minsocam.org[PDF; 991kB; abgerufen am 6.Dezember 2025]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Polhemusite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 47kB; abgerufen am 6.Dezember 2025]).
↑Daniel E. Kile, Karl V. Evans:Memorial of Benjamin F. Leonard III, 1921–2008. In: American Mineralogist. Band94, 2009, S.859–861 (englisch, minsocam.org[PDF; 469kB; abgerufen am 6.Dezember 2025]).