GASAG
| GASAG | |||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft | ||||||||||||||
| Gründung | 1847 | ||||||||||||||
| Sitz | Berlin, Voßstraße 20 | ||||||||||||||
| Leitung |
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| Mitarbeiterzahl | 459 (GASAG AG), 1605 (Konzern); Stand 31. Dezember 2008 | ||||||||||||||
| Umsatz | 925 Millionen Euro (GASAG AG, 2008); 1.178 Millionen Euro (Konzern, 2008) | ||||||||||||||
| Branche | Energieversorgung | ||||||||||||||
| Website | www.gasag.de | ||||||||||||||
| GASAG AG (nach HGB) | 1994 | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Umsatzerlöse in Mio. EUR | 383 | 463 | 499 | 456 | 431 | 411 | 499 | 654 | 611 | 660 | 649 | 731 | 965 | 787 | 925 |
| Gasabsatz in TWh | 10,9 | 12,8 | 15,7 | 14,5 | 14,3 | 14,8 | 15,0 | 17,0 | 17,8 | 17,9 | 18,2 | 17,8 | 17,5 | 15,9 | 16,1 |
| Jahresüberschuss in Mio. EUR | −69 | −54 | −22 | −50 | −46 | −45 | 27 | 55 | 57 | 60 | 54 | 50 | 49 | 49 | 34 |
| Bilanzsumme in Mio. EUR | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. | 874 | 915 | 907 | 902 | 922 | 983 | 1.075 | 1.631 |
| Eigenkapital in Mio. EUR | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. | 471 | 513 | 516 | 513 | 509 | 505 | 504 | 490 |
| Eigenkapitalquote in Prozent | 42 | k.A. | k.A. | k.A. | 35 | k.A. | k.A. | 54 | 56 | 57 | 57 | 55 | 51 | 47 | 30 |
| Cashflow lfd. Tätigkeit in Mio. EUR | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. | 47 | 65 | 72 | 62 | 46 | 106 | −0,1 | 58 |
Die GASAG hatte nach der Verschmelzung von Alt-GASAG und BEAG eine Reihe von strukturellen Problemen: Die alte GASAG wurde jahrzehntelang als kommunaler Betrieb geführt und erheblich subventioniert. Auf Grund der Insellage Berlins musste die seit den 1960er-Jahren steigende Heizgasnachfrage durch eine eigene, teure Gasproduktion gedeckt werden. Die Kosten wurden aus politischen Gründen nicht an den Verbraucher weitergegeben. Zudem entstanden dem Eigenbetrieb wegen des Speicherbaus in den 1980er-Jahren Finanzverbindlichkeiten, die auf die GASAG übertragen wurden. Zu diesen westlichen Altlasten kam der teilweise sehr schlechte technische Zustand des Gasnetzes im Ostteil der Stadt, der entsprechend hohe Aufwände für die Sanierung und Leckstellenbeseitigung nach sich zog. Im Kern war das Unternehmen auf Grund der Größe und der jahrzehntelang geprägten Mentalität schwerfällig bis unbeweglich.
| GASAG-Konzern (nach IFRS) | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatzerlöse in Mio. EUR | 910 | 1.035 | 1.181 | 1.004 | 1.178 |
| Gasabsatz in TWh | 26,1 | 25,5 | 24,8 | 22,5 | 21,8 |
| Jahresüberschuss in Mio. EUR | 54 | 50 | 49 | 49 | 34 |
| Bilanzsumme in Mio. EUR | 2.893 | 2.873 | 2.451 | 2.466 | 2.391 |
| Eigenkapital in Mio. EUR | 625 | 624 | 647 | 678 | 702 |
| Eigenkapitalquote in Prozent | 22 | 22 | 26 | 27 | 29 |
| Cashflow lfd. Tätigkeit in Mio. EUR | 144 | 106 | 224 | 96 | 145 |
Das Unternehmen wies bis 1999 jährlich hohe Jahresfehlbeträge aus. Die hohen Aufwendungen für die Sanierung des Niederdrucknetzes, die beschleunigte Erdgasumstellung im westlichen Versorgungsgebiet und die Bildung von Rückstellungen für den Rückbau von Stadtgaserzeugungsanlagen führten 1994 zu einem Jahresfehlbetrag von 134,7 Mio. DM. Obwohl im Jahr 1995 erheblich mehr Gas verkauft wurde, lag der Fehlbetrag bei 105,9 Mio. DM. Der hohe Fremdkapitalbedarf und die hohen Bankverbindlichkeiten führten 1996 zu einem negativen Zinsergebnis von knapp 90 Mio. DM. Die Darlehenslast war so hoch, dass für die weitere Entwicklung des Unternehmens wenig Spielraum blieb. Um den stetig wachsenden Schuldenberg teilweise abtragen zu können, setzte die GASAG den Erdgasspeicher in einem Sale-Lease-Back-Geschäft ein. Dabei floss dem Unternehmen Liquidität zu, ohne auf den Speicher verzichten zu müssen. Die Bankschulden konnten um 439 auf 856 Millionen Mark gesenkt werden. Trotzdem belastete weiterhin der hohe Fremdkapitalanteil zur Finanzierung der Investitionen den Zinsaufwand.[23]
Die Eigenkapitalquote sank von 52 % im Jahr 1992 bis auf 35 % im Jahr 1998. Zerwürfnisse innerhalb des Vorstands und zwischen Aufsichtsrat und Vorstand führten 1998 zu einem Umbau des Vorstands.[24] Vor dem Hintergrund einer extrem angespannten wirtschaftlichen Situation und einer drohenden Insolvenz kam es 1999 zu einem tiefgreifenden Sanierungsprogramm und dem Beginn einer grundlegenden Veränderung der Konzernstruktur.

GASAG und BEAG hatten im Jahr 1991 zusammen 4.216 Mitarbeiter und zum Zeitpunkt der Fusion noch knapp 3.800 Mitarbeiter. Die Zahl sank durch Vorruhestandsregelungen bis 1998 auf 2.450 ab. Durch die Umsetzung der 1999 am „Runden Tisch“ zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern getroffenen Entscheidungen und den Umbau der GASAG konnten die Kosten deutlich reduziert werden. Ein weiterer, wesentlicher Schritt der wirtschaftlichen Gesundung war ein Ende 2000 durchgeführtes Sale-and-lease-back-Geschäft, bei dem das Gasnetz veräußert und anschließend wieder zurückgemietet wurde. Erstmalig im Jahr 2000 konnte GASAG einen Jahresüberschuss ausweisen und in 2001 Dividenden an die Anteilseigner ausschütten. Aus dem ehemaligen Eigenbetrieb des Landes und Gaserzeuger hatte sich ein zunehmend agiler Erdgasendverteiler entwickelt, der über seine Tochtergesellschaften Dienstleistungen anbot und in neue Geschäftsfelder investierte.[25]
In den Jahren 2003 und 2004 war die Unternehmensentwicklung weiter stabil. Der Gasabsatz und der Anteil am Wärmemarkt wurde sukzessive gesteigert. Das Jahresergebnis 2005 und teilweise auch 2004 wurde durch den Erdgasspeicherunfall erheblich belastet. Im Zuge des intensiveren Gas-zu-Gas-Wettbewerbs hat GASAG in der Zeit von 2006 bis 2009 ca. 13 Prozent des Heizgasmarktes an Wettbewerber verloren. Gleichzeitig wurden auf dem externen Markt in Kiel, Lübeck und Nordrhein-Westfalen neue Kunden gewonnen. Im Zuge des Strategieprogramms GASAG 2015 bleibt das Kerngeschäft der Vertrieb von Gas und Wärme. Der Dienstleistungsbereich wie zum Beispiel Kundenservice und Abrechnung oder die Beratung und der Bau von Energieanlagen sollen ausgeweitet werden. Die Tochterunternehmen agieren in den entsprechenden Wettbewerbsmärkten weitgehend selbstständig.
Konzernstruktur
Tochtergesellschaften
Durch die Gründung von Tochtergesellschaften sowie durch den Erwerb von Beteiligungen reagierte die GASAG auf den zunehmenden Wettbewerb im Energiemarkt. Zu den Konzerntöchtern gehören:[26][27]
| Logo | Gesellschaft | Produkte | Kapital- anteil |
Umsatz 2008 (Mio. Euro) |
Mitarbeiter (31. Dez. 2008) |
|---|---|---|---|---|---|
| BAS Abrechnungsservice GmbH & Co. KG, Berlin | Kundenservice- und Abrechnungsdienstleistungen | 100 % | 25,3 | 355 | |
| Datei:Begatec-Logo.jpg | BEGA.tec GmbH, Berlin | Wartung und Instandsetzung energietechnischer Anlagen; Zählermanagement | 100 % | k.A. | 225 |
| Datei:Dse-direkt-vertrieb-logo.jpg | DSE Direkt-Service Energie GmbH, Berlin | Verkauf von Produkten und Dienstleistungen der Energiewirtschaft und Haustechnik | 100 % | k.A. | 32 |
| Datei:EMB-Erdgas-Mark-Brandenburg-Logo.JPG | EMB Erdgas Mark Brandenburg GmbH, Potsdam | Vertrieb und Handel mit Energie | 75,09 % | 343 | 52 |
| GASAG WärmeService GmbH (GWS), Berlin | Planung, Errichtung und Betrieb von Energie- und Wärmeversorgungsanlagen | 100 % | k.A. | 16 | |
| Datei:NBB-Netzgesellschaft-Logo.jpg | NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg GmbH & Co. KG, Berlin | Betrieb Netze, Dienstleistungen | 83,5 % | 278,3 | 286 |
| NGT Contracting GmbH, Essen | Energie-Contracting | 100 % | k.A. | 10 | |
| Datei:NGT-Service-Logo.jpg | NGT Service GmbH, Erfurt | Anpassung Gasgeräten, Hausanschluss- und Zählerservice | 100 % | k.A. | 107 |
| Datei:Spreegas-Logo.jpg | SpreeGas Gesellschaft für Gasversorgung und Energiedienstleistung mbH, Cottbus | Erdgasversorgung, Energiedienstleistung | 41,5 % | 120,1 | 83 |
| Stadtwerke Forst GmbH, Forst (Lausitz) | Versorgung mit Strom, Gas, Wasser und Fernwärme | 74,9 % | k.A. | 63 | |
| Datei:Umetriq-Logo.jpg | UMETRIQ Entwicklungs-GmbH & Co. KG, Berlin | Entwicklung einer innovativen Messsystemtechnologie | 100 % | k.A. | 0 |
Anteilseigner
| Anteil | Anteilseigner |
|---|---|
| 36,85 % | Thüga Aktiengesellschaft, München |
| 31,575 % | Gaz de France International S.A.S, Paris |
| 31,575 % | Vattenfall Europe AG, Berlin |
Die Anteilseigner der seit 1998 vollständig privatisierten GASAG sind die zum E.ON-Konzern gehörende Thüga Aktiengesellschaft, die zum international tätigen Energieversorgungskonzern GDF Suez SA gehörende Gaz de France sowie die Tochtergesellschaft Vattenfall Europe des schwedischen Staatskonzerns Vattenfall.
Die E.ON kündigte am 12. August 2009 an, ihre Tochter Thüga an eine Gruppe um die Mainova aus Frankfurt am Main, die N-ERGIE aus Nürnberg, die Stadtwerke Hannover und das KOM9 Konsortium aus 46 kommunalen Versorgern zu verkaufen.[28] Der GASAG-Anteil der Thüga ist von diesem Verkauf nicht betroffen. E.ON parkt den Anteil bei der E.ON Ruhrgas und will ihn später separat verkaufen.[29]
Vattenfall will seine Kraft auf das Kerngeschäft Stromerzeugung und –vertrieb unter der Marke Vattenfall konzentrieren. In diesem Zusammenhang plant das Unternehmen wie E.ON den Verkauf ihres GASAG-Anteils.[30]
Unternehmensführung
Der Vorstand der GASAG besteht aus zwei Mitgliedern. Olaf Czernomoriez, seit 1993 im Unternehmen und seit 2003 Mitglied des Vorstands, ist zuständig für die Bereiche Kaufmännisches (Finanzen, Controlling, Unternehmensentwicklung, Einkauf), Recht und Stab IV-Konzernstrategie. Andreas Prohl, seit 1999 im Unternehmen und seit 2002 Mitglied des Vorstands, ist zuständig für die Bereiche Vertrieb, Technik, Personal, Speicher und Stab Konzernkommunikation.
Der Aufsichtsrat besteht neben dem Vorsitzenden Karl Kauermann aus 17 Mitgliedern:[31]
- als Vertreter der Anteilseigner: drei Vertreter für Gaz de France, drei Vertreter für Vattenfall Europe, drei Vertreter für Thüga
- als Vertreter der Arbeitnehmer: Stellvertretender Vorsitzende Andreas Otte, sechs Angestellte des Konzerns, ein unternehmensunabhängiger Vertreter der Gewerkschaft
Engagement im Bereich Umwelt
Das Land Berlin und die GASAG haben im Mai 2006 einen fünfjährigen Kooperationsvertrag „Klimaschutz und Luftreinhaltung“ geschlossen, in dem sich GASAG verpflichtet den jährlichen CO2-Ausstoß um 52.000 Tonnen zu reduzieren.[32] Über den Kooperationsvertrag hinausgehend, setzt sich die GASAG mit dem Ende 2007 aufgesetzten Programm „Berlin verpflichtet“ für die Anwendung bewährter und innovativer Erdgastechnologien in Gebäuden und im Verkehr ein. Bis 2015 will GASAG den jährlichen CO2-Ausstoß um über eine Million Tonnen senken.[33] GASAG unterstützt damit das Ziel des Senats, bis 2020 die CO2-Emissionen in Berlin gegenüber dem Stand von 1990 um 40 Prozent zu vermindern. Die Hauptstadt produziert jährlich rund 25 Millionen Tonnen CO2.
GASAG ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch (ASUE), ein Interessenverband zur Verbreitung und Weiterentwicklung von umweltschonenden Erdgas-Anwendungen.
Dezentrale Energieversorgung
Die GASAG fördert den Ausbau dezentraler Blockheizkraftwerke, die sich in verschiedene Größenklassen unterscheiden lassen. Im oberen Leistungssegment werden Blockheizkraftwerke etwa für die Versorgung von Siedlungen und Großverbrauchern eingesetzt. Die Gesellschaft GASAG Wärmeservice bietet der Wohnungswirtschaft sowie Industrie- und Gewerbebekunden dazu Contracting-Modelle an.
Im mittleren Segment fördert GASAG seit 2004 die Einführung von Mini-Blockheizkraftwerke (Mini-Kraft-Wärme-Kopplung).[34] Dies sind Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK-Anlagen) mit einer Anschussleistung von 0 bis 50 kWel. Im Gegensatz zu thermischen Wärmekraftwerken, die nur auf Stromproduktion ausgelegt sind, wird bei KWK-Anlagen durch die gleichzeitige Abgabe von Strom und Wärme ein sehr viel höherer Nutzungsgrad erreicht. Durch KWK kann somit Brennstoff eingespart werden.
Im unteren Leistungssegment, den Mikro-KWK-Anlagen, liefern „stromerzeugende Heizungen“ in Ein- und Zweifamilienhäuser sowie im Kleingewerbe Strom und Wärme. Mit dem so genannten „WhisperGen“ ging im Juli 2006 die erste für ein Einfamilienhaus entwickelte Mikro-KWK-Anlage Berlins in Betrieb. Mit Stand August 2009 haben 32 Geräte in einem Feldtest ihre Alltagstauglichkeit bewiesen. Die WhisperGen-Serienproduktion beginnt in der zweiten Jahreshälfte 2009 in Spanien. GASAG will als deutscher Vertriebspartner die Anlagen in Deutschland in hoher Stückzahl vertreiben.[35]
Regenerative Energien
Die GASAG-Gruppe hat eine erste Biogasanlage in Rathenow errichtet. Die neun Millionen Euro teure Anlage wird ab dem dritten Quartal 2009 pro Jahr ca. 44 Millionen kWh Biomethan in das Erdgasnetz und ca. 2.315 MWh Elektroenergie aus dem Blockheizkraftwerk in das öffentliche Stromnetz einspeisen. Die Anlage in Rathenow soll auf Basis nachwachsender Rohstoffe wie Mais und Roggen arbeiten, die künftig von Landwirten speziell für die Produktion von Biomethan angebaut werden. Die Leistung der Anlage reicht zur Versorgung von etwa 250 Einfamilienhäusern und trägt zu einer CO2-Emissionsminderung von 20.000 Tonnen pro Jahr bei. Weitere sieben Biogasanlagen sind in Planung. Die nächste Inbetriebnahme einer weiteren Anlage ist im Jahr 2010/2011 vorgesehen.[36]
Die GASAG fördert seit 2007 im Rahmen der Solarthermie-Kampagne „Erdgas+Solar XXL“ die Installation großer Solarkollektoranlagen (über 20 Quadratmeter Kollektorfläche) an gasversorgten Bestandsgebäuden oder Neubauten.[37]
Innovative Technologien
GASAG fördert die Umrüstung und den Neukauf von Erdgasfahrzeugen. Der Einsatz von Erdgas als Kraftstoff hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich entwickelt. Ende 2008 fuhren in Berlin ca. 2.850 gegenüber 732 Erdgasfahrzeugen Ende 2003. Der Absatz stieg von 20 Mio. kWh im Jahr 2003 auf 70,5 Mio. kWh Erdgas in 2008, davon 59,5 Mio. kWh an 14 öffentlichen Gastankstellen.[36] Mit rund 200 erdgasbetriebenen Fahrzeugen betreibt GASAG die größte Flotte in Berlin. Seit 2006 fahren fünf Erdgasbusse der BVG im regulären Liniendienst, die an einer betriebseigenen Tankstelle betankt werden. Die BSR hat seit 2002 50 gasbetriebene Müllwagen im Einsatz.
Die GASAG mischt ab Herbst 2009 an ihren Erdgastankstellen dem Kraftstoff pro Jahr rund 23 Mio. kWh Biogas bei. Das entspricht rund einem Drittel des Absatzes von über 70 Mio. kWh. Durch die Beimischung erfüllt GASAG vorfristig die Anforderungen aus der Selbstverpflichtung der deutschen Gaswirtschaft, ab dem Jahr 2020 dem Kraftstoff Erdgas bis zu 20 Prozent Biogas beizumischen.
Die mit Erdgas betriebene Wärmepumpe ist eine weitere CO2-reduzierende Technologie. In einem zweijährigen, bundesweiten Feldtest bis 2008 wurden mit insgesamt 22 Gaswärmepumpen Erfahrungen im Praxisbetrieb gesammelt. Die GASAG erprobte in Berlin acht Geräte, die im Vergleich zur Brennwerttechnik eine Energieeinsparung um rund 20 Prozent ergaben. Die Erkenntnisse fließen in die Entwicklung einer nächsten Gerätegeneration ein, die im Herbst 2009 der GASAG für weitere Tests zur Verfügung stehen soll.[38]
Berliner Einrichtungen mit Bezug zur GASAG
Erdgasspeicher
Die GASAG verfügt in der Glockenturmstrasse im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf über einen Untergrundspeicher, der für rund 1,1 Milliarden m³ Erdgas zugelassen ist. Der Aquiferspeicher befindet sich etwa 800 Meter tief unter einem Gebiet, das westlich des Berliner Olympiastadions beginnt und sich bis in den Grunewald und die anliegenden Gewässer erstreckt.[39]
Der Speicher wurde auf Verlangen der westlichen Alliierten gebaut, bevor West-Berlin, das bis dato sein Gas auf dem Stadtgebiet selbst herstellte, russisches Erdgas über Ferngasleitungen beziehen durfte. Der Speicher war für den Verbrauch West-Berlins eines Jahres bemessen und wurde ab September 1992 genutzt. Heute dient der Speicher, zu dem Bohrungen aus vier unterschiedlichen Standorten niedergebracht sind, zur Abdeckung des saisonalen Bedarfs. Sein Volumen sichert etwa ein Fünftel des heutigen jährlichen Gasverbrauchs in Berlin. Zur Erweiterung des Speichers auf seine zulässige Gesamtkapazität werden bis Anfang November 2009 zwei Tiefbohrungen durchgeführt.[40]

Gaslaternen-Freilichtmuseum
→ Hauptartikel: Gaslaternen-Freilichtmuseum Berlin
1978 wurde von der Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr in Zusammenarbeit mit der GASAG das Gaslaternen-Freilichtmuseum eröffnet. Die Ausstellung befindet sich in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofs Tiergarten und ist mit 90 historischen Exponate aus 25 deutschen und 11 weiteren europäischen Städten die größte seiner Art in Europa.
Abbau der Berliner Gasbeleuchtung

Der vorher von der GASAG durchgeführte Betrieb, Wartung und Reparatur der Gasleuchten wurde im Januar 2001 privatisiert und auf die Firma AT.Lux übertragen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung plant den Großteil der wesentlich im Westteil der Stadt stehenden ca. 44.000 Gaslaternen[41] durch elektrische Leuchten zu ersetzen. Grund dafür sind geplante Einsparungen in Millionenhöhe bei Verbrauch und Wartung. Erhalten bleiben sollen die sogenannten „Schinkelleuchten“, von denen ca. 5.600 überwiegend in touristischen Bereichen stehen. In einem ersten Schritt sollen bis 2013 mit einem Aufwand von 25 Mio. Euro ca. 8.400 Peitschenlampen ausgetauscht werden. In einem zweiten Schritt ab 2014 ist der Abbau von weiteren 30.000 Gasleuchten geplant.[42] Eine Initiative zum Erhalt der Gasleuchten hat sich am 1. März 2009 gegründet.[43]

Das Shell-Haus
→ Hauptartikel: Shell-Haus
Die vorher an sechs Standorten über Berlin verteilten Abteilungen der GASAG zogen im April 2000 in die neue Hauptverwaltung im Shell-Haus. Das Shell-Haus ist ein unter Denkmalschutz stehendes Bauwerk am Reichpietschufer. Es entstand von 1930 bis 1932 nach einem Entwurf des Architekten Emil Fahrenkamp. Der fünf- bis zehngeschossige Bau ist eines der ersten Stahlskelett-Hochhäuser Berlins und gilt als eines der bedeutendsten Bürohäuser der Weimarer Republik.
GASAG wird 2010 aus dem Shell-Haus ausziehen. Sie lässt am Hackeschen Markt das Hackesche Quartier bauen. Größter Mieter mit insgesamt 8.500 m² wird die GASAG AG mit verschiedenen Tochtergesellschaften und dem Kundenzentrum. Die Tochtergesellschaft NBB hat zusätzlich 5.000 m² gemietet.[44]
Gasometer Schöneberg
→ Hauptartikel: Gasometer Schöneberg
Der Gasometer Schöneberg ist die Bezeichnung für einen bis Januar 1995 genutzten, denkmalgeschützten Niedrigdruckgasbehälter im Ortsteil Schöneberg. Auf dem von GASAG 2007 verkauften Gelände soll das „Europäische Energie Forum“ (EUREF) entstehen, eine interdisziplinäre Plattform rund um das Thema Energie. Kernstück des Vorhabens ist die Errichtung einer privaten Energieuniversität.[45][46]
Öffentliche Wahrnehmungen
Positive Wahrnehmungen
Als traditionsreiches Unternehmen Berlins sieht sich GASAG in einer gesellschaftlichen Verantwortung und fördert Kultur, Sport, Soziales und Natur in der Hauptstadt. Die GASAG hat sich 1997 für Kultursponsoring[47] entschieden, um Zielgruppen, die mit der klassischen Werbung nicht erreichbar sind, anzusprechen und den Imagetransfer zu nutzen. Schwerpunkt ist der Nachwuchsbereich in der bildenden und darstellenden Kunst. Eine Studie der Fachhochschule Potsdam stellte fest, dass „die GASAG ihre Ziele mit dem Kultursponsoring weitgehend erreicht. Insbesondere die Stiftung und Verleihung von Preisen sind ein hervorragendes Instrument im Bereich der Kundenpflege. Für die Mitarbeiterkommunikation sind die eingesetzten Instrumente jedoch nur bedingt geeignet.“[48]
Der GASAG-Kunstpreis wurde mit der Universität der Künste Berlin entwickelt und war von 1998 bis 2001 ein Preis zur Förderung von Meisterschülern. Nach einer fünfjährigen Zusammenarbeit mit der Universität wurde die Kooperation Ende 2001 beendet. Mit dem neuen Partner Kunstfabrik am Flutgraben e. V. wird der Kunstpreis seit 2002 jährlich als Nachwuchsförderpreis verliehen.[49]
Unter dem Titel „Kunst im Bau“ werden im Shell-Haus seit 2002 die Flure, Treppenhäuser und Verkehrsflächen auf insgesamt sechs Etagen künstlerisch gestaltet. Auf diese Weise ist eine Sammlung mit aktuellen Werken zeitgenössischer Kunst entstanden.[50]

Die Neuköllner Oper führt alle zwei Jahre den von der GASAG gestifteten Kompositionswettbewerb Berliner Opernpreis durch. Der Opernpreis würdigt junge Komponisten für überzeugende kompositorische und musiktheatralische Gestaltungen. Gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendtheater GRIPS vergibt GASAG jährlich in einem Nachwuchs-Autorenwettbewerb für das zeitgenössische Kindertheater den Berliner Kindertheaterpreis.[51] Für das 2003 initiierte Sozialsponsoringprojekt ACADEMY, eine Bühnenkunstschule für Berliner Jugendliche, erhielt die GASAG im Jahr 2007 den Deutschen Kulturförderpreis.[52]
GASAG ist seit 1995 Hauptsponsor des Eishockey-Clubs Eisbären Berlin im Profi- und Juniorenbereich. Die Eisbären gewannen in den Jahren 2005, 2006, 2008 und 2009 den Meistertitel in der Deutschen Eishockey Liga. Das Team spielt in der im September 2008 eröffneten Multifunktionsarena O2 World, bei der GASAG Gründungspartner und Energielieferant ist.
Darüber hinaus fördert GASAG seit Beginn des Jahres 2009 das Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin am Teufelssee im Grunewald. GASAG erhielt 2008 den Deutschen Multimedia Award für den kreativen Internet-Auftritt GASAG-City[53] und wurde in 2008 und 2009 vom TÜV Süd für hervorragende Servicequalität zertifiziert.[54]
Negative Wahrnehmungen
Gasunglücke sind in der Geschichte der Gasversorgung Berlins selten, führen aber in der öffentlichen Diskussion zu erheblichen Verunsicherungen. Ein Großteil der Gasexplosionen entstand durch bewusste Manipulationen an Gasversorgungseinrichtungen. Am 8. Dezember 1995 entfernte ein betrunkener Wohnungsinhaber den Verschluss zu einer Gasleitung. Es kam in der Glienicker Straße in Köpenick zur Explosion und sieben Verletzten.[55] Das schwerste Gasunglück in der Nachkriegsgeschichte Berlins ereignete sich im August 1998 in Steglitz. Bei der Explosion eines Mietshauses kamen sieben Menschen ums Leben. Tatverdächtigt war ein 13-jähriger Junge, dem seine Schuld nie zweifelsfrei bewiesen werden konnte.[56] Die Staatsanwaltschaft ermittelte im August 2000 gegen Unbekannt wegen versuchten Mordes. Die Gasleitung im Keller eines Hauses in Charlottenburg wurde manipuliert und neun Menschen zum Teil schwer verletzt.[57] Ein Selbstmörder manipulierte im Januar 2005 eine Gasleitung in einem Haus in Oberschöneweide. Die Explosion zerstörte das viergeschossige Haus und führte zu zwei Verletzten.[58]
Bei Reinigungs- und Wartungsarbeiten kam es am 23. April 2004 auf dem Sondenplatz des GASAG-Erdgasspeichers zu einer Explosion mit Folgebrand. Drei Personen erlitten schwere Verletzungen.[59] Nach einem von der Berliner Staatsanwaltschaft beauftragten Gutachten wurde die Explosion durch den Einsatz von Wasserstoffperoxid zur Reinigung an einem in 900 Meter Tiefe gelegenen verstopften Filter ausgelöst. Aus dem Wasserstoffperoxid hat sich im Bohrloch Sauerstoff abgespalten, der sich mit dem Erdgas zu einem zündfähigen Gemisch vereinigte. [60] Rund zweieinhalb Jahre nach der Explosion hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Geldauflagen abgeschlossen. Den Verantwortlichen sei zwar vorzuwerfen, dass sie die Gefahr einer Explosion falsch eingeschätzt hätten. Sie hätten sich aber ernsthaft bemüht, das Gefahrenpotenzial zutreffend zu bewerten und Unfälle zu vermeiden.[61] Der Speicherbetrieb wurde wieder aufgenommen, weil die Explosionsursache auf einen technischen Fehler hinweist, nicht aber die Sicherheit des Speichers in Frage stellt.
GASAG ist auf Grund von zwei Preiserhöhungen im Jahr 2006 stark in die Kritik geraten. Nach GASAG-Angaben gingen 41.000 Beschwerdebriefe ein. Fast alle diese Kunden erklärten, ihre Rechnung nur unter Vorbehalt zu zahlen. 3.000 Kunden kürzten ihren Rechnungsbetrag.[62] Die Verbraucherzentrale Berlin strengte wegen unbilliger Preiserhöhungen eine Sammelklage beim Berliner Landgericht an. Das Landgericht hat im Juni 2006 entschieden, dass die GASAG-Preiserhöhung zum 1. Oktober 2005 unrechtmäßig und damit unwirksam war.[63] Dieses Urteil wurde vom Kammergericht am 28. Oktober 2008 bestätigt. Im Revisionsverfahren hat der Bundesgerichtshof (BGH) noch kein Urteil gefällt.
In einem anderen Fall entschied der BHG am 15. Juli 2009 über die Gültigkeit einer Preisanpassungsklausel, die die GASAG von Mai 2005 bis Ende 2006 in fast allen Verträgen mit ihren Heizgaskunden verwendet hat. In dieser Zeit erhöhte die GASAG zwei Mal die Gaspreise. Der BGH vermisste in der Formulierung die ausdrückliche Pflicht, den Preis gegebenenfalls auch nach unten zu korrigieren und erklärte die Klausel für unwirksam.[64] Kunden, die nur unter Vorbehalt die erhöhten Preise gezahlt hätten, können nach Meinung der Berliner Verbraucherzentrale eine Erstattung der zu viel gezahlten Gaspreise verlangen. Die Verbraucherzentrale erwartet von der GASAG darüber hinaus, dass die Rückzahlung für alle Kunden gilt. Die GASAG entgegnet, dass Rückforderungsansprüche seitens der Kunden nicht bestehen. Der BHG habe keine Entscheidung getroffen, ob dem klagenden Einzelkunden Rückforderungsansprüche zustehen und ob sein Gaspreis angemessen war. Die Angemessenheit der Preiserhöhungen sei allerdings in einer Vielzahl von Gerichtsverfahren vor Berliner Gerichten bestätigt worden. Die GASAG habe Preiserhöhungen immer nur in dem Umfang vorgenommen, in dem die Vorlieferanten ihr gegenüber den Gaspreis erhöht hätten. Dies sei für jede Erhöhung von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer begutachtet worden. Hätte die GASAG eine vom BGH unbeanstandete Preisanpassungsklausel verwandt, hätten ihre Kunden zu keiner Zeit einen anderen Preis bezahlt.[65]
Das Bundeskartellamt hat ein in 2008 durchgeführtes Preismissbrauchsverfahren gegen GASAG in Bezug auf das Jahr 2007 eingestellt, da ein Preismissbrauch für diesen Zeitraum nicht festgestellt werden konnte. Die GASAG hat laut Bundeskartellamt in beträchtlichem Umfang eigene gestiegene Gasbezugskosten nicht an die Endkunden weitergegeben. Die Ermittlungen in Bezug auf das Jahr 2008 wurden aufgrund der Besonderheiten des Berliner Gasmarktes sowie der von GASAG angebotenen wettbewerbsfördernden Maßnahmen und der Zusage, eine Preissenkung bereits auf den 1. Februar 2009 vorzuziehen, ebenfalls eingestellt.
Literatur
- Hilmar Bärthel: Die Geschichte der Gasversorgung in Berlin. GASAG (Hrsg.), Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1997, ISBN 978-3875846300
- GASAG: Berlin verpflichtet: Dezentrale Energieversorgung als Chance. Berlin 2007 (PDF; 478 kB)
- GASAG: Geschäftsbericht 2008, ISSN 1439-6114, (PDF 3,2 MB)
- Brigitte Jacob: Emil Fahrenkamp: Bauten und Projekte für Berlin. Jovis Verlag, Berlin, ISBN 978-3939633310
- Landesarchiv Berlin: Öffentliches Findbuch für das Jahr 2006, B Rep. 155, Berliner Gaswerke (GASAG). Landesarchiv, Berlin 2006 (PDF; 676 kB)
- Ulrike Schuster: Chronik der Berliner Gaswerke Aktiengesellschaft 1994-2005. GASAG (Hrsg.), Trurnit & Partner Verlag, Berlin 2006, ISBN 978-3980698672
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Bärthel, S. 16ff.
- ↑ Bärthel, S. 24ff.
- ↑ Bärthel, S. 78
- ↑ Bärthel, S. 79
- ↑ Bärthel, S. 80/81
- ↑ Bärthel, S. 81–89
- ↑ Bärthel, S. 90–96
- ↑ Bärthel, S. 97–106
- ↑ Bärthel, S. 107–109
- ↑ Bernhard Bremberger: Forschung zur Zwangsarbeit in Deutschland
- ↑ Klaus Neitmann (Hrsg.): Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands. Ab Band 45. Zeitschrift für vergleichende und preussische Landesgeschichte: Band 53; ISBN 978-3598232022, Verlag K G Saur, S. 227/279
- ↑ Berliner Zeitung: BSR, BVG und Bewag zahlen NS-Entschädigung, 19. Dezember 2000
- ↑ Bärthel, S. 136–151
- ↑ Landesarchiv: Findbuch S. 5
- ↑ Bärthel, S. 161–163
- ↑ Schuster: S. 17/18 und 75–78
- ↑ Berliner Zeitung: Gasag-Vorstand plant den Abbau von mehr als 1000 Arbeitsplätzen, 23. März 1999
- ↑ Welt: Gasag gliedert ihren Abrechnungs-Service aus, 1. Juli 1999
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- ↑ Berliner Zeitung: 45-Jähriger wollte sterben: Er sprengte ein Haus in die Luft, 25. Januar 2005
- ↑ Berliner Morgenpost: Gasag will Speicher weiter betreiben, 27. April 2004
- ↑ Berliner Zeitung: Explosion durch falsche Chemikalie, 3. August 2004
- ↑ Welt: Nach der Gasspeicher-Explosion in Spandau: Kein Prozess, 14. November 2006
- ↑ Tagesspiegel: Gasag wächst bis nach Sachsen, 26. April 2006
- ↑ Landgericht Berlin, Gesch.-Nr.: 34 O 611/05, 19. Juni 2006 (PDF 448 kB)
- ↑ Bundesgerichtshof: Unwirksame Preisanpassungsklausel in Gasversorgungssondervertrag, 15. Juli 2009
- ↑ GASAG: GASAG sieht keinen Raum für Rückforderungen, 15. Juli 2009
Koordinaten: 52° 30′ 38,4″ N, 13° 22′ 38,5″ O








