Sincosit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und entwickelt durchsichtige bis durchscheinende Kristalle mit einem dünntafeligen, quadratischen bis rechteckigen Habitus. Die Oberflächen der hell- bis olivgrünen oder bläulich- bis bräunlichgrünen Kristalle zeigen in frischem Zustand einen glasähnlichen Glanz, der bei teilweisem Wasserverlust in einen schwach metallischen Glanz übergeht. Auch die Strichfarbe des Minerals ist grün.
Mit einer Mohshärte von 1 bis 2 gehört Sincosit zu den weichen Mineralen, die sich ähnlich wie die Referenzminerale Talk (Härte 1) und Gips (Härte 2) mit dem Fingernagel ritzen lassen.
Da der Sincosit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Sincosit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Sincosit lautet „Scs“.[1]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[9]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Sincosit dagegen wie die veraltete 8. Auflage in die Abteilung der „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Ausschließlich mit großen Kationen“ zu finden ist, wo es ebenfalls zusammen mit Bariosincosit die nach ihm benannte „Sincositgruppe“ mit der System-Nr. 8.CJ.65 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Sincosit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“ ein. Hier ist er zusammen mit Bariosincosit und Phosphovanadylit in der „Sincositgruppe“ mit der System-Nr. 42.11.19 innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)4(XO4)3Zq × x(H2O)“ zu finden.
In der (theoretisch) idealen, stoffreinen Verbindung von Sincosit (Ca(VO)2(PO4)2(H2O)3·H2O) besteht das Mineral im Verhältnis aus je einem Teil Calcium (Ca), zwei Teilen Vanadium (V) und Phosphor (P), 14 Teilen Sauerstoff (O) und acht Teilen Wasserstoff (H). Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 9,19Gew.-%Ca, 23,37Gew.-%V, 14,21Gew.-%P, 51,38Gew.-%O und 1,85Gew.-%H[10] oder in der Oxidform 12,35Gew.-%Calciumoxid (CaO), 36,54Gew.-%V2O4, 31,27Gew.-%Phosphorpentoxid (P2O5) und 19,84Gew.-%H2O.[6]
Die Analyse der natürlichen Mineralbildung am Typmaterial aus Sincos in Peru ergab eine nur gering abweichende Zusammensetzung von 12.1Gew.-%CaO, 36,3Gew.-%V2O4, 31,7Gew.-%P2O5 und 19,9Gew.-%H2O. Noch näher an der idealisierten Zusammensetzung waren die untersuchten Proben aus den Black Hills in South Dakota mit 12,51Gew.-%CaO, 36,44Gew.-%V2O4, 31,37Gew.-%P2O5 und einem berechneten Restanteil Wasser von [19,68]Gew.-%.[6]
Den 1985 publizierten Analysen von Michael E. Zolensky zufolge kristallisiert Sincosit tetragonal mit den Gitterparameterna=8,895(3)Å und c=12,727(2)Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle. Die Raumgruppe konnte zwar nicht bestimmt werden, aber Sincosit soll isostrukturell mit Meta-Autunit sein.[3]
H. Y. Kang, W. C. Lee, S. L. Wang gelang allerdings 1992 die synthetische Darstellung von vierschichtigen Vanadylphosphat(IV)-Hydraten der allgemeinen Formel A(VO)2·4H2O mit A=Co, Ca, Sr und Pb, wobei die Verbindung mit Calcium als Polymorph des Minerals Sincosit angesehen wird. Dieses ist von trikliner Symmetrie und kristallisiert in der RaumgruppeP1(Raumgruppen-Nr. 1)Vorlage:Raumgruppe/1 mit den Gitterparametern a=6,3484(8)Å; b=6,350(1)Å; c=6,597(1)Å; α=106,81(2)°; β=94,09(1)° und γ=90,02(1)° sowie einer Formeleinheit pro Elementarzelle.[11]
Phosphovanadylit-Ca (dunkelgrünlichbraun) mit Sincosit (hellgrün) aus der South-Rasmussen-Mine, Soda Springs, Caribou County, IdahoTafelige Sincositkristalle (grün) und nadelförmige, radialstrahlig-kugelige Minyulit-Aggregate auf Matrix aus der Ross Hannibal Mine, Distrikt Lead, Lawrence County, South Dakota
Sincosit bildet Äderchen in schwarzen, kohlenstoffhaltigen Schiefern. An seiner Typlokalität und bisher einzigem bekannten Fundort in Peru im Bezirk Sincos trat er in Paragenese mit Gips auf.
Als seltene Mineralbildung konnte Sincosit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher 12 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2023).[12]
Der bisher einzige bekannte Fundort in Deutschland ist die Absetzerhalde des Urantagebaus Lichtenberg bei Ronneburg in Thüringen.
Weitere Fundorte sind bisher nur noch in den Vereinigten Staaten von Amerika bekannt. In Arkansas trat das Mineral in der Union Carbide Mine bei Wilson Springs (Garland County), in Idaho bei Bloomington (Bear Lake County) sowie in der Enoch Valley Mine nahe dem Blackfoot River und der South Rasmussen Ridge Phosphat-Mine (hier in Paragenese mit Phosphovanadylit-Ca) bei Soda Springs, in Nevada in der Gold Quarry Mine nahe dem Maggie Creek und in der Carlin Goldmine bei Elko, in New Mexico in der Jackpile Mine (auch Jackpile-Paguate) bei Laguna und in South Dakota in der Ross Hannibal Mine (auch North Star Mine, Hannibal Mine oder Mikado Mine) im Bergbaubezirk Lead.[13] In der Ross Hannibal Mine fand sich zudem Minyulit[6] als weiteres Begleitmineral (Paragenese).
Waldemar T. Schaller:Sincosite, a new mineral. In: Journal of the Washington Academy of Sciences. Band12, 19.April 1922, S.195 (englisch, rruff.info[PDF; 157kB; abgerufen am 30.Mai 2023]).
E. T. Wherry:New minerals: new species. In: American Mineralogist. Band7, 1922, S.162–164 (englisch, rruff.info[PDF; 218kB; abgerufen am 30.Mai 2023]).
Waldemar T. Schaller:The occurrence and properties of sincosite, a new vanadium mineral from Sincos, Peru. In: American Journal of Science. Band8, 1924, S.462–480 (englisch, rruff.info[PDF; 850kB; abgerufen am 27.Mai 2023]).
W. F. Foshag:New mineral names. In: American Mineralogist. Band10, 1925, S.131–135 (englisch, rruff.info[PDF; 304kB; abgerufen am 30.Mai 2023]).
M. E. Zolensky:New data on sincosite. In: American Mineralogist. Band70, 1985, S.409–410 (englisch, rruff.info[PDF; 171kB; abgerufen am 30.Mai 2023]).
H. Y. Kang, W. C. Lee, S. L. Wang:Hydrothermal synthesis and structural characterization of four layered vanadyl(IV) phosphate hydrates A(VO)2(PO4)2·4H2O (A = Co, Ca, Sr, Pb). In: Inorganic Chemistry. Band31, 1992, S.4743–4748, doi:10.1021/ic00049a007 (englisch).
Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.491 (englisch).
Sincosite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 30.Mai 2023(englisch).
1234M. E. Zolensky:New data on sincosite. In: American Mineralogist. Band70, 1985, S.409–410 (englisch, rruff.info[PDF; 171kB; abgerufen am 30.Mai 2023]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456789Sincosite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 30.Mai 2023(englisch).
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Sincosite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 30.Mai 2023]).
↑H. Y. Kang, W. C. Lee, S. L. Wang:Hydrothermal synthesis and structural characterization of four layered vanadyl(IV) phosphate hydrates A(VO)2(PO4)2·4H2O (A = Co, Ca, Sr, Pb). In: Inorganic Chemistry. Band31, 1992, S.4743–4748, doi:10.1021/ic00049a007 (englisch).
↑Localities for Sincosite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 30.Mai 2023(englisch).
↑
Fundortliste für Sincosit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 30. Mai 2023.