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Simba-Rebellion

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Simba-Rebellion
Teil von: Kongo-Krise

Ausbreitung der Simba-Rebellion (rot) im Jahr 1964.
Datum 1963 bis 1969[A 1]
Ort Östlicher Kongo
Ausgang Niederschlagung des Aufstandes durch die kongolesische Regierung und ihre Verbündeten
Konfliktparteien

Demokratische Republik Kongo

  • Regierungstruppen
  • Katanga-Gendarmen
  • Söldner aus Belgien, Frankreich, Südafrika und anderen Staaten

Unterstützt von (Auswahl):
Belgien Belgien
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten

Volksrepublik Kongo

  • Rebellen aus dem Kongo
  • Rebellengruppen aus Ruanda, Burundi und Uganda
  • Soldaten aus Kuba

Unterstützt von (Auswahl):
China Volksrepublik Volksrepublik China
Kuba Kuba
Sowjetunion 1955 Sowjetunion
Tansania Tansania

Befehlshaber

Mobutu Sese Seko
Moïse Tschombé

Christophe Gbenye
Laurent-Désiré Kabila
Nicholas Olenga
Gaston Soumialot

Truppenstärke
  • mehrere zehntausend Rebellen
  • mehrere tausend Kämpfer aus Burundi und Ruanda (Inyenzi)
  • ~250 sowjetische und kubanische Berater
Verluste

unklar

unklar

Initiale Schätzungen reichen bis zu mindestens 20.000 Toten, darunter 392 Europäer. Vermutlich liegen die Opferzahlen insgesamt jedoch deutlich höher, da vor allem im Osten des Landes die Opferzahlen kaum erfasst wurden, zumal bei der späteren Niederschlagung der Rebellion bis Anfang 1969.

Die Simba-Rebellion[A 2] war ein bewaffneter Aufstand, der sich von Ende 1963 bis Anfang 1969 im Osten der Demokratischen Republik Kongo im Nachgang der sogenannten Kongo-Krise ereignete. Die Rebellion kann zwar primär als ein innerkongolesischer Machtkampf angesehen werden, im weiteren Sinne wurde dieser jedoch im Kontext des Kalten Krieges zu einem Stellvertreterkrieg zwischen den Supermächten. Die Rebellen, Anhänger des 1961 ermordeten ehemaligen Premierministers Patrice Lumumba, wurden von China, der Sowjetunion und später einer Gruppe kubanischer Soldaten unter Che Guevara unterstützt. Sie eroberten in den Jahren 1963/64 weite Teile des Ostens des Landes und riefen dort im September 1964 eine Volksrepublik aus. Der Aufstand der oftmals archaisch bewaffneten Simbas war von teils großer Brutalität gekennzeichnet und kostete zehntausende Kongolesen sowie hunderte von Europäern das Leben. Der kongolesischen Zentralregierung unter Führung des 1960 an die Macht geputschten Oberst Mobutu sowie von Premierminister Moïse Tschombé gelang es bis Anfang 1969, mit Unterstützung aus den USA, durch belgische Truppen und von einem internationalen Söldner-Kontingent, den Aufstand niederzuschlagen.

Belgischer Soldat vor den Leichen einiger getöteter europäischer Geiseln (Stanleyville, November 1964).
In Richtung des Flughafens von Stanleyville flüchtende Europäer (1964).
Gaston Soumialot (zweiter von rechts), einer der Anführer der Rebellen, Bild aus dem Januar 1965.

Im Oktober 1963 gründeten Christophe Gbenye und Gaston Soumialot, beides Weggefährten des 1961 ermordeten ehemaligen Premierministers Lumumba, in Brazzaville das Comité National de Libération (teils auch als Conseil National de Libération bezeichnet, abgekürzt CNL). Gbenye hatte sowohl in der Regierung Lumumbas als auch in der Gegenregierung Gizengas das Amt des Innenministers bekleidet und bat die Sowjetunion und die Volksrepublik China nachfolgend um Unterstützung im Kampf gegen die Zentralregierung.[1] Soumialot hatte sich zuvor in der kurzlebigen linksnationalistischen Parti Solidaire Africain (PSA) von Gizenga engagiert.

Die neu gegründete CNL, der sich auch rasch Laurent-Désiré Kabila von der lumumbistisch orientierten Association Générale des Baluba du Katanga (abgekürzt BALUBAKAT, einer Partei, die die Interessen der Baluba-Ethnie in Katanga vertrat) anschloss,[2] wurde vor allem im Osten des Kongo sehr schnell von lokalen lumumbistischen Rebellengruppen und Warlords unterstützt, zumal Lumumba gerade im Gebiet um Stanleyville seine früheren Hochburgen gehabt hatte.

Vormarsch der Rebellen

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In der Folge entsandte China Militärberater nach Burundi, welche die Rebellen in Guerillatechniken ausbildeten; Unterstützung kam auch aus der UdSSR. In Süd-Kivu wurden die Rebellenstreitkräfte von Soumialot und in Nord-Katanga von Kabila angeführt.[3] Soumialot hatte anfangs sein Operationsgebiet im kongolesisch-burundischen Grenzgebiet und konnte vor allem mit Unterstützung von mehreren tausend Mann starken Rebellengruppen aus Ruanda und Burundi – sogenannten Inyenzi[A 3] – Süd-Kivu bereits Ende 1963 weitgehend unter Kontrolle bringen.[4]

Im Mai 1964 gelang es den Rebellen, am Tanganjikasee die Städte Uvira und Albertville zu erobern.[5] Der Vormarsch der Aufständischen ging oftmals einher mit schweren Kriegsverbrechen und teils barbarischen Gewalttätigkeiten. Anfang August eroberten die Rebellen Stanleyville und ermordeten geschätzt 2500 Intellektuelle, Wohlhabende und Évolués (eine Bezeichnung für Kongolesen, die einen europäischen beziehungsweise verwestlichten Lebensstil führten).[6] Andere Schätzungen sprechen indessen auch von mehr als 20.000 ermordeten Kongolesen im Umfeld von Stanleyville.[7] Zudem seien auch wahllos ehemalige, noch von den belgischen Kolonialherren eingerichtete Missionsstationen und Schulen zerstört worden.[7] Ferner wurden in Paulis nach der Eroberung durch die Simbas rund 4000 Menschen ermordet – darunter auch der Gouverneur der Provinz Uélé, Paul Mambaya, sowie sein Stellvertreter, Joseph Tabolo.[8] Zeugenaussagen berichteten später von großen Grausamkeiten, die im Rahmen dieser Gewaltexzesse geschahen, unter anderem das Verbrennen von Personen mit Benzin, Verstümmelungen und teils auch kannibalistische Handlungen.[8] Für diese Massaker wurden später im Schwerpunkt Kabilas Simba-Streitkräfte verantwortlich gemacht.[9]

In dem eroberten Gebiet gründeten die Rebellen am 5. September 1964 die République Populaire du Kongo (Volksrepublik Kongo). Gbenye wurde Präsident und Soumialot Verteidigungsminister. Die verschiedenen Rebelleneinheiten wurden zur Armée Populaire de la Libération (Volksbefreiungsarmee) zusammengefasst.[6] Oberbefehlshaber dieser neugegründeten Armee wurde Nicholas Olenga.[10]

Gegenoffensive der Zentralregierung

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Als der neu ernannte Premierminister des Kongos Moïse Tschombé begann, gegen die Rebellen vorzugehen, stand er vor dem Problem, dass er sich kaum auf die circa 30.000 Soldaten umfassende Nationalarmee (Armée Nationale Congolaise, ANC) verlassen konnte. Zum einen hatte sie dem Vormarsch der Rebellen kaum Widerstand geleistet, was teils auch dem vorherrschenden Aberglauben (siehe letzten Abschnitt bezüglich Bewaffnung und Motivation der Aufständischen) geschuldet war, zum anderen misstrauten ihm die regulären Streitkräfte aufgrund seines wenige Jahre zuvor gescheiterten sezessionistischen Versuchs, die Katanga-Provinz zu einem unabhängigen Staat zu machen.

Insofern musste sich Tschombé in erheblichem Umfang auf seine ehemaligen Milizverbände aus Katanga, die sogenannten „Katanga-Gendarmen“, sowie südafrikanische, belgische, irische und französische Söldner stützen, die schon während seines Sezessionsversuchs in Katanga den Kern seiner Streitkräfte ausgemacht hatten. Etwa 300 Söldner standen unter dem Kommando des Iren Mike Hoare. Ebenfalls beteiligten sich belgische Offiziere als Militärberater und die US-Luftwaffe mit Transportflugzeugen an der nun anlaufenden Offensive. Darüber hinaus unterstützte der US-amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA die Regierungsseite mit einem Luftwaffenkontingent, das aus etwa 200 Exilkubanern bestand und ursprünglich für die Invasion in der Schweinebucht 1961 gebildet worden war. Diese Fliegerstaffel war zunächst mit unbewaffneten North American T-6 zur Aufklärung und psychologischen Beeinflussung der Rebellen ausgestattet gewesen, wurde im Verlauf des Konflikts aber immer stärker bewaffnet, unter anderem mit North American T-28 und B-26K. Die Einheit arbeitete eng mit Hoares Söldnern zusammen und bot diesen die für Söldnereinheiten noch ungewohnte Luftnahunterstützung. Unter anderem vernichteten Hoare und die CIA-Flieger am 1. November 1964 ein Hauptquartier der Simba in Kindu.[11]

Daraufhin wurden die in dem Gebiet verbliebenen Europäer von den bedrängten Rebellen als Geiseln genommen und im Hotel Victoria Palace in Stanleyville festgehalten. Als die Simba drohten, alle Europäer umzubringen, löste das eine noch größere Militäroperation der belgischen und US-amerikanischen Streitkräfte aus. Diese setzte sich aus einer Bodenoffensive (Operation Ommegang) und einer Luftoffensive (Operationen Dragon Rouge und Dragon Noir) zusammen. Am 24. November 1964 sprangen 343 belgische Fallschirmjäger über dem Flughafen von Stanleyville ab und befreiten zusammen mit Hoares 5. Kommando die Stadt von den Aufständischen. Zwei CIA-Flugzeuge hatten zuvor die Flugabwehrgeschütze zerstört. Anschließend wurden 2000 Europäer mit C-130-Transportflugzeugen evakuiert. Die Transportflugzeuge sowohl für die Luftlandeeinheit als auch für den Transport der Zivilisten stellte die US Air Force.

Eine C-130 der US-Luftwaffe landet in Paulis, um befreite Geiseln auszufliegen.

Ungefähr 100 Europäer sowie der Bürgermeister von Stanleyville, Léopold Matabo, sowie die Journalisten Sylvère Bondekwe und Guillaume Zambite (Herausgeber der lokalen Zeitung La Gazette),[8] waren zuvor von den Lumumbisten ermordet worden, teils unter sehr grausamen Umständen.[12] Im Rahmen der Kämpfe eroberten die Söldner auch die Makasi-Bierbrauerei. Die exilkubanische Fliegereinheit nannte sich in der Folge danach Makasi Air Force und übernahm den Büffel vom Logo der Brauerei als Wappentier auf ihren Flugzeugen.[11]

Wenige Tage später wurden 90 Missionare weiter im Landesinneren von den Rebellen getötet. Die gleiche belgische Fallschirmjägereinheit sprang zwei Tage nach ihrem Einsatz in Stanleyville in der Operation Dragon Noir über Paulis ab und befreite rund 300 Geiseln. Rund 20 Europäer und Amerikaner hatten die Lumumbisten kurz zuvor umgebracht, nachdem sie die Nachricht von dem Angriff auf Stanleyville erreicht hatte.[13] Die befreiten Geiseln sowie die abgesetzten Fallschirmjäger wurden danach von der US-Luftwaffe evakuiert.

Niederschlagung des Aufstandes

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Che Guevara (erste Person rechterhand im Vordergrund) an einem Funkempfänger während des Simba-Aufstandes (1965).

Als sich die Rebellion bereits in der Defensive befand, landete im April 1965 Che Guevara mit über hundert kubanischen Soldaten schwarzer Hautfarbe im Aufstandsgebiet, um den Kampf der Simba zu unterstützen.[14] Die Einheit wurde per Boot über den Tanganjikasee versorgt. Die CIA setzte dagegen die Makasi Air Force mit sechs T-28 und zwei B-26K sowie die sogenannte Makasi Navy, bestehend aus zwei Patrouillenbooten mit Radaranlagen, ein. Mit Hoares Söldnern als Bodenkomponente kam es in der Region auch zu größeren Gefechten mit dem kubanischen Expeditionskommando.[11] Von der geringen ideologischen Überzeugung der Aufständischen enttäuscht, reiste Che Guevara nach sieben Monaten wieder ab.[15] Seine Erfahrung hielt er in seinem später wiederaufgefundenen Tagebuch fest.[16] Auch gab es innerhalb der Rebellen zunehmende Meinungsverschiedenheiten, als sich die Kriegslage zu Ungunsten der Aufständischen verschlechterte. So äußerte sich etwa Che Guevara später abwertend über Kabila, dem er unterstellte, dieser habe sich eher mit Frauen und mit Alkoholgelagen vergnügt, als die notwendige Disziplin eines Revolutionärs aufbringen zu wollen.[9]

Soldaten der Nationalarmee und weiße Söldner im Gefecht.

Bis Mai 1965 gelang es der Nationalarmee, unterstützt von Hoares Söldnern und der Makasi Air Force, im Rahmen der Operation White Giant den Rebellen in der Provinz Orientale schwere Verluste zuzufügen, unter anderem wurde eine Einheit von etwa 1200 Aufständischen in der Stadt Watsa vernichtet. Dabei ermordeten Soldaten der Nationalarmee, vermutlich als Vergeltung für zuvor beziehungsweise 1964 verübte Massaker der Simbas, rund 50 gefangen genommene Rebellen.[17] Während der gleichen Operation zerstörten Hoares Söldner auch Brücken nach dem Sudan und nach Uganda, um mögliche Unterstützung für die Rebellen aus dem Ausland sowie zugleich Rückzugsmöglichkeiten zu unterbinden.[17] Im September 1965 zerschlugen Hoares Söldner und zwei Bataillone der Nationalarmee letzte Stützpunkte der Simba-Rebellen am Ufer des Tanganjikasees. Die eingeschlossenen Rebellen unternahmen dabei, nachdem zuvor ihre kubanischen Berater unter Che Guevara abgezogen waren, einen letzten und sinnlosen Massenangriff auf die Einheiten der Zentralregierung, wurden jedoch von diesen mit Maschinengewehren niedergemäht.[18]

Im Kontext der Niederschlagung der Rebellion kam es seitens der Nationalarmee mehrfach auch zu Kriegsverbrechen. Nach der Rückeroberung von Stanleyville (November 1964) durch die Armée Nationale Congolaise und Hoares Söldner begingen die Streitkräfte der Zentralregierung, ebenso wie zuvor die Simbas, schwere Gräueltaten; bis Anfang 1965 wurden alleine im Gebiet um Stanleyville geschätzt rund 2000 zuvor gefangen genommene Simbas sowie lumumbistische Sympathisanten (oder Personen, die lediglich für solche gehalten wurden) durch marodierende Soldaten der Nationalarmee ermordet.[19] Auch die weißen Söldnereinheiten begingen Kriegsverbrechen gegenüber den Rebellen. Diese Übergriffe, etwa das Sammeln von Schädeln als Trophäen und das Anbringen von diesen auf den Fahrzeugen der Söldner, brachten beispielsweise den zumeist belgischen, italienischen und französischen Söldnern des sogenannten 6. Kommandos unter deren Kommandeur Bob Denard – welches allerdings mit den relativ disziplinierten Söldnern von Hoares 5. Kommando rivalisierte[18] – den Spitznamen „les affreux“ (von französisch affreux: etwa übersetzbar mit „die Schrecklichen“ oder „die Fürchterlichen“) ein.[20]

1967 verließen auch Gbenye und Soumialot das Land, womit die Rebellion faktisch zusammenbrach; letzte größere Widerstandsnester der Simbas wurden im Januar 1969 im heutigen Nationalpark Maiko zerschlagen. Soumialot floh zunächst über den Sudan nach Ägypten, später von dort nach Kuba; er kehrte allerdings Ende der 1970er Jahre, nach einer von Staatschef Mobutu Sese Seko ausgesprochenen Amnestie, wieder nach Zaire zurück.[21] Nur Kabila konnte sich in einem kleinen Gebiet zwischen Fizi und Baraka noch bis 1986 behaupten, stellte aber für die Zentralregierung keine Bedrohung mehr dar.[22] Kleinere und in den schwer zugänglichen Dschungelregionen im Osten des Landes bestehende Widerstandsnester der Simba-Rebellen sollen indessen noch bis Mitte der 1990er Jahre existiert haben.[23]

Im Nachgang der Rebellion kam es zu einem Versuch französischer und belgischer Mitglieder des Söldnerkontingents, darunter zahlreiche Angehörige von Denards 6. Kommando, im Juni 1967 im Osten des Kongo ein eigenes Hoheitsgebiet aufzubauen. Dieser Versuch wurde, unter anderem durch den erneuten Einsatz der exilkubanischen CIA-Flieger, schnell zerschlagen.[11]

Bewaffnung und Motivation

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Ein Simba-Krieger mit Speer und in traditioneller Kleidung.

Da die Simbas kaum internationale Unterstützung erhielten, waren sie größtenteils auf primitive Waffen wie Speere, Macheten und Knüppel angewiesen. Aus diesem Grund bedienten sich die Rebellenführer traditioneller magischer Rituale, um ihre teilweise noch minderjährigen Kämpfer zu motivieren. So wurden sie von der „féticheuse“ (von französisch fétiche: Zauber[mittel]; vgl. auch religiöser Fetischismus) Mama Onema verschiedenen Ritualen unterzogen, die ihnen Kraft verleihen sollten. Vor dem Kampf wurden die Krieger und ihre Waffen mit Wasser besprenkelt, was sie unverwundbar machen sollte.[3] Beim Angriff auf die Regierungstruppen riefen die Rebellen: „Simba, Simba! Mulele mai! Mulele mai! Lumumba Mai! Lumumba Oyé!“ Dies sollte bewirken, dass sich die gegnerischen Kugeln bei einem Treffer in Wasser verwandeln.[5] Da nicht nur die Rebellen, sondern auch die Regierungstruppen an die Wirksamkeit dieser Rituale glaubten,[24] ergriffen die Soldaten trotz überlegener Bewaffnung oft bei einem Angriff der Simbas die Flucht.

Der US-Diplomat Monteagle Stearns (1924–2016), der später unter anderem US-Botschafter in der Elfenbeinküste war, beschrieb die Ideologie der Simbas wie folgt:

To the extent that the [Simba] movement had an ideology, it was an mixture of nationalism, village Marxism, and magic.

„Insoweit man bei der Simba-Bewegung überhaupt von einer Ideologie sprechen konnte, so war sie eine Mischung aus Nationalismus, Dorf-Marxismus und Magie.“[25]

Allerdings mussten die Simbas bestimmte Verhaltensnormen beachten, damit die „Schutzzauber“ wirksam waren und blieben. Ein Verstoß gegen diese Regeln würde den Verlust ihrer Unverwundbarkeit bewirken.[3] Aus diesem Grund wurden dann auch Verluste in den Reihen der Rebellen damit erklärt, dass der Gefallene eine bestimmte Verhaltensregel nicht beachtet habe.[5] Als es durch das Eingreifen der amerikanischen und belgischen Truppen zu starken Verlusten unter den Rebellen kam, wurden diese damit erklärt, dass der für die Jahreszeit typische Regen die Zauberkräfte abgewaschen habe.[26] Weiterhin wurde die Unwirksamkeit des (vermeintlichen) Zauberschutzes in Gefechten durch die Simba auch dahingehend ausgelegt, dass der féticheur fehlerhaft gearbeitet habe oder ein Scharlatan sei – ein Umstand, der für die betreffenden „Zauberer“ oftmals tödlich enden konnte.[24]

Commons: Simba_Rebellion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Lois Carlson: Arzt im Kongo. Herder, Freiburg/Berlin/Wien 1967.
  • S. J. G. Clarke: The Congo Mercenary: A History and Analysis. South African Institute of International Affairs (SAIIA), 1968, S. 41–67.
  • Ruth Margaret Delaforce: A Mafia for the State. Mercenary Soldiers and Private Security Contractors 1946–2009. Thesis, Griffith University 2010, S. 138–165
  • Hans Germani: Weiße Söldner im schwarzen Land. Ullstein, Frankfurt am Main/Berlin 1966.
  • Piero Gleijeses: “Flee! The White Giants Are Coming!”: The United States, the Mercenaries, and the Congo, 1964–65. In: Diplomatic History, 18/1994, S. 207–237.
  • Ernesto Che Guevara: Der afrikanische Traum: Das wiederaufgefundene Tagebuch vom revolutionären Kampf im Kongo. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2000, ISBN 978-3-462-02899-7.
  • Mike Hoare: Congo Mercenary. Paladin Press, Boulder, Colorado 2008, ISBN 978-1-58160-639-3.
  • Anthony Mockler: The new mercenaries. Corgi Books, London 1986, ISBN 0-552-12558-X, S. 83–130.
  • Thomas P. Odom: Dragon Operations: Hostage Rescues in the Congo, 1964–1965. Combat Studies Institute US Army Command and General Staff College (Leavenworth Papers No. 14), Fort Leavenworth, Kansas, 1988.
  • David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3.
  • Peter Scholl-Latour: Mord am großen Fluß – Ein Vierteljahrhundert afrikanische Unabhängigkeit. DVA, Stuttgart 1986, ISBN 3-421-06307-9, S. 315–333.
  • Peter Scholl-Latour: Afrikanische Totenklage – Der Ausverkauf des Schwarzen Kontinents. C. Bertelsmann Verlag, München 2001, S. 13–50, S. 111–137 sowie S. 244–298.
  • Fred E. Wagoner: Dragon Rouge: The Rescue of Hostages in the Congo. National Defense University Research Directorate, Washington, DC 1980.
  1. ↑ Der genaue Zeitpunkt, wann die Rebellion endete, ist schwierig zu terminieren. Letzte größere Stützpunkte der Aufständischen wurden im Januar 1969 vernichtet. Gleichwohl blieben kleinere und unbedeutende Rebellengruppen noch bis in die 1980er Jahre, teils vermutlich sogar noch bis in die 1990er Jahre hinein aktiv (siehe Text).
  2. ↑ Das Wort „Simba“ bedeutet in der Swahili-Sprache so viel wie Löwe(n); die Aufständischen gaben sich diesen Spitznamen selbst. Rein formal trug die Aufstandsbewegung gemäß Christophe Gbenye die Bezeichnung Armée Populaire de Libération (APL, übersetzbar mit „Volksbefreiungsarmee“).
  3. ↑ Die Herkunft des Begriffs „Inyenzi“ ist unsicher. In der Kinyarwanda-Sprache wurde der Begriff teils generell für Rebellengruppen aus Ruanda und Burundi in den 1960er Jahren genutzt, ebenso wurde die Bezeichnung jedoch auch abwertend und speziell für Angehörige der Volksgruppe der Tutsi verwendet. Das Wort kann (auch) mit Küchenschabe übersetzt werden. Vgl. hierzu: Scott Strauss: The Order of Genocide: Race, Power, and War in Rwanda. Cornell University Press. Ithaca (NY) 2013, S. 184.

Einzelnachweise

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  1. ↑ David Van Reybrouck: Kongo: Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 379.
  2. ↑ Georges Nzongola-Ntalaja: The Congo from Leopold to Kabila: A People's History. Bloomsbury Publishing/Bloomsbury Academic. London, Oxford 2002, S. 130f.
  3. 1 2 3 David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 382.
  4. ↑ Frank Villafana: Cold War in the Congo: The Confrontation of Cuban Military Forces, 1960-1967. Routledge. Abingdon, New York 2017, S. 69.
  5. 1 2 3 David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 383.
  6. 1 2 David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 384.
  7. 1 2 Peter Scholl-Latour: Mord am großen Fluß – Ein Vierteljahrhundert afrikanische Unabhängigkeit. DVA 1986, ISBN 3-421-06307-9, S. 332.
  8. 1 2 3 The Congo Rebellion. Central Intelligence Agency, 13. September 2000, abgerufen am 12. September 2026 (englisch).
  9. 1 2 Guy Arnold: The A to Z of Civil Wars in Africa. Scarecrow Press/Rowman & Littlefield Publishing Group. Lanham (MD) 2008, S. 204.
  10. ↑ David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 385.
  11. 1 2 3 4 Don Hollway: Cubans over the Congo. In: Aviation History. Band 31, Nr. 3, 13. Juni 2021, S. 60–65.
  12. ↑ Marcus Williamson: ‘Mad’ Mike Hoare: Mercenary and inspiration for The Wild Geese. In: The Independent. 22. Februar 2020, abgerufen am 26. Oktober 2023 (englisch).
  13. ↑ Thomas P. Odom: Dragon Operations: Hostage Rescues in the Congo, 1964–1965, Combat Studies Institute US Army Command and General Staff College (Leavenworth Papers No. 14), Fort Leavenworth, Kansas, 1988, S. 121–146.
  14. ↑ David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 388.
  15. ↑ David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 389.
  16. ↑ Ernesto Che Guevara: Der afrikanische Traum: Das wiederaufgefundene Tagebuch vom revolutionären Kampf im Kongo. KiWi-Paperback, 200.
  17. 1 2 Anthony Rogers: Someone Else's War. Mercenaries from 1960 to the Present. Harper Collins Publishing. London 1998, S. 22f.
  18. 1 2 John W. Osborn: Mad Mike Hoare: How a Businessman Became a Legendary Mercenary. Warfare History Network, 2006, abgerufen am 29. September 2026 (englisch).
  19. ↑ Peter Scholl-Latour: Afrikanische Totenklage – Der Ausverkauf des Schwarzen Kontinents. C. Bertelsmann Verlag, München 2001, S. 50.
  20. ↑ Peter Scholl-Latour: Afrikanische Totenklage – Der Ausverkauf des Schwarzen Kontinents. C. Bertelsmann Verlag, München 2001, S. 49.
  21. ↑ Peter Scholl-Latour: Afrikanische Totenklage – Der Ausverkauf des Schwarzen Kontinents. C. Bertelsmann Verlag, München 2001, S. 298.
  22. ↑ David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 404.
  23. ↑ Gérard Prunier: Africa’s World War: Congo, the Rwandan Genocide, and the Making of a Continental Catastrophe. Oxford University Press, Oxford/New York 2009, S. 77 und S. 83.
  24. 1 2 Peter Scholl-Latour: Afrikanische Totenklage – Der Ausverkauf des Schwarzen Kontinents. C. Bertelsmann Verlag, München 2001, S. 125.
  25. ↑ Frank Villafana: Cold War in the Congo: The Confrontation of Cuban Military Forces, 1960-1967. Routledge. Abingdon, New York 2017, S. 73.
  26. ↑ David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 387