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Sebastian Peschko

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Johannes Sebastian Peschko (* 30. Oktober 1909 in Groß-Lichterfelde, heute Berlin; † 29. September 1987 in Celle)[1] war ein deutscher Pianist und Liedbegleiter.

Leben und Wirken

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Sebastian Peschko (1939)
Sebastian Peschko (1975)

Sebastian Peschko war der Sohn des Schriftstellers und Privatlehrers Paul Gottlob Peschko (* 1870 in Rogasen; † 1930) und der Naemi Amalie Peschko, geb. Böse (* 1880 in Prittisch; † 1952 in Berlin). Sein Vater war auch als Kirchenmusiker aktiv. Sebastian Peschko studierte von 1927 bis 1933 an der Berliner Hochschule für Musik im Hauptfach Klavier, zunächst bei Kurt Börner (1877–1947) und ab 1931 bei Edwin Fischer, sowie, wie bereits sein Vater, Orgelspiel bei Walter Fischer.[2] 1930 wurde ihm zusammen mit zwei Mitschülern das Bechstein-Stipendium verliehen,[3] 1933 der renommierte Mendelssohn-Preis.

Erste Erfahrungen sammelte Peschko 1933/34 als Begleiter des Geigers Georg Kulenkampff. Von 1935 bis 1950 musizierte er mit dem Bariton Heinrich Schlusnus im In- und Ausland. Er war als Klavierpartner weiterer bedeutender Sänger hoch geschätzt. Dazu zählen Theo Altmeyer, Erna Berger, Walter Berry, Rudolf Bockelmann, Grace Bumbry, Franz Crass, Lisa della Casa, Karl Erb, Nicolai Gedda, Agnes Giebel, Ernst Haefliger, Ilse Hollweg, Werner Hollweg, Heinz Hoppe, Christa Ludwig, Maria Müller, Hermann Prey, Ruth-Margret Pütz, Erna Sack, Hanna Schwarz, Franz Völker, Bernd Weikl und Marcel Wittrisch. Friedrich Baser lobte Peschkos umsichtige Begleitung zu Henny Wolffs Querschnittsdarbietung des Liedschaffens von Max Reger bei der Feierstunde der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ zu Regers 70. Geburtstag an der Staatlichen Hochschule in Berlin im Frühsommer 1943.[4]

Peschko hat den Status des Begleiters früh von der sich unterordnenden Rolle zu der eines gleichwertigen künstlerischen Partners entwickelt. Er untermalte nicht den Gesang, sondern formte am Flügel den Grund. Seine großen und kräftigen Hände waren gleichsam Bildhauerhände, in welchen die Tasten zu seinem Werkstoff wurden. Aus diesem Werkstoff erstand das Lied, je anders nach Lage, Dichte und Gefälle der Klänge und Worte. Peschko war künstlerisch eine Persönlichkeit der leisen Töne und der behutsamen, gleichwohl eindringlichen Gestaltung, ein Meister der Nuancen. Der Bariton Thomas Quasthoff wurde von Peschko entdeckt.[5] Kammermusikalisch trat Peschko mit dem Geiger Georg Kulenkampff sowie den Cellisten Enrico Mainardi und Hans Adomeit auf.

Von 1953 bis 1958 war Peschko bei Radio Bremen für Lied-, Chor- und Kirchenmusik zuständig. Rolf Liebermann, der damalige Leiter der Hauptabteilung Musik beim Norddeutschen Rundfunk, richtete für Peschko eine neu geschaffene „Redaktion Lied“ im NDR-Funkhaus Hannover ein. Dort war Peschko ab 1958 als Redakteur, Produzent und Pianist tätig. Die Reihe Meister des Liedes wurde von ihm begründet. Viele bekannte Sängerinnen und Sänger der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts traten in diesem Rahmen auf.[6] Die Aufnahmen sind beim NDR archiviert und werden im Sender NDR Kultur und anderen ARD-Sendern gespielt. In diese Zeit fällt auch die Gründung seines Cantiamo-Ensembles mit den jungen Interpreten Elke Georg (Alt), Gerda Kosbahn (Sopran), Heinz Meyen (Tenor) und Wolfgang Poser (Bariton).

Kurse für Liedinterpretation gab Peschko 1971 und 1972 im Rahmen der Internationalen Sommerspiele am Mozarteum in Salzburg. Peschko vertonte vier Gedichte von Christian Morgenstern, die von der Sängerin Helen Donath gemeinsam mit dem Pianisten Klaus Donath in Liederabenden der Öffentlichkeit im In- und Ausland dargeboten wurden.

Im Jahre 1974 wurde Sebastian Peschko mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für seine besonderen künstlerischen Verdienste ausgezeichnet.

Peschko war von 1939 bis 1941 mit Ursula Schönfelder (* 1918) verheiratet.[7] Die Tänzerin und Choreographin Susanne Linke ist eine Nichte von Sebastian Peschko.

  • 1975: Heinrich Schlusnus singt Lieder von Schubert begleitet von Sebastian Peschko (TELDEC)
  • 1977: Heinrich Schlusnus singt Lieder von Schumann begleitet von Sebastian Peschko (Deutsche Grammophon)
  • 1993: Heinrich Schlusnus Liederalbum. Vol. II (Preiser Records/Lebendige Vergangenheit 89206)
  • 1994: Heinrich Schlusnus Liederalbum. Vol. III (Preiser Records/Lebendige Vergangenheit 89216). Vol. II und III des Liederalbums enthalten sämtliche Aufnahmen, die Schlusnus und Peschko von 1935 bis 1944 zusammen für die Deutsche Grammophon gemacht haben.
  • 1994: Lisa della Casa singt Lieder von Strauß, begleitet von Sebastian Peschko (Sbt)
  • 1999: Heinrich Schlusnus: The rare Swiss recordings (Preiser Records 90401). Lieder von Schubert, Schumann und Wolf sowie zwei Titel in Afrikaans. Sämtliche Aufnahmen, die Schlusnus und Peschko 1948/49 für Decca Records in Genf gemacht haben.
  • 2002: Erna Berger, Sebastian Peschko (Orfeo 556 021). Mitschnitt eines Liederabends vom 6. Januar 1962 in Hannover.
  • 2002: Lisa della Casa Lieder & Arias, begleitet von Sebastian Peschko (EMI-Electrola)
  • 2004: Grace Bumbry – early recordings (Pianist: Sebastian Peschko) (Deutsche Grammophon)
Commons: Sebastian Peschko – Sammlung von Bildern
  • Sebastian Peschko: Der neue Begleiter. In: Eckhart von Naso: Heinrich Schlusnus: Mensch und Sänger. Krüger, Hamburg 1957, S. 120–122 und 190–192.
  • Ellen Kohlhaas: Behutsamkeit. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Oktober 1987. (Nachruf zum Tode)
  • Reinald Hanke: Klavierpartner als Meister der leisen Töne – Selbstverständliches musikalisches Mitatmen. In: Cellesche Zeitung vom 3. November 2009. (Nachruf aus Anlass des 100. Geburtstages)

Einzelnachweise

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  1. ↑ Standesamt Lichterfelde, Geburtsurkunde Nr. 706 vom 1. November 1909 (Landesarchiv Berlin). Das Geburtshaus in der Zehlendorferstraße 3, heute Finckensteinallee existiert nicht mehr
  2. ↑ Sebastian Peschko: Der neue Begleiter. In: Eckhart von Naso: Heinrich Schlusnus: Mensch und Sänger. Krüger, Hamburg 1957, S. 120 f
  3. ↑ Ostdeutsche Morgenpost vom 16. November 1930, S. 17. Die beiden anderen Musiker waren der Dirigent Ferdinand Leitner und der Pianist Hans Gellhorn.
  4. ↑ Berliner Konzerte. In: Musik im Kriege, Heft 3/4 (Juni/Juli 1943), S. 67.
  5. ↑ Michael Quasthoff: Thomas Quasthoff – Der Bariton, Henschel Verlag, Berlin, 2006, S. 46–47, ISBN 978-3-89487-545-9.
  6. ↑ https://www.dasganzewerk.de/kulturwellen/20080208-dgw-baucke-chormusik-und-lied-als-pruefsteine-programmrecherche.shtml.
  7. ↑ Standesamt Lichterfelde, Heiratsurkunde Nr. 480 vom 25. August 1939 (Landesarchiv Berlin)