Ferdinand Leitner

Ferdinand Leitner (* 4. März 1912 in Berlin; † 3. Juni 1996 auf der Forch bei Zürich[1]) war ein deutscher Dirigent.
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kindheit und Studium
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ferdinand Leitner wurde als Sohn eines Kaufmanns in Berlin geboren, wo er das Gymnasium besuchte. Bereits mit 18 Jahren leitete er einen Chor. Von 1926 bis 1931 studierte er an Staatlichen Akademischen Hochschule für Musik in Berlin Klavier sowie Dirigieren bei Franz Schreker und Julius Prüwer, später auch bei Artur Schnabel und Karl Muck.[2]
Künstlerische Laufbahn
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zunächst begann er seine berufliche Laufbahn als Pianist, besonders als Begleiter von Georg Kulenkampff und Ludwig Hoelscher. In den 1930er Jahren wurde er durch Fritz Busch als Dirigent gefördert, der ihn 1935 als seinen Assistenten beim Glyndeburne Festival verpflichtete. Obwohl Leitner während der Zeit des Nationalsozialismus von der tonangebenden Schicht im Kulturleben hintangestellt wurde, wirkte er nach der Einberufung zur Wehrmacht (1939) von 1943 bis 1945 als Dirigent des Berliner Theaters am Nollendorfplatz.[2]
1945–1946 holte ihn Eugen Jochum als Ersten Kapellmeister an die Hamburgischen Staatsoper. Nach einer kurzen Tätigkeit als Operndirektor an der Bayerischen Staatsoper München (1946/1947),[2] unterstützte in der Zeit von 1947 bis 1951 als musikalischer Oberleiter die neu begründete Bachwoche Ansbach.[3]
Im Jahr 1947 wurde Leitner als Generalmusikdirektor an das Württembergische Staatsorchester Stuttgart (Staatstheater Stuttgart) berufen. Mit diesem Ensemble unternahm er zahlreiche Gastspiele im In- und Ausland und absolvierte die ersten deutschen Operngastspielen nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris und Rom. Mehrfach erfolgte eine Zusammenarbeit mit dem Regisseur Wieland Wagner, der in Stuttgart die Opern Rienzi, Fidelio, Salome, Elektra und Lulu inszenierte. Etwa 70 mal dirigierte Leitner in Stuttgart die komplette Aufführung von Richard Wagners Ring des Nibelungen.[2] Besonders förderte Leitner die Werke von Carl Orff. In Stuttgart wurden unter seiner musikalischen Leitung dessen Opern Oedipus der Tyrann (1959) und Prometheus (1968) urauffgeführt sowie zahlreiche Werke des Komponisten erstaufgeführt.[3] Auch nach Beendigung seines Vertrages blieb er dem Stuttgarter Opernhaus verbunden. 1980 dirigierte er dort zum Beispiel die Uraufführung von Hermann Reutters Oper Hamlet.[4]
1969 wechselte Leitner als musikalischer Oberleiter an das Opernhaus Zürich.Zur Uraufführung gelangten dort unter seiner musikalischen Leitung die Opern Ein wahrer Held von Giselher Klebe (1975) und Ein Engel kommt nach Babylon von Rudolf Kelterborn (1977). Zudem dirigierte er die Schweizer Erstaufführungen von Ernst Kreneks Karl V., Die Bernauerin von Carl Orff, Elisabeth Tudor von Wolfgang Fortner und Melusine von Aribert Reimann. Nach Ende seines Vertrages in Zürich wirkte er dort weiterhin als ständiger Gastdirigent, wobei er zum Beispiel anlässlich der Wiedereröffnung des renovierten Opernhauses im Jahr 1984 Wagners Meistersinger von Nürnberg dirigierte.[2]
Parallel zu seiner Verpflichtung in Zürich war er von 1976 bis 1980 als Chefdirigent des Residentie Orkest in Den Haag tätig. 1951 leitete Leitner die Proben zur Uraufführung von Strawinskys Oper The Rake’s Progress. Nachdem der Komponist selbst bei der Uraufführung am Pult gestanden hatte, übernahm Leitner die weiteren Dirigate am Teatro La Fenice und an der Mailänder Skala.[2][3]
Operngastspiele und Konzertreisen führten Leitner in fünf Kontinente. Über 300 Schallplattenaufnahmen dokumentieren sein künstlerisches Werk.
Als Nachfolger von Erich Kleiber wirkte Leitner 1956 am Teatro Colón in Buenos Aires bei der Aufführung deutscher Opern.[2] Bekannt wurde er ebenfalls durch seine Zusammenarbeit mit der Cappella Coloniensis, die er 1959 anlässlich des 200. Todestages von Georg Friedrich Händel zum ersten Mal dirigierte. Durch diese Zusammenarbeit etablierte sich Leitner auch als Dirigent im Bereich der Historischen Aufführungspraxis.
Von 1988 bis 1990 war er Erster Gastdirigent des Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI in Turin. Als Gast arbeitete er – teilweise auch im Rahmen zahlreicher Schallplatteneinspielungen – mit Orchestern wie den Berliner Philharmonikern, den Wiener Symphonikern, den Bamberger Symphonikern, dem London Symphony Orchestra und dem Philharmonia Orchestra, dem Orchester der Pariser Nationaloper, dem Rotterdams Philharmonisch Orkest, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem WDR Sinfonieorchester, dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart sowie vielen weiteren deutschen Radiosinfonieorchestern, den Münchner Philharmonikern oder dem NHK-Sinfonieorchester.[2][3][5]
Privates und Tod
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Aus einer ersten Ehe hatte Leitner einen Sohn (* 1939). In zweiter Ehe war er mit Gisela, geborene Büsing, verheiratet.[2] Ferdinand Leitner starb nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren in Forch in der Schweiz,[2] die Grabstätte befindet sich auf dem Zürcher Friedhof Enzenbühl.
Musikalische Schwerpunkte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bekannt wurde Leitner vor allem als Operndirigent (Lieblingskomponisten: Wagner, Richard Strauss, Mozart), der sich neben dem klassischen und romantischen Repertoire auch der Oper des 20. Jahrhunderts annahm (Werke von zum Beispiel Carl Orff, Othmar Schoeck, Karl Amadeus Hartmann und Hermann Reutter).
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1959: Großes Bundesverdienstkreuz
- Kommandeur des Orden von Oranien-Nassau
- Ernennung zum Professor
- 1978: Hans Georg Nägeli-Medaille
- Benennung des Ferdinand-Leitner-Steg in Stuttgart
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ferdinand Leitner. In: Munzinger-Archiv (Anfang des Artikels frei abrufbar)
- Ingrid Bigler-Marschall: Ferdinand Leitner. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 2, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 1095 f.
- Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 4484. online
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Werke von und über Ferdinand Leitner im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Ferdinand Leitner bei Discogs
- Ferdinand Leitner bei Operabase (Engagements und Termine)
- Ferdinand-Leitner-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Gestorben: Ferdinand Leitner. In: Der Spiegel. Nr. 24, 1996 (online – 10. Juni 1996).
- ↑ a b c d e f g h i j Ferdinand Leitner. In: Munzinger Online. Abgerufen am 24. November 2025.
- ↑ a b c d Recordings by Ferdinand Leitner. In: Naxos. Abgerufen am 24. November 2025 (englisch).
- ↑ Hamlet. Abgerufen am 24. November 2025.
- ↑ Ferdinand Leitner bei Discogs
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Leitner, Ferdinand |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Dirigent |
| GEBURTSDATUM | 4. März 1912 |
| GEBURTSORT | Berlin, Deutschland |
| STERBEDATUM | 3. Juni 1996 |
| STERBEORT | Zürich, Schweiz |