Samarskit-(Y) kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem, entwickelt jedoch meist nur grobkristalline bis derbe Mineral-Aggregate, selten aber auch tafelige bis prismatische Kristalle, die nach der c-Achse gestreckt sind und bis zu 12cm Größe erreichen können.
Das Mineral ist im Allgemeinen undurchsichtig und nur in dünnen Fragmenten durchsichtig. Die Oberflächen von sichtbaren Kristallflächen weisen einen glas- bis harzähnlichen Glanz auf, derbe Aggregate sind dagegen matt. Frische Samarskit-Proben sind von samtschwarzer Farbe mit einem bräunlichen Stich. Im Durchlichtmikroskop erscheint das Mineral dagegen hell- bis dunkelbraun und durch Verwitterung wird Samarskit allmählich braun bis gelblichbraun. Seine Strichfarbe ist dagegen dunkelrötlichbraun bis schwarz, die allerdings ebenfalls durch Verwitterung ins Graue übergeht.
Das Mineral wurde nach seinem Entdecker, dem russischen Montanisten Wassili Jewgrafowitsch Samarski-Bychowez (1803–1870) benannt, der im Korps der Russischen Bergbauingenieure arbeitete (1861 bis 1870 Chef). Der Mineralname wurde 1847 auf Vorschlag von dem deutschen Mineralogen Heinrich Rose vergeben. Für Samarskit sind in der älteren Literatur auch die Namen Uranotantal (nach Gustav Rose) und Yttroilmenit (nach R. I. Herman) belegt. Als Typlokalität gilt die Grube „Blyumovskaya“ (Schacht Nr. 50) am Berg Ilmen im „Ilmen-Naturreservat“ in der russischen Oblast Tscheljabinsk (Südural).
Für die wissenschaftliche Erforschung der Lanthanoidgruppe kommt dem Mineral Samarskit eine wichtige Stellung zu. Die relativ großen verfügbaren Mengen von diesem Mineral gestatteten eine umfangreiche Analyse. Marc Delafontaine entdeckte 1878 mit der Spektralanalyse die Uneinheitlichkeit des aus ihm erhaltenen Didymoxides. Lecoq de Boisbaudran isolierte 1879 aus Samarskit das Samariumoxid. Marignac konnte aus ihm 1880 neben Samariumoxid auch das Gadoliniumoxid extrahieren.[8]
Samarskit war bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte er theoretisch den Status eines grandfathered Minerals. Im Zuge der Überarbeitung der Richtlinien zur Mineraliennomenklatur 1987 wurde Samarskit allerdings zum einen aufgrund seines formel- und strukturrelevanten Anteils an Yttrium in Samarskit-(Y) umbenannt.[9] Zum anderen wurde die Zusammensetzung und Struktur nach einer Neuanalyse durch Sergey N. Britvin, Igor V. Pekov, Maria G. Krzhizhanovskaya, Atali A. Agakhanov, Bernd Ternes, Willi Schüller und Nikita V. Chukanov 2019 neu definiert und Samarskit-(Y) als Neudefinition von der IMA anerkannt (Antrag IMA 18-J).[10][11] Seitdem wird das Mineral in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „2019 s.p.“ (special procedure) geführt.[1] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Samarskit-(Y) lautet „Smk-Y“.[2]
In der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der noch unter seinem alten Namen aufgeführte Samarskit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung „MO2- und verwandte Verbindungen“, wo er zusammen mit Euxenit-(Y) (Rd; ehemals Euxenit), Fersmit (Rd), Ishikawait (Q), Kobeit-(Y) (Rn; ehemals Kobeit), Loranskit-(Y) (Rn; ehemals Loranskit), Polykras-(Y) (Q; ehemals Polykras), Tantalpolykras (Q), Tanteuxenit-(Y) (Rd; ehemals Tanteuxenit), Yttrokrasit-(Y) (Q; ehemals Yttrokrasit, auch Yttrokras), Yttrotantalit-(Y) (Q; ehemals Yttrotantalit) sowie im Anhang mit Kassit die „Euxenit-Reihe“ mit der Systemnummer IV/D.10b bildete.
Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[13]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Samarskit-(Y) in die Abteilung „Metall:Sauerstoff=1:2 und vergleichbare“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen Kationen; Ketten kantenverknüpfter Oktaeder“ zu finden, wo es zusammen mit Calciosamarskit, Ishikawait, Ixiolith, Písekit-(Y), Samarskit-(Yb), Srilankit und Yttrocolumbit-(Y) die „Samarskitgruppe“ mit der Systemnummer 4.DB.25 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Samarskit-(Y) die System- und Mineralnummer 08.01.11.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Mehrfache Oxide mit Nb, Ta und Ti“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Mehrfache Oxide mit Nb, Ta und Ti mit der Formel ABO4“ in der „Samarskitgruppe“, in der auch Samarskit-(Yb) eingeordnet ist.
Samarskit-(Y) aus der „Tom Ross Mine“, Yancey County, North Carolina, USASamarskit-(Y) mit frischer Bruchfläche aus der Sammlung der Brigham Young University, Utah, USA
Am Ort der Erstentdeckung, Bljumowskaja kop' im südlichen Ilmengebirge (bei Miass), wurde der Samarskit in Verwachsungen mit Columbit gefunden. Das Illmengebirge ist ein Teil vom Südural und befindet sich etwa 200 km südlich von Jekaterinburg.
Die Bljumowskaja Grube (Bljumowskaja kop') entstand 1835 und ist als reichhaltige Mineralienfundstelle im Südural bekannt. Hier wurden 1911 durch die Radiumexpedition von Mitarbeitern Wernadskijs etwa 15 Kilogramm Samarskit geborgen und zur Untersuchung an Marie Skłodowska-Curie weitergegeben.[14]
Als eher seltene Mineralbildung kann Samarskit-(Y) an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit gelten bisher (Stand: 2012) rund 350 Fundorte als bekannt.[7] Neben seiner Typlokalität Grube „Blyumovskaya“ konnte das Mineral noch an anderen Stellen am Berg Ilmen und am nahen Fluss Miass im Ural sowie an zwei Fundpunkten in der ostsibirischen Republik Burjatien gefunden werden.
In Deutschland fand sich Samarskit-(Y) unter anderem bei Matzersdorf und Stützersdorf in der Gemeinde Tittling und bei Hadendorf in der Gemeinde Waidhaus in Bayern sowie an mehreren Orten in der Eifel nahe Niedermendig und am Krufter Ofen.
Der bisher einzige bekannte Fundort für Samarskit-(Y) in der Schweiz ist ein verlassener Granophyr-Steinbruch nahe der Kapelle della Madonna in der Tessiner Gemeinde Carona TI.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Brasilien, China, Finnland, Frankreich, Guyana, Indien, Italien, Japan, Kanada, Madagaskar, Mosambik, Norwegen, Polen, Rumänien, Sambia, Saudi-Arabien, Schweden, Slowakei, Südafrika, Tschechien, Ukraine und in mehreren Bundesstaaten der USA.[15]
Samarskite-(Y) search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 7.Februar 2026(englisch).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.209 (englisch).
12345
Samarskite-(Y). In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 58kB; abgerufen am 7.Februar 2026]).
12Samarskite-(Y).In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 7.Februar 2026(englisch).
↑Ernest H. Nickel, Joseph A. Mandarino:Procedures involving the IMA Commission on New Minerals and Mineral Names and guidelines on mineral nomenclature. In: American Mineralogist. Band72, 1987, S.1031–1042 (englisch, minsocam.org[PDF; 1,6MB; abgerufen am 7.Februar 2026]).
↑Sergey N. Britvin, Igor V. Pekov, Maria G. Krzhizhanovskaya, Atali A. Agakhanov, Bernd Ternes, Willi Schüller, Nikita V. Chukanov:Redefinition and crystal chemistry of samarskite-(Y), YFe3+Nb2O8: cation-ordered niobate structurally related to layered double tungstates. In: Physics and Chemistry of Minerals. Band46, Nr.7, 2019, S.727–741, doi:10.1007/s00269-019-01034-0 (englisch).
↑Ritsuro Miyawaki, Frédéric Hatert, Marco Pasero, Stuart J. Mills:IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) Newsletter 48. New minerals and nomenclature modifications approved in 2019. In: European Journal of Mineralogy. Band31, 2019, S.399–402;hier:402, IMA 18-J: Redefinition of samarskite-(Y) (englisch, cnmnc.units.it[PDF; 282kB; abgerufen am 7.Februar 2026]).
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.