Sahlinit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, entwickelt jedoch nur winzige, schuppige Kristalle bis etwa zwei Millimeter Größe in faserigen oder derben Mineral-Aggregaten und krustigen Überzügen. Das Mineral ist durchscheinend und zeigt auf den Oberflächen der hellschwefelgelben, hellgrünlichgelben oder gelben bis orangen Kristalle einen diamantähnlichen Glanz. Auf der Strichtafel hinterlässt Sahlinit einen blassgelben Strich.
Erstmals entdeckt wurde Sahlin in der Grubengemeinde Långban in der schwedischen Provinz Värmlands län. Die Erstbeschreibung erfolgte 1934 durch Gregori Aminoff, der das Mineral nach dem schwedischen Metallurgen, Generaldirektor eines Eisenhüttenwerkes und Industriehistoriker Carl Sahlin (Carl Andreas Sahlin, 1861–1943[7]) benannte. Dieser führte unter anderem umfangreiche Untersuchungen zur Nutzungsgeschichte des älteren schwedischen Bergmanagements durch und war Mitbegründer von drei technisch-historischen Museen: dem Bergwerk Museum von Falun, dem Laxå Bruksmuseum und dem Tekniska museet (Technischen Museum) in Stockholm.[9]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Sahlinit die System- und Mineralnummer 41.01.04.01. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (A2+)m (XO4)p Zq, mit m:p>4:1“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 41.01.04, in der auch Kombatit eingeordnet ist.
Die theoretische Zusammensetzung von Sahlinit (Pb14[Cl4|O9|(AsO4)2]) besteht aus 83,73% Blei, 4,09% Chlor, 4,33% Arsen und 7,85% Sauerstoff.[6] In den Sahlinitproben aus der Typlokalität Långban fanden sich zusätzlich geringe Beimengungen von etwa 0,43% Kohlenstoffdioxid (CO2), 0,46% Calcium in der Form CaO und 0,10% Kristallwasser (H2O).[5]
In Namibia fand sich Sahlinit in den geschichteten Hausmannit-Baryt-Erzen des Untertage-Bergwerks Kombat in der Gemeinde Grootfontein (Otjozondjupa), wo er neben Hausmannit und Baryt noch mit gediegen Kupfer und Jakobsit vergesellschaftet auftritt.
Zwei weitere dokumentierte Fundorte, die Wesley Mine bei Westbury on Trym knapp 5km nördlich von Bristol und der Steinbruch Torr Works bei Cranmore knapp 5km östlich von Shepton Mallet in England, wurden bisher nicht bestätigt.[12]
G. Aminoff:Note on a new mineral from Långban (Sahlinite). In: Geologiska Föreningens i Stockholm Förhandlingar. Band56, 1934, S.493–494 (Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 25. Juni 2024 im Internet Archive) [PDF; 55kB; abgerufen am 22.April 2026]).
William F. Foshag:New mineral names. In: American Mineralogist. Band20, Nr.4, 1935, S.314–317 (minsocam.org[PDF; 238kB; abgerufen am 22.April 2026]).
Pete J. Dunn, George Y. Chao, Joan J. Fitzpatrick, Richard H. Langley, Michael Fleischer, Janet A. Zilczer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band71, Nr.1–2, 1986, S.227–232 (minsocam.org[PDF; 784kB; abgerufen am 22.April 2026]).
John Leslie Jambor, Andrew C. Roberts:New mineral names. In: American Mineralogist. Band89, 2004, S.467–471 (minsocam.org[PDF; 712kB; abgerufen am 22.April 2026]).
Sahlinite search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 22.April 2026(englisch).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.469 (englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456
Sahlinite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org[PDF; 84kB; abgerufen am 22.April 2026]).
12Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig:Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York (u. a.) 1997, ISBN 0-471-19310-0, S.816 (englisch).
↑Marie Nisser:Carl A. Sahlin.In:sok.riksarkivet.se.Svenskt biografiskt lexikon,abgerufen am 22.April 2026(deutsch: Schwedisches biographisches Lexikon, Band 31 (2000–2002), S. 252).