Sozialistische Einheitspartei Deutschlands
| Sozialistische Einheitspartei Deutschlands | ||||
|---|---|---|---|---|
| Parteivorsitzender | Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl (Co-Vorsitzende, 22. April 1946 – 6. April 1954) Gregor Gysi (9. Dezember 1989 – 17. Dezember 1989) | |||
| Generalsekretär | Walter Ulbricht (24. Juli 1950 – 3. Mai 1971) Erich Honecker (3. Mai 1971 – 18. Oktober 1989) Egon Krenz (18. Oktober 1989 – 6. Dezember 1989) | |||
| Ehrenvorsitzender | Walter Ulbricht (3. Mai 1971 – 1. August 1973) | |||
| Entstehung | Zwangsvereinigung von Ost-SPD und KPD | |||
| Gründung | 21. / 22. April 1946 | |||
| Gründungsort | Admiralspalast, Groß-Berlin | |||
| Umbenennung | 16. / 17. Dezember 1989 (umbenannt in: Sozialistische Einheitspartei Deutschlands – Partei des Demokratischen Sozialismus (SED-PDS)) | |||
| Hauptsitz | Haus am Werderschen Markt, Berlin-Mitte | |||
| Jugendorganisation | Freie Deutsche Jugend (FDJ) | |||
| Zeitung | Neues Deutschland | |||
| Ausrichtung | Sozialismus Kommunismus Marxismus-Leninismus Stalinismus Realsozialismus (1973–1989) Demokratischer Sozialismus (1989–1990) | |||
| Farbe(n) | rot | |||
| Mitgliederzahl | 2,1 Millionen (November 1989) | |||
| Mindestalter | 18 Jahre | |||
| Internationale Verbindungen | Kominform (1949–1956) | |||
| Bezirksleitung | Mitglieder und Kandidaten[32] |
Erster Sekretär | Organ |
|---|---|---|---|
| Bezirksleitung Halle | 230.000 | Hans-Joachim Böhme | Freiheit |
| Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt | 192.000 | Siegfried Lorenz | Freie Presse |
| Bezirksleitung Dresden | 186.400 | Hans Modrow | Sächsische Zeitung |
| Bezirksleitung Berlin | 181.000 | Günter Schabowski | Berliner Zeitung BZ am Abend |
| Bezirksleitung Magdeburg | 160.000 | Werner Eberlein | Volksstimme |
| Bezirksleitung Leipzig | 149.700 | Horst Schumann | Leipziger Volkszeitung |
| Bezirksleitung Erfurt | 137.000 | Gerhard Müller | Das Volk |
| Bezirksleitung Rostock | 114.100 | Ernst Timm | Ostsee-Zeitung |
| Bezirksleitung Potsdam | 98.000 | Günther Jahn | Märkische Volksstimme |
| Bezirksleitung Gera | 93.000 | Herbert Ziegenhahn | Volkswacht |
| Bezirksleitung Cottbus | 90.000 | Werner Walde | Lausitzer Rundschau |
| Bezirksleitung Neubrandenburg | 68.800 | Johannes Chemnitzer | Freie Erde |
| Bezirksleitung Suhl | 68.000 | Hans Albrecht | Freies Wort |
| Bezirksleitung Frankfurt/Oder | 69.000 | Christa Zellmer | Neuer Tag |
| Bezirksleitung Schwerin | 67.000 | Heinz Ziegner | Schweriner Volkszeitung |
| Gebietsparteileitung Wismut | 13.700 | Alfred Rohde | N/A |
| Politische Hauptverwaltung der Nationalen Volksarmee |
N/A | Horst Brünner | Volksarmee |
Zentralkomitee
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Das Zentralkomitee (ZK) war das höchste Organ in der Parteistruktur zwischen den Parteitagen. Das Machtzentrum lag dabei beim Sekretariat des ZK, dem ein Generalsekretär (von 1953 bis 1976 Erster Sekretär) vorstand. Dieser führte wiederum den Vorsitz im Politbüro. In der politischen Rangfolge standen die Mitglieder des Politbüros über den Ministern, die ZK-Sekretäre waren gegenüber den staatlichen Ministern weisungsbefugt. Diese Führungsrolle ergibt sich aus der Verfassung von 1968, in der die Führungsrolle der SED festgeschrieben wurde.
Die Delegierten des III. Parteitags der SED wählten 1950 ein Zentralkomitee nach sowjetischem Vorbild, das an die Stelle des bis dahin paritätischen Parteivorstands trat. Auffallend war im ZK die Dominanz ehemaliger KPD-Mitglieder (62,5 %) über die ehemaligen SPD-Mitglieder (24 %). Von der anfänglichen Parität innerhalb der SED war vier Jahre nach der Vereinigung der Arbeiterparteien wenig übrig geblieben.[33]

1989 bestand das ZK aus 165 Mitgliedern und 57 Kandidaten. Alle hochrangigen Partei- und Staatsfunktionäre der DDR waren – sofern Mitglied der SED – im ZK vertreten. Von Institutsdirektoren über Generaldirektoren wichtiger Kombinate, dem Präsidenten des Schriftstellerverbandes, Generälen bis hin zu verdienten Parteiveteranen waren alle wichtigen Funktionsträger vertreten. Das ZK war – wie die gesamte obere Machthierarchie der DDR – männlich dominiert, der Frauenanteil stieg seit 1950 nie über 15 Prozent.
Die Generalsekretäre bzw. Ersten Sekretäre des ZK der SED waren:
- Walter Ulbricht, 25. Juli 1950 Generalsekretär, 26. Juli 1953 bis 3. Mai 1971 Erster Sekretär
- Erich Honecker, 3. Mai 1971 Erster Sekretär, 22. Mai 1976 bis 18. Oktober 1989 Generalsekretär
- Egon Krenz, 18. Oktober 1989 bis 3. Dezember 1989 Generalsekretär
- Walter Ulbricht
- Erich Honecker
- Egon Krenz
Den etwa zehn ZK-Sekretären waren die insgesamt 40 verschiedenen Abteilungen des ZK mit hauptamtlichen Mitarbeitern zugeordnet. Gab es 1970 noch 1.000 Mitarbeiter, waren es 1987 schon 2.000 Mitarbeiter. Eine Abteilung wurde jeweils durch einen Abteilungsleiter und seinen Stellvertreter geleitet, ebenfalls einflussreiche Positionen im DDR-Machtapparat. Jede Abteilung war wiederum in Sektoren gegliedert mit Sektorenleitern, Instrukteuren und politischen sowie technischen Mitarbeitern.
ZK-Mitglieder und Mitarbeiter hatten mit ihren Dienstausweisen freien Zugang zu allen staatlichen und Parteieinrichtungen, eigene Ferienheime und andere Privilegien.
Das ZK der SED hatte zuerst seinen Sitz im Kaufhaus Jonaß, seit 1959 im Haus am Werderschen Markt in Berlin-Mitte.
- „Haus des Zentralkomitees“ der SED 1951 im ehemaligen Haus der Reichsjugendführung, vormals Kaufhaus Jonaß
- Haus am Werderschen Markt in Berlin, von 1959 bis 1990 Sitz des ZK der SED
- Demontage des SED-Symbols am ehemaligen ZK-Gebäude am Werderschen Markt (Januar 1990)
Das Zentralkomitee wurde oft als „kleiner Parteitag“ bezeichnet, da es gemäß den Parteistatuten in der Zeit zwischen den Parteitagen als höchstes Organ der SED fungierte. Es behandelte die jeweiligen Agenden mehrmals im Jahr in Plenartagungen und segnete die Arbeit des Politbüros ab. Die Anzahl der ZK-Tagungen zwischen den Parteitagen schwankte mitunter sehr stark. Kam es etwa zwischen dem II. und dem III. Parteitag zu 27 Tagungen, so hielt das ZK zwischen dem X. und dem XI. Parteitag nur mehr 12 Tagungen ab.[34] Während unter dem 1. Sekretär Ulbricht noch lebhafte Diskussionen im ZK stattfanden, tagte unter seinem Nachfolger Honecker dieses Gremium nur noch sehr förmlich zweimal im Jahr. Die Tagesarbeit übernahm stattdessen das Politbüro, ein kleiner Zirkel der Sekretäre des ZK und anderer hochrangiger Parteifunktionäre.
Die Zählung der Tagungen des Zentralkomitees zwischen den Parteitagen begann nach einem Parteitag jeweils von Neuem.
So fand die 9. Tagung des ZK nach dem XI. Parteitag am 18. Oktober 1989 statt, bei dem Erich Honecker als Generalsekretär, Staatsratsvorsitzender und Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates abgelöst und durch Egon Krenz ersetzt wurde. Krenz und Erich Mielke hatten am Abend des 16. Oktober 1989 Vorgespräche für die Absetzung Honeckers geführt. In der Sitzung des Politbüros vom 17. Oktober 1989 schlug Willi Stoph als ersten Punkt der Tagesordnung vor: „Entbindung des Genossen Honecker von seiner Funktion als Generalsekretär und Wahl von Egon Krenz zum Generalsekretär“. Günter Schabowski erweiterte den Antrag und forderte die Absetzung Honeckers auch als Staatsratsvorsitzenden und Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates. Alfred Neumann wiederum forderte darüber hinaus die Ablösung von Günter Mittag und Joachim Herrmann. Es kam zu einem einstimmigen Beschluss des Politbüros. Dem ZK der SED wurde vorgeschlagen, Honecker, Mittag und Hermann von ihren Funktionen zu entbinden. Bei der nun folgenden 9. Tagung des Zentralkomitees am 18. Oktober 1989 waren 206 Mitglieder und Kandidaten anwesend. Das ZK folgte der Empfehlung des Politbüros. Öffentlich hieß es: „Das ZK hat der Bitte Erich Honeckers entsprochen, ihn aus gesundheitlichen Gründen von der Funktion des Generalsekretärs, vom Amt des Staatsratsvorsitzenden und von der Funktion des Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates der DDR zu entbinden.“ Egon Krenz wurde per Akklamation einstimmig zum neuen Generalsekretär der SED gewählt.

Die 10. Tagung des ZK nach dem XI. Parteitag fand von 8. bis 10. November 1989 statt und stand im Eindruck der großen Umwälzungen in Osteuropa. In der nach dem zweiten Sitzungstag am 9. November 1989 im Gebäude Mohrenstraße 36–37, dem Internationalen Pressezentrum der DDR-Regierung, angesetzten Pressekonferenz verkündete Günter Schabowski jene Reiseregelung, welche zum Öffnen der DDR-Grenzen führte.
Auf der letzten Sitzung des Zentralkomitees der SED, offiziell der „12. Tagung des ZK nach dem XI. Parteitag“, die am 3. Dezember 1989 stattfand, wurden Hans Albrecht, Erich Honecker, Günther Kleiber, Werner Krolikowski, Erich Mielke, Gerhard Müller, Alexander Schalck-Golodkowski, Horst Sindermann, Willi Stoph, Harry Tisch, Herbert Ziegenhahn und Dieter Müller aus der Partei ausgeschlossen. Danach traten Politbüro und ZK geschlossen zurück.
Politbüro des Zentralkomitees
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die wichtige Tagesarbeit übernahm das Politbüro, ein kleiner Zirkel hochrangiger Parteifunktionäre, bestehend aus 15 bis 25 Mitgliedern und etwa zehn Kandidaten (Mitglieder ohne Stimmrecht), darunter die etwa zehn Sekretäre des ZK. Der Generalsekretär des ZK der SED führte zugleich den Vorsitz im Politbüro. Die offizielle Regierung, der Ministerrat der DDR, hatte die Beschlüsse des Politbüros nur noch über die Ministerien nach unten umzusetzen. Dabei wurde der Ministerrat ständig von den Parteigremien kontrolliert, wodurch diese die laut DDR-Verfassung „führende Rolle der Partei“ sicherstellten. Die Vorsitzenden des Ministerrates und der Präsident der Volkskammer waren, sofern SED-Mitglieder, auch Mitglieder des Politbüros.
In der Praxis wurden nur noch die umfangreichen, vom Sekretariat und den Abteilungen des ZK erarbeiteten Vorlagen von den Mitgliedern meist einstimmig beschlossen, die den Mitgliedern zuvor per Kurier zum Aktenstudium zugestellt worden waren. Dabei verließ man sich meist auf die Beschlussempfehlung des für das jeweilige Fachgebiet zuständigen Politbüromitglieds, ohne anderen in ihr Fachgebiet hineinzureden – dies vor allem dann, wenn der Generalsekretär auf der Vorlage bereits vorab sein Einverständnis notiert hatte. Übergreifend konnte nur er eingreifen. Kontroverse Diskussionen gab es kaum, der Generalsekretär behielt sich das Letztentscheidungsrecht vor. Insbesondere Abstimmungen zu Sicherheitsfragen waren tabu; diese wurden direkt zwischen dem jeweiligen Minister und dem Generalsekretär streng vertraulich geregelt. Zu speziellen Themen wurden leitende Kader wie Generaldirektoren, Institutsdirektoren, Minister oder Staatssekretäre als „Berichterstatter“ zur Verteidigung ihrer Entscheidungsvorlage vorgeladen.
Das Politbüro tagte jede Woche dienstags ab 10 Uhr für etwa zwei Stunden in der zweiten Etage des Zentralkomitee-Gebäudes. Eröffnet und geschlossen wurden die Sitzungen, die nach Günter Schabowski in einer „Klassenzimmeratmosphäre“ stattfanden, vom Generalsekretär.[35] Außerhalb der Sitzungen und in der Urlaubszeit kam es auch zu Beschlüssen im Umlaufverfahren, das heißt, eine Unterschriftenmappe wurde von den Mitgliedern zustimmend abgezeichnet.
Die herausgehobene Rolle des Politbüros im Machtgefüge der DDR zeigt sich u. a. auch daran, dass für die Mitglieder und Kandidaten dieses Gremiums bis 1989 eine eigene geschlossene Wohnanlage (die Waldsiedlung Wandlitz) sowie eine eigene Ehrengrabstätte (die Gedenkstätte der Sozialisten) vorgesehen waren.
Kommissionen und Arbeitsgruppen beim SED-Politbüro und deren Leiter in den 1980ern:
- Agitationskommission: Joachim Herrmann
- Außenpolitische Kommission: Hermann Axen
- Kommission Asien, Afrika und arabischer Raum: Günter Mittag
- Kaderkommission: Fritz Müller
- Kulturkommission: Kurt Hager
- Kommission der Leiter gesellschaftswissenschaftlicher Institute beim ZK der SED: Kurt Hager
- Frauenkommission: Ingeburg Lange
- Jugendkommission: Egon Krenz (vorher Kurt Turba)
- Wirtschaftskommission: Günter Mittag (tagte alle 14 Tage montags)
- Arbeitsgruppe Zahlungsbilanz: Günter Mittag
Bis 1960 gab es beim SED-Politbüro auch eine Sicherheitskommission (Leiter: Paul Verner), die 1960 durch den Nationalen Verteidigungsrat ersetzt wurde.
Für die unterstützende administrative Arbeit gab es ein Büro des Politbüros (1946–1949: Büro des Zentralsekretariats), seine Leiter waren:
- Richard Gyptner (Ex-KPD) und Fritz Schreiber (Ex-SPD) (paritätisch, 1946–1949)
- Rudolf Thunig (1949–1953)
- Otto Schön (1950–1968)
- Gisela Glende (1968–1986)
- Edwin Schwertner (1986–1989)
Sekretariat des Zentralkomitees
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Das Sekretariat des ZK tagte jeweils am Mittwoch, um als Planungsstab die am Vortag getroffenen Entscheidungen des Politbüros umzusetzen und dessen nächste wöchentliche Sitzung vorzubereiten. Es bestand aus den Sekretären des ZK der SED. Entscheidende Bedeutung hatte das Sekretariat bei der Auswahl der Nomenklaturkader; dies waren die etwa 300 höchsten Positionen in Partei und Staat, die vor ihrer Neubesetzung durch das ZK-Sekretariat zustimmungspflichtig waren.
Die praktische Arbeit wurde von den diversen Abteilungsleitern und ihren Mitarbeitern geleistet.[36] ZK-Sekretär Joachim Herrmann waren beispielsweise die drei Abteilungen Agitation, Propaganda und Befreundete Parteien unterstellt. Die Abteilung Agitation war für die Organisation und Lenkung der Massenmedien verantwortlich sowie wichtigste Zensurbehörde der DDR.
Vorsitzender der SED
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anders als kommunistische Parteien, die nach dem stalinistischen Modell errichtet worden waren – Stalin hatte sein Amt des Generalsekretärs der KPdSU nach dem Tod des Vorsitzenden Lenin zum Führungsamt ausgebaut –, kannte die SED grundsätzlich auch die Funktion eines Vorsitzenden. Doch lag die tatsächliche Macht von Anfang an auch hier beim Generalsekretär; 1954 wurde das Amt ersatzlos abgeschafft.[37] 1971 wurde es als machtloses Ehrenamt ohne Grundlage in den Statuten[38] unter der Bezeichnung Ehrenvorsitzender für Walter Ulbricht neu geschaffen.[39]
Liste der Vorsitzenden:
- Wilhelm Pieck, 1946–1954, Ko-Vorsitz (Ex-KPD), Staatspräsident
- Otto Grotewohl, 1946–1954, Ko-Vorsitz (Ex-SPD), Ministerpräsident
- Walter Ulbricht, 1971–1973, Staatsratsvorsitzender
- Gregor Gysi, 9.–17. Dezember 1989
Rolle der SED in der Gesellschaft und Innenpolitik der DDR
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das erklärte politische Ziel der SED, die Errichtung und Erhaltung der Diktatur des Proletariats, konnte aus ihrer Sicht nur dadurch sichergestellt werden, dass alle gesellschaftlichen Bereiche ständiger Kontrolle und Einflussnahme unterlagen. Mit der Doktrin der Führungsrolle der Partei sollte es gelingen, die Fäden des politischen, geistigen und wirtschaftlichen Lebens in den parteilichen Machtzentren zusammenlaufen zu lassen. Abgeleitet aus dem Kommunistischen Manifest von Marx und Engels wurde dieser Führungsanspruch letztlich seit 1968 in der Verfassung der DDR (Abschnitt I, Kapitel 1, Artikel 1) verankert:
„Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat […] unter Führung […] ihrer marxistisch-leninistischen Partei.“
Rolle der SED in der internationalen Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Außenpolitik der SED verfolgte anfangs vor allem das Ziel einer Anerkennung der DDR als souveränem Staat, später standen wirtschaftliche Ziele im Vordergrund. Die SED verfolgte dabei innerhalb des kommunistischen Parteienspektrums Westeuropas eine durchaus eigenständige Außenpolitik mit Beziehungen zu den „Bruderparteien“ – anders als etwa die italienische oder französische Kommunistische Partei übte die SED keinerlei Kritik an Moskaus Außenpolitik. So wurde etwa von Italiens KP der Einmarsch des Warschauer Paktes in die CSSR 1968 und die Niederschlagung des Prager Frühlings heftig kritisiert, während die DDR unter ihrer SED-Regierung den Einmarsch logistisch unterstützte. Darunter litt die Beziehung zu den Italienern zunächst, sie wurde jedoch aus ökonomischen Gründen und wegen des Werbens um Anerkennung der DDR in Westeuropa beibehalten.[40]
Westarbeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die SED versuchte auf verschiedene Weise, Einfluss auf die Politik der Bundesrepublik zu nehmen. Im Rahmen ihrer Westarbeit finanzierte sie insgeheim verschiedene Parteien und Organisationen, darunter die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) bis zu deren Verbot 1956,[41] den Bund der Deutschen,[42] die Sozialistische Einheitspartei Westberlins (SEW),[43] die Deutsche Friedens-Union,[44] die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes[45] und die 1968 gegründete Deutsche Kommunistische Partei (DKP).[46]
Verantwortlich für die Finanzierung war die Abteilung Finanzverwaltung und Parteibetriebe des ZK der SED unter Karl Raab, ab 1982 unter Heinz Wildenhain. Dieser ließ am 10. November 1989, einen Tag nach dem Fall der Berliner Mauer, große Mengen Akten über diese Aktivitäten vernichten.[43]
Mitglieder
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Zum Zeitpunkt des Vereinigungsparteitags gab es laut den offiziellen Statistiken 679.159 SPD-Mitglieder und 619.256 der KPD, sodass die Partei 1.298.415 Mitglieder angab. Diese Zahl wurde von Beginn an angezweifelt, insbesondere weil rund 200.000 ehemalige SPD-Mitglieder nicht in die SED eintraten, viele davon stillschweigend durch Nichtzahlung des Beitrags, wodurch sie weiter mitgezählt wurden. Bis September 1947 stieg die Zahl der SED-Mitglieder stark bis auf 1.766.198 an. Ab Oktober wurde diese um Karteileichen bereinigt; dadurch verringerte sich die Mitgliederzahl im Folgejahr trotz über 70.000 Neuzugängen um 20.000. Im nächsten Jahr sank die Mitgliederzahl im Saldo um weitere 169.944.[47]
In der Parteiführung war man auf der einen Seite besorgt über den Mitgliederrückgang, während andererseits auch kein unkontrolliertes Anwachsen gewünscht war. Ausdruck dessen war die 1949 eingeführte Kandidatenzeit von zwei Jahren. Politisch gewollt war es, den Einfluss alter Parteikader aus SPD und KPD zu verringern. Tatsächlich waren dann auch schon Ende 1951 nur noch weniger als 16 % der Mitglieder schon vor 1933 in einer der Vorgängerparteien oder deren Jugendorganisationen politisch in der Arbeiterbewegung organisiert.[47]
Im Sommer 1946 öffnete sich die SED im Vorfeld des Wahlkampfes zu den Gemeinde- und Landtagswahlen in der sowjetischen Besatzungszone und zur Berliner Stadtverordnetenversammlung, bei dem sie offensiv die Rolle ehemaliger Nazis in anderen Parteien thematisierte,[48] für ehemalige „nominelle“ Mitglieder der NSDAP. Am 15. Juni 1946 fasste das Zentralsekretariat den grundlegenden Beschluss zur Öffnung der Partei für „nominelle Pgs“ und hob damit einen Unvereinbarkeitsbeschluss auf. Die Aufnahme konnte nun nach „individueller Beurteilung in den Parteiorganisationen“ erfolgen; bei der Entscheidung berücksichtigt werden sollten insbesondere Jugendliche und „die aktive Betätigung des Betreffenden gegen Hitler“. Nach dem 17. Juni 1953, in dessen Folge es bis zum März 1954 zu 23.173 Parteiausschlüssen kam,[49] wurde von der Abteilung Parteiorgane des Zentralkomitees einmalig auch der Anteil ehemaliger NSDAP-Mitglieder an der SED-Mitgliedschaft ermittelt.[50] Demnach hatten zu diesem Zeitpunkt 8,7 % (106.377) der SED-Mitglieder und -Kandidaten vor 1945 der NSDAP angehört. Regional war dieser Anteil aus bislang nicht abschließend geklärten Gründen sehr ungleichmäßig verteilt; in Berlin lag er bei lediglich 4 Prozent, in Thüringen in einzelnen Kreisorganisationen dagegen bei bis zu 25 Prozent. Diese SED-Mitglieder mit NS-Vergangenheit lassen sich nach dem Forschungsstand von 2021 in der Hauptsache zwei Gruppen mit unterschiedlichen Profilen zuordnen. Zum einen handelte es sich um jüngere Männer, die nach einer Vergangenheit in der Hitlerjugend während des Zweiten Weltkrieges Mitglieder der NSDAP geworden waren, zum anderen um Leitungspersonal in Betrieben und Verwaltungen, das von der Entnazifizierung nicht erfasst worden war. Die Integration der zuletzt genannten Gruppe war mit erheblichen Spannungen verbunden; vor allem während der 1950er Jahre kam es immer wieder zu „Konflikten zwischen Altkommunisten und Wirtschaftsfunktionären“, die „als ehemalige NSDAP-Mitglieder der SED beigetreten waren und weiterhin wie lokale Honoratioren auftraten“.[51] Ehemalige NSDAP-Mitglieder konnten in der SED weiterhin hohe Posten erlangen; so wurden Anfang der 1960er Jahre mit Werner Wittig und Fritz Müller zwei ehemalige Nationalsozialisten 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Potsdam respektive Leiter der ZK-Abteilung Kader.
Zu Beginn der 1950er Jahre sank die Zahl der Mitglieder weiter, mit jährlichen Verlusten im zweistelligen Prozentbereich. Die meisten wurden aus der Parteiliste gestrichen, weil sie den Beitrag nicht zahlten. Dies war eine beliebte Möglichkeit, stillschweigend auszutreten, da man dadurch inquisitorische Fragen nach den Gründen vermeiden konnte. Der absolute Tiefstand wurde 1952 mit 1.125.691 Mitgliedern erreicht.[47]
| Jahr | Arbeiter | Bauern | Angestellte | „Intelligenz“ |
|---|---|---|---|---|
| 1946 | 54,2 | 5,4 | 17,5 | 3,7 |
| 1947 | 49,5 | 6,0 | 19,1 | 4,1 |
| 1948 | 47,7 | 5,8 | 20,3 | 4,3 |
| 1949 | 45,9 | 6,0 | 20,6 | 4,9 |
| 1950 | 42,5 | 5,9 | 22,3 | 5,8 |
| 1951 | 41,2 | 4,6 | 29,3 | 4,5 |
| 1952 | 39,6 | 4,5 | 31,8 | 4,8 |
| 1953 | 39,0 | 4,5 | 32,4 | 5,2 |
| 1956 | 34,3 | 5,0 | 32,8 | 8,9 |
| 1959 | 33,7 | 5,3 | 33,2 | 8,8 |
| 1960 | 34,3 | 6,4 | 32,3 | 8,7 |
Die soziale Zusammensetzung der Mitglieder unterlag von Anfang an einem starken Wandel. Ab 1946 nahm der Anteil der Arbeiter unter den Mitgliedern, der 1946 noch fast 55 % betragen hatte, beträchtlich ab. 1959 war der Anteil der Angestellten mit ebenfalls rund einem Drittel fast genauso hoch wie der der Arbeiter. Obwohl die Mitgliederwerbung unter Arbeitern weiter intensiv betrieben wurde, zeigt sich darin die Funktion der SED als dominierende Staats- und Verwaltungspartei. Für diese war es wichtig, dass möglichst alle Funktionen in der Verwaltung und der Wirtschaft politisch von ihr beherrscht wurden. Um äußerlich den Anschein einer Arbeiterpartei zu erhalten, wurden aufgrund eines Sekretariatsbeschlusses ab 1962 hauptamtliche Funktionäre der Partei und ihrer Organisationen und auch bewaffneter Organe in der Statistik als Arbeiter aufgeführt. Somit ist diese für die Folgejahre wenig aussagefähig.[47] Es gelang der Partei nie, eine breitere Verankerung in der Arbeiterschaft zu erreichen.[53]
Der Frauenanteil in der Partei lag, bedingt durch die deutsche geschichtliche Entwicklung, in der nur wenige Frauen in Parteien organisiert waren, 1950 bei 21,5 % und konnte bis 1960 trotz aller Versuche der Parteiführung, ihn zu erhöhen, nur unwesentlich auf 23,5 % erhöht werden. Die SED war in ihren Anfangsjahren, wie schon ihre Vorgängerparteien, in Relation zur Gesamtbevölkerung überaltert. Gegründet wurden die meisten Parteien von Altmitgliedern aus der Zeit vor 1933, und insgesamt war die Bereitschaft jüngerer Männer, sich nach Krieg und oft Gefangenschaft politisch zu betätigen, gering, so dass 1946 nur 8,8 % der Mitglieder jünger als 30 Jahre waren. Nachdem sich dieser Wert, bedingt durch intensive Anwerbung jüngerer Mitglieder, bis 1948 auf 16,7 % erhöht hatte, sank die relative Zahl jüngerer Mitglieder bis 1960 auf 9,3 % der bis 25-Jährigen, unter Berücksichtigung des von 21 auf 18 Jahre vorverlegten Eintrittsalters. Im weiteren Bestehen gelang es der SED, verstärkt jüngere Mitglieder aufzunehmen. 1970 waren 19,4 % und 1986 23,6 % der Mitglieder jünger als 30 Jahre. Zurückzuführen ist das darauf, dass Parteimitglieder bessere gesellschaftliche und berufliche Aufstiegschancen hatten.[47] Besonders Parteifunktionäre, die als Staats- und Wirtschaftskader als politische Bürokraten agierten, genossen materielle und immaterielle Vorteile, zu denen die Mehrheit der Bevölkerung keinen Zugang hatte.[53]
Im Juni 1971 hatte die Partei 1.909.859 Mitglieder. Insbesondere vor Parteitagen wurde in den Folgejahren die Mitgliederwerbung intensiviert und 1975 waren es erstmals über zwei Millionen Mitglieder und Kandidaten. 1987 erreichte der Mitgliederstand seinen Höchstwert mit 2.328.331. Das entsprach ungefähr jedem sechsten DDR-Bürger über 18 Jahren.[47]
1989 begann sich der Abwärtstrend schon im ersten Halbjahr abzuzeichnen, in dem schon Tausende ihre Mitgliedschaft kündigten. Im Sommer verstärkte sich dieser Trend mit ungefähr 100.000 Austritten zwischen August und Oktober. In einer zweiten Austrittswelle in den Monaten Oktober/November folgten weitere 220.000, bevor eine regelrechte Flucht aus der Partei begann, in der bis Ende Januar 1990 insgesamt 907.480 die SED verließen.[47]
Klaus Schroeder bezeichnet die DDR als Land der „kleinen Leute“, da Personen bürgerlicher Herkunft kaum Aufstiegschancen hatten, und deshalb insbesondere in der Führungsebene ehemalige „kleine Leute“ regierten. Diese sicherten nach ihrem Aufstieg für sich und ihre Klasse Privilegien.[54]
Parteialltag
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die SED hatte nach letztem Stand November 1989 etwa 2,1 Millionen Mitglieder,[32] während die Gesamtbevölkerung der DDR 16,8 Millionen Menschen umfasste, davon etwa 8 Millionen Erwerbstätige. Allein 339.000 Mitglieder, also 15 Prozent, waren 1981 Nomenklaturkader, das heißt hohe leitende Partei- oder Wirtschaftsfunktionäre.
In der DDR war der Begriff Die Partei als Synonym für die SED gebräuchlich und wurde dort zum geflügelten Wort.[55] Der Name der 2004 gegründeten Satirepartei Die PARTEI spielt darauf an.[56]
In den späten 1980er Jahren der DDR wurde es, bedingt durch zunehmende Widersprüche zwischen der erlebten gesellschaftlichen Wirklichkeit und der verkündeten Theorie, immer schwieriger, insbesondere junge Menschen zum Parteieintritt zu bewegen. Während einige den beruflichen Aufstieg durch eine Parteimitgliedschaft fördern wollten oder damit gedrängt wurden – so wurde es Meisteranwärtern nahegelegt, in die SED einzutreten –, war es gerade für die Verantwortlichen schwierig, die geforderte Anzahl Arbeiter zu werben. In den Kreisen der künstlerischen Intelligenz und in der Ärzteschaft galt es traditionell eher als befremdlich, „Genosse“ zu sein, aber Spitzenpositionen waren auch dort an ein „Bekenntnis zur Partei“ gekoppelt.
Für die SED arbeiteten etwa 44.000 hauptamtliche Mitarbeiter und 300.000 nebenamtliche Mitarbeiter, darunter 100.000 Parteisekretäre, wobei zumindest die einfachen Mitarbeiter lediglich knapp durchschnittlich zu einem vergleichbaren Wirtschaftskader bezahlt wurden.
Aufnahme
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Die Aufnahme in die SED erfolgte ab dem vollendeten 18. Lebensjahr. Es bedurfte eines schriftlichen, begründeten Antrags auf Mitgliedschaft als „Kandidat der SED“, der von zwei Bürgen unterstützt werden musste, die langjährige Mitglieder der SED waren und den Antragsteller kannten. Die Kandidatenzeit dauerte für „Angehörige der Arbeiterklasse“ ein Jahr, für andere länger.[57]
In dieser Zeit hatte der Kandidat die Pflicht und das Recht, an allen Parteiversammlungen der zuständigen Grundorganisation ohne Stimmrecht teilzunehmen. Es erfolgte eine spezielle Kandidatenschulung, und oftmals wurden Kandidatenaufträge vergeben. Sie hatten zum Beispiel folgende Form:
„Der Genosse XYZ sichert eine hohe Ordnung in seiner Abteilung.“
„Gemeinsam mit dem Genossen ABC hält Genosse XYZ Kontakt zur Patenklasse und führt zwei Veranstaltungen im Rahmen der Patenschaftsarbeit durch.“
„Als Mitglied der Kampfgruppe des Kombinates erfüllt Genosse XYZ alle ihm übertragenen Aufgaben mit hoher Qualität und Einsatzbereitschaft.“
Nach Ablauf der Kandidatenzeit wurde in der Parteigruppe abgestimmt, ob die Aufnahme als Mitglied erfolgen sollte, wobei es auch zu Ablehnungen oder zu einer Verlängerung der Kandidatenzeit kam. Allerdings war dies sehr selten und häufig mit Kritik an der Grundorganisation seitens übergeordneter Leitungen verbunden. Der betreffende Kandidat musste mit Benachteiligungen und Anfeindungen im Berufsleben rechnen.
Für die Aufnahme war die Zugehörigkeit zu sozialen Schichten oder Klassen maßgebend. Es bestanden fest vorgegebene Zahlenverhältnisse zwischen den Mitgliedern aus den Gruppen der Arbeiter, Angestellten, Genossenschaftsbauern, Angehörigen der sozialistischen Intelligenz, Handwerker und Freiberufler. Während Arbeiter und Genossenschaftsbauern praktisch ohne Beschränkung in die „Arbeiterpartei“ SED eintreten durften, ja sogar gezielte Werbeaktionen für sie durchgeführt wurden, war es unter Umständen für Angehörige der Intelligenz (insbesondere Lehrer) besonders dann schwer, in die SED aufgenommen zu werden, wenn gerade die Zahlenverhältnisse zwischen den Gruppen nicht mit den Vorgaben übereinstimmten. Teilweise mussten sich die weniger gewünschten Schichten jahrelang mit dem Kandidatenstatus begnügen. 1986 wurden 58,2 % aller Mitglieder als „Arbeiter“ eingestuft, tatsächlich Produktionsarbeiter waren aber nur 37,9 %. Angehörige der Intelligenz waren offiziell nur 22,4 % und Rentner 14 % aller Mitglieder.
In der Praxis kam es zu den abenteuerlichsten Verbiegungen, um noch als gewünschter Arbeiter zu gelten. So galt der Generaldirektor eines Betriebes, wenn er vor 40 Jahren seine Karriere als Arbeiter begonnen hatte, zeitlebens als Arbeiter.
Bei erfolgreicher Aufnahme wurden dem neuen Genossen die Dokumente, das heißt Mitgliedsausweis, Parteiprogramm und Parteistatut (zwei kleine rote Büchlein, Format etwa DIN A6), feierlich übergeben. Der Verlust des Mitgliedsausweises („Parteidokument“) galt als grobe Verfehlung, da er ja dem „Klassenfeind“ in die Hände fallen konnte, und wurde mindestens mit einer Rüge geahndet. In den Anfangsjahren mussten die Genossen den Ausweis ständig bei sich tragen. In den harten Zeiten des Kalten Krieges der 1950er Jahre wurde noch wesentlich stärker auf Parteidisziplin geachtet, und der Ausschluss des betreffenden Genossen wäre sicher gewesen.
Beschlüsse wurden nach Diskussion meist einstimmig gefasst, Stimmenthaltung war laut Parteistatut nicht vorgesehen. Die Diskussionen wurden auch von unten nach oben immer einsilbiger, bis es auf den Parteitagen nur noch zur Verlesung vorher schriftlich eingereichter und genehmigter „Diskussionsbeiträge“ kam.
Ende der Mitgliedschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Mitgliedschaft in der SED endete durch Ausschluss, Austritt (Streichung) oder Tod. Ein Austritt war jedoch faktisch nicht möglich, da der betreffende abtrünnige Genosse einfach vorher ausgeschlossen wurde. Dies wurde dann als Streichung bezeichnet. Parteistrafen wie Rüge, strenge Rüge und Ausschluss wurden durch die Parteikontrollkommissionen auf allen Parteiebenen verhängt, die über die „Einheit und Reinheit“ der Partei streng zu wachen hatten. In ihren Untersuchungen arbeiteten die Parteikontrollkommissionen eng mit staatlichen Organen wie der Volkspolizei zusammen.
Vorsitzende der Zentralen Parteikontrollkommission (ZPKK) beim ZK der SED:
- Hermann Matern (Ex-KPD) und Otto Buchwitz (Ex-SPD) (paritätisch, 1948–1950)
- Hermann Matern (1950–1971†)
- Erich Mückenberger (1971–1989)
- Werner Eberlein (1989)
Mit Rügen wurden auch „moralische Verfehlungen“ wie Ehebruch, die eines Parteimitgliedes im öffentlichen und persönlichen Leben nicht würdig waren, geahndet. Eine strafrechtliche Verurteilung führte zum Parteiausschluss.
| Jahr | Parteistrafen | Ausschlüsse | Streichungen |
|---|---|---|---|
| 1987 | 19.470 | 7.516 | 1.349 |
| 1988 | 22.998 | 10.849 | 1.956 |

Eine Sonderform, seine Parteimitgliedschaft wieder zu verlieren, war der etwa alle zehn bis fünfzehn Jahre stattfindende Umtausch der Parteidokumente, das heißt, es wurde ein neuer Mitgliedsausweis ausgegeben. Dies war mit einer umfassenden innerparteilichen Diskussion und „Reinigung“ verbunden, in der „unzuverlässige“ Genossen nicht wieder in die Partei kamen. Es erfolgte sozusagen ein „kalter Ausschluss“ mit der Streichung von der Mitgliederliste. So wurden zum Beispiel zwischen Januar und Juli 1951 ca. 22 % der Mitglieder wegen ‚ideologischer Unreife‘ ausgeschlossen. Der letzte Umtausch war im Herbst 1989 kurz vor dem Ende der DDR geplant. Er ging einher mit persönlichen Gesprächen in den Grundorganisationen. Die Herbstereignisse ließen den Umtausch platzen, und es wurden keine neuen Parteidokumente mehr ausgegeben. Sie waren jedoch bereits in den Kreisleitungen vorhanden und ausgestellt.
Parteiversammlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Mitglied der SED nahm man an den Parteigruppenversammlungen beziehungsweise Mitgliederversammlungen der Betriebsparteiorganisationen (BPO) oder bei nicht Erwerbstätigen/Rentnern der Wohngebietsparteiorganisationen (WPO) teil. Man konnte gewählt werden und wählen. Kandidaten hatten nur beratende Stimme. In den Versammlungen gab es eine Tagesordnung und ein Versammlungsprotokoll.
Der Information der etwa 100.000 Parteisekretäre diente das parteiinterne und weitestgehend vertrauliche Mitteilungsblatt Parteiinformation. In den Versammlungen wurden häufig Argumentationen zu aktuellen Geschehnissen daraus vorgetragen.
Die Parteiversammlung fand monatlich in allen Betrieben immer montags nach Arbeitsschluss, also ab etwa 17 Uhr, statt und dauerte eine bis zwei Stunden. Sie war nur Genossen und Kandidaten zugänglich. In Ausnahmefällen wurden öffentliche Versammlungen durchgeführt. Neben den Sitzungen der Grundorganisation wurden monatliche Zusammenkünfte der Abteilungsparteiorganisation (APO) und das Parteilehrjahr durchgeführt. In verschiedenen Grundorganisationen, so etwa bei SED-Kreisleitungen, gab es abweichende Zeiten für die Parteiversammlungen – beispielsweise Freitag früh. Gern wurde dort als Einstieg auch ein sogenanntes Arbeiterkampflied gesungen. Von den Mitgliedern wurde erwartet, dass sie den Text beherrschten.
Parteilehrjahr
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Das Parteilehrjahr diente der politisch-ideologischen Schulung der Mitglieder und wurde monatlich durchgeführt.[58] Geleitet wurde es von einem Mitglied der Parteileitung der Grundorganisation beziehungsweise einem geschulten Propagandisten. Es wurde zentral mit Veranstaltungen für die Seminarleiter begonnen. An den Seminaren nahmen auch Nichtmitglieder teil, wenn sie besondere Führungspositionen einnahmen. Für Lehrer existierte ein Beschluss der Gewerkschaft, nach dem die Teilnahme für Parteilose verpflichtend war. Aus einem Themenangebot wählte die Parteileitung das für die Grundorganisation Bedeutsame aus. In hohen Auflagen wurden Broschüren zur Unterstützung der Arbeit im Dietz-Verlag herausgegeben. Dieses Material wurde von den Teilnehmern des Lehrjahres für den Preis von 1,60 Mark käuflich erworben.
Themenbeispiele:
- 1970/71: Die Leninsche Theorie des Imperialismus – Schlüssel zum Verständnis des Imperialismus in seiner gegenwärtigen Entwicklungsetappe
- 1978/79: Theorie und Politik der weiteren Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft in der DDR
- 1983/84: Grundlehren der marxistisch-leninistischen Philosophie
- 1985/86: Grundprobleme der politischen Ökonomie des Sozialismus und der ökonomischen Strategie der SED
- 1987/88: Leninsche Theorie über den Imperialismus
Zusätzlich zum Parteilehrjahr gab es in den Betrieben in den 1980er Jahren das Argument der Woche, kurze politische Schulungen für die Mitarbeiter durch ein dazu beauftragtes Mitglied der SED.
Parteischulen
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Die SED-Parteischulen waren ebenfalls nach dem hierarchischen Muster der staatlichen Verwaltung organisiert. Auf der unteren Ebene existierten die Kreisparteischulen (KPS) mit Abendkursen, danach kam die Delegation zu den Landesparteischulen wie der Brandenburgs auf dem vormaligen Gut Schmerwitz bzw. nach Gründung der Bezirke zu den Bezirksparteischulen (BPS, 1 Jahr Direktstudium) und schließlich gab es an der Spitze die Parteihochschule „Karl Marx“ (PHS, 1 und 3 Jahre Studium) in Berlin.
In den 1980er-Jahren bildeten 255 SED-Kreis- und 478 Betriebsschulen die Basis des Schulungssystems. Dort wurden die Kurse neben dem Beruf absolviert. An den 15 Bezirksparteischulen – so etwa in Schwerin, Rostock und Neubrandenburg – gab es dreimonatige oder einjährige Vollzeit-Lehrgänge.[59] An der Bezirksparteischule in Ballenstedt beispielsweise absolvierten von 1956 bis 1989 – also in einer Zeitspanne von 33 Jahren – mehr als 16.000 SED-Parteimitglieder aus den DDR-Bezirken Halle (bis 1989) und Magdeburg (bis 1975) einjährige Lehrgänge. Während der Zeit des Studiums bekamen die Kursteilnehmer 80 Prozent ihres vorigen Nettogehalts als Stipendium.
Üblicherweise konnte die nächste Stufe nur absolvieren, wer zuvor die vorhergehende Schule erfolgreich absolviert hatte. Bezirks- und Parteihochschule waren auch im Fernstudium möglich. Der Abschluss an der Parteihochschule war Diplom-Gesellschaftswissenschaftler. Rektorin der Parteihochschule war von 1950 bis 1983 die als besonders orthodox bekannte Hanna Wolf, mit sehr engen persönlichen Kontakten zum Generalsekretär.
Weitere Einrichtungen auf zentraler Ebene waren das Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (IML) und die Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED. Deren theoretisches Organ war die Monatszeitschrift Die Einheit. Als Material für die aktuelle Parteiarbeit gab das ZK der SED die Monatsschrift Neuer Weg heraus.
Alternativ war eine Delegierung zum Besuch der Parteihochschule der KPdSU in Moskau möglich. Hier studierten im Ein- oder Dreijahresstudium viele Kader aus allen sozialistischen Ländern und Volksdemokratien. Die Diskussionen waren von einer wesentlich offeneren globalen Perspektive geprägt. Aufgrund dieses Moskauaufenthaltes sprachen viele leitende Parteikader (ab 1. Kreissekretär aufwärts) exzellent Russisch. Ein Absolvent als Diplom-Gesellschaftswissenschaftler mit Staatsexamen war zum Beispiel Egon Krenz.
Ohne den Besuch einer Parteihochschule war es in der DDR praktisch unmöglich, eine staatliche oder innerparteiliche Spitzenposition zu erreichen, da fachliche und gesellschaftliche Qualifikation für den „sozialistischen Leiter“ eine Einheit darstellten.
Vermögen und Infrastruktur der SED
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Die SED verfügte über umfangreiches Vermögen, insbesondere Infrastruktureinrichtungen wie Parteigebäude, Druckereien, Zeitungsverlage, aber auch Erholungseinrichtungen und anderes. Weiterhin bestand ein Auslandsvermögen, das unter anderem zur Unterstützung von Schwesterparteien im Westen und der Dritten Welt, aber auch zu geheimdienstlichen Zwecken eingesetzt wurde, sowie ca. 160 eingetragene Parteibetriebe.
Mit dem 1. Juni 1990 ging das bis August 1989 bestehende Vermögen der SED zur Prüfung und treuhänderischen Verwaltung in die Hände der Unabhängigen Kommission zur Überprüfung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen (UKPV) und der Treuhandanstalt über.
In verschiedenen Organisationen, insbesondere in der SED, aber auch in den anderen Parteien sowie den teilweise in Auflösung befindlichen Massenorganisationen versuchten Funktionäre auf verschiedenen Ebenen, die Geldbestände am Gesetz vorbei zu „sichern“ oder für private Zwecke zu veruntreuen. Alleine das nach der Wende sichergestellte Vermögen der SED beläuft sich auf rund 1,16 Milliarden Euro.[60] Dazu zählen nach einem – noch nicht rechtskräftigen – Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 25. März 2010 128.355.788 Euro, welche 1992 spurlos von Konten der ehemaligen DDR-Handelsgesellschaft Novum und deren Tochtergesellschaft Transcarbon verschwunden waren. Alleinige Gesellschafterin der beiden Unternehmen war die Österreicherin Rudolfine Steindling, genannt „Rote Fini“. Sie hat sich das Geld 1991 von der Bank Austria bar auszahlen lassen. Die Unicredit Bank Austria muss, als Rechtsnachfolger, der Bundesrepublik Deutschland den Schaden ersetzen.[61]
Ein weiteres Beispiel ist der als Putnik-Deal bekanntgewordene Versuch der PDS, ehemaliges SED-Vermögen ins Ausland zu verschieben.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Rüdiger Bergien: Im „Generalstab der Partei“. Organisationskultur und Herrschaftspraxis in der SED-Zentrale (1946–1989). Ch. Links, Berlin 2017, ISBN 978-3-86153-932-2.
- Michel Christian, Jens Gieseke, Florian Peters: Die SED als Mitgliederpartei. Dokumentation und Analyse. Ch. Links, Berlin 2019, ISBN 978-3-96289-047-6.
- Jens Gieseke, Hermann Wentker (Hrsg.): Die Geschichte der SED. Eine Bestandsaufnahme. Metropol, Berlin 2011, ISBN 978-3-86331-042-4.
- Andreas Herbst, Gerd-Rüdiger Stephan, Jürgen Winkler (Hrsg.): Die SED – Geschichte, Organisation, Politik. Ein Handbuch. Dietz, Berlin 1997, ISBN 3-320-01951-1.
- Andreas Malycha: Die SED. Geschichte ihrer Stalinisierung 1946–1953. Schöningh, Paderborn 2000, ISBN 3-506-75331-2 (Rezension bei Annotierte Bibliografie der Politikwissenschaft, Rezension bei H-Soz-Kult).
- Andreas Malycha, Peter Jochen Winters: Die SED. Geschichte einer deutschen Partei. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59231-7 (Rezension bei Annotierte Bibliografie der Politikwissenschaft, Rezension bei H-Soz-Kult, Rezension bei Sehepunkte).
- Andreas Malycha: Die SED in der Ära Honecker. Machtstrukturen, Entscheidungsmechanismen und Konfliktfelder in der Staatspartei 1971 bis 1989. De Gruyter/Oldenbourg, Berlin 2014, ISBN 978-3-486-74709-6 (Rezension bei Annotierte Bibliografie der Politikwissenschaft, Rezension bei H-Soz-Kult, Rezension bei Sehepunkte).
- Heinz Niemann: Kleine Geschichte der SED. Ein Lesebuch. Verlag am Park, Berlin 2020, ISBN 978-3-947094-55-4.
- Mario Niemann: Die Sekretäre der SED-Bezirksleitungen 1952–1989. Schöningh, Paderborn 2007, ISBN 978-3-506-76401-0 (Rezension bei Annotierte Bibliografie der Politikwissenschaft, Rezension bei H-Soz-Kult, Rezension bei Sehepunkte).
- Sabine Pannen: Wo ein Genosse ist, da ist die Partei! Der innere Zerfall der SED-Parteibasis 1979–1989. Ch. Links, Berlin 2018, ISBN 978-3-96289-004-9 (Rezension bei H-Soz-Kult).
- Tilman Pohlmann: Die Ersten im Kreis. Herrschaftsstrukturen und Generationen in der SED (1946–1971). V&R unipress, Göttingen 2017, ISBN 978-3-8471-0660-9 (Rezension bei Sehepunkte).
- Peter Joachim Lapp: Parteifunktionäre in Uniform. Die Politoffiziere der SED, Helios, Aachen 2024, ISBN 978-3-86933-299-4.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
- Protokolle des Politbüros des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands
- Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv: Tagungen des Zentralkomitees der SED
- Tonbandprotokolle der Anhörung von ehemaligen Mitgliedern und Kandidaten des SED-Politbüros vor der Schiedskommission am 20. Januar 1990
- Podcast: Eliten in der DDR – wie sie lebten, was sie dachten DDR-Geschichte erlebbar machen | MDR AKTUELL
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Urabstimmung: Die Ergebnisse. In: SPD.Berlin. Ehemals im (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 8. Juli 2018. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )
- ↑ „Zeitgenössische Dokumente, die lange Zeit nicht zugänglich waren, geben darüber Aufschluss, in welchem Ausmaß oppositionelle und zögernde Sozialdemokraten von sowjetischen Militärdienststellen inhaftiert, gemaßregelt oder eingeschüchtert wurden. Durch Aktenfunde in russischen Archiven lässt sich nun auch belegen, worüber bislang nur spekuliert werden konnte: Die Entscheidung über das Ende der Sozialdemokratie im Osten Deutschlands fiel im Januar 1946 in Moskau. Partei- und Staatschef Stalin sah in der Ausschaltung der SPD eine wichtige Voraussetzung für die Wahrung sowjetischer Sicherheitsinteressen. Sozialdemokraten und Kommunisten sollten nach seinen Vorstellungen auf keinen Fall in den kommenden Wahlkämpfen gegeneinander antreten, da eine Niederlage der KPD und damit des Interessenvermittlers sowjetischer Besatzungspolitik unvermeidlich schien. Für die Lösung dieses Problems gab es aus sowjetischer Sicht nur eine Möglichkeit: die Vereinnahmung der Sozialdemokraten in einer Einheitspartei.“ Zitat nach Andreas Malycha, Erzwungene Vereinigung, FAZ vom 9. Juni 2008, S. 10.
- ↑ Martin Broszat, Hermann Weber: SBZ-Handbuch: Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945–1949. Oldenbourg, München 1993, ISBN 3-486-55262-7, S. 418.
- ↑ Martin Broszat, Hermann Weber: SBZ-Handbuch. Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945–1949. Oldenbourg, München 1993, S. 489.
- ↑ Andreas Malycha: 1948 – das Jahr des Wandels im Charakter der SED? In: Utopie kreativ. Heft 96 (Oktober) 1998, S. 46–47.
- ↑ Andreas Malycha: Die SED. Die Geschichte ihrer Stalinisierung 1946–1953. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2000, S. 136 ff.
- ↑ „Schrittweise wurde in den Jahren 1946/47 das Parteistatut ausgehöhlt, um den sozialdemokratischen Einfluss in den mittleren und unteren Parteiebenen zu beschneiden und die Zentralisation und damit die Autorität der Parteispitze zu stärken.“ Zit. n. Andreas Malycha: 1948 – das Jahr des Wandels im Charakter der SED? In: Utopie kreativ. Heft 96 (Oktober) 1998, S. 47.
- ↑ Andreas Malycha: Die SED. Die Geschichte ihrer Stalinisierung 1946–1953. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2000, S. 207 ff.
- ↑ Hermann Weber: Entscheidungsstrukturen in der SED-Führung – Verknüpfung von Partei und Staat in der DDR – Mittel und Wege der sowjetischen Einflussnahme Ende der vierziger Jahre. In: Deutscher Bundestag (Hrsg.): Materialien der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur“ (12. Wahlperiode des Deutschen Bundestages). Band II, Teil 1, S. 421–431.
- ↑ „Zur Aushöhlung des 1946 beschlossenen Statuts kam es, indem mit den organisationspolitischen Richtlinien vom Dezember 1946 die Betriebsgruppe gegenüber der Ortsgruppe zur entscheidenden Grundeinheit der SED erklärt, Anfang 1947 die im Statut als verbindlich festgeschriebenen Bezirksverbände in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg aufgelöst wurden, 1948 und 1949 die vorgeschriebenen Parteitage ausblieben und stattdessen im Jahre 1949 eine Parteikonferenz stattfand, die statutarisch nicht vorgesehen war. Zudem wurde es schon wenige Monate nach Parteigründung gängige Praxis, Mitglieder der verschiedensten Leitungsebenen von der übergeordneten Leitung her abzulösen oder sogar ganze Kreis und Ortsvorstände der SED ohne Wahlakt auszutauschen.“ Zit. n. Andreas Malycha: 1948 – das Jahr des Wandels im Charakter der SED? In: Utopie kreativ. Heft 96 (Oktober) 1998, S. 47.
- ↑ Autorenkollektiv: Geschichte der SED. 1. Auflage. Dietz Verlag, Berlin 1978, Kapitel 4.4, S. 199.
- ↑ Martin Broszat, Gerhard Braas, Hermann Weber (Hrsg.): SBZ-Handbuch: Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945–1949. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1993, S. 501.
- ↑ Programm der SED, S. 106.
- ↑ Hermann Weber: Die DDR 1945–1990. Oldenbourg, München 2006, S. 85.
- ↑ Heike Amos: Politik und Organisation der SED-Zentrale 1949–1963: Struktur und Arbeitsweise von Politbüro, Sekretariat, Zentralkomitee und ZK-Apparat. LIT Verlag Münster, 2003, ISBN 978-3-8258-6187-2 (google.com [abgerufen am 16. September 2024]).
- ↑ Siegfried Suckut: Parteien in der SBZ/DDR 1945–1952. Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2000, ISBN 3-89331-384-2, S. 83.
- ↑ Martin Broszat, Gerhard Braas, Hermann Weber (Hrsg.): SBZ-Handbuch. Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945–1949. 2. Auflage. Oldenbourg, München 1993, ISBN 3-486-55262-7, S. 349–357.
- ↑ Jutta Braun: Die Zentrale Kommission für Staatliche Kontrolle 1948–1953 – Wirtschaftsstrafrecht und Enteignungspolitik. In: Die Hinterbühne politischer Strafjustiz in den frühen Jahren der SBZ/DDR (= Schriftenreihe des Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. 4). Berlin 2006, S. 9.
- ↑ kas.de ( vom 26. Oktober 2018 im Internet Archive)
- ↑ PDS – SED. ( vom 18. April 2015 im Webarchiv archive.today) auf: bpb.de
- ↑ lernen-aus-der-geschichte.de
- ↑ Marcus Heumann: Vom Klassenkampf in die Krise: Die II. SED-Parteikonferenz vor 70 Jahren. (mp3-Audio; 17,1 MB; 18:43 Minuten) In: Deutschlandfunk-Sendung „Hintergrund“. 8. Juli 2022, abgerufen am 10. Juli 2022.
- ↑ „Wir brechen unwiderruflich mit dem Stalinismus als System!“ – Rede von Michael Schumann auf dem Außerordentlichen Parteitag der SED/PDS am 16. Dezember 1989 in der Dynamo-Sporthalle in Berlin ( vom 20. April 2011 im Internet Archive)
- ↑ Die Linke / PDS: Zur Geschichte der Linkspartei.PDS ( vom 26. Oktober 2007 im Internet Archive) vom 26. Januar 2006 auf sozialisten.de
- ↑ Gründungsbeschluss der Partei DIE LINKE. ( vom 19. März 2009 im Webarchiv archive.today) Verschmelzungsbeschluss des Parteitags
- ↑ Vgl. die entsprechende eidesstattliche Versicherung des Schatzmeisters der Partei, Karl Holluba, wiedergegeben in: Die Welt. 29. April 2009
- ↑ Der mit römischen Ziffern geschriebene „II. Parteitag“ fand vom 22. bis 24. September 1947 in Berlin statt und hatte folgende Grundthemen: Wirtschaftliche und politische Einheit ganz Deutschlands, Klarheit über Reparationszahlungen, eigener Außenhandel, Volksabstimmung über die Staatsordnung und Zentralverwaltungen zur Vorbereitung einer gesamtdeutschen Regierung, Presse- und Publikationsfreiheit, beschleunigte Rückführung von Kriegsgefangenen; vgl. Geschichtliche Zeit-Tafeln, Deutsche Demokratische Republik, Deutsches Institut für Zeitgeschichte (DDR), 1954.
- ↑ Archivgut der SED und des FDGB – Glossar. Bundesarchiv, abgerufen am 9. November 2024.
- ↑ Robin Alexander: Honeckers letzter Mann. In: taz. 24. August 2004, abgerufen am 29. November 2024.
- ↑ Mächtig: Die SED in Leuna und Halle. NDR, 12. Dezember 1989, abgerufen am 29. November 2024.
- ↑ Stefan Wolle: Staatliche Institutionen. Bundeszentrale für politische Bildung, 30. Dezember 2019, abgerufen am 29. November 2024.
- 1 2 Delegiertenschlüssel zum Außerordentlichen Parteitag vom 15.–17.12.1989. In: Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (Hrsg.): Protokoll Nr. 56/89 Sitzung des Politbüros am 28. November 1989. Berlin 28. November 1989, S. 32 (bundesarchiv.de).
- ↑ Heike Amos: Politik und Organisation der SED-Zentrale 1949–1963: Struktur und Arbeitsweise von Politbüro, Sekretariat, Zentralkomitee und ZK-Apparat. LIT Verlag, Berlin/Hamburg/Münster 2003, ISBN 3-8258-6187-2, S. 65.
- ↑ Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv: Tagungen des ZK der SED
- ↑ Manfred Uschner: Die zweite Etage. Funktionsweise eines Machtapparates. Dietz, Berlin 1993, S. 70.
- ↑ Manfred Uschner: Die zweite Etage: Funktionsweise eines Machtapparates (= Zeitthemen). Dietz, Berlin 1993, ISBN 978-3-320-01792-7, S. 73.
- ↑ Andreas Malycha, Peter Jochen Winters: Geschichte der SED. Von der Gründung bis zur Linkspartei. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2009, S. 123.
- ↑ Das Ende der Ära Ulbricht. In: bpb.de. 10. Januar 2012, abgerufen am 16. September 2022.
- ↑ Klaus Taubert: Gekränkt, gestorben, getilgt. In: spiegel.de. 1. August 2013, abgerufen am 16. September 2022.
- ↑ Francesco Di Palma: Konflikt und Normalisierung. SED und PCI vor der Herausforderung des Prager Frühlings (1968–1970). In: Arbeit – Bewegung – Geschichte. Heft II/2017, S. 128–144.
- ↑ Heike Amos: Die Westpolitik der SED 1948/49–1961. „Arbeit nach Westdeutschland“ durch die Nationale Front, das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und das Ministerium für Staatssicherheit. Akademie Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-05-003446-7, S. 33, S. 55 u. ö.
- ↑ Heike Amos: Die Westpolitik der SED 1948/49–1961. „Arbeit nach Westdeutschland“ durch die Nationale Front, das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und das Ministerium für Staatssicherheit. Akademie Verlag, Berlin 1999, S. 106.
- 1 2 Olav Teichert: Die Sozialistische Einheitspartei Westberlins. Untersuchung der Steuerung der SEW durch die SED. Diss., Kassel 2011, S. 187.
- ↑ Heike Amos, Manfred Wilke: Die Deutschlandpolitik der SED und ihre »bürgerlichen Bündnispartner« in der Bundesrepublik 1949 bis 1989. (PDF) Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung, 2010, abgerufen am 16. September 2024.
- ↑ Jascha März: Zwischen Politik und Interessenvertretung. Die Verbände der politischen Opfer des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik Deutschland von 1947 bis 1990. Diss., Köln 2016, S. 45.
- ↑ Heike Amos: Der zentrale SED-Apparat und die „Arbeit nach Westdeutschland/bzw. nach der BRD“ 1961 bis 1989. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, S. 107 f.
- 1 2 3 4 5 6 7 Andreas Malycha, Peter Jochen Winters: Die SED – Geschichte einer deutschen Partei. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59231-7, S. 409–416.
- ↑ Siehe Helga A. Welsh: Revolutionärer Wandel auf Befehl? Entnazifizierungs- und Personalpolitik in Thüringen und Sachsen (1945–1948). München 1989, S. 66.
- ↑ Andreas Malycha, Peter Jochen Winters: Die SED. Geschichte einer deutschen Partei. München 2009, S. 122.
- ↑ Siehe Michel Christian, Jens Gieseke, Florian Peters: Die SED als Mitgliederpartei. Dokumentation und Analyse. Berlin 2019, S. 65.
- ↑ Michel Christian, Jens Gieseke, Florian Peters: Die SED als Mitgliederpartei. Dokumentation und Analyse. Berlin 2019, S. 66.
- ↑ Andreas Malycha, Peter Jochen Winters: Die SED – Geschichte einer deutschen Partei. C. H. Beck, 2009, ISBN 978-3-406-59231-7, S. 413.
- 1 2 Klaus Schroeder: Der SED-Staat. Geschichte und Strukturen der DDR 1949–1990. Vollständig überarbeitete und stark erweiterte Neuauflage. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2013, ISBN 978-3-412-21109-7, S. 909/910.
- ↑ Klaus Schroeder: Der SED-Staat. Geschichte und Strukturen der DDR 1949–1990. Vollständig überarbeitete und stark erweiterte Neuauflage. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2013, ISBN 978-3-412-21109-7, S. 917/918.
- ↑ Vgl. dazu einen Liedtext von Louis Fürnberg, 1950 (Das Lied der Partei).
- ↑ Gregor Gysi, Martin Sonneborn: Gysi vs. Sonneborn: Kanzlerduell der Herzen. Aufbau Digital, 2021, ISBN 978-3-8412-2675-4 (google.de [abgerufen am 6. Februar 2023]).
- ↑ Uwe Hoßfeld u. a. (Hrsg.): Hochschule im Sozialismus. Studien zur Geschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Band 1, Böhlau, Köln 2007, S. 502.
- ↑ Zum Parteilehrjahr siehe Mark Allinson: Das Parteilehrjahr der SED – Konfliktfeld zwischen Parteiführung und Massenbasis. Grundlagen, Ziele und Problembereiche (= „hefte zur ddr-geschichte“. Heft 129). Helle Panke, Berlin 2013.
- ↑ Michael Bluhm: Die SED-Parteischulen in der Ära Gorbatschow, www.ndr.de, 4. Juni 2016.
- ↑ Schlußbericht der Unabhängigen Kommission zur Überprüfung des Vermögens der Partei- und Massenorganisationen der DDR. (PDF; 1,03 MB) Bundesministerium des Innern, 5. Juli 2006, abgerufen am 3. Januar 2020.
- ↑ Andreas Mihm: Schadensersatz wegen SED-Geldwäsche. In: FAZ, 27. März 2010.






