Der Prototyp dieses Fahrzeugs wurde bereits im Oktober 1961 vorgestellt.[1] Wiederholt wurde der Serienbeginn angekündigt,[2] der jedoch erst deutlich später erfolgte. Unterschiedlichen Quellen zufolge wurde die tatsächliche Serienproduktion für November 1966[3] oder aber April 1967[4] angekündigt. Nach anderen Angaben seien die ersten Wagen des Typs SAS-966W im Jahre 1967 vom Fließband gerollt.[5] Die selbsttragende Karosserie ähnelt der des ab 1961 gebauten NSU Prinz 4, dessen Konstrukteure sich ihrerseits vom US-amerikanischen Chevrolet Corvair inspirieren ließen.[6]
Der SAS-966W ist ein Übergangsmodell zwischen dem SAS-965A und dem SAS-966. Die völlig neu gestaltete Karosserie war 40cm länger und 15cm breiter als die des Vorgängermodells.
Technisch blieb fast alles beim Alten: Der in der Motorenfabrik Melitopol hergestellte V4-Motor hatte ebenfalls einen Hubraum von 887cm³ und leistete 27–30PS (20–22kW), allerdings bei etwas erhöhter Drehzahl von 4200–4400/min. Dementsprechend blieb es bei der Höchstgeschwindigkeit von 100km/h. Der Benzinverbrauch stieg aber gegenüber dem SAS-965A von 5,5 auf 5,9 l/100km.[7] Der Motor wurde teilweise aus Aluminium gefertigt und zusammen mit dem Vierganggetriebe im Heck längs eingebaut. Dank der neu konstruierten Hinterradaufhängung mit Längslenkern war die Straßenlage des SAS-966W Saporoshez besser und der Fahrkomfort höher als beim Vorgänger.
Nach Angaben der KFT wurde der SAS-966W mit 30PS-Motor noch bis 1972 gebaut, in Ausführungen für körperbehinderte Menschen noch bis Januar 1973.[8]
Anfang 1968 wurde die Produktion des SAS-966 aufgenommen, der zunächst parallel zum SAS-966W gebaut wurde.[9] Der SAS-966 erhielt einen neuen Motor mit 1197cm³ Hubraum und 40PS (29kW) bei 4200–4400/min. Damit beschleunigte der Saporoshez in 34s auf 100km/h und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 118km/h. Der Benzinverbrauch stieg auf 7,9 Liter pro 100km.
In Österreich wurde der Wagen als Zaporoshez SAS 966 „Eliette“ angeboten. Ein Fahrbericht in der Zeitschrift Austro-Motor bescheinigt ihm eine sehr gute Geländegängigkeit, bemängelt den großen Wendekreis und das unübliche Schaltschema der schwergängigen Gangschaltung. Die Lenkung wirke schwammig und unexakt, die Bremse erfordere „enorme Kräfte um nur bescheidene Bremsleistungen hervorzurufen“. Als Verbrauch wurden im Stadtverkehr 10 bis 13l/100km, auf Landstraßen 8 bis 9l/100km ermittelt, die Spitzengeschwindigkeit wurde mit 120km/h angegeben.[10]
1971 erschien der Saporoshez 968, der sich nur in wenigen Details vom SAS-966 unterschied.[11]
Erstmals im Ausland wurde der SAS-966W (mit 32-PS-Motor, dennoch als SAS 966 bezeichnet) auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1967 gezeigt.[4] Im Januar 1968 wurde der SAS-966W auf dem Brüsseler Automobilsalon präsentiert.[1] Von Anfang an wurde er in Belgien unter der Bezeichnung Yalta, in den Niederlanden, Dänemark und Finnland – Jalta, in Österreich – Eliette und in Italien als ZAZ angeboten. Ansonsten galt die Schreibweise Zaporozhets für den englisch- und Zaporojets für den französischsprachigen Markt. Wie der Moskwitsch wurde der Saporoshez zeitweise auch in Belgien als Yalta 1000 montiert; ein Teil der dort hergestellten Wagen erhielt den Motor des Renault 8. Ende 1968 wurde auf dem Pariser Automobilsalon der Typ SAS-966B mit einem V4-Motor und einem Hubraum von 1196cm³ vorgestellt. In Frankreich wurde er allerdings nie verkauft, in Belgien kam dieser Typ unter der Bezeichnung ZAZ 966 auf den Markt.[1]
Der SAS-966W war in der DDR mit 11.950Mark um 4.420Mark teurer als der gleichzeitig angebotene SAS-965A. Er galt weiterhin als technisch anfällig, war wenig geschätzt und wurde spöttisch „Zappelfrosch“, „Sabberfrosch“ oder „Taigatrommel“ genannt.
Hein Werner:Ich fahre einen Saporoshez. Typ 965A, 966, 968, 968A. 4., bearbeitete Auflage. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1979, DNB800134826.
Michael Birken:Stalins letzte Rache. Abenteuerlicher Roman. Fuchsbau Verlag, 2001, ISBN 3-8311-1266-5 (Eine Reise mit dem Saporoshez durch die DDR).
Nasur Yurushbaev, Jefim Replijansky:Saporoshez. Gebaut von 1960–1994. Vom Brötchenholer zum T 34 Sport. Fahrzeuge des Ostens. UAP Video, Leipzig 2013 (DVD, 45 min).
12Kraftfahrzeugtechnische Rückschau auf die Leipziger Frühjahrsmesse 1967. In: Kraftfahrzeugtechnik. 4/1967, S. 114–115.
↑Dipl.-Ing. L. M. Schugurow, damaliges Mitglied des Redaktionskollegiums der sowjetischen Automobilzeitschrift Sa ruljom, in: Neuentwicklung aus der Sowjetunion „Moskwitsch 412“. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1969, S. 276–277.