Robert Wlérick

Joseph François Robert Wlérick, genannt Robert Wlérick (* 13. April 1882 in Mont-de-Marsan, Département Landes; † 3. März 1944 in Paris) war ein französischer Bildhauer.[1]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Robert Wlérick wurde in eine Ebenistenfamilie geboren und begann 1897 im Familienbetrieb zu arbeiten. Von 1899 bis 1904 studierte er Bildhauerei mit Schwerpunkt Holzskulptur an der École des Beaux-Arts de Toulouse und erhielt für seine Abschlussarbeit den Grand Prix de sculpture. Nach seinem Wehrdienst zog er 1906 nach Paris, wo er im Louvre die Skulpturen der Antike und des Quattrocento studierte und nach lebenden Modellen zeichnete. Über Charles Despiau kam er mit der Bildhauergruppe um Lucien Schnegg, einem Mitarbeiter Auguste Rodins, in Kontakt.[1]
Einen großen Teil seines Frühwerks zerstörte er selbst. 1913 heiratete er die Modistin Georgette Aldric. Während des Ersten Weltkriegs wurde er gemeinsam mit Jean Dupas in die chirurgische Abteilung für die Rekonstruktion von Gesichtsverstümmelungen in Bordeaux mobilisiert. Von 1918 bis 1920 arbeitete er im Auftrag des amerikanischen Roten Kreuzes im Pariser Porträtstudio der Bildhauerin Anna Coleman Ladd zusammen mit Jane Poupelet an Masken für Gesichtsprothesen. Diese wurden im Militärhospital Val-de-Grâce an kriegsversehrte Soldaten angepasst. Ab 1919 erteilte Robert Wlérick Zeichen- und Modellierunterricht an der École Germain Pilon (heute École Duperré) in Paris, ab 1929 dann als Nachfolger von Antoine Bourdelle an der Académie de la Grande Chaumière. In seiner Geburtsstadt Mont-de-Marsan wurde 1968 das Musée Despiau-Wlérick eröffnet, das über eine Sammlung von mehr als 100 Werken Wléricks verfügt, darunter Plastiken aus Terrakotta, Gips, Bronze und Marmor sowie Zeichnungen mit Bleistift, Feder und Rötel.[1]
Werk
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1907 debütierte Robert Wlérick im Salon de la Société Nationale des Beaux-Arts mit der Arbeit Étude d'enfant (Gips). In den folgenden Jahren präsentierte er dort regelmäßig Kinderplastiken sowie Porträtbüsten und -köpfe aus Gips, darunter Bildnisse von Isidore Peyret (gezeigt 1910) und Élysée Cavaillon (ausgestellt 1912). Die 1911 ebendort gezeigten Arbeiten Portrait de M. Sepé, Buste décoratif und Jeune Pâtre landais (alle im Musée Despiau-Wlérick in Mont-de-Marsan) wurden von Guillaume Apollinaire in L’Intransigeant gelobt. Auf dem Salon von 1912 bewunderte Rodin die Gipsbüste Petite fille, die ihn laut Roche (2007) an ein Werk Donatellos erinnerte. Das Werk zählt zu Wléricks Hauptwerken und wurde unter dem Titel Petite Landaise mehrfach in Bronze reproduziert, unter anderem in Algier im Musée national des Beaux-Arts d’Alger, in Bordeaux im Musée des Beaux-Arts de Bordeaux, in Mont-de-Marsan im Musée Despiau-Wlérick, in Poitiers im Musée Sainte-Croix und in Roubaix im Musée d’Art et d’Industrie.[2]
1914 erhielt Robert Wlérick seinen ersten öffentlichen Auftrag für eine Statue von Nicolas de Condorcet für die Stadt Ribemont (Gipsmodell, Salon Nat. des BA 1914), die kriegsbedingt nicht realisiert wurde. 1921 wurde er mit zwei Kriegerdenkmälern für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs für die Städte Morcenx und Labrit (Landes) beauftragt, 1923 folgte ein weiteres für die Gemeinde Saugnacq-et-Muret. Für die Weltfachausstellung Paris 1937 fertigte er die Steinplastik Pomone für den Palais de Chaillot sowie die Bronzeplastiken Zeus für den Pavillon de l'Électricité und L'Offrande für den Pavillon de la Ville de Paris. 1936 erhielt er den Auftrag für ein Reiterstandbild des Maréchal Foch, das sein Schüler Raymond Martin 1944 vollendete (Bronze, Place du Trocadéro-et-du-11-Novembre, Paris). 1943 wurde Wlérick mit der Neuherstellung der eingeschmolzenen Bronzestatue von Malherbe in Caen betraut, die ebenfalls von Martin fertiggestellt wurde (Stein, Caen, Place Bouchard). 1924 erschien durch die Gießerei Barbedienne eine erste limitierte Bronzeedition der Werke Baigneuse au turban (wohl Bronze, Salon Nat. des BA 1921), La Source (Gips, ebd. 1914) und Baigneuse assise (wohl Bronze, Salon des artistes décorateurs 1924). Spätere Editionen erfolgten durch die Gießereien Coubertin, Montagutelli, Rudier, Susse und Thinot.[2]
1923 war Robert Wlérick gemeinsam mit Antoine Bourdelle, Louis Dejean, Charles Despiau und Aristide Maillol Gründungsmitglied des Salon des Tuileries, bei dem er danach jährlich mit Plastiken und Zeichnungen vertreten war. Seine Werke wurden zudem 1925 auf der Exposition internationale des Arts décoratifs et industriels modernes sowie von 1925 bis 1944 auf dem Salon d’Automne gezeigt.[2]
Werke (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Robert Wlérick – Calme hellénique (1928). La Piscine – Musée d’Art et d’Industrie André Diligent, Roubaix
- Robert Wlérick – Jacqueline, 1942/1943. Musée des beaux-arts de Lyon
- Robert Wlérick – Hommage à Baudelaire, (1942/1943)
- Robert Wlérick – Meditation, 1931
- Robert Wlérick – Méditation. Gisèle-Halimi-Brücke in Mont-de-Marsan
- Robert Wlérick – La Jeunesse. Gisèle-Halimi-Brücke in Mont-de-Marsan
- Robert Wlérick – Speerwerfer oder Herkules. Musée Despiau-Wlérick, Mont-de-Marsan
- Robert Wlérick – Zeus. Musée Despiau-Wlérick, Mont-de-Marsan
Ausstellungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Einzelausstellungen: Paris, Musée Rodin 1982 (Katalog, Wanderausstellung); Saint-Tropez, Musée de l’Annonciade 1994 (Katalog). Erste Einzelausstellung 1929 in der Galerie Paul Paquereau, Paris (25 Skulpturen und Zeichnungen).
- Gruppenausstellungen: Toulouse, Salon de l'Union Artistique 1904; Paris, Galerie Barbazanges 1921 (Sculpteurs français) und 1923; Paris, Grand Palais 1937 (Les maîtres de l'art indépendant 1895–1937); Zürich, Kunsthaus Zürich 1931 (Plastik); San Francisco, Golden Gate International Exposition 1939; Amsterdam, Stedelijk Museum 1939 (Rond om Rodin).
Werke in öffentlichen Sammlungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bordeaux, Musée des Beaux-Arts; Boulogne-Billancourt, Musée des Années Trente; Calais, Musée des Beaux-Arts; Mont-de-Marsan, Musée Despiau-Wlérick; New York, Metropolitan Museum of Art; Paris, Centre national des arts plastiques (CNAP); Paris, Musée d’Art moderne de la Ville de Paris (MAMVP); Paris, Musée national d’Art moderne (MNAM); Pau, Musée des Beaux-Arts; Poitiers, Musée Sainte-Croix; Saint-Tropez, Musée de l'Annonciade. Thieme-Becker nennt darüber hinaus Sammlungen in Algier und im Pariser Petit Palais.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL). De Gruyter, Berlin / Boston 2009 ff., Artikel Wlérick, Robert.
- Wlérick, Robert. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 36: Wilhelmy–Zyzywi. E. A. Seemann, Leipzig 1947, S. 159 (biblos.pk.edu.pl).
- Wlérick, Robert. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 5: V–Z. Nachträge: A–G. E. A. Seemann, Leipzig 1961, S. 157 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 14: Valverde – Zyw. Paris, 2006.
- Claude-Roger Marx: R. Wlérick. 24 phototypies. Paris 1931.
- Robert Wlérick. Ausstellungskatalog, Grand Palais, Paris 1978.
- Robert Wlérick. Ausstellungskatalog, Mont-de-Marsan 1994.
- A.-H. Amann u. a.: Robert Wlérick. Actes du colloque 1995. Mont-de-Marsan 1999.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 14: Valverde – Zyw.. Paris 2006.
- 1 2 3 Wlérick. e-monumen.net, abgerufen am 25. Mai 2026 (französisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wlérick, Robert |
| ALTERNATIVNAMEN | Wlérick, Joseph François Robert |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Bildhauer |
| GEBURTSDATUM | 13. April 1882 |
| GEBURTSORT | Mont-de-Marsan |
| STERBEDATUM | 3. März 1944 |
| STERBEORT | Paris |