Musée Sainte-Croix

Das Musée Sainte-Croix ist das größte Museum der Stadt Poitiers im französischen Département Vienne. Es befindet sich im historischen Stadtzentrum in unmittelbarer Nähe des Baptisteriums Saint-Jean. Das Museum beherbergt umfangreiche archäologische Sammlungen vom Paläolithikum bis zum frühen Mittelalter sowie eine Abteilung für Bildende Kunst vom 14. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Es gilt als das bedeutendste Museum der ehemaligen Region Poitou-Charentes.[1]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das erste städtische Museum von Poitiers wurde im Jahr 1820 gegründet. Anschließend zog es in das Erdgeschoss des neuen Rathauses, das gegen Ende des Zweiten Kaiserreichs errichtet worden war. Im Jahr 1947 bereicherte eine bedeutende Schenkung der Société des Antiquaires de l’Ouest die Bestände der Stadt erheblich: Die Sammlungen Archäologie und Numismatik sowie Bildende Kunst und Angewandte Kunst wurden erweitert.[1]
Neubau und Eröffnung 1974
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Museum befindet sich an der Stelle der früheren Abtei Sainte-Croix. Beim Bau des Museumsgebäudes wurden die Strukturen des 19. Jahrhunderts abgetragen, doch die Einfriedungsmauer, die Bauten des 16. und 17. Jahrhunderts sowie die bei den Ausgrabungen zutage getretenen gallo-römischen Überreste wurden in den modernen Museumskomplex integriert. Mit dem Museumsprojekt wurde Jean Monge (1916–1991) beauftragt. Er war Chefarchitekt für Zivil- und Nationalpalastbauten (Architecte en Chef des Bâtiments Civils et des Palais Nationaux) und erhielt den Prix de l’Équerre d’Argent für die Universitätsbibliothek für Recht und Geisteswissenschaften in Poitiers (1973). In der Tradition der Bauten Le Corbusiers schuf er ein zum Teil unterirdisch angelegtes Gebäude im Brutalismus-Stil mit trapezförmigen Volumina aus Sichtbeton und gefärbtem Glas, das sich gleichwohl in das historische Quartier einfügt. Das Museum wurde am 21. Dezember 1974 unter dem Namen Centre culturel Sainte-Croix eröffnet. Das Gebäude umfasst eine Fläche von 4500 m².[1] Die externen Depots in Vouneuil-sous-Biard fassen rund 1,2 Millionen inventarisierte Objekte. Der Dauerausstellungsbereich wurde durch die Übernahme der Bestände des anderen städtischen Museums, des Musée Rupert-de-Chièvres (2009 geschlossen) erweitert.
Im Jahr 2024 erhielt das Museum ein außergewöhnliches Vermächtnis der Künstlerin und Sammlerin Eugénie Dubreuil. Es besteht aus 500 Werken von Künstlerinnen vom 17. bis ins 21. Jahrhundert und wird unter dem Namen „La Musée“ zusammengefasst. Dabei handelt es sich um die größte öffentliche französische Sammlung von Werken weiblicher Künstler.[2][3]
Sammlungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bestände gliedern sich in zwei Hauptabteilungen: Archäologie/Antike und Bildende Kunst/Kunstgewerbe.[1]
Archäologie: Vorgeschichte
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Die prähistorischen Sammlungen des Museums umfassen Artefakte, die auf einen Zeitraum zwischen 14.000 und 2.000 Jahren vor Chr. datiert werden. Zu den herausragenden Beständen gehören die gravierten Kalksteinplatten und Schneidezähne der Grotte de la Marche aus der Magdalénien-Epoche, neolithisches Fundgut aus der Collection Patte sowie Keramik mit anthropomorphem Dekor vom Camp Allaric aus der Eisenzeit.[4]
Antike
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einige erhaltene römische Mauern auf dem Museumsgelände zeugen davon, dass dieses Stadtviertel des antiken Limonum kontinuierlich besiedelt war. Zu den bedeutenden Einzelstücken zählen die Athene-Statue aus Marmor (1./2. Jahrhundert n. Chr., 1901 in Poitiers gefunden), der gallische Münzschatz von Chevanceaux, der aristokratische Depotfund von Antran (1. Jahrhundert), die Grabinschrift der Claudia Varenilla (2. Jahrhundert) sowie die Basis eines Ehrenmonuments für Marcus Sedatius Severianus (2. Jahrhundert). Bemerkenswert ist auch die antike Glassammlung aus poitevinischen Nekropolen.[4]
Spätantike und frühes Mittelalter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zu den seltenen Objekten dieser Epoche gehören Stuckreliefs aus dem früheren Priorat Saint-Pierre de Vouneuil-sous-Biard (5./6. Jahrhundert). Sie gelten als das vollständigste und älteste erhaltene Ensemble dieser Art in Frankreich. Darüber hinaus verwahrt das Museum einen frühchristlichen Sarkophag aus Loudun mit figürlichem Reliefschmuck (5. Jahrhundert) sowie Fragmente einer in Europa einzigartigen, monumentalen Kreuzigungsgruppe (Les Larrons) aus der Hypogée des Dunes, einer Grabkapelle des Abts Mellebaude (7. Jahrhundert).[4]
Mittelalter
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Eine bedeutende Gruppe romanischer Skulpturen zeugt von der großen Bedeutung der poitevinischen Werkstätten. Aus dem Mittelalter stammt ein gläsernes Reliquiengefäß aus der Abtei Saint-Savin-sur-Gartempe, das einzige erhaltene Exemplar dieser Art in Europa. Weitere mittelalterliche Objekte sind das Kapitell der „Disput“ von der Gerechtigkeitssäule (Les 3 Piliers, 11. Jahrhundert) in Poitiers und das Tympanon der früheren Abtei Nanteuil-en-Vallée.[4]
Bildende Kunst: Malerei vom 14. bis 19. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bestände der Gemäldegalerie reichen von venezianischer Kunst des 14. Jahrhunderts, die durch Paolo Veneziano vertreten ist (14 Fragmente eines Polyptychons in Tempera auf Holz), bis zu großformatigen Werken der italienischen und französischen Malerei. Zudem umfasst sie Werke des niederländisch-flämischen Goldenen Zeitalters.
Zu den herausragenden Werken gehören:
- François Nautré: Le Siège de Poitiers en 1569 (1619, Öl auf Leinwand),
- Johann Carl Loth: Mars und Venus (Öl auf Leinwand),
- Ferraù Fenzoni: Grablegung Christi (1590–1593, Öl auf Leinwand),
- Jean-Baptiste Marie Pierre: L’Aurore et Tithon (1747, Öl auf Leinwand),
- Giovanni Lanfranco: Elija und die Witwe von Sarepta (Öl auf Leinwand),
- François-Xavier Fabre: Délia pleurant Corydon (1795, Öl auf Leinwand, 45,5 × 58,3 cm),
- Gabriel-François Doyen: Mars blessé par Diomède (Öl auf Leinwand).
- Louis Gauffier: sieben Gemälde, darunter Le Repos en Égypte (Ruhe auf der Flucht nach Ägypten) (1792), Ulysse et Nausicaa (1798).[4]
Skulpturen und Camille Claudel
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Das Musée Sainte-Croix beherbergt die drittgrößte öffentliche Sammlung von Werken Camille Claudels in Frankreich.[6] In der Dauerausstellung sind sieben Skulpturen der Bildhauerin zu sehen. Die Abteilung wird durch Marmor- und Bronzeskulpturen von James Pradier, Antoine-Louis Barye und Auguste Rodin ergänzt.[4]
19. und frühes 20. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Symbolismus der Jahrhundertwende wird durch Werke von Odilon Redon, Eugène Carrière und Bernhard Hoetger sowie durch Gustave Moreaus monumentale Sirène repräsentiert. Weitere Werke sind Landschaftsgemälde von Eugène Boudin, Charles Lacoste und Stanislas Lépine. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind Pierre Bonnard und Édouard Vuillard mit ihrem dekorativen Stil präsent. Zu sehen ist auch ein niederländisches Landschaftsbild von Piet Mondrian aus seiner frühen Schaffensphase vor dem Übergang zur geometrischen Abstraktion.[4]
Kunsthandwerk und Dekorative Kunst
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bestände umfassen Ebenholzkabinette des 17. Jahrhunderts italienischer Fertigung, eine Kommode im Übergangsstil sowie eine Sammlung von Fayencen und Porzellan vom 15. bis 19. Jahrhundert und Limoges-Email.[4]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Françoise Perrot: Le musée Sainte-Croix de Poitiers. Ville de Poitiers, Poitiers 1980.
- Gilles Ragot: Architecture brutaliste en France. Éditions du Patrimoine, Paris 2018.
- Grégory Vouhé, Anne Benéteau-Péan: Un Louvre pour Poitiers. La construction du Musée-Hôtel de Ville, 1867–1875. Catalogue de l’exposition du Musée Sainte-Croix, Musées de Poitiers, Poitiers 2010.
- Manon Lecaplain, Camille Belvèze (Hrsg.): La Musée. Donation Eugénie Dubreuil. Musées de Poitiers, Poitiers 2024.
- Jean Monge: Musée Sainte-Croix de Poitiers. In: L’Architecture française, Nr. 383, 1975.
- Grégory Vouhé: Monument années 1970. In: L’Actualité Poitou-Charentes, Nr. 109, 2015.
- Danièle Giraudy, Henriette Gabriel-Ildé: Musées et collections publiques de France. Poitiers, Musée Sainte-Croix. Paris 1985.
- Yves Bourel (Hrsg.): Le stuc, visage oublié de l’art médiéval. Ausstellungskatalog Musée Sainte-Croix, Poitiers 2004.
- Yves Bourel (Hrsg.): L’Âge roman. Arts et héritages. Ausstellungskatalog Musée Sainte-Croix, Poitiers 2011.
- Bénédicte Bonnet Saint-Georges: Engagement : collectionner / partager. Ausstellungskatalog Musée Sainte-Croix, Poitiers 2015.
- Camille Claudel. Ausstellungskatalog Musée Sainte-Croix, Poitiers 1984.
- Simon Texier: Architecture brutaliste. Béton brut et modernité en France. Paris 2012.
- Cécile Pichon-Bonin: Le musée Sainte-Croix de Poitiers et l’architecture muséale des années 1970. In: In Situ. Revue des patrimoines, Nr. 32, 2017.
- Gérard Monnier: L’architecture en France depuis 1945. Paris 2004.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 Poitiers, Musée Sainte-Croix de Poitiers - Alienor.org. Archiviert vom am 19. Mai 2025; abgerufen am 28. Mai 2026.
- ↑ All-female exhibition aims to restore women’s voices in art history. 8. März 2025, abgerufen am 28. Mai 2026 (englisch).
- ↑ La Musée : place aux artistes femmes au musée Sainte-Croix à Poitiers | Musée Sainte-Croix. Archiviert vom am 4. Januar 2026; abgerufen am 28. Mai 2026 (französisch).
- 1 2 3 4 5 6 7 8 Recherche avancée dans les collections. Abgerufen am 29. Mai 2026.
- ↑ La Dispute. Abgerufen am 29. Mai 2026.
- ↑ Découvrir le Musée Sainte-Croix. Archiviert vom am 13. Oktober 2025; abgerufen am 28. Mai 2026 (französisch).
Koordinaten: 46° 34′ 44,7″ N, 0° 20′ 51,5″ O