Polybasit (Polybasit-T2ac (ab 09/2006), Eugenglanz, Sprödglaserz) ist ein Mineral aus der Mineralklasse der Sulfide und Sulfosalze und gehört zur Familie der silberreichen Sulfosalze mit einem Überschuss kleiner, einwertiger Kationen (Ag, Cu) im Verhältnis zu As, Sb, Bi. Die vereinfachte Strukturformel lautet
[Ag9CuS4][(Ag,Cu)6(Sb,As)2S7] mit mehr als 1 Sb pro Formeleinheit.
Das Kupfer-Silber-Verhältnis ist variabel und die Silbergehalte liegen bei 64–72%. Zudem kommen geringe Gehalte an Eisen und Zink sowie Antimon und Selen vor.
Polybasit gehört mit den isotypen Mineralen Pearceit (mehr As als Sb) und Selenopolybasit (mehr Se als S) zu einer Mischkristallreihe (Polybasitreihe).
Polybasit kristallisiert in rhombischen Tafeln oder findet sich derb und fein in umgebenden Mineralen verteilt. Es ist eisenschwarz mit Metallglanz und in sehr dünnen Blättchen rot durchscheinend. Er hat eine Mohs-Härte von 2 bis 2,5 und eine Dichte von 6 bis 6,25g/cm³.
Der Name Polybasit leitet vom griechischen πολὺ poly für „viele“ und βάσις basis für „Ebenen“ her, was auf die Kristallstruktur zurückzuführen ist.
Gustav Rose (1798–1873) und August Breithaupt (1791–1873) entdeckten unabhängig voneinander das Mineral im Jahr 1829. Breithaupt nannte es Eugenglanz, Rose vergab den Namen Polybasit.[4]Justus von Liebig schreibt in seinen „Annalen der Chemie“ zur Entdeckung von Polybasit: „Der Polybasit wurde zuerst von G. Rose als ein besonderes Mineral von Sprödglaserze unterschieden. Eine neue Reihe vou Analysen dieses Minerals ist von H. Rose unternommen worden.“[5]
Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Polybasit ebenfalls in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“, dort allerdings in die neu definierte Abteilung der „Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der Kristallstruktur und der möglichen Anwesenheit zusätzlichen Schwefels, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau und seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung der „Insel-Sulfarsenide (Neso-Sulfarsenide) usw., mit zusätzlichem Schwefel (S)“ zu finden ist, wo es zusammen mit Cupropearceit, Cupropolybasit, Pearceit-Tac (früher Pearceit), Pearceit-T2ac (früher Arsenpolybasit), Pearceit-M2a2b2c (früher Arsenpolybasit), Polybasit-Tac (früher Antimonpearceit), Polybasit-T2ac (früher Polybasit), Polybasit-M2a2b2c (früher Polybasit) und Selenopolybasit die „Pearceit-Polybasit-Gruppe“ mit der System-Nr. 2.GB.15 bildet.
Die Polybasitstruktur baut sich aus zwei verschiedenen schichtförmigen Baueinheiten mit den Zusammensetzungen [Ag9CuS4]2+ und [(Ag,Cu)6(Sb,As)2S7]2− auf. Diese Schichtpakete sind in Richtung der c-Achse alternierend aufeinandergestapelt.
Polybasit (und Pearceit) kristallisiert sowohl trigonal als auch monoklin in drei polytypen Strukturen:
Polybasit-Tac (alt: Antimonpearceit), trigonal
Polybasit-T2ac (alt: Polybasit-221), trigonal
Polybasit-M2a2b2b (alt: Polybasit-222), monoklin
Die Verdopplung der einzelnen Elementarzellachsen (2a, 2b, 2c) beruht im Wesentlichen auf der geordneten Verteilung des Silbers (Ag) auf die diversen Gitterpositionen.
↑Justus Freiherr von Liebig: Justus Liebig's Annalen der Chemie. Bände 13-14, Meyerschen Hof-Buchh. und der Winterschen Universitäts-Buchh, 1835, S. 91. (books.google.de)
↑G. Gebhard:Der Bergbau und die Minerale von Ramsbeck/Sauerland. In: R. Bode (Hrsg.): Emser Hefte. Band6. Bochum 1981, S.5–41.
↑J. Schneider, K.-M. Graef:Neuauffindung einer Silbererzparagenese im nordöstlichen Siegerland. In: Nassauischer Verein für Naturkunde (Hrsg.): Jahrbücher des Nassauischen Vereins für Naturkunde. Band118. Wiesbaden 1997, S.105–107.
↑E. Kolbe:Die Bleierzlagerstätte Gonderbach bei Laasphe und ihre Entstehung. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie (Abteilung A). Beil.-Bd. 52, 1925, S.286–333.
C. Frondel: Isodimorphism of the polybasite and pearceite series. In: American Mineralogist. Band 48, 1963, S. 565–572. (minsocam.org, PDF; 496kB)
H. T. Hall: The Perceite and Popybasite Series. In: American Mineralogist. Band 52, 1967, S. 1311–1321. (minsocam.org, PDF; 603kB)
Luca Bindi, Michel Evain, Paul G. Spry, Silvio Menchetti:The pearceite-polybasite group of minerals: Crystal chemistry and new nomenclature rules. In: American Mineralogist. Band92, Nr.5–6, 2007, S.918–925, doi:10.2138/am.2007.2440 (minsocam.org[PDF]).
Y. Moëlo u. a.:Sulfosalt systematics: a review. Report of the sulfosalt sub-committee of the IMA Commission on Ore Mineralogy. In: European Journal of Mineralogy. Band20, Nr.1, 2008, S.7–62, doi:10.1127/0935-1221/2008/0020-1778 (main.jp[PDF]).