Planerit kristallisiert im triklinen Kristallsystem, entwickelt allerdings nur mikroskopisch kleine Kristalle, die entweder kugelige bzw. nierenförmige Mineral-Aggregate oder krustige Überzüge bilden. Das Mineral ist im Allgemeinen undurchsichtig und nur an dünnen Kanten durchscheinend. Frische Proben sind zunächst hellgrün bis fast weiß, dunkeln aber an der Luft mit der Zeit nach zu blaugrün oder olivgrün.
In seinem ebenfalls 1862 auf Russisch veröffentlichten Bericht über „Materialien für die Mineralogie Russlands“ (englisch Materials for Mineralogy of Russia) charakterisierte N. I. Kokscharow das Mineral Planerit als „ein Mineral, das in dünnen traubenartigen Krusten auf Quarz vorkommt“. Er gab jedoch als Fundort fälschlicherweise die Kupfergrube Gumeshevskii bei Polewskoi weit westlich von Syssert an. Möglicherweise wurde dieser Irrtum dadurch ausgelöst, dass Planer der Direktor des Bergwerks Gumeshevskii war. Erschwerend kam hinzu, dass die falsche Angabe der Typlokalität in vielen mineralogischen Nachschlagewerken wiederholt wurde. 1867 wies Planer allerdings auf diesen Fehler hin:[8]
“Planerite was found on the Chernaya River, in a lofty steep mountain […] 5 versts from Sysert' Zavod and 49 versts south of Yekaterinburg […], but not in the Gumeshevskii Mine.”
„Planerit wurde am Fluss Tschernaja (russischЧерная[12]) in einem hohen steilen Berg gefunden […] 5Werst von Sysert' Zavod und 49 Werst südlich von Jekaterinburg […], aber nicht im Bergwerk Gumeshevskii.“
Im Zuge der Entdeckung von Aheylit (Fe2+Al6(PO4)4(OH)8·4H2O) 1984 und einer daraufhin nötigen Neu-Untersuchung der Türkisgruppe wurde die chemische Formel für Planerit neu definiert mit ◻Al6(PO4)2(PO3OH)2(OH)8·4H2O und diese Neudefinition von der International Mineralogical Association (IMA) als eigenständige Mineralart anerkannt.[1]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/D.15-010. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, mit fremden Anionen“, wo Planerit zusammen mit Afmit, Aheylit, Chalkosiderit, Clarait, Faustit, Kobokoboit und Türkis die „Türkisgruppe“ mit der Systemnummer VII/D.15 bildet.[3]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Planerit die System- und Mineralnummer 42.09.03.06. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (A)3(XO4)2 Zq × x(H2O)“ in der „Türkisgruppe“, in der auch Türkis, Coeruleolaktit, Faustit, Chalkosiderit und Aheylit eingeordnet sind.
Beim Erhitzen färbt sich Planerit grau und „dekrepitiert“ (auch Dekrepitation, Abknistern), d. h. das enthaltene Kristallwasser entweicht mit knisterndem Geräusch und das Mineral zerstäubt bzw. zerspringt in kleine Teilchen.
Das Mineral ist relativ unempfindlich gegen Säuren, beim Kochen in Natronlauge zersetzt es sich jedoch leicht.[10]
Der in der Grube „Rindsberg“ bei Katzenelnbogen in Rheinland-Pfalz entdeckte und von T. Petersen 1871 erstbeschriebene, milchweiße bis hellblaue Coeruleolaktit (von „Coeruleom“ für Himmelblau und „Lac“ für Milch[17]) stellte sich bei späteren Neuanalysen als Mineralgemenge aus Planerit, Variscit und Wavellit heraus.[7] Coeruleolaktit wurde daher 2006 als eigenständige Mineralart diskreditiert.[18]
Hellgrüne Kruste aus Planerit auf radialstrahlig-kugeligem Wavellit aus Mount Ida, Montgomery County, Arkansas, USA (Größe: ca. 7,62 cm × 6,35 cm × 4,45 cm)
Als seltene Mineralbildung konnte Planerit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher 45 Fundorte dokumentiert sind (Stand 2021).[19] Neben seiner Typlokalität am Berg Tschernowskaja in der Oblast Swerdlowsk konnte das Mineral in Russland noch in einem Steinbruch am Berg Temir etwa einen Kilometer westlich von Zauralovo nahe der Stadt Tschebarkul in der Oblast Tscheljabinsk im Föderationskreis Ural sowie in der Zinn-LagerstätteKëster im Arga-Ynnakh-Khai-Granitmassiv in der russischen Republik Sacha (Jakutien) im Föderationskreis Ferner Osten gefunden werden.
In Deutschland kennt man Planerit bisher aus den Gruben Mark bei Essershausen und Rotläufchen bei Waldgirmes in Hessen, vom Berg Hardtkopf bei Linnepe, dem Steinbruch Föckinghausen bei Bestwig und der Grube David bei Warstein in Nordrhein-Westfalen sowie von der Absetzerhalde des Tagebaus Lichtenberg in der Uran-Lagerstätte nahe Ronneburg in Thüringen.
Weitere bisher bekannte Fundorte liegen unter anderem in Australien, Burundi, Frankreich, Irland, Italien, Japan, der Demokratischen Republik Kongo (Zaire), Neuseeland, Portugal, Rumänien, Spanien, Südafrika, Tschechien und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[20]
R. Hermann:Untersuchungen einiger neuer russischer Mineralien. 1. Ueber Planerit, ein neues Mineral. In: Bulletin de la Société Impériale des Naturalistes de Moscou. Band35, 1862, S.240–243 (rruff.info[PDF; 199kB; abgerufen am 15.August 2021]).
Eugene E. Foord, Joseph E. Taggart, jr.:A reexamination of the turquoise group: the mineral aheylite, planerite (redefined), turquoise and coeruleolactite. In: Mineralogical Magazine. Band62, 1998, S.93–111 (englisch, rruff.info[PDF; 1,2MB; abgerufen am 15.August 2021]).
Igor V. Pekov:Minerals first discovered on the territory of the former Soviet Union. 1. Auflage. Ocean Pictures, Moscow 1998, ISBN 5-900395-16-2, S.166.
Planerite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 16.August 2021(englisch).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234567Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.503–504 (englisch).
123456
Planerite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 69kB; abgerufen am 15.August 2021]).
12Eugene E. Foord, Joseph E. Taggart, jr.:A reexamination of the turquoise group: the mineral aheylite, planerite (redefined), turquoise and coeruleolactite. In: Mineralogical Magazine. Band62, 1998, S.93–111 (englisch, rruff.info[PDF; 1,2MB; abgerufen am 15.August 2021]).
12Igor V. Pekov:Minerals first discovered on the territory of the former Soviet Union. 1. Auflage. Ocean Pictures, Moscow 1998, ISBN 5-900395-16-2, S.166.
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Typlokalität Chernovskaya-Gebirge (Chernovskaya Mountain) beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 15. August 2021.
12R. Hermann:Untersuchungen einiger neuer russischer Mineralien. 1. Ueber Planerit, ein neues Mineral. In: Bulletin de la Société Impériale des Naturalistes de Moscou. Band35, 1862, S.240–243 (rruff.info[PDF; 199kB; abgerufen am 15.August 2021]).
↑Planerite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 15.August 2021(englisch).
↑Igor V. Pekov:Minerals first discovered on the territory of the former Soviet Union. 1. Auflage. Ocean Pictures, Moscow 1998, ISBN 5-900395-16-2, S.335.
↑D. I. Planer:Minerals newly discovered and newly studied in the latest time. St. Petersburg 1867, S.171 (russisch, zitiert in: Igor V. Pekov:Minerals first discovered on the territory of the former Soviet Union. 1. Auflage. Ocean Pictures, Moscow 1998, ISBN 5-900395-16-2, S.318.).
↑Carl Hintze:Phosphate, Arseniate, Antimoniate, Vanadate, Niobate und Tantalate. In: Handbuch der Mineralogie. Band1, 4. Abteilung, 2. Hälfte. Walter de Gruyter & Co., Berlin, Leipzig 1933, S.927 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 18.August 2021]).
↑Ernst A. J. Burke:A mass discreditation of GQN Minerals. In: The Canadian Mineralogist. Band44, 2006, S.1557–1560, doi:10.2113/gscanmin.44.6.1557 (englisch, rruff.info[PDF; 119kB; abgerufen am 28.März 2025]).
↑Localities for Planerite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 15.August 2021(englisch).
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Fundortliste für Planerite beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 28. März 2025.
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Die Kristallchemische Strukturformel von Planerit wird im Lapis-Mineralienverzeichnis fälschlicherweise mit der doppelten Anzahl von PO4-Ionen angegeben.