Pierre Gole
Pierre Gole (eigentlich Pieter Cornelisz. Gole; * um 1620 in Bergen, Niederlande; † 27. November 1684 in Paris) war ein niederländisch-französischer Möbelschreiner. Als Ebenist war er am Hof Ludwigs XIV. in Paris tätig.[1]
Leben
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Sein eigentlicher Vorname ist durch ein von den Schöffen der Stadt Bergen für seine geplante Reise nach Frankreich ausgestelltes Führungszeugnis bekannt, das im Noord-Hollands Archief (ehemals Gemeentearchief Haarlem) verwahrt wird. Pieter Cornelisz. Gole traf vermutlich vor 1645, etwa zur gleichen Zeit wie sein Bruder Gerrit, in Paris ein und ließ sich dort nieder. Gole fand zunächst eine Anstellung in der Kunsttischlerei von A. Garbrandt in der Rue Guisarde, der unter der Firmenbezeichnung A la ville d’Amsterdam tätig war. Am 22. Januar 1645 heiratete er Anne Garbrandt, eine Tochter seines Meisters. Sein Bruder Gerrit unterzeichnete den Trauschein als Zeuge gemeinsam mit Isbrand van Os, dem Pfarrer der niederländischen Vertretung in Paris. Im selben Dokument wurde die Gründung einer auf sechs Jahre angelegten Gesellschaft zwischen dem jungen Paar und Goles Schwiegereltern vereinbart. Nach dem Tod seiner verwitweten Schwiegermutter im Jahr 1661 übernahm Gole, obwohl ihm die Schwägerinnen ihre Erbteile freiwillig überließen, auch deren Schulden, um die Erbschafts- und Gesellschaftsfragen endgültig zu klären. Gole und Anne Garbrandt hatten die Söhne Jacob und Corneille sowie die Töchter Anne (um 1650) und Suzanne (um 1660). Er lebte zunächst in der Rue Guisarde, ab 1661 vorübergehend am Quai des Écoles und ließ sich schließlich in der Rue de l’Arbre-Sec im Pfarrbezirk Saint-Germain-l’Auxerrois nieder. Er beließ dem Geschäft die vom Schwiegervater eingeführte Bezeichnung A la ville d’Amsterdam. Ab 1655 nahm er selbst Lehrlinge auf, darunter Jacques Chaudron (1655), François Vualchart (1656), Adrian Houbigant (1658) und Denis Deforge (1660).[3]

Innerhalb der protestantischen Gemeinschaft von Paris genoss Pierre Gole hohes Ansehen. Mit dem Ausbruch des Holländischen Krieges im Jahr 1672 wurde ihm zunächst die abgebaute Kanzel der Kapelle der niederländischen Vertretung und im Jahr 1673 ein Teil der für die Armen bestimmten Gelder zur Aufbewahrung anvertraut. Auch innerhalb der Tischlerzunft wurde er als Gutachter herangezogen, unter anderem 1671 zur Schätzung des Möbelnachlasses von Henriette-Anne d’Angleterre, der ersten Ehefrau von Monsieur, sowie 1684 zur Bewertung der Lagerbestände des Kollegen Aubertin Gaudron. Am 16. September 1651 wurde Pierre Gole zum menuisier en ébène ordinaire du roi ernannt, ein Amt, das er bis zu seinem Lebensende ausübte. In der Folge arbeitete er für Anne d’Autriche, den jungen Ludwig XIV. und Kardinal Mazarin. Für Mazarin fertigte er vor 1659 zwei Kabinettschränke, die dessen Geschmack jedoch nicht trafen und in einer Lotterie versteigert wurden. Nach 1659 folgte ein weiteres Paar Kabinettschränke, die mit aus Italien importierten Pietra-dura-Tafeln verziert waren. Kurz vor seinem Tod bestellte der Kardinal zwei weitere Kabinettschränke bei Pierre Gole. Sie wurden wahrscheinlich nach Entwürfen von Charles Le Brun gestaltet und waren als Geschenke für den König bestimmt.[3]

Im Jahr 1661 lieferte Pierre Gole ein mit Blumenmarketerie verziertes Möbelstück für die Zeichnungs- und Medaillensammlung von Ludwig XIV. sowie mehrere Möbel für die königlichen Appartements im Schloss von Vincennes. Zwischen 1663 und 1670 entstanden zahlreiche weitere Möbel, darunter ein Kabinettschrank für Philippe d’Orléans, den Bruder des Königs, für das Palais Royal. Zwischen 1665 und 1668 arbeitete er an den beiden großen Schränken Cabinet de la Guerre und Cabinet de la Paix. Sie waren als Gegenstücke zu den von Domenico Cucci für die Galerie d’Apollon im Louvre gefertigten Kabinettschränken konzipiert und stammten ebenfalls aus der Hand Le Bruns. Beide Schränke gelten als verschollen. Die Hypothese von Pradère (1989), die von Lunsingh Scheurleer (2005) wiederholt wurde, Pierre Gole habe diese Schränke in den Werkstätten der Manufacture des Gobelins gefertigt, ist urkundlich nicht belegt. Pierre Gole gilt jedoch als der Erfinder des sogenannten Bureau,[5] das 1669 erstmals im Zusammenhang mit der Bezahlung eines zweiteiligen Bureau brisé aus Zedernholz durch die Menus-Plaisirs erwähnt wird. Zwischen 1670 und 1680 belieferte er das Garde-Meuble de la Couronne mit zahlreichen Bureaus und Tischen, die größtenteils für Versailles bestimmt waren. Darüber hinaus fertigte er für die Bâtiments du Roi marketierte Parkettböden, darunter 1682 das Schmuckparkett für das Kabinett des Grand Dauphin in Versailles.[3]
Nach Pierre Goles Tod am 27. November 1684 wurde ab dem 10. Januar 1685 sein Nachlassinventar aufgestellt. Seine beiden Töchter und sein Sohn Corneille waren die Erben. Unter anderem verzeichnete das Inventar einen umfangreichen Holzvorrat, Halbedelsteine, neun Schränke, dreizehn Kabinettschränke sowie 22 Bureaus und 56 zum Teil unvollendete Tische. Zu Goles Mitarbeitern zählten unter anderem sein ehemaliger Lehrling Denis Deforge, der Tischlergeselle Gérard Fabry, der Bildhauer Jacquin, der Lackierer Desessas und der Vergolder Jean Chauvin.[3]
Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erhaltene bzw. Pierre Gole zugeschriebene Möbelstücke befinden sich unter anderem im Rijksmuseum Amsterdam, im Dallas Museum of Art (Wendy and Emery Reves Collection), im Fries Museum, in der Royal Collection, im Victoria and Albert Museum in London, im J. Paul Getty Museum in Los Angeles, im Metropolitan Museum of Art in New York, im Louvre, im Musée Jacquemart-André in Paris, im Musée Jacquemart André[6] in Fontaine-Chaalis, im Château de Serrant und im de Young Museum in San Francisco.[3]
Charakteristisch für Pierre Goles Möbel ist eine Blumenmarketerie ohne Tiefenwirkung mit stark betonten, mehrfarbigen Elementen. Diese ahmen die Wirkung von Marmoruntergrund und Pietra-dura-Marketerie nach, unter anderem durch den Wechsel von Kupfer-, Zinn- und Schildpattmarketerie. Typisch für die Beine von Tisch- und Kabinettschränken aus seiner Werkstatt sind kleine Säulen mit Kapitellen sowie kräftige Rundprofile.[3]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Charles Jal: Dictionnaire critique de biographie et d’histoire. Paris 1872.
- Alfred Maze-Sencier: Le livre des collectionneurs. Paris 1885, S. 37.
- Jacques Vial, Henri Marcel, André Girodie: Les artistes décorateurs du bois. Bd. 1, Paris 1912.
- Jules Guiffrey: Comptes des Bâtiments du Roi sous le règne de Louis XIV. Paris 1881–1901, Bde. I und II.
- Émile Molinier: Histoire générale des arts appliqués à l’industrie. Bd. 3, Paris [1896], S. 25, 58, Anm. 7.
- Nouvelles Archives de l’art français. 2. Serie, Bd. 1, 1879, S. 109.
- Gazette des Beaux-Arts. 1874, I, S. 556; 1882, II, S. 335.
- Katalog der Berliner Ornamentstichsammlung. 1894.
- Oud-Holland. Bd. 3, 1885, S. 145.
- Gole, Pierre. In: Ulrich Thieme, Fred. C. Willis (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 14: Giddens–Gress. E. A. Seemann, Leipzig 1921, S. 344 (Textarchiv – Internet Archive).
- Theodoor H. Lunsingh Scheurleer: Pierre Gole. Ébéniste de Louis XIV. Éditions Faton, Dijon 2005.
- Theodoor H. Lunsingh Scheurleer: Pierre Gole, ébéniste du roi Louis XIV. In: The Burlington Magazine. Bd. 122, Nr. 927, Juni 1980, S. 380–394.
- Alvar Pradère: Il mobile francese. Da Luigi XIV alla Rivoluzione. Mailand 1989; deutsche Ausgabe unter dem Titel Die Kunst des französischen Möbels. München 1990.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 6: Gémignani – Herring. Paris 2006.
- ↑ Timothy: ANTWERP | Former Museum Ridder Smidt van Gelder at Hotel Thijs at Belgiëlei. In: Trip By Trip. 12. April 2025, abgerufen am 26. Juli 2026 (amerikanisches Englisch).
- 1 2 3 4 5 6 Theodoor H. Lunsingh Scheurleer: Pierre Gole. Ébéniste de Louis XIV. Hrsg.: Éditions Faton. Dijon 2005.
- ↑ Attributed to Pierre Gole - Table - French, Paris - The Metropolitan Museum of Art. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 29. März 2026; abgerufen am 26. Juli 2026 (englisch).
- ↑ Bureau – RDK Labor. Abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Jacquemart-André Museum. In: Destination Parc Oise Pays de France. Abgerufen am 26. Juli 2026 (britisches Englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gole, Pierre |
| ALTERNATIVNAMEN | Gole, Pieter Cornelisz.; Golle, Pierre |
| KURZBESCHREIBUNG | niederländisch-französischer Möbelschreiner |
| GEBURTSDATUM | um 1620 |
| GEBURTSORT | Bergen |
| STERBEDATUM | 27. November 1684 |
| STERBEORT | Paris |