Phosphophyllit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist dicktafelige Kristalle und Kontaktzwillinge mit „Fischschwanz“- bzw. „Schwalbenschwanz“-ähnlichem Habitus von mehreren Zentimetern Länge. Die durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle sind von hellbläulichgrüner bis meergrüner Farbe bei weißer Strichfarbe und weisen auf den Oberflächen einen glasähnlichen Glanz auf. Selten finden sich auch farblose Phosphophyllite.
Seltener farbloser Phosphophyllit aus der Typlokalität Hagendorf-Nord (Bildbreite 3mm)
Entdeckt wurde Phosphophyllit erstmals im Bergwerk Hagendorf-Nord (Grube Meixner) bei Hagendorf (Gemeinde Waidhaus) in der Oberpfalz (Bayern). Die Erstbeschreibung erfolgte 1920 durch Heinrich Laubmann und Hermann Steinmetz, die das Mineral in Anlehnung an seinen Phosphatgehalt und seine Kristallgestalt nach dem altgriechischen Wort φύλλον [phýllon] für „Blatt“ benannten.
Da der Phosphophyllit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Phosphophyllit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Phosphophyllit lautet „Pp“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht definiert beziehungsweise nicht dokumentiert.[6][8]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Phosphophyllit die System- und Mineralnummer 40.02.07.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit A2+(B2+)2(XO4) × x(H2O)“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 40.02.07.
Bläulicher Phosphophyllit mit massigem, dunkelrötlichschwarzem Sphalerit und bräunlichem Siderit aus der Mina Unificada, Cerro Rico, Potosí, Bolivien (Größe:2,5cm×2,1cm×1,3cm)
Als seltene Mineralbildung konnte Phosphosphyllit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2014) rund 30 Fundorte bekannt sind.[11] Neben seiner Typlokalität Hagendorf-Nord in Bayern trat das Mineral in Deutschland bisher nur noch auf den Schlackehalden der Zinkhütte Münsterbusch im Aachener Revier in Nordrhein-Westfalen zutage.
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Phosphophyllitfunde ist unter anderem die Mina Unificada am Cerro Rico (auch Cerro de Potosí) im bolivianischen Departamento Potosí, wo vollkommene Kristalle von bis zu 14Zentimeter Durchmesser gefunden wurden.[12]
Trotz seiner oft klaren und glänzenden Kristalle von aquamarinähnlicher Farbe wird Phosphophyllit nicht als Schmuckstein genutzt, da er aufgrund seiner geringen Mohshärte beim Tragen schnell verkratzen würde. Für Sammler wird er allerdings gelegentlich in verschiedenen Facettenschliffen angeboten.[14]
H. Laubmann, H. Steinmetz:Phosphatführende Pegmatite des Oberpfälzer und Bayerischen Waldes. In: Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Band55, 1920, S.523–586 (rruff.info[PDF; 4,4MB; abgerufen am 9.Dezember 2024]).
W. Kleber, F. Liebau, E. Piatkowiak:Zur Struktur des Phosphophyllits Zn2Fe[PO4]2,4H2O. In: Acta Crystallographica. Band14, 1961, S.795, doi:10.1107/S0365110X61002369.
Roderick J. Hill:The crystal structure of phosphophyllite. In: American Mineralogist. Band62, 1977, S.812–817 (englisch, rruff.info[PDF; 637kB; abgerufen am 9.Dezember 2024]).
Phosphophyllite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 9.Dezember 2024(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.473 (englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234
Phosphophyllite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 53kB; abgerufen am 9.Dezember 2024]).
12345Phosphophyllite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 9.Dezember 2024(englisch).
↑Walter Schumann:Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S.57.
↑Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.176.
↑
Fundortliste für Phosphophyllit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 9. Dezember 2024.
↑Walter Schumann:Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S.226.