Philippe Bertrand

Philippe Bertrand (getauft 11. November 1663 in Paris; † 30. Januar 1724 ebenda) war ein französischer Bildhauer.[1]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Philippe Bertrand war der Sohn des Bildhauers David Bertrand und dessen Ehefrau Judith Meusnier. Er absolvierte seine Ausbildung in der Werkstatt des Bildhauers Louis Le Comte (auch Le Conte) in Paris. Im Jahr 1694 heiratete er mit päpstlichem Dispens seine Cousine Marie Meusnier. Im selben Jahr wurde er nach Montpellier berufen, um an dem von dem Architekten Augustin-Charles d’Aviler zu Ehren Ludwigs XIV. errichteten Triumphbogen Porte du Peyrou mitzuwirken. Dort schuf er vier Medaillonreliefs aus Stein mit den Darstellungen Le triomphe de la foi catholique, La construction du Canal des Deux Mers, La prise de Mons et de Namur sowie Les Victoires sur l’Angleterre et l’Empire. Nach seiner Rückkehr nach Paris wurde er 1701 aufgrund seiner Bronzegruppe Le Rapt d’Hélène par Paris in die Académie royale de peinture et de sculpture aufgenommen. 1717 wurde er zum assistant à professeur ernannt und im selben bzw. im darauffolgenden Jahr zum Professor.[2]
Im Jahr 1702 fertigte Philippe Bertrand das inzwischen verschollene Grabmal für Joseph Leclerc de Lesseville im Kloster der Grands Augustins sowie eine Gipsstatue des heiligen Satyrus für eine Kapelle des Invalidendoms. Im Salon von 1704 zeigte er mehrere Arbeiten, darunter die Bronzegruppen Prometheus und Der Raub der Psyche, eine Statue der Lucretia sowie Bildnisbüsten seiner Ehefrau Marie Meusnier und des Miniaturmalers Jacques-Philippe Ferrand. 1705 war er an einem bleiernen Baldachin für die Bains d’Apollon im Bosquet du Marais in Versailles beteiligt. Im Jahr 1706 fertigte er zusammen mit dem Bildhauer François Barois für ein Brunnenbecken im Park von Marly eine Nymphengruppe und für die dortige Cascade rustique die Marmorstatue L’Air (heute im Musée du Louvre). Aus derselben Zeit stammt vermutlich ein Medaillon mit dem Bildnis von Jean Mabillon.[2]
Anschließend arbeitete er mit weiteren Bildhauern an der Ausstattung der Schlosskapelle von Versailles: Cherubimköpfe, Kindergruppen, ein Medaillon mit der Darstellung eines Kirchenvaters sowie Kirchentrophäen für den Fries des Deckengewölbes. Über einem der Emporenfenster schuf er zwei Figuren, die die Tugenden Le Secret und La Patience darstellen. Auf der königlichen Empore schuf er Culs-de-lampe und weitere Verzierungen. Auf einem Pfeiler des Kirchenschiffs entstanden allegorische Basreliefs zur Jesus vor Herodes, die überwiegend als Trophäen ausgeführt sind. Zudem beteiligte er sich an der Ausgestaltung der Vorhalle der Kapelle.[2]

In den Jahren 1712/13 wirkte Philippe Bertrand an der Ausschmückung des Chors der Kathedrale Notre-Dame de Paris mit, die im Zuge der Erfüllung eines Gelübdes Ludwigs XIII. erneuert wurde. Über den Arkaden führte er die beiden Basreliefs der Justitia und der Fortitudo aus. Im Jahr 1713 erhielt er gemeinsam mit René Frémin den Auftrag für die große Marmorgruppe Zéphyr et Flore für die Gärten des Trianon. Er war für die Ausführung der Figur der Flora sowie eines Kindes verantwortlich. Nach Frémins Abreise nach Spanien im Jahr 1721 wurde die Gruppe von Jacques Bousseau vollendet. Im Jahr 1714 schuf Philippe Bertrand die Bronzegruppe La Renommée volant au-dessus de la Religion, de la Piété et d’un ange qui tiennent des médaillons avec les portraits de Louis XIII et Louis XIV (London, Wallace Collection). Diese Allegorie stellt die Erfüllung des Gelübdes Ludwigs XIII. dar. Zwischen 1714 und 1715 fertigte Bertrand für die Wasserpumpe La Samaritaine am Pont Neuf eine mittlerweile zerstörte Christusfigur aus Blei. Zwischen 1715 und 1720 entstanden vier kleine Bronzegruppen mit Darstellungen der Jahreszeiten. Es sind dies Der Frühling (Zephyr und Flora), Der Sommer (Ceres und Triptolemos), Der Herbst (Bacchus und Ariadne) und Der Winter (Venus und Vulkan). Zwei Exemplare dieser Art befinden sich in der Royal Collection in Windsor Castle.[2]
Philippe Bertrand erkrankte 1721 und starb knapp drei Jahre später, am 30. Januar 1724, in seiner Pariser Wohnung in der Rue de Sèvres. Er hinterließ zwei minderjährige Söhne, darunter den späteren Bildhauer Thomas Bertrand.[2]
Werke (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Le Rapt d’Hélène par Paris, Gruppe, Bronze, Fontainebleau, Musée national du château
- L’Air, Statue, Marmor, Paris, Musée du Louvre (Inv.-Nr. RF 266)
- Zéphyr et Flore, Gruppe, Marmor, Trianon, Versailles (gemeinsam mit René Frémin, vollendet von Jacques Bousseau)
- Vénus, Adonis et un amour, Gruppe, Terrakotta, Privatsammlung
- Le Rapt de Psyché, Gruppe, Bronze, Sankt Petersburg, Eremitage
- verschiedene Basreliefs, Schlosskapelle Versailles
- Les quatre saisons, vier Gruppen, Bronze, Windsor Castle, Royal Collection
- Prometheus, Gruppe, Bronze, Windsor Castle, Royal Collection
- La Renommée volant au-dessus de la Religion, de la Piété et d’un ange..., Bronzerelief, London, Wallace Collection
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Philippe Bertrand. In: Allgemeines Künstlerlexikon Online. De Gruyter, Berlin/Boston 2009.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 2: Bedeschini – Bülow. Paris, 2006.
- Bertrand, Philippe. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 3: Bassano–Bickham. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1909, S. 516–517 (Textarchiv – Internet Archive).
- Stanislas Lami: Dictionnaire des sculpteurs de l’école française sous le règne de Louis XIV. Honoré Champion, Paris 1906.
- François Souchal: French Sculptors of the 17th and 18th Centuries. The Reign of Louis XIV. Band I. Cassirer, Oxford 1977; Band IV (Addenda). Cassirer, Oxford 1993.
- Ian Wardropper: A Marble Statue of Lucretia Attributed to Philippe Bertrand. In: Geneviève Bresc-Bautier (Hrsg.): La sculpture en Occident. Études offertes à Jean-René Gaborit. Gourcuff Gradenigo, Paris 2008, S. 193–198.
- James David Draper: Arms for Aeneas: A Group Reattributed to Jean Cornu. In: Metropolitan Museum Journal. Band 24, 1989, S. 223–237.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 2: Bedeschini – Bülow. Paris 2006.
- 1 2 3 4 5 De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. 2009.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bertrand, Philippe |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Bildhauer |
| GEBURTSDATUM | getauft 11. November 1663 |
| GEBURTSORT | Paris |
| STERBEDATUM | 30. Januar 1724 |
| STERBEORT | Paris |