Georg Pfarrkircher
Georg Karl Pfarrkircher (* 27. August 1902 in Augsburg; † 19. September 1977 in Königsbrunn) war ein deutscher SS-Sturmscharführer, Angehöriger des Sonderkommandos 4a und Angeklagter im sogenannten Callsen-Prozess gegen Angehörige des Sonderkommando 4a in Darmstadt.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Georg Pfarrkircher war Sohn eines Polizeikommissars. Nach der Schulentlassung 1916 konnte er infolge des Krieges keine Lehrstelle finden, so dass er als Hilfsmonteur arbeitete. 1919 verpflichtete er sich für eine 12-jährige Dienstzeit bei der Reichswehr.[1] Danach war er einige Zeit als Angestellter im Finanzamt Augsburg tätig und verpflichtete sich dann auf weitere 2 Jahre bei der Wehrmacht. Im Jahre 1937 fand Pfarrkircher bei den Messerschmitt-Werken in Augsburg eine Anstellung.[1] Zum 1. Mai 1937 trat er der NSDAP bei.
Am 1. August 1939 wurde Pfarrkircher zu der Staatspolizeistelle Augsburg als Verwaltungsbeamter überwiesen und dort im September 1940 im inneren Verwaltungsdienst beschäftigt.
Bei Auflösung der Staatspolizeileitstelle Augsburg im Frühjahr 1941 wurde Pfarrkircher nach Pretzsch/Elbe abgeordnet und dem Sonderkommando 4a der Einsatzgruppe C zugewiesen. Am 28. Juli 1941 nahm er als Schütze an der Erschießung von 17 kommunistischen Funktionären in Sokal teil.[2] Pfarrkircher war am 19. September 1941 an der Ermordung von 3145 Juden in Zhitomir beteiligt.[3] Während des Massaker von Babyn Jar hatte Pfarrkircher als Furier des SK 4a die reibungslose Versorgung der Exekutionskommandos mit Verpflegung und Getränken sicherzustellen.[4] Beim Sonderkommando 4a blieb er bis Herbst 1943. Er war dann kurzzeitig zu der Dienststelle des BdS "Russland-Mitte und Weissruthenien" in Minsk eingegliedert, wurde während des Rückzuges abgelöst und zu seiner Dienststelle in Augsburg zurückbeordert.[1]
Nach Kriegsende wurde Pfarrkircher vom 11. Juni 1945 bis 25. April 1948 im Rahmen des automatischen Arrestes interniert.[5] Die Spruchkammer Schwabmünchen stufte ihn in die Gruppe 4 der Mitläufer ein. Von 1948 bis 1953 war er als Lagerarbeiter tätig. Anschließend wurde er beim Finanzamt Augsburg zunächst als Angestellter, später als Steuersekretär beschäftigt.[5]
Am 2. Oktober 1967 begann in Darmstadt die Hauptverhandlung im Callsen-Prozess gegen ehemalige Angehörige des Sonderkommandos 4a. Am 29. November 1968 sprach das Schwurgericht in drei Fällen einen Schuldspruch, aber gemäß § 47 Absatz II des Militärstrafgesetzbuchs wurde von Bestrafung abgesehen.[6]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Christiaan F. Rüter (Hrsg.): Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945–1999, Bd. XXXI, Amsterdam: University Press, 2003, ISBN 978-90-5356-549-0
- Joscha Döpp: Von Babyn Jar nach Darmstadt: Der SS-Sonderkommandoführer Kuno Callsen vor Gericht. In: Sybille Steinbacher (Hrsg.): Kleine Reihe zur Geschichte und Wirkung des Holocaust. Band 5. Wallstein, Göttingen 2024, ISBN 978-3-8353-5718-1, S. 100, 118.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 C.F. Rüter, D.W. de Mildt (Hrsg.:) Justiz und NS-Verbrechen, Bd.XXXI, Verfahren Lfd.Nr.694; S. 23.
- ↑ C.F. Rüter, D.W. de Mildt (Hrsg.:) Justiz und NS-Verbrechen, Bd.XXXI, Verfahren Lfd.Nr.694; S. 53.
- ↑ C.F. Rüter, D.W. de Mildt (Hrsg.:) Justiz und NS-Verbrechen, Bd.XXXI, Verfahren Lfd.Nr.694; S. 137.
- ↑ C.F. Rüter, D.W. de Mildt (Hrsg.:) Justiz und NS-Verbrechen, Bd.XXXI, Verfahren Lfd.Nr.694; S. 185.
- 1 2 C.F. Rüter, D.W. de Mildt (Hrsg.:) Justiz und NS-Verbrechen, Bd.XXXI, Verfahren Lfd.Nr.694; S. 24.
- ↑ Irmtrud Wojak: Fritz Bauer 1903-1968. Eine Biographie., (= Schriftenreihe des Fritz-Bauer-Instituts Bd. 23), Verlag C. H. Beck oHG, München 2. durchgesehene Auflage 2009, S. 426.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pfarrkircher, Georg |
| ALTERNATIVNAMEN | Pfarrkircher, Georg Karl (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher SS-Sturmscharführer und Angehöriger des Sonderkommandos 4a |
| GEBURTSDATUM | 27. August 1902 |
| GEBURTSORT | Augsburg |
| STERBEDATUM | 19. September 1977 |
| STERBEORT | Königsbrunn |