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Perpignan

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Perpignan
Perpinyà
Perpignan (Frankreich)
Perpignan (Frankreich)
Staat Frankreich Frankreich
Region Okzitanien
Département (Nr.) Pyrénées-Orientales (Präfektur) (66)
Arrondissement Perpignan
Kanton Perpignan-1, Perpignan-2, Perpignan-3, Perpignan-4, Perpignan-5, Perpignan-6
Gemeindeverband Perpignan Méditerranée Métropole
Koordinaten 42° 42′ N, 2° 54′ OKoordinaten: 42° 42′ N, 2° 54′ O
Höhe 8–95 m
Fläche 68,07 km²
Bürgermeister Louis Aliot (RN)
Einwohner 121.616 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 1.787 Einw./km²
Postleitzahl 66000
INSEE-Code
Website www.mairie-perpignan.fr

Blick auf Perpignan

Perpignan [pɛʀpiˈɲɑ̃] ⓘ (katalanisch Perpinyà [pərpiˈɲa]) ist die Hauptstadt des südfranzösischen Départements Pyrénées-Orientales in der Region Okzitanien und zählt 121.616 Einwohner (1. Januar 2023). Die Stadt liegt in einer Ebene zwischen den Pyrenäen und den Corbières am Têt etwa 70 Kilometer südlich von Narbonne und 30 Kilometer nördlich der spanischen Grenze wenige Kilometer landeinwärts vom Mittelmeer (Golfe du Lion). Das Stadtzentrum wird von dem kanalisierten Flüsschen Basse durchquert, das in die Têt mündet.

Nordöstlich der Stadt liegt der Flughafen Perpignan-Rivesaltes, der 700.000 Fluggäste pro Jahr zählt. Touristen schätzen die Stadt für das mediterrane Klima und die sehenswerte Altstadt mit ihren Geschäftsstraßen, dem südöstlich angrenzenden Ausgehviertel (Saint-Jean), zahlreichen historischen Gebäuden, vorwiegend in gotischer Bauweise, und der gut erhaltenen mittelalterlichen Burg und Festungsanlage (Palast der Könige von Mallorca).

Perpignan verfügt über eine Universität und ist ein Handelszentrum für Wein (Côtes du Roussillon) und landwirtschaftliche Produkte (insbesondere Obstanbau im Umland).

Perpignan ist die Hauptstadt der historischen Grafschaft Roussillon und damit Nordkataloniens. Seine Geschichte ist eng mit der der Spanischen Mark und des Königreiches Aragón verbunden, zu denen es gehörte, ehe es im Pyrenäenfrieden von 1659 an das Königreich Frankreich fiel.

In römischer Zeit bestand östlich von Perpignan das Oppidum Ruscino, das laut Titus Livius[1] 218 v. Chr. bei Hannibals Durchzug Sammelplatz der Gallier war. Perpignan selbst wird erstmals im Jahr 927 urkundlich erwähnt, sodass die Stadt spätestens Anfang des 10. Jahrhunderts gegründet worden ist. Nach dem Aussterben des Grafengeschlechts von Roussillon fiel sie 1172 an Aragón. 1197 erhielt sie das Stadtrecht. Von 1276 bis 1344 war sie die Hauptstadt des Königreiches Mallorca, von dem der in einer gewaltigen Festungsanlage gelegene Palast der Könige von Mallorca zeugt. Der französische König Philipp III. starb am 5. Oktober 1285 in Perpignan auf dem Rückzug von einem missglückten Angriff gegen die Truppen Peters III. von Aragón. 1344 fiel Perpignan erneut an Aragón. Die 1349 von König Peter IV. gestiftete Universität Perpignan wurde 1794 in den Wirren der Französischen Revolution geschlossen und 1971 wiedereröffnet.

Am 1. November 1408 eröffnete der Gegenpapst Benedikt XIII. in Perpignan ein Sonderkonzil, das im Gegensatz zum Konzil von Pisa stand. In Perpignan fand im September 1415 eine Zusammenkunft des römisch-deutschen Königs Sigmund, des Königs Ferdinand I. von Aragón und Benedikts XIII. statt. Im März 1475 ergab sich die Stadt nach achtmonatiger Belagerung Ludwig XI., wurde jedoch 1493 von Karl VIII. an Aragón zurückgegeben. Die erfolglose Belagerung Perpignans durch Franz I. von Frankreich im Jahr 1542 bewog Karl V., eine Zitadelle anzulegen, die unter seinem Sohn, Philipp II. von Spanien, 1577 vollendet wurde.

1601 wurde der Bischofssitz Elne nach Perpignan verlegt. Im Dreißigjährigen Krieg eroberten französische Truppen Perpignan in der Belagerung von Perpignan 1642, und im Pyrenäenfrieden wurde es 1659 endgültig an Frankreich abgetreten. Ludwig XIV., der sich 1660 kurz in der Stadt aufhielt,[2] ließ die Befestigungswerke von dem Architekten Sébastien Le Prestre de Vauban ausbauen. 1674 wurde ein Adelsaufstand von François de Llar, Carlos de Banyuls, Emmanuel Descollar[2] und weiteren Verbündeten durch einen Verrat von Llars Tochter Iñes vereitelt; die Beteiligten wurden in Perpignan hingerichtet. Iñes de Llar hatte das Geheimnis des bevorstehenden Aufstands ihrem Geliebten, einem französischen Offizier, verraten und so ihren Vater ausgeliefert.[2]

Perpignan und Bayonne wurden in der Zeit der Französischen Revolution zum Zufluchtsort für die aufgeklärte spanische Opposition der Ilustrados.[3] Während des französischen Revolutionskrieges griff das Königreich Spanien Perpignan am 17. Juli 1793 an.

Die Region um Perpignan wird als Roussillon (katalanisch Rosselló) und Nordkatalonien (katalanisch Catalunya del Nord) bezeichnet. In dieser Gegend wurde von altersher Katalanisch gesprochen, ehe sich seit dem 19. Jahrhundert das Französische als Umgangssprache durchsetzte. Schätzungsweise 100.000 Bewohner des Roussillon sollen die Sprache noch beherrschen. Offizielle statistische Erhebungen über den Gebrauch des Katalanischen, das als Regionalsprache in Frankreich anerkannt ist, werden nicht vorgenommen.

Von 1944 bis 1976 stellten die Sozialisten der SFIO den Bürgermeister von Perpignan, von 1978 bis 2002 die bürgerliche Union pour la démocratie française (UDF). Von 2002 bis 2020 regierte die konservative Union pour un mouvement populaire (UMP) die Stadt; die Partei änderte 2015 ihren Namen landesweit zu Les Républicains. Seit 2020 ist Louis Aliot vom Rassemblement national (RN) Bürgermeister.[4] Die von Aliot geführte Liste errang 42 der 55 Sitze im Gemeinderat,[5] die übrigen Sitze wurden von den Républicains besetzt. Die grün-linke Liste und La République en marche hatten sich aus dem zweiten Wahlgang der Kommunalwahl zurückgezogen und den Wählern die Unterstützung der Républicains empfohlen, um eine Mehrheit der Rechtspopulisten zu verhindern, was jedoch nicht gelang.[6] Bei den Kommunalwahlen im März 2026 wurde Aliot für eine weitere Amtszeit wiedergewählt.[7]

Bevölkerungsentwicklung

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Jahr19621968197519821990199920112018
Einwohner83.025102.191106.426111.669105.983105.115118.238119.188

Quellen: Cassini und INSEE

Sehenswürdigkeiten

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  • Das Castillet, eine von der mittelalterlichen Stadtbefestigung erhaltene Torburg, die heute das städtische Heimatkundemuseum beherbergt
  • Der Palast der Könige von Mallorca aus dem 13. Jahrhundert in einer gut erhaltenen imposanten Zitadelle aus dem 18. Jahrhundert im Südteil der Altstadt (Stadtteil La Réal)
  • Loge de Mer, ehemaliges Gerichts- und Zollhaus, in ortstypischer Gotik
  • Hôtel Pams, bürgerliches Stadthaus vom späten 19. und frühen 20. Jahrhundert
  • Rathaus (Casa Consolar) aus dem 14. bis 17. Jahrhundert nahe dem Castillet
  • Kathedrale Saint-Jean-Baptiste, erbaut 1324–1509, mit Kreuzgang und Friedhof
  • Campo Santo, ein weltweit einzigartiger historischer Friedhof an der Kathedrale
  • Glockenturm mit historischem Carillon von Amédée Bollée
  • Kirche Saint-Jacques, erbaut im 13. bis 18. Jahrhundert
  • Muséum d’histoire naturelle de Perpignan
  • Denkmal zu Ehren von François Arago auf der Place Arago
  • Quai Sébastien Vauban, bekannt für seine alten Häuser und Restaurants am Ufer der Basse
  • „Aux Dames de France“, altes Kaufhaus an der Place de Catalogne
  • Bahnhof Perpignan mit einem 1965 vollendeten Deckengemälde von Salvador Dalí
  • Höhle von Arago, Fundstätte von Fossilien des Homo erectus, etwa 20 km nordwestlich der Stadt.
Place de la République in Perpignan

Kulturelle Einrichtungen

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  • Das Filminstitut Jean Vigo hat sich besonders auf dem Gebiet der nationalen und internationalen Filmforschung über Frankreichs Grenzen hinaus einen Namen gemacht. Die Gründung des Filminstituts im Jahr 1980, das nach dem französischen Filmavantgardisten Jean Vigo benannt wurde, geht auf den von Marcel Oms 1962 ins Leben gerufenen Ciné-club traditionnel de Perpignan zurück. Mit Unterstützung des ehemaligen Kulturministers Jack Lang, der sich neben der Quotierung französischer und europäischer Filmproduktionen auch für eine generelle Dezentralisierung kultureller Einrichtungen in Frankreich einsetzte, wurde das Institut Jean Vigo nach dem Centre National du Cinema (CNC) in Paris zur zweitwichtigsten filmkulturellen Einrichtung des Landes.
  • Die renovierte Karmeliterkirche von Perpignan dient seit 2022 als Kulturstätte und Veranstaltungsort für Konzerte und andere Aufführungen unter freiem Himmel. Sie bietet Platz für bis zu 500 Personen.[9]

Städtepartnerschaften

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Perpignan hat neun Partnerstädte:[10]

StadtLandseit
Barcelona Spanien1994
Hannover Deutschland1960[11]
Lake Charles Vereinigte Staaten1991
Lancaster Vereinigtes Königreich1962
Mostaganem Algerien2011[12]
Maʿalot-Tarshiha Israel1998
Sarasota Vereinigte Staaten1995[13]
Tavira Portugal2001[14]
Tyros Libanon1997[15]

Persönlichkeiten

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Der Maler Salvador Dalí erklärte scherzhaft, dass bei der Entstehung der Pyrenäen der Bahnhof von Perpignan der Angelpunkt, das Zentrum der Welt, gewesen sei, um den sich die Iberische Halbinsel und Frankreich drehten. Daher habe er im Bahnhof der Stadt den Schriftzug „Centre du monde“ angebracht.[16]

Weil die Moralvorstellungen im franquistischen Spanien besonders sittenstreng waren und der Zugang zur Pornografie beschränkt, organisierten spanische Reisebüros in den 1970er Jahren als Besichtigungstouren getarnte touristische Ausflüge nach Perpignan, wo zu dieser Zeit Sexkinos boomten.[3]

Wie die Bevölkerung des gesamten küstennahen Südens Frankreichs umfasst auch die Perpignans einen hohen Anteil von Algerienfranzosen (Pied-noir) und ihren Nachkommen. Im Dezember 2007, kurz vor einem Stastsbesuch des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in Algerien, wurde in Perpignan ein Denkmal enthüllt zum Gedenken an die Opfer der algerischen Befreiungsbewegung FLN.[17] Dies wurde vor dem Hintergrund der von der Pariser Regierung angestrebten Wiederannäherung Frankreichs an Algerien von zahlreichen Beobachtern als politische Provokation wahrgenommen.

Commons: Perpignan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Perpignan – Reiseführer

Einzelnachweise

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  1. ↑ Titus Livius, Ab urbe condita 21,24.
  2. 1 2 3 Jean-Christian Petitfils: Louis XIV. Ouvrage couronné par l’Académie française (= Marguerite de Marcillac [Hrsg.]: Collection tempus. Nr. 8). 6. Auflage. Éditions Perrin, Paris 2018, ISBN 978-2-262-07504-0, S. 455.
  3. 1 2 Bartolomé Bennassar, Jean-Pierre Amalric, Jacques Beyrie, Lucienne Domergue: Histoire des Espagnols – XVIIIe–XXe siècle (= Marguerite de Marcillac [Hrsg.]: Collection Tempus. Band 2, Nr. 378). 2. Auflage. Éditions Perrin, Paris 2011, ISBN 978-2-262-03441-2, S. 161, 630 f.
  4. ↑ Damit war Perpignan nach Toulon (1995–2001) die zweite französische Großstadt, in der die zunächst unter dem Namen Front national auftretende rechtpopulistische Partei den Bürgermeister stellte.
  5. ↑ Agence France-Presse: Louis Aliot installé maire de Perpignan, plus grosse prise RN des municipales. In: La Croix, 3. Juli 2020.
  6. ↑ Résultats Municipales à Perpignan : Louis Aliot (Rassemblement national) élu. France 3 Occitanie, 29. Juni 2020.
  7. ↑ Wiederwahl Aliots 2026, abgerufen am 17. Juli 2026.
  8. ↑ Procession of the Sanch. In: Events. P-O Life, 2026. Auf Anglophone-direct.com, abgerufen am 11. März 2026 (englisch).
  9. ↑ Aurélien Marchand: Perpignan : l'ancienne église des Carmes dévoile un nouveau lieu culturel à ciel ouvert. In: lindependant.fr. 28. Juni 2022, abgerufen am 25. Juli 2024 (französisch).
  10. ↑ Villes jumelles avec Perpignan. Abgerufen am 6. September 2016.
  11. ↑ Perpignan ǀ Städtepartnerschaften der Landeshauptstadt Hannover. Abgerufen am 6. September 2016.
  12. ↑ Jumelage Perpignan-Mostaganem. Abgerufen am 6. September 2016.
  13. ↑ Perpignan, Languedoc-Roussillion, France ǀ Sister Cities Association of Sarasota. Abgerufen am 6. September 2016.
  14. ↑ Geminações de Cidades e Vilas. Associação Nacional de Municípios Portugueses (ANMP). Auf ANMP.pt, abgerufen am 3. Juni 2023 (portugiesisch).
  15. ↑ France Diplomatie – Ministère des Affaires étrangères et du Développement international. Abgerufen am 6. September 2016.
  16. ↑ Ulrike Gondorf: Der Bahnhof als Zentrum der Welt. Deutschlandfunk Kultur, 19. März 2006, abgerufen am 19. November 2024.
  17. ↑ Benjamin Stora: France-Algérie : Les passions douloureuses. Éditions Albin Michel, Paris 2021, ISBN 978-2-226-46076-9, S. 65–68.