Perkins, Bacon & Co.
| Perkins, Bacon & Co. | |
|---|---|
| Rechtsform | Partnerschaft; ab 1887 Limited Company |
| Gründung | 1819 |
| Auflösung | 1935 |
| Sitz | London, Vereinigtes Königreich |
| Branche | Sicherheitsdruck, Banknotendruck, Briefmarkendruck |
Perkins, Bacon & Co., auch Perkins Bacon, war eine britische Druckerei und Sicherheitsdruckerei mit Sitz in London. Das Unternehmen ging auf den amerikanischen Erfinder Jacob Perkins zurück, der 1819 nach England kam und dort mit dem Kupferstecher und Verleger Charles Heath sowie Gideon Fairman zusammenarbeitete. Bekannt wurde die Firma vor allem als Druckerei der Penny Black, der ersten selbstklebenden Briefmarke der Welt, die 1840 erschien.[1][2]
Neben Briefmarken druckte Perkins, Bacon & Co. vor allem Banknoten, Schecks, Wertpapiere, Geschäftsdrucksachen und andere fälschungsgefährdete Druckerzeugnisse. Nach Angaben der Royal Philatelic Society London machten Postwertzeichen nur etwa fünf Prozent des Geschäfts aus; das Hauptgeschäft lag im Druck für regionale britische Banken.[3] In der Geschichte des Briefmarkendrucks steht die Firma am Beginn der liniengravierten britischen Ausgaben und damit vor dem späteren Aufstieg von De La Rue, Waterlow and Sons und Bradbury Wilkinson and Company.
Geschichte
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Jacob Perkins war in den Vereinigten Staaten als Erfinder und Sicherheitsdrucker hervorgetreten. Ein zentrales technisches Verfahren war die Gravur auf weichen Stahlplatten, die nach der Bearbeitung gehärtet wurden. Dadurch konnten von einer gravierten Vorlage wesentlich mehr hochwertige Abzüge hergestellt werden als von herkömmlichen Kupferplatten.[1][4]
Perkins kam 1819 nach England und gründete mit Gideon Fairman und Charles Heath die Firma Perkins, Fairman & Heath. Ab 1820 befand sich die Firma an der Fleet Street 69 in London.[1] 1829 kaufte Joshua Butters Bacon, der Schwiegersohn von Perkins, Anteile von Heath; die Firma wurde danach als Perkins & Bacon geführt. 1835 trat der Kupferstecher Henry Thomas Phillipson Petch in das Unternehmen ein, sodass die Firma zur Zeit des frühen Briefmarkendrucks als Perkins, Bacon & Petch firmierte.[1]
Petch starb 1852; der Name wurde jedoch nach Angaben des British Museum offenbar noch einige Jahre weiterverwendet.[1] Nach mehreren Partnerwechseln wurde das Unternehmen 1887 in eine Limited Company umgewandelt. 1935 stellte die Firma ihren Betrieb ein.[1]
Die Unterlagen des Unternehmens wurden in den 1930er Jahren von der Royal Philatelic Society London erworben. Das Perkins-Bacon-Archiv enthält unter anderem Härtungsbücher, Gravurbücher und weitere Firmenunterlagen. Die RPSL erschloss die Bestände später mit digitalen Hilfsmitteln und Suchbegriffen.[3] Die British Library Philatelic Collections besitzen außerdem eine Perkins Bacon Paper Money Collection mit Probe- und Musterdrucken zu Banknoten und anderen Geldpapieren aus mehreren Ländern.[5]
Briefmarkendruck
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Perkins, Bacon & Co. spielte eine Schlüsselrolle bei der Einführung der Briefmarke. Die Firma druckte 1840 die Penny Black und kurz darauf die Two Pence Blue. Beide Marken gehören zu den ersten regulären Freimarken der Welt und stehen am Anfang der Briefmarken- und Postgeschichte Großbritanniens.[2]
Die frühen britischen Marken wurden im Stichtiefdruck beziehungsweise als liniengravierte Ausgaben hergestellt. Bei diesem Verfahren wurde das Markenbild in Stahl graviert und durch Übertragungsrollen auf Druckplatten übertragen. Die heute in der British Library erhaltene Perkins-D-Zylinderdruckpresse gilt als eine der Pressen, die für den Druck der ersten britischen Briefmarken verwendet wurden.[6]
Zu den von Perkins Bacon gedruckten britischen Ausgaben gehören neben der Penny Black und der Two Pence Blue auch die Penny Red, die Halfpenny Rose Red und die Three Halfpence Red. Edward Denny Bacon behandelte die Produktion dieser Ausgaben in seinem 1920 erschienenen Standardwerk The Line-Engraved Postage Stamps of Great Britain Printed by Perkins, Bacon & Co., das die Herstellung über den Zeitraum von 1840 bis 1880 anhand von Firmenunterlagen beschreibt.[7]
Auch für britische Kolonien und andere Staaten druckte Perkins, Bacon & Co. Briefmarken. Zu den frühen Kolonialausgaben gehören die Marken von Nova Scotia, New Brunswick und Ceylon, außerdem die dreieckigen Marken des Kaps der Guten Hoffnung, die 1853 erstmals ausgegeben wurden.[2][8]
- Penny Black, 1840 von Perkins, Bacon & Petch gedruckt
- Two Pence Blue, zweite britische Freimarke von 1840
- Penny Red, langjährige britische Ein-Penny-Marke
- Halfpenny Rose Red, 1870 eingeführter Halb-Penny-Wert
- Three Halfpence Red, 1870 eingeführter 1½d-Wert
- Dreiecksausgabe des Kaps der Guten Hoffnung, Perkins-Bacon-Druck von 1853
Banknoten und Sicherheitsdruck
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Obwohl Perkins Bacon besonders durch Briefmarken bekannt wurde, lag der wirtschaftliche Schwerpunkt des Unternehmens im Sicherheitsdruck. Die Firma stellte Banknoten, Schecks, Wechsel, Geschäftspapiere, Briefköpfe und andere Druckerzeugnisse her, bei denen Schutz gegen Fälschungen wichtig war.[3]
Das Unternehmen nutzte die von Jacob Perkins entwickelte Technik gehärteter Stahlplatten für den Banknotendruck. Der Vorteil lag in der hohen Zahl gleichmäßiger Abdrucke und in der schwierigen Nachahmbarkeit fein gravierter Linien, Guillochen und Sicherheitsmuster.[4] In den Sammlungen des British Museum sind zahlreiche von Perkins & Heath beziehungsweise Perkins Bacon entworfene, gedruckte oder ausgegebene Banknoten und Musterstücke nachgewiesen.[1]
Die Entwurfscollage für eine Banknote der Bank of Manchester von 1833 veranschaulicht diese Arbeitspraxis: Banken sandten solche Collagen mit Anmerkungen und gewünschten Änderungen an die Druckerei, damit Perkins & Bacon die Gestaltung ihrer Geldscheine anpassen konnte.[9]
Einordnung in die Geschichte des Briefmarkendrucks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Perkins, Bacon & Co. steht für die erste Phase des britischen Briefmarkendrucks: die liniengravierten Ausgaben von 1840 an. Diese frühen Marken wurden aus der Tradition des Banknoten- und Sicherheitsdrucks entwickelt. Die Verbindung von fein graviertem Porträt, schwer nachahmbaren Linienstrukturen, Wasserzeichenpapier und kontrollierter Plattenherstellung war für die ersten Briefmarken besonders wichtig.
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gewann jedoch der Buchdruck beziehungsweise surface printing an Bedeutung. In Großbritannien wurde De La Rue zum wichtigsten Konkurrenten und späteren Nachfolger im staatlichen Briefmarkendruck. Die Royal Philatelic Society London hebt Perkins Bacon und De La Rue als zwei besonders bedeutende britische Sicherheitsdrucker hervor; De La Rue druckte später Briefmarken, Banknoten und andere Wertdrucke für zahlreiche Länder, besonders im früheren Britischen Empire.[2]
Für die weitere Entwicklung des britischen und kolonialen Briefmarkendrucks waren außerdem Waterlow and Sons, Bradbury Wilkinson and Company und Harrison and Sons wichtig. Waterlow wurde zu einem bedeutenden Sicherheitsdrucker und später von De La Rue übernommen.[10] Harrison and Sons druckte von 1881 bis 1997 Briefmarken und wurde 1997 ebenfalls von De La Rue übernommen.[11]
Die Crown Agents waren dagegen keine Druckerei im engeren Sinne, sondern verwalteten und organisierten im Kolonialbereich die Beschaffung von Marken, Probedrucken und Sicherheitsdrucksachen. Das Archiv der British Library beschreibt die Bestände der Crown Agents als offizielles Archiv ihrer philatelistischen und sicherheitsdruckbezogenen Tätigkeiten seit 1861, darunter Requisitionsbücher, Register von Druckstöcken und Platten, Papierausgaben, Probedrucke, Entwürfe und Farbversuche für Briefmarken, Stempelmarken, Ganzsachen und Papiergeld.[12]
Nachlass und Forschung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Firmenunterlagen von Perkins Bacon sind für die philatelistische Forschung von besonderer Bedeutung, weil sie Einblicke in Druckaufträge, Plattenherstellung, Gravurarbeiten und Sicherheitsdruck geben. Percy de Worms erschloss Teile des Materials in den 1953 postum erschienenen Perkins Bacon Records.[13] Neuere Forschungen griffen erneut auf die Perkins-Bacon-Unterlagen, das Archiv des Postal Museum, die British Library, das Victoria and Albert Museum und The National Archives zurück.[14]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Edward Denny Bacon: The Line-Engraved Postage Stamps of Great Britain Printed by Perkins, Bacon & Co.; a History of Their Production During the Forty Years, 1840–1880. Charles Nissen & Co., London 1920.
- Percy de Worms: Perkins Bacon Records. Royal Philatelic Society London, London 1953.
- Gary W. Granzow: Line Engraved Security Printing: The Methods of Perkins Bacon, 1790–1935. Banknotes and Postage Stamps. Royal Philatelic Society London, London 2012, ISBN 978-0-900631-61-0.
- Alan Druce: Perkins Bacon Great Britain Line-Engraved Postage Stamp Printing 1840–1846. Royal Philatelic Society London, London 2019.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- The Perkins Bacon Archive. Royal Philatelic Society London (englisch).
- Perkins & Heath. In: Collections Online. British Museum (englisch).
- Repairs of the Line-Engraved Issues of Great Britain. Great Britain Philatelic Society (englisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 Perkins & Heath. In: Collections Online. British Museum, abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
- 1 2 3 4 First Stamp & Security Printing. Royal Philatelic Society London, abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
- 1 2 3 The Perkins Bacon Archive. Royal Philatelic Society London, abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
- 1 2 Perkins, Fairman, & Heath: Steel Engraved Specimen Banknote. Metropolitan Museum of Art, abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
- ↑ Perkins Bacon Paper Money Collection. In: British Library Archives and Manuscripts Catalogue. British Library, abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
- ↑ General Collection. In: British Library Archives and Manuscripts Catalogue. British Library, abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
- ↑ Edward Denny Bacon: The Line-Engraved Postage Stamps of Great Britain Printed by Perkins, Bacon & Co.; a History of Their Production During the Forty Years, 1840–1880. Charles Nissen & Co., London 1920 (englisch, wikimedia.org [PDF; abgerufen am 21. Juli 2026]).
- ↑ Perkins Bacon Issue 1853. In: Cape of Good Hope Stamps and Postal History. Abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
- ↑ File: Collage for banknote design, Bank of Manchester, UK, 1833. In: Wikimedia Commons. Abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
- ↑ Waterlow and Sons Limited. Science Museum Group Collection, abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
- ↑ Harrison and Sons Limited. In: Collections Online. British Museum, abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
- ↑ Philatelic 14: Crown Agents Philatelic and Security Printing Archive. In: British Library Archives and Manuscripts Catalogue. British Library, abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
- ↑ Books. Royal Philatelic Society London, abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
- ↑ Perkins Bacon Great Britain Line-Engraved Postage Stamp Printing 1840–1846. Royal Philatelic Society London, abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).