Paul Mathey

Paul Victor Mathey (* 14. November 1844 in Paris; † 24. November 1929 ebenda) war ein französischer Porträt-, Landschafts-, Tier- und Marinemaler, Zeichner und Radierer. Zudem war er als Sammler und Experte für Druckgrafik tätig.[1]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Paul Mathey wurde als Sohn des Pierre Mathey in Paris geboren. Laut der Bibliothèque nationale de France war sein Vater Restaurator. Mathey war Schüler von Léon Cogniet, Isidore Pils, Alexis-Joseph Mazerolle und Léon Louis Oury. Sein Sohn Jacques Mathey (1883–1973) wurde ebenfalls Maler. 1868 stellte Paul Mathey erstmals ein Werk beim Salon der Académie royale de peinture et de sculpture aus: eine Szene aus Goethes Faust (Méphistophélès et l’écolier, Öl auf Leinwand). Danach war er regelmäßig vertreten. 1876 erhielt er eine Medaille 3. Klasse, 1885 eine Medaille 2. Klasse und 1889 eine Goldmedaille bei der Weltausstellung. Im selben Jahr wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Während der Belagerung von Paris 1870/71 gehörte er der Nationalgarde an.[1]
In den 1870er Jahren arbeitete er als Theaterdekorateur und war an der Ausgestaltung des Casinos in Ostende beteiligt. In den 1880er Jahren wirkte er an den beiden Panoramen von Édouard Detaille und Alphonse de Neuville mit, welche die Schlachten von Champigny und Rézonville darstellten. Seit der Gründung im Jahr 1890 war er Mitglied der Société nationale des beaux-arts und regelmäßig in deren Salons vertreten. Über die Besuche im Salon von Marguerite de Saint-Marceaux knüpfte er Kontakte zu zahlreichen Künstlern, Musikern und Schriftstellern.[1]
Seit den 1880er Jahren sammelte er Zeichnungen, unter anderem von Jacques-Louis David und Jean-Auguste-Dominique Ingres, Druckgrafik, unter anderem von Rembrandt, und Medaillen. Seine Sammlung wurde am 9. April und am 28. November 1924 versteigert. Er war als Experte für Druckgrafik bei zahlreichen Versteigerungen tätig und beteiligte sich an der Ausstellung zum zeichnerischen und druckgrafischen Werk Rembrandts in der Bibliothèque nationale im Jahr 1908. Sein Sammlerstempel ist im Verzeichnis der Sammlermarken für Zeichnungen und Druckgrafik von Frits Lugt verzeichnet. Paul Mathey starb 1929 im Alter von 85 Jahren in Paris. Im Jahr darauf richtete die Société nationale des beaux-arts eine Retrospektive für ihn aus.[1]
Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Malerei
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Paul Mathey ist vor allem als Porträtmaler bekannt. Neben Familienmitgliedern porträtierte er Angehörige befreundeter Familien und insbesondere Künstlerfreunde. Zu den Bildnissen innerhalb der Familie zählen:
- Portrait de Mme Paul Mathey (1878) und Portrait de Mlle Marthe Mathey au petit chien (1892), beide Öl auf Leinwand, Musée des Beaux-Arts de Brest.
- Enfant et femme dans un intérieur (um 1890), Öl auf Leinwand, Musée d’Orsay, Paris.
- Pierre Mathey (undatiert), Öl auf Leinwand, Musée d’Orsay.
- Autoportrait aux vases grecs (undatiert), Öl auf Leinwand, Musée des Beaux-Arts de Brest.
Porträts von Künstlerfreunden und weiteren Personen sind:
- der Opernmaler Antoine Rubé (Öl auf Leinwand, vor 1877), Musée des Beaux-Arts de Brest.
- der belgische Maler und Radierer Félicien Rops (vor 1888), Öl auf Leinwand, Schloss Versailles.
- der Bildhauer René de Saint-Marceaux (Öl auf Leinwand, vor 1884, Versailles, Schloss).
- der Herzog von Orléans (Öl auf Leinwand, um 1895, Privatbesitz).
- der Komponist Gabriel Fauré (unvollendet, Öl auf Leinwand, undatiert, Privatbesitz).
Daneben entstanden Genre- und Landschaftsdarstellungen auf Papier und Leinwand, bei denen er eine Vorliebe für nordfranzösische Küstenorte zeigte, wie Un pré-baie de Concarneau (Öl auf Leinwand, undatiert, Musée d’art moderne André Malraux, Le Havre) und Bord de mer (Pastell auf Velinpapier, undatiert, Musée d’art, histoire et archéologie d’Évreux). Hinzu kommen einige Gemälde mit religiösen Bildthemen. Bekannt ist Les Pèlerins d’Emmaüs (Öl auf Leinwand, um 1880, Pfarrkirche Saint-Germain, Boissise-la-Bertrand), das im Salon von 1880 wegen seiner unkonventionellen Darstellungsweise umstritten war.[1]
Werke (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Paul Mathey: Félicien Rops dans son atelier, 1888, Bleistift, Tusche und Weißhöhungen auf Papier. Rechts oben signiert, datiert und mit einer Widmung versehen
- Paul Mathey: Félicien Rops dans son atelier, um 1875–1900, Kaltnadelradierung mit Plattenton auf Papier, Plattenmaß 24,6 × 17,8 cm, Rijksmuseum, Amsterdam
- Paul Mathey: Porträt des Malers Georges Clairin (1843–1919), Öl auf Leinwand, 200 × 152 cm, Musée municipal, Hazebrouck, Frankreich
- Paul Mathey: Porträt des Malers und Theaterdekorateurs Auguste-Alfred Rubé (1815–1899), vor 1899, Öl auf Leinwand, 92 × 60 cm, Musée des Beaux-Arts de Brest. Das Gemälde zeigt Rubé in seinem Atelier für Bühnenbilder der Pariser Oper
- Paul Mathey: Porträt von Gabriel Fauré (1845–1924), um 1870, Öl auf Leinwand
- Paul Mathey: Porträt von Ernest-Ange Duez (1843–1896), französischer Maler, 1876, Öl auf Leinwand. Musée des Beaux-Arts d'Arras
- Paul Mathey: Enfant et femme dans un intérieur (Frau und Kind in einem Innenraum), um 1890, Öl auf Leinwand, 48,5 × 38 cm, Musée d’Orsay, Paris
- Paul Mathey: Fille en matelot (Mädchen im Matrosenanzug), 1889, Öl auf Leinwand, 40,5 × 32,5 cm. Ex-Sotheby’s, London
- Paul Mathey: Mephistopheles, 1888, Öl auf Leinwand, 55 × 38 cm, Royal College of Music, London
Zeichnungen und Druckgrafik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Paul Mathey war zeitlebens als Zeichner aktiv und hinterließ zahlreiche Zeichnungen und Zeichenbücher. In den späten 1880er Jahren wandte er sich der Druckgrafik zu. Laut Angaben der Bibliothèque nationale de France begann er um 1890 zu radieren und nutzte dabei Maxime Lalannes Traité de la gravure à l’eau-forte als Anleitung. Seine erste Platte war das Porträt seines Vaters, das auf einer etwa zehn Jahre zuvor entstandenen Zeichnung basierte. Die Radierungen fertigte er zunächst zum Zeitvertreib an und verkaufte sie nicht. Er porträtierte Künstlerfreunde, darunter den Lithografen Paul Renouard (um 1900, Bibliothèque nationale de France), verschenkte Blätter an Sammler oder veröffentlichte sie vereinzelt. Zu den Veröffentlichungen zählen Pêcheuse de crevettes im von Veuve A. Cadart herausgegebenen Band L’eau-forte (Paris 1881) sowie das Porträt des Komponisten Édouard Lalo auf dem Titelblatt der Revue illustrée vom 15. September 1890. Nach der Versteigerung der Sammlung Beurdeley im Jahr 1921 stieg die Nachfrage nach Matheys Radierungen auf dem Kunstmarkt.
Werke in Sammlungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Arbeiten Paul Matheys befinden sich unter anderem in Arras, Brest, Dieppe, Dijon, Évreux, Hazebrouck, Le Havre, London (Royal College of Music), Oxford (Ashmolean Museum), Paris (Bibliothèque des Arts Décoratifs, Bibliothèque nationale, École nationale supérieure des beaux-arts de Paris, Louvre, Musée d’Orsay), Versailles und Washington, D.C. (National Gallery of Art).
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Louis de Veyran: Peintres et dessinateurs de la mer : histoire de la peinture de marine. Librairie Renouard, H. Laurens, éditeur, Paris 1901.
- Frits Lugt: Les Marques de collections de dessins & d’estampes. Supplément. Martinus Nijhoff, Den Haag 1956.
- Gérald Schurr: Les petits maîtres de la peinture, valeur de demain. Band I und II, 1972 und 1975.
- Trésors sacrés, trésors cachés : patrimoine des églises de Seine-et-Marne. Ausstellungskatalog, Musée du Luxembourg, Paris, 10. September–30. Oktober 1988.
- The Private Collection of Edgar Degas. Ausstellungskatalog, Metropolitan Museum of Art, New York 1997.
- Gérald Schurr, Pierre Cabanne: Dictionnaire des petits maîtres de la peinture (1820–1920). Band II. Les Éditions de l’Amateur, Paris 1996.
- Gabriela Reuß-Bußmann: Mathey, Paul (Paul Victor). In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Band 87, Saur, München/Leipzig 2015, S. 532.
- Ulrich Thieme, Felix Becker: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 24: Mandere–Möhl. E. A. Seemann, Leipzig 1930, Eintrag Mathey, Paul.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 9: Maele – Müller. Paris, 2006.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 Gabriela Reuß-Bußmann: Mathey, Paul (Paul Victor). In: Saur (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Band 87. München/Leipzig 2015, S. . Band 87,, München/Leipzig 2015, S. 532.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mathey, Paul |
| ALTERNATIVNAMEN | Mathey, Paul Victor |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Maler, Zeichner und Radierer |
| GEBURTSDATUM | 14. November 1844 |
| GEBURTSORT | Paris |
| STERBEDATUM | 24. November 1929 |
| STERBEORT | Paris |