Der Militärflugplatz Ovda (hebräischבסיס עובדה, deutsch: Fakt, Tatsache, IATA-Code: VDA, ICAO-Code: LLOV) ist ein Stützpunkt der Israelischen Luftwaffe (IAF) und liegt ganz im Süden Israels, rund 40Kilometer nördlich des Badeortes Eilat, in einer großen Ebene der südlichen Negev-Wüste. Auf ihm war bis Mitte Mai 2025 eine sogenannte Aggressor-Trainingsstaffel mit Kampfflugzeugen stationiert, und er besitzt zwei Start- und Landebahnen mit Längen von 3000und 2600Metern. Alle zwei Jahre fand bisher auf ihm die internationale Militärflugübung Blue Flag statt. Seit etwa 2024/25 befindet sich auch eine Batterie mit Arrow-Abwehrraketen auf dem Gelände des Flugplatzes (siehe: Gegenwart).
Der Name Ovda stammt von der „Operation Uvda“ (hebräischמבצע עובדה, Mivtza Uvda), die die letzte Kampagne der israelischen Streitkräfte (IDF) vom 5. bis 10. März 1949 während des Israelischen Unabhängigkeitskrieges gewesen ist. Ihr Ziel war die Einnahme der südlichen Negev-Wüste, die das Königreich Jordanien in den Waffenstillstandsverhandlungen von 1949 als unter jordanischer Kontrolle befindlich bezeichnet hatte. Der südliche Negev wurde im UN-Teilungsplan von 1947 als Teil des jüdischen Staates ausgewiesen. Der Name uvda (עובדה) bedeutet „Fakt“ oder „Tatsache“ und bezieht sich auf das Ziel der Operation, de facto die israelische Herrschaft über das betreffende Gebiet zu etablieren. Die israelischen Streitkräfte stießen auf ihrem Weg nicht auf nennenswerten Widerstand. Die bei dieser Operation beanspruchte Region wird seitdem als Uvda oder Ovda bezeichnet.[1]
Im Verlauf der „Operation Uvda“ wurde 8Kilometer nordwestlich des heutigen Militärflugplatzes das provisorische Abraham Flugfeld (Sde Avraham, Lage29.96734734.85948) angelegt.
Karte der „Operation Uvda“ 1949 mit einem provisorischen Flugfeld im südlichen Negev
Piper PA-11 Cub Special auf dem provisorischen Abraham Flugfeld (Sde Avraham) während „Operation Uvda“
Die Golani-Brigade bei einer Rast während „Operation Uvda“ am 9. März 1949 irgendwo in der südlichen Negev-Wüste
Von 1982 an wurde er auch für zivile Charterflüge und von 1988 bis 2019 schließlich für regelmäßige Linienflüge von Urlaubern aus Europa genutzt, die an den Badeort Eilat am Golf von Akaba gelangen wollten. Am 31. März 2019 wurde der zivile Teil wieder geschlossen, da der neue Flughafen Ramon inzwischen in Betrieb gegangen war, der zudem wesentlich näher an Eilat liegt.[3]
Das alte erste Terminal des zivilen Flughafens Eilat-Ovda im Jahr 2006
Das neue Terminal, welches am 31. März 2019 aber wieder geschlossen wurde
Flug 707 der iranischen Kish Air wurde am 19. September 1995 von einem Flugbegleiter entführt und zur Landung auf Ovda gezwungen
Im März 2005 wurde die sogenannte Aggressor-Trainingsstaffel 115 „Flying Dragon“ auf Ovda wieder ins Leben gerufen. Zu diesem Zeitpunkt flog sie sowohl F-16A Jets als auch AH-1 Cobra Angriffshubschrauber. Ihre Aufgabe ist bzw. war die Simulation feindlicher Jet- oder Hubschrauberangriffe und speziell deren Taktiken, um ein möglichst realistisches Szenario für den Ernstfall zu schaffen. Zu der Staffel gehört auch eine Boden-Luft-Einheit, die feindliche Luftabwehrsysteme simuliert.[4] Die Staffel ist nicht für den tatsächlichen Einsatz gedacht, obwohl die Piloten ausgebildete Kampfflieger und die Jets einsatzfähige Maschinen sind.
Ähnlich der USAF bietet die Staffel diesen Trainingsservice auch anderen Nationen an.[5] Im Mai 2006 trainierte sie zusammen mit der 101. Staffel der Massachusetts Air National Guard[6] und 2008 bereitete sie 55 Piloten der Tschechischen Luftwaffe auf ihren Einsatz in Afghanistan vor. Anfang Dezember 2010 beherbergte die 115. Staffel einige Tornados der Italienischen Luftwaffe und führte mit ihnen zusammen ein einwöchiges Training durch.[7] Ein Jahr später wurde daraus bereits eine zweiwöchige Trainingssession. Auf israelischer Seite wurden F-15 und F-16 Jets verschiedener Staffeln geflogen, auf italienischer Seite Tornados und Eurofighter Typhoons.[8] Im März 2012 nahm auch die Polnische Luftwaffe an einem zweiwöchigen Training auf Ovda teil.[9]
Im Jahr 2013 wurden alle AH-1 Cobra Angriffshubschrauber der IAF stillgelegt, auch die auf Ovda. Im April 2017 wurden die älteren F-16A/B Jets der 115. Staffel durch neuere gebrauchte F-16C/D ersetzt.[10][11]
Eine IAI Kfir C.1 aus den 1970/80er Jahren am Eingang der Airbase
Eine ältere F-16ANetz der 115. Staffel „Flying Dragon“ 2013
Eine im Jahr 2013 stillgelegte AH-1 CobraTzefa der IAF im Juni 2011
Anfang März 2024 wurde bekannt, dass zum ersten Mal eine Frau zur Kommandantin einer IAF-Basis ernannt wird. Die ehemalige Transport-Pilotin Lt.Col.„G“ wird in den Rang eines Colonel (Oberst) erhoben werden und das Kommando über den Militärflugplatz Ovda übernehmen. Sie war 2003 der IAF-Flugakademie beigetreten und hatte nach ihrem erfolgreichen Bestehen Transportflugzeuge der IAF geflogen. Später wurde sie dann Kommandantin der 122. Staffel „Nachshon“ auf Nevatim, die mehrere Gulfstream-Jets zur Überwachung und Aufklärung betreibt.[12]
Mitte Mai 2025 erklärte die IAF, dass die 115. Staffel „Flying Dragon“ auf Ovda geschlossen und deren Jets und Personal an aktive Einsatzstaffeln auf anderen Militärflugplätzen übergeben worden seien. Als Begründung wurde angegeben, dies sei im Zuge von Veränderungen in den Kampfarenen nötig geworden. Zukünftig werde man noch mehr auf die Weiterentwicklung und den Einsatz von Simulatoren setzen, in denen die Luftwaffe den Luftkampf trainieren wird. Auch werden die Einsatzstaffeln untereinander diese Aufgabe übernehmen.[13]
Da auf ihr keine Kampfjets mehr stationiert sind, besitzt die Ovda Airbase aktuell sechzig leerstehende Hardened Aircraft Shelter (HAS). Warum diese nicht genutzt werden, ist nicht bekannt. Ende August 2025 wurde die Basis als gemeinsames Trainingszentrum für Luftwaffe und Bodentruppen neu eröffnet. Es sei das erste Mal, dass die IDF und die IAF gemeinsam einen Stützpunkt betreiben. Dieses Trainingszentrum zu errichten, habe man als eine der Lehren aus dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 gezogen.[14]
Als die Huthi nach dem 7. Oktober 2023 damit begonnen hatten, wiederholt Raketen aus dem Jemen auf Israel abzuschießen, wurde eine Batterie mit Arrow-Abwehrraketen nach Ovda verlegt, nachdem die Örtlichkeiten entsprechend umgebaut worden waren. Die Abschussstellungen befinden sich im südlichen Bereich der Airbase (Lage, siehe Google Maps29.9231734.953581).
Ende Februar 2026 wurde gemeldet, dass die USAF insgesamt zwölf ihrer F-22 Raptor Tarnkappen-Jagdflugzeuge vorübergehend nach Südisrael auf den Luftwaffenstützpunkt Ovda verlegt hat, da dort genügend Platz und viele leere Hardened Aircraft Shelter (HAS) zur Verfügung stehen. Sie dienen dem weiteren Aufbau einer Drohkulisse gegenüber dem Iran, um diesen zu Zugeständnissen bei Verhandlungen über sein Atomprogramm zu bewegen.[15][16] Mittlerweile haben sich die F-22 Raptor von Ovda aus mehrfach an den Angriffen auf den Iran ab dem 28. Februar 2026 beteiligt.[17]
Seit 2013 findet auf Ovda alle zwei Jahre im Herbst die Übung Blue Flag statt, zu der mehrere westliche Länder ihre Piloten samt Kampfjets nach Israel entsenden, wo sie einem intensiven Training unterzogen werden, an dem auch die 115. Staffel der IAF mit ihrer Rolle als „Aggressor“ beteiligt ist. Außer den direkt beteiligten Luftwaffen sind regelmäßig auch zahlreiche Beobachter aus anderen Staaten anwesend. Die deutsche Luftwaffe nimmt seit 2017 aktiv an den Übungen teil.[18] An Blue Flag 2019 waren erstmals auch israelische Jets vom Typ F-35IAdir beteiligt.[19]
Blue Flag 2021 war mit neun Teilnehmerländern die bisher umfangreichste Übung dieser Art. Zur Eröffnung überflogen Kampfjets der deutschen und der israelischen Luftwaffe in einer symbolischen Geste gemeinsam die Knesset.[20] Die Luftwaffenchefs Deutschlands, Ingo Gerhartz, und Israels, Amikam Norkin, besuchten außerdem die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, wo die deutsche Delegation einen Kranz niederlegte.[21] Eine weitere Neuerung bei Blue Flag 2021 war, dass deutsche Jägerleitoffiziere in der Einsatzzentrale mitarbeiteten. Es war dies das erste Mal, dass Nicht-Israelis diese Funktion ausüben durften,[22] nachdem israelische Offiziere im Jahr zuvor erstmals als Beobachter im deutschen Einsatzgefechtsstand (Control and Reporting Center, CRC) in Erndtebrück bei der binationalen Übung Blue Wings zugelassen gewesen waren.[23]