Der Ontariosee (englischLake Ontario; französischLac Ontario) ist der flächenmäßig kleinste der fünf Großen SeenNordamerikas, die miteinander durch Flussläufe verbunden sind. Nach Tiefe und Volumen ist er nach dem Eriesee der zweitkleinste.
Durch den Ontariosee verläuft die Grenze der Vereinigten Staaten zu Kanada. Er liegt auf 75m Höhe und seine Fläche beträgt 19.011km².[1] Der kanadische Seeanteil beträgt 9.969km², der US-amerikanische 9.042km². Zum Vergleich: Seine Ausdehnung entspricht etwa der Größe von Rheinland-Pfalz; den größten See Europas, den Ladogasee, übertrifft er um rund 1000km².
Die Wassertiefe beträgt bis zu 244Meter. Der Hauptzufluss erfolgt über den Niagara River aus dem Eriesee. Weitere Zuflüsse sind der Trent River, der Genesee River, der Oswego River und der Salmon River. Der Ontariosee entwässert über den Sankt-Lorenz-Strom. Durch den arktischen Einfluss ist der Uferrand durchschnittlich drei Monate im Jahr zugefroren, dient aber im Sommer als Wärmespeicher, so dass er im Gebiet um die Niagarafälle unter anderem den Weinanbau ermöglicht.
Das Wasser aus dem See wird auch für die Trinkwasserversorgung und zur Kühlung von Bürogebäuden in der Stadt Toronto verwendet (siehe DLWC).
Wie bei den anderen Großen Seen Nordamerikas, so sind auch beim Ontariosee die Gezeiten bemerkbar. Der Ontariosee hat rund 1500 Inseln, die größte, Wolfe Island, liegt am östlichen Abfluss des Sees im Sankt-Lorenz-Strom.
Der französische Entdecker Samuel de Champlain taufte den See 1632 „Lac de S.Louis“ (nach dem hl.Ludwig), ein Name, der bis zum Ende des 17.Jahrhunderts Bestand hatte.[2]
Der Name „Ontario“ leitet sich von der Sprache der Wyandot ab, wo das Wort ontarío „Großer See“ bedeutet.[3] Die kanadische Provinz wurde später nach dem Ontariosee benannt. In frühen Karten wurde der See teilweise anders genannt. In den Relations des Jésuites trug er den Namen „Lac Ontario ou des Iroquois“ oder „Ondiara“. Eine französische Karte aus dem Jahr 1712 bezeichnete ihn nach der am Nordostufer gelegenen französischen Niederlassung Fort Frontenac als „Lac Frontenac“. In der irokesischen Sprache hieß der See „Skanadario“.
Wegen der Ähnlichkeiten in Form und Fläche diente der Lake Ontario als Namensgeber für den Ontario Lacus auf dem SaturnmondTitan.
Der Präsident der Vereinigten Staaten von AmerikaDonald Trump ließ den See Ende August 2026 im Zuge des Handelskrieges mit Kanada per Dekret symbolisch in Lake America umbenennen.[4][5] Unmittelbare Wirkung hat das Dekret nur für US-Bundesbehörden und ist im bundesstaatlichen Geographic Names Information System umzusetzen. International stieß die Umbenennung auf Ablehnung. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt im Januar 2025 hatte Trump bereits per Dekret den Namen des Golfs von Mexiko in Gulf of America ändern lassen. Der Karten-DienstGoogle Maps des US-amerikanischen Unternehmens Google setzte Trumps Vorgaben unterschiedlich um: In den USA wird als Name Lake America angezeigt, in Kanada Lake Ontario und im Rest der Welt Lake Ontario (Lake America).[6]Apple folgte in der Namenswahl Google und benannte den Ontariosee ebenfalls in seinem Kartendienst Apple Maps innerhalb der USA in Lake America um. Diese Umbenennung betraf ebenfalls nur Apple-Nutzer in den USA, während in Kanada weiterhin der Name Lake Ontario angezeigt wurde.[7] Internationale Nutzer außerhalb von Kanada und den USA bekommen hingegen künftig, ähnlich wie bei Google, sowohl Amerikasee als auch Ontariosee zu sehen, je nachdem, welche Position auf welcher Seite der Grenze sie betrachten. Der Kartenservice MapQuest, der heute Teil des Werbeunternehmens System1 ist, hat sich offiziell entschieden, die Umbenennung durch Trump zu ignorieren.[8] Das führte zu einem enormen Wachstum auf das 50-Fache des üblichen Niveaus bei den Download- und Zugriffszahlen der eigenen App für mobile Geräte.[9]
Die deutscheBundesregierung übernimmt die Umbenennung in Lake America nicht. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin sagte: „Das ist eine amerikanische Entscheidung, diesen See anders zu bezeichnen. Die hat erst mal keine weiteren Auswirkungen auf andere Länder. Für uns heißt es weiter Lake Ontario, wie der übliche Name ist.“[10]
Bis zum Jahr 2026 durchschwammen mehr als 60 Personen den Ontariosee auf verschiedenen Routen.[13] Die erste Person, die den See schwimmend durchquerte, war die damals 16-jährige Marilyn Bell am 8. bis 9. September 1954. Sie wählte die 51,5 Kilometer lange Strecke zwischen Niagara-on-the-Lake im Süden und Toronto im Norden und benötigte 20:55 Stunden.[14][15] Die erste Nord-Süd-Durchquerung gelang der 25-jährigen Diana Nyad am 31. August 1974 (49 Kilometer zwischen Toronto und Port Dalhousie in 18:15 Stunden).[16] Die bislang schnellste Durchquerung absolvierte der 25-jährige John Kinsella am 16. August 1978 auf derselben Strecke wie Marilyn Bell in 13:49 Stunden.[17] Die bisher jüngste Person war die 14-jährige Natalie Lambert, die den See am 27. bis 28. August 2007 in einer Zeit von 23:15 Stunden über die 54 Kilometer zwischen Sackets Harbor und Kingston durchschwamm.[18]
↑Ivan H. Walton:Origin of Names on the Great Lakes. In: Names, a Journal of Onomastics. Band3, Nr.4. University of Pittsburgh, 1955, ISSN0027-7738, S.244–245, doi:10.1179/nam.1955.3.4.239 (englisch, pitt.edu[abgerufen am 28.August 2026]): “Coronelli’s map of New France, published in Paris in 1688 […] As indicated on his map of 1632 already referred to, Champlain ignored the local Indian name of this lake as he had done a few years earlier when he labeled Lake Huron as la Mer Douce, and he named it Lac S. Louis for the far away French king. Sanson’s maps of 1650 and 1656 repeat this name […] Fr. Raugeneau in his Relation of 1647–1648 refers to ‘a lake named Ontario which we call Saint Louys.’ […] Coronelli, as he also did for Lake Erie, gathered up all the current names, and he labeled it ‘Lac Frontenac ou Ontario et Skaniadorio ou St. Louis.’”
↑Marianne Mithun: The Languages of Native North America. Cambridge University Press, Cambridge 2000, S. 312.