Omphacit entwickelt nur selten grobe Kristalle bis etwa fünf Zentimeter Größe mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Meist tritt er in Form unregelmäßiger, xenomorpher Körner oder massiger Mineral-Aggregate auf. Die durchscheinenden Kristalle sind von hell- bis dunkelgrüner Farbe, die in verschiedenen Quellen auch als gras- oder smaragdgrün beschrieben wird. Auf der Strichtafel hinterlässt Omphacit einen grünlichweißen Strich. Er ist ein Hauptbestandteil des Metabasits Eklogit.
Eine erste Erwähnung des Minerals findet sich 1815 im Handbuch der Mineralogie von Christian August Siegfried Hoffmann, der es im Abschnitt zum „körnigen Strahlstein“ wie folgt beschrieb:
„Der körnige Strahlstein, welcher mit edlem Granate verwachsen ist und im Baireuthischen vorkomt, gehört nun nach Hrn. Werner’s neuesten Untersuchungen nicht mehr zum Strahlsteine, sondern bildet eine eigene neue Gattung, welche den Namen Omphazit, von Omphax erhalten hat. Im Ergänzungsbande dieses Handbuches werden wir diesen Omphazit näher betrachten.“
Zwei Jahre später wurde das Mineral von August Breithaupt in dem von ihm weitergeführten Werk Abraham Gottlob Werner’s letztes Mineral-System etwas genauer beschrieben. Unter anderem betont er dessen größere Härte gegenüber dem Strahlstein (Aktinolith) sowie die Vergesellschaftung mit Granat und mit Kyanit. Als Fundorte gibt Breithaupt Silberbach in der Gemeinde Konradsreuth (Landkreis Hof, Oberfranken, Bayern) und die Saualpe (Kärnten, Österreich) sowie als weiteres mögliches Vorkommen Zerhau nahe Freiberg in Sachsen an.[10]
Breithaupt zufolge erhielt das Mineral durch Abraham Gottlob Werner in Anlehnung an dessen Farbe den Namen Omphazit nach dem altgriechischen Wort ὄμφαξ [omphax] für unreife Weintraube. Die Schreibweise wird allerdings in späteren mineralogischen Publikationen zu Omphacit korrigiert und setzte sich allgemein durch.
Als Typlokalität gilt ein ehemaliger Steinbruch bei Silberbach,[11] allerdings werden in anderen Quellen zusätzlich noch Eklogitaufschlüsse bei Voigtsdorf (Dorfchemnitz) in Sachsen und die bereits genannte Saualpe in Österreich als Typlokalität genannt.[12][9]
Da der Omphacit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen. Sie bezeichnet den Omphacit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[1] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Omphacit lautet „Omp“.[2]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Omphacit die System- und Mineralnummer 65.01.03b.01. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Kettensilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=2“ in der Gruppe „C2/c Klinopyroxene (intermediäre Klinopyroxene)“, in der auch Aegirin-Augit eingeordnet ist.
Omphacit (grün) und Almandin (rot) aus Nordfjord, Norwegen (Größe:1,5″×1,5″×1,5″, entspricht 3,81cm×3,81cm×3,81cm)
Omphacit im Mikroskop
Omphacit im Dünnschliff eines Eklogits im linear-polarisierten Licht: Fast farblose Kristalle mit hohem Brechungsindex und gelegentlich erkennbaren parallelen Spaltrissen
Omphacit im Dünnschliff bei gekreuzten Polarisatoren: Mittelhohe Doppelbrechung erzeugt bunte Interferenzfarben, gelegentlich ist Zwillingsbildung erkennbar
Omphacit bildet sich in basischen bis ultrabasischen, metamorphen Gesteinen wie dem Metabasit Eklogit, zu dessen Hauptbestandteilen er zählt. Dieser entsteht bei hohen Drücken ab ca. 10kbar (entspricht ca. 35km Tiefe) und mittleren bis hohen Temperaturen (500 bis 1000 Grad Celsius). Omphacit findet sich häufig auch in Kimberliten und Granuliten, aber auch in einigen Ophiolithen und glaukophanhaltigenBlauschieferfazien.
Als eher seltene Mineralbildung kann Omphacit an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 260 Vorkommen dokumentiert (Stand 2024).[16] Als Begleitminerale treten in Eklogiten unter anderem Granat, Korund, Kyanit und Quarz, in Blauschiefern dagegen eher Epidot, Glaukophan, Hornblende und Skapolith, auf.[4]
In Deutschland konnte Omphacit neben seiner Typlokalität Silberbach noch an mehreren Orten in der Münchberger Gneismasse in Bayern, in der Grube Clara bei Oberwolfach in Baden-Württemberg, am Nickenicher Weinberg in Rheinland-Pfalz sowie an mehreren Orten im sächsischen Erzgebirge gefunden werden.
In der Schweiz trat Omphacit bisher nur auf der Alpe Arami nahe der Gemeinde Gorduno im Kanton Tessin und am Allalinhorn (kurz Allalin) in der Gemeinde Saas-Almagell im Kanton Wallis auf.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Australien, Brasilien, China, Frankreich, Griechenland, Guatemala, Indien, Italien, Japan, Lesotho, Kanada, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Neukaledonien, Nigeria, Norwegen, Pakistan, Polen, Russland, Slowenien, Südafrika, Tschechien, Türkei, im Vereinigten Königreich (UK), in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und in Venezuela.[17]
Abraham Gottlob Werner:Abraham Gottlob Werner's letztes Mineral-System. Aus dessen Nachlasse auf oberbergamtliche Anordnung herausgegeben und mit Erläuterungen versehen. Carl Herold, Freiberg und Wien 1817, S.33 (online verfügbarin der Google-Buchsuche).
Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.234.
Omphacite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 6.Mai 2024(englisch).
1234567891011
Omphacite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 83kB; abgerufen am 6.Mai 2024]).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.620 (englisch).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.526.
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234567Omphacite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 6.Mai 2024(englisch).
↑Abraham Gottlob Werner (herausgegeben und ergänzt von A. Breithaupt):Abraham Gottlob Werner's letztes Mineral-System. Aus dessen Nachlasse auf oberbergamtliche Anordnung herausgegeben und mit Erläuterungen versehen. Gerlach, Freiberg und Wien 1817, S.33 (online verfügbarin der Google-Buchsuche [abgerufen am 6.Mai 2024]).
↑Subcommite on Pyroxenes, CNMMN; Nobuo Morimoto:Nomenclature of Pyroxenes. In: The Canadian Mineralogist. Band27, 1989, S.143–156 (mineralogicalassociation.ca[PDF; 1,6MB; abgerufen am 30.März 2019]).