New Horizons
| New Horizons | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
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New Horizons in der Montagehalle | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
| NSSDC ID | 2006-001A | |||||||||||||||||||||||||||||||||
| Missionsziel | Plutosystem, Kuipergürtel, Heliosphäre | |||||||||||||||||||||||||||||||||
| Betreiber | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Trägerrakete | Atlas V (551) | |||||||||||||||||||||||||||||||||
| Startmasse | 478 kg | |||||||||||||||||||||||||||||||||
| Instrumente | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Verlauf der Mission | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Startdatum | 19. Januar 2006, 19:00 UTC | |||||||||||||||||||||||||||||||||
| Startrampe | Cape Canaveral AFS, LC-41 | |||||||||||||||||||||||||||||||||
| Enddatum | Primärmission Ende 2016, Sekundärmission 2021 | |||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Logo der Mission | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Startfenster 2006 | |
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| Start | Ankunft |
| 11. bis 27. Jan. | 14. Juli 2015 |
| 28. Jan. | 15. Aug. 2015 |
| 29. bis 31. Jan. | 12. Juli 2016 |
| 1. und 2. Feb. | 11. Juli 2017 |
| 3. bis 8. Feb. | 10. Juli 2018 |
| 9. bis 12. Feb. | 7. Juni 2019 |
| 13. und 14. Feb. | 20. Juli 2020 |
| Startfenster 2007 | |
| 2. bis 15. Feb. | 2019 bis 2020 |
Das Startfenster öffnete sich am 11. Januar 2006 und blieb bis zum 14. Februar 2006 bestehen. Allerdings bestand nur bei einem Start bis einschließlich 2. Februar die Möglichkeit eines Vorbeiflugs (Swing-by-Manöver) am Jupiter. Danach hätte man Pluto nur auf direktem Weg erreichen können, was die Flugzeit um mehrere Jahre verlängert und die Menge des mitführbaren Treibstoffes um 20 kg reduziert hätte.
Nachdem der geplante Start am 17. Januar 2006 wegen zu starken Windes mehrmals verschoben werden musste, sollte New Horizons am 18. Januar 2006 starten. Wegen eines Stromausfalls in der Bodenstation der Johns Hopkins University konnte auch dieser Termin nicht gehalten werden. Am 19. Januar startete New Horizons nach mehreren Verschiebungen wegen dichter Bewölkung schließlich um 19:00 Uhr UTC (das Startfenster war von 18:07 bis 20:07 Uhr UTC offen) vom Launch Complex 41 der Cape Canaveral Air Force Station. Nach 44 Minuten und 55 Sekunden wurde die Sonde von der Rakete in ihre Flugbahn ausgesetzt.
Obwohl die verwendete Atlas-V-Rakete zu jenem Zeitpunkt die stärkste aktive Trägerrakete der Welt war, musste die Nutzlast mit einer zusätzlichen Star-48B-Kickstufe ausgestattet werden, um die Sonde auf eine Geschwindigkeit deutlich über der Fluchtgeschwindigkeit beschleunigen zu können. New Horizons verließ die Erde mit der bis dahin höchsten je erreichten Geschwindigkeit von 16,21 km/s. An anderen Tagen des Startfensters wäre die Geschwindigkeit etwas anders gewesen. Besonders nach dem 2. Februar, ohne die Möglichkeit eines Vorbeiflugs am Jupiter, hätte die Geschwindigkeit der Sonde noch deutlich höher sein müssen.
Beobachtung im Jupiter-System
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf dem Weg zum Jupiter
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Einen Tag nach dem Start wurde die Rotation der Sonde von 68 Umdrehungen pro Minute, in die sie von der Raketenoberstufe versetzt worden war, auf 19,2 Umdrehungen pro Minute reduziert. Am 22. Januar wurde die Rotation weiter auf 5 Umdrehungen pro Minute gesenkt, und die Sternenkameras wurden in Betrieb genommen.
Am 28. Januar 2006 feuerten die Triebwerke für etwa fünf Minuten für eine erste Kurskorrektur (TCM-1A). Zwei Tage später folgte die nächste, zwölf Minuten lange Kurskorrektur (TCM-1B). Die beiden Kurskorrekturen ergaben eine Geschwindigkeitsänderung von 18 m/s. Eine weitere Kurskorrektur (TCM-2) war für den 15. Februar geplant, wurde jedoch abgesagt. Die nächste, 76 Sekunden lange Kurskorrektur (TCM-3) erfolgte am 9. März 2006 und war die erste, die im drei-Achsen-stabilisierten Betrieb durchgeführt wurde. Durch TCM-3 wurde die Geschwindigkeit der Sonde um 1,16 m/s verändert.
Im Februar 2006 wurde der Schutzverschluss des Alice-Spektrometers geöffnet, am 13. März folgte der des SWAP-Instruments. Im März wurde auch das SDC-Experiment aktiviert. Bis Ende März hatten alle Instrumente ihre internen Elektronik-Checks absolviert. Am 7. April 2006 kreuzte die Sonde nach 78 Tagen Flugzeit die Marsbahn.[25] Im Mai wurden die Schutzverschlüsse der Instrumente PEPSSI (3. Mai), Alice (20. Mai) und Ralph (29. Mai) geöffnet. Im Sommer wurden die Experimente kalibriert.
New Horizons näherte sich auf dem Weg durch den Asteroidengürtel am 13. Juni 2006 um 04:05 Uhr UTC bis auf 101.867 km dem 3 bis 5 km großen Asteroiden (132524) APL. Der Schutzverschluss der hochauflösenden Kamera LORRI wurde erst am 29. August 2006 geöffnet, daher erfolgten visuelle Beobachtungen nur mit dem schwächeren Ralph-Instrument. Dieses konnte den Asteroiden lediglich als ein Objekt von ein bis zwei Bildpunkten Größe auflösen.[26][27][28]
Am 4. September 2006 nahm New Horizons aus 291 Millionen Kilometern Entfernung ein erstes Bild von Jupiter auf. Es wurde mit der LORRI-Kamera erzeugt. Auch andere Instrumente beobachteten Jupiter, in erster Linie zum Zweck der Kalibrierung.[29]
Vorbeiflug am Jupiter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wissenschaftlich relevante Untersuchungen des Jupitersystems begannen im Januar 2007 und dauerten bis Ende Juni 2007 an. Es waren etwa 700 Beobachtungen und Messungen des Gasplaneten, seiner Monde und seiner Magnetosphäre geplant.[30] New Horizons war das achte Raumfahrzeug, das Jupiter erreichte.[31]
Am 28. Februar 2007 flog New Horizons an Jupiter vorbei. Die geringste Entfernung zu dem Planeten wurde um 05:43 Uhr UTC erreicht und betrug etwa 2,3 Millionen Kilometer (ca. 32 Jupiterradien). Dies ist ein Drittel der Entfernung, in der die Saturnsonde Cassini-Huygens Jupiter passierte. Die Flugbahn von New Horizons lag knapp außerhalb der Umlaufbahn von Kallisto, dem äußersten der vier Galileischen Monde. Die Sonde lieferte neue Erkenntnisse über das Planetensystem. Während des Vorbeifluges fertigte sie Aufnahmen von Jupiter, seinen Ringen und allen vier Galileischen Monden an, außerdem wurden mit PEPSSI und SWAP Partikel im Magnetfeld gemessen. Auf Io konnte ein Vulkanausbruch beobachtet werden. Durch den Vorbeiflug erfuhr die Sonde einen Geschwindigkeitszuwachs von 3890 m/s und wurde auf eine Flugbahn zum Pluto umgelenkt, wofür sie um etwa 2,5° nordwärts aus der Ekliptik herausgelenkt wurde. Die Flugzeit zu Pluto konnte damit gegenüber einer Flugbahn ohne Vorbeiflug an Jupiter um mehrere Jahre verkürzt werden.
Bereich der äußeren Planeten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 8. Juni 2008 kreuzte New Horizons die Umlaufbahn von Saturn, blieb dabei aber weit von ihm entfernt. Am 30. Juni 2010 wurde eine Kurskorrektur durchgeführt und durch einen Schubimpuls von 36 Sekunden Dauer die Geschwindigkeit der Sonde um etwa 0,45 m/s erhöht, um eine Abbremsung durch vom Isotopengenerator an der Hochgewinnantenne rückgestreute Thermalstrahlung auszugleichen.[32] Am 18. März 2011 um 23 Uhr erreichte die Sonde die Umlaufbahn von Uranus, wobei der Eisriese zu diesem Zeitpunkt mehr als 3,8 Milliarden Kilometer entfernt war und daher keine Beobachtungen durchgeführt wurden. Am 25./26. August 2014 wurde die Umlaufbahn von Neptun erreicht, exakt 25 Jahre nach dem Vorbeiflug von Voyager 2 an Neptun. Auch Neptun befand sich für sinnvolle Beobachtungen zu weit von New Horizons entfernt; dennoch wurden am 10. Juli 2014 einige Aufnahmen von Neptun aus knapp vier Milliarden Kilometer Entfernung gemacht.[33]
Man wollte auch Neptun-Trojaner wie etwa 2011 HM102 beobachten, falls sie der Sonde nahe genug gekommen wären.[34] Da sich New Horizons jedoch bis auf höchstens 1,2 AE näherte, wurde schließlich auf eine Beobachtung verzichtet.
Pluto und Charon
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Die Beobachtungen des Pluto-Charon-Systems begannen etwa 150 Tage vor der größten Annäherung. Am 15. April 2015 wurde das erste kombinierte Farbbild von Pluto und Charon veröffentlicht. Die Aufnahmen der LORRI-Kamera übertrafen bereits das beste Auflösungsvermögen des Hubble-Weltraumteleskops.[35] In den darauf folgenden Wochen wurden in Abständen von drei bis sechs Tagen immer detailreichere Bilder der Pluto-Oberfläche und seines größten Begleiters veröffentlicht.
Am 4. Juli 2015 und damit zehn Tage vor dem Vorbeiflug versetzte New Horizons sich aufgrund eines Computerproblems in einen Sicherheitsmodus. Der Computer war dabei, die letzten Bilder zu komprimieren und auf den Flash-Speicher abzulegen, als gleichzeitig die umfangreichen Befehle für den Beobachtungsplan empfangen wurden. Dieses führte zu einer Überlastung und Blockade des Computersystems, anschließend wurde automatisch auf das redundante B-Side-Computersystem umgeschaltet. Das DSN stellte zur Fehlerbehebung außerplanmäßig alle nötigen Ressourcen zur Kommunikation mit der Sonde zur Verfügung. Am 7. Juli 2015 war der Fehler behoben, und New Horizons konnte den wissenschaftlichen Betrieb wieder aufnehmen. Die Sonde war so programmiert, dass sie während des bevorstehenden Vorbeiflugs nicht in den Sicherheitsmodus schalten konnte.[36]
Am 14. Juli 2015 passierte die Sonde den Zwergplaneten mit einer Geschwindigkeit von 14,5 km/s und erreichte damit das Ziel ihrer Primärmission. Pluto war zu diesem Zeitpunkt 32,9 AE von der Sonne entfernt. Es wurden globale Karten von Pluto und Charon erstellt, hochaufgelöste Fotos mit bis zu 25 m pro Pixel Auflösung gewonnen, die Temperaturverteilung gemessen und die Oberfläche sowie die Atmosphäre des Planeten studiert. Planmäßig flog die Sonde um 13:50 MESZ in 12.500 km Entfernung an Pluto und um 14:04 MESZ in 28.800 km Entfernung an Charon vorbei. Um 14:51 MESZ durchquerte sie den Schatten von Pluto und um 16:18 Uhr MESZ den von Charon; dabei gewann sie Daten über deren Atmosphäre. Die besonders datenintensive Phase des Vorbeiflugs dauerte – je nach Definition – maximal drei Stunden.
Da die Datenübertragungsrate wegen der großen Entfernung zwischen Sonde und Erde für eine Übermittlung in Echtzeit zu gering war, wurden die Daten auf dem 8 GB großen Flash-Speicher des Bordcomputers zwischengespeichert. In der Woche nach dem Vorbeiflug wurden zunächst besonders wichtige Daten gesendet. Danach folgten laufende Messungen von Experimenten wie SWAP und PEPSSI, die nur eine geringe Datenmenge produzierten und die auch nach dem Vorbeiflug weiter Messungen durchführen. Vom 5. September 2015 bis 25. Oktober 2016 wurden alle gespeicherten Daten vom Vorbeiflug in voller Qualität übertragen. Die gesamte Übertragung dauerte länger als 15 Monate.[37]
- 9. April 2015: Erstes Farbfoto von Pluto und Charon
- Mai bis Juni 2015: Plutorotation, LORRI
- 11. Juli: Charon und Pluto, Aufnahme von New Horizons
- 14. Juli: Details von Plutos Oberfläche, u. a. von Eis bedeckte Berge
Weitere Plutomonde
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die kleinen Plutomonde Nix und Hydra wurden wenige Monate vor dem Raketenstart 2005, Kerberos und Styx 2011 und 2012 auf lang belichteten Aufnahmen des Plutosystems durch das Hubble-Weltraumteleskop entdeckt. In der Phase der größten Annäherung konzentrierten sich die Beobachtungen ganz auf Pluto und Charon. Es gibt jedoch einige Aufnahmen der kleinen Monde, die mit LORRI und Ralph aus größerer Entfernung gemacht wurden.[38][39]
- Styx aus 391.000 km Entfernung
- Nix in einem bearbeiteten Foto, das aus Informationen von LORRI und Ralph zusammengesetzt wurde
- Kerberos aus 396.100 km Entfernung
- Hydra aus 231.000 km Entfernung
Beobachtung der Heliosphäre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Sonnensystem wird von einem stetigen Partikelstrom durchflutet. Die ersten Beobachtungen dieses Sonnenwinds außerhalb der Neptunbahn stammen von den beiden Voyager-Sonden. New Horizons erfasst mit den Instrumenten PEPSSI und SWAP dessen Energie und analysiert Partikel. Ursprünglich waren diese Instrumente vor allem dazu gedacht, die aus der Plutoatmosphäre entweichenden Partikel zu messen und dadurch Informationen über Pluto und seine Atmosphäre zu gewinnen. Nach dem Jupiter-Vorbeiflug 2007 wurden sie zunächst nur noch einmal jährlich zu Testzwecken betrieben. Die Wissenschaftler entwickelten jedoch eine Methode, die eine kontinuierliche Auswertung der Daten von PEPSSI und SWAP auch während des Hibernation-Modes erlaubte. New Horizons begann mit kontinuierlichen Messungen ungefähr als die Uranusbahn erreicht wurde. Auf diese Weise können seit 2012 nahezu ununterbrochen Daten über die Heliosphäre gesammelt werden.[40] So wurde ein heliosphärischer Querschnitt des Kuipergürtels bis zu einer Entfernung von 50 AE generiert und seither werden nahezu ununterbrochen Plasma, Staubpartikel und nicht ionisierte Gase gemessen.
2018 registrierte New Horizons mit dem Alice-Instrument ultraviolettes Licht (Lyman-α-Linie) von ca. 40 Rayleigh Stärke, das als von neutralem Wasserstoff jenseits der Heliopause („Wasserstoffwand“) rückgestreutes ultraviolettes Sonnenlicht gedeutet wird. Die Messungen bestätigen Daten, die von den beiden Voyager-Sonden 30 Jahre zuvor gewonnen worden waren.[41] Die Forscherteams von New Horizons und der Voyager-Missionen arbeiten zusammen und werten verschiedene Messpunkte bei der Heliosphärenforschung gemeinsam aus.[42]
Über den Sommer 2020 wurden Softwareupdates für die Instrumente entwickelt, die neue Funktionen und Verbesserungen mit sich bringen und somit einen verbesserten Nutzen aus den Sensordaten ermöglichen. REX kann nun das Venetia-Instrument bei der Messung von Staubpartikeln ergänzen. Ein Partikeleinschlag verursacht eine minimale Dopplerverschiebung, die mit dem Radioexperiment erkannt und ausgewertet wird. Der Upload begann im Februar 2021 mit neuen Funktionen für das SWAP-Instrument.[43]
Eine neue Software für das PEPSSI zur Erkennung von Plasma aus Sonneneruptionen wurde im Jahr 2021 geschrieben und im April 2022 hochgeladen.[21] Damit waren diverse Updates für die Instrumente abgeschlossen.[17]
Kuiper Belt Extended Mission (KEM)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bis Oktober 2014 wurden mit dem Hubble-Weltraumteleskop mögliche Ziele für die Sekundärmission von New Horizons im Kuipergürtel ausgemacht.[44] Im Rahmen des Citizen-Science-Projekts Ice Hunters werteten Freiwillige Bilder aus, die aus der Subtraktion von in zeitlichen Abständen erstellten Aufnahmen gewonnen worden waren. Von den fünf gefundenen Zielen waren zwei außer Reichweite. Aus den verbliebenen drei wählte die NASA im August 2015 das Objekt (486958) 2014 MU69 – heute (486958) Arrokoth – als nächstes Ziel der Raumsonde aus.[45] Die beiden nicht berücksichtigten Ziele waren 2014 OS393 und 2014 PN70.
Die NASA genehmigte Anfang Juli 2016 die Finanzierung der Sekundärmission.[46] Die Mission lief unter dem Namen Kuiper Belt Extended Mission (KEM). Sie führte in einer Entfernung von nur 3500 km an dem Asteroiden vorbei; dabei wurden alle Instrumente eingesetzt, die zuvor bei der Beobachtung Plutos verwendet worden waren. Zum Zeitpunkt des Vorbeiflugs wurde das Objekt inoffiziell Ultima Thule genannt; dieser Name war nach einer öffentlichen Umfrage und einer Umfrage im Missionsteam gewählt worden. Die endgültige Benennung als (486958) Arrokoth erfolgte im November 2019.[47]
Vorbereitende Untersuchung von (486958) Arrokoth
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Wissenschaftler wollten im Vorfeld so viel wie möglich über das Zielobjekt der Mission wissen, so z. B. über die Bahndaten, die Rotationsdauer, begleitende Objekte, Ringsysteme und Trümmer. Einerseits wollte man sicher sein, dass beim Vorbeiflug keine Kollision mit einem begleitenden Objekt oder Staubpartikeln droht. Andererseits galt es, den optimalen Passageabstand zu finden, der sowohl groß genug sein würde, um Zeit für die Gewinnung aller wichtigen Daten zu haben, als auch klein genug für eine gute Auflösung der Aufnahmen. Ein näherer Vorbeiflug hätte weniger, dafür höher aufgelöste Aufnahmen ergeben, ein Vorbeiflug in größerer Entfernung hingegen mehr Aufnahmen, aber in geringerer Auflösung.
Für den 3. Juni, den 10. und 17. Juli sowie den 4. August 2017 waren Sternbedeckungen vorausgesagt, aus denen man sich Informationen über den Durchmesser und begleitende Trümmer oder ein Ringsystem erhoffte.[48] Bei den ersten beiden Ereignissen konnte keine Sternbedeckung festgestellt werden, woraus man schloss, dass das Objekt kleiner als vermutet war, oder dass es sich um ein binäres System oder sogar um einen Schwarm von kleinen Objekten handelte.[49] Am 17. Juli 2017 wurde eine Okkultation beobachtet, die nahelegte, dass das Objekt langgestreckt, aber kürzer als 30 km war. Alternativ wurde ein binäres System vorgeschlagen, bei dem die beiden Komponenten jeweils 15–20 km groß sind.[50] Auch die Bedeckung am 4. August 2018 konnte beobachtet werden und zeigte ebenfalls keine Hinweise auf Trümmer oder ein Ringsystem; außerdem konnten die Bahndaten weiter verfeinert werden. Für die weitere Erkennung von möglichen Trümmern blieb ab diesem Zeitpunkt nur noch LORRI übrig.[51] (Siehe auch (486958) Arrokoth #Erdgebundene Untersuchungen.)
Vorbereitung für den Vorbeiflug
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Mehr als drei Jahre vor der Begegnung mit dem Asteroiden wurden am 22., 25. und 28. Oktober und 4. November 2015 die Triebwerke von New Horizons jeweils für 25 Minuten gefeuert, um die Sonde auf den Kurs zu Arrokoth zu bringen.[52][53][45] Die Raumsonde verbrauchte 35 % ihrer Treibstoffreserven für das Einschwenken auf den neuen Kurs und eine Geschwindigkeitsänderung von 57 m/s; die anderen beiden möglichen Ziele 2014 OS393 und 2014 PN70 hätten wesentlich mehr Treibstoff für die Kursänderung benötigt.
Am 1. Februar 2017 wurden die Triebwerke für 44 Sekunden für eine kleine Kurskorrektur von 0,44 m/s gezündet. Sie ergab sich aus den neuesten Ergebnissen aus der Beobachtung der Arrokoth-Umlaufbahn durch Hubble im Jahr 2016 und aus den Positionsdaten von New Horizons. In den Wochen zuvor hatte die Raumsonde sechs Kuipergürtelobjekte beobachtet.[54] Durch einen Fehler beim Laden von Befehlen in den Bordcomputer ging New Horizons am 9. Februar 2017 vorübergehend in den Sicherheitsmodus.[55]
Nach 852 Tagen ununterbrochenen Betriebs war New Horizons vom 7. April 2017 bis zum 11. September 157 Tage lang im Hibernation Mode (Energiesparzustand mit nur wenigen aktiven Systemen).[56][48] In der Zeit zwischen dem 11. September und 21. Dezember 2017 war die Sonde wieder aktiviert und beobachtete verschiedene Objekte mit LORRI und mit dem UV-Spektrometer Alice. Am 9. Dezember wurden die Triebwerke für 2,5 Minuten gezündet, um den Kurs anzupassen und um den Zeitpunkt der Begegnung mit Arrokoth zu optimieren, damit die Antennen des Deep Space Networks das Ereignis optimal auswerten konnten.[57]
Vorbeiflug an Arrokoth („Ultima Thule“)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vom 21. Dezember 2017 bis 4. Juni 2018 befand sich die Sonde wieder im „Schlafmodus“.[58] Nach Reaktivierung und umfangreichen Funktionstests wurde sie am 13. August 2018 vom Rotationsmodus in den drei-Achsen-stabilisierten Zustand versetzt, um die Kamera ausrichten zu können.[59] Am 16. August 2018 gelangen mit LORRI die ersten langzeitbelichteten Aufnahmen von Arrokoth. Das Objekt wurde als winziger Punkt vor einem dichten Sternenfeld genau an der vorhergesagten Stelle erfasst, die Bahndaten waren bereits präzise bestimmt.[60] Am 3. Oktober 2018 wurden die Triebwerke zur Korrektur der Geschwindigkeit um 2,1 m/s für dreieinhalb Minuten gezündet. Bei einer Entfernung von 6,35 Milliarden km zur Erde war dies die bis dahin am weitesten entfernte Kurskorrektur. Zum ersten Mal wurden dabei die von der Sonde gemachten Aufnahmen des Asteroiden zur Kursbestimmung genutzt.[61]
Bis zum 15. Dezember wurden keine Ringe, Monde oder Begleitobjekte festgestellt und man entschied sich endgültig für einen nahen Vorbeiflug im Abstand von 3500 km. Am 19. Dezember wurden die kleinen Triebwerke für 27 Sekunden gezündet, dabei wurde die Geschwindigkeit um 0,26 m/s, der Vorbeiflugabstand um 300 km und die Flugdauer bis Arrokoth um 5 Sekunden verändert. Am 20. Dezember wurde das endgültige Beobachtungsprogramm zur Sonde übertragen, und sechs Tage darauf wechselte sie in den „Encounter Mode“ (Begegnungsmodus). New Horizons arbeitete nun autonom; im Fall von Problemen hätte die Bordsoftware selbsttätig auf Reservesysteme umgestellt. Wie bereits beim Pluto-Vorbeiflug konnte die Sonde in dieser Phase weder auf Befehle reagieren noch in den Sicherheitsmodus wechseln, sondern führte nur das Beobachtungsprogramm durch.
Die Begegnung mit „Ultima Thule“ fand am 1. Januar 2019 in einer Entfernung von 43,3 AE von der Sonne statt. Neben Fotoaufnahmen wurden unter anderem Radarmessungen durchgeführt, um die Oberflächenbeschaffenheit des Asteroiden zu ermitteln.[58] Funksignale von der Erde zur Sonde und zurück brauchten in dieser Entfernung bereits mehr als 12 Stunden. Erste Daten des Vorbeifluges empfing das Deep Space Network am 1. Januar 2019 um 15:32 Uhr (UTC). Tags darauf wurde das erste hochaufgelöste Bild veröffentlicht.[62]
- Letztes gesendetes Bild vor dem Vorbeiflug (nachbearbeitet)
- Erstes empfangenes Bild nach dem Vorbeiflug, immer noch von der Anflugphase
- Arrokoth aus 28000 km
Arawn
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits am 2. November 2015 erstellte LORRI mehrere Aufnahmen von dem Kuipergürtelobjekt (15810) Arawn im Abstand von jeweils einer Stunde. Zum Aufnahmezeitpunkt befand sich das Objekt etwa 5,3 Milliarden km von der Sonne entfernt, aber nur 280 Millionen km von New Horizons.[63] Eine weitere Beobachtung erfolgte vom 7. bis 8. April 2016 aus einer Entfernung von 111 Millionen km. Durch gleichzeitige Beobachtung mit Hubble konnte die Bahn des Objekts unter Ausnützung der Parallaxe mit einer Genauigkeit unter 1000 km bestimmt werden. Die Vermutung, es handle sich um einen Quasisatelliten von Pluto, wurde damit widerlegt. Die Beobachtung ergab außerdem eine Rotationsperiode von 5,47 Stunden und eine Abschätzung des Durchmessers von 145 km. Außerdem stellte man fest, dass die Oberfläche des Asteroiden relativ uneben ist.[64]
Quaoar
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 13. und 14. Juli 2016 machte LORRI vier Aufnahmen von dem Asteroiden (50000) Quaoar. Die Aufnahmen aus einer Entfernung von 2,1 Mrd. km zeigen das Objekt nur als verwaschenen Punkt. Die Aufnahme hat dennoch wissenschaftlichen Wert, weil das Objekt aus einem anderen Winkel als von der Erde aus aufgenommen wurde. Man gewann neue Erkenntnisse über die Lichtstreuung an der Oberfläche.[65][66]
2012 HZ84 und 2012 HE85
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Dezember 2017 machte LORRI Bilder von den beiden Kuipergürtelobjekten (516977) HZ84 und 2012 HE85, um nach Monden, Ringen und begleitenden Staubansammlungen zu suchen. Diese Bilder entstanden in einer Entfernung von 40,95 AE von der Erde, der bis dahin größten Entfernung, in der eine Fotografie gemacht wurde. Erstmals wurde damit die Entfernung der bekannten Pale-Blue-Dot-Aufnahmen von Voyager 1 (40,5 AE) übertroffen.[67]
Parallaxenaufnahmen und neue Navigationsmethoden
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 23. und 24. April 2020 fotografierte New Horizons die Sterne Proxima Centauri und Wolf 359. Astronomen waren aufgerufen, diese Sterne im selben Zeitraum aufzunehmen. Mit der zusätzlichen Perspektive aus einer Entfernung von 46 AE von der Sonne ermöglichten diese Aufnahmen eine bisher nicht erreichte Parallaxe. Daraus konnten stereoskopische Bilder erzeugt werden.[68][69][70]
2025 gelang Todd Lauer mit diesen Aufnahmen der Nachweis, dass Raumschiffe im äußeren Sonnensystem in einer Entfernung von ca. 47 AE oder darüber hinaus ihre Position und Bewegung alleine durch Beobachtung von nahen Sternen bestimmen können. Die nahe gelegenen Sterne scheinen sich gegenüber weiter entfernten Sternen zu verschieben, daraus lässt sich die Position in drei Dimensionen im Raum und die Bewegung berechnen. Voraussetzung für diese Art der Navigation war die genaue Positionsbestimmung der Sterne in drei Dimensionen, wie sie erst die Gaia-Mission ermöglichte. Die bisherigen Navigationsmethoden beruhen auf Messungen der Signallaufzeiten von zwei weit entfernten Bodenstation von der Erde aus und setzen voraus, dass die genaue Position der Erde bekannt ist. Bisher ist die Navigation mit Bestimmung der Position von der Erde aus noch deutlich genauer, für künftige Langzeitmissionen weit in den interstellaren Raum hinein könnte es aber ab einer bestimmten Entfernung die einzige funktionierende Methode sein. Die Genauigkeit der Positionsbestimmung war beschränkt durch die niedrige Winkelauflösung der LORRI-Kamera, die nicht für hochgenaue Positionsbestimmung von Sternen entworfen wurde. Künftige Missionen mit hochauflösenden Kameras für die Navigation könnten deutlich bessere Ergebnisse erzielen.[71][72]
Kosmische optische Hintergrundstrahlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Instrumente von New Horizons, insbesondere das Ultraviolett-Spektrometer Alice, wurden genutzt, um neue Daten zur kosmischen optischen Hintergrundstrahlung und dem Zodiakallicht zu gewinnen.[73] Es konnten damit Ansammlungen von Wasserstoffgas erkannt werden. Eine weitere Untersuchung im Jahr 2024 aus einer Entfernung von 7,3 Milliarden Kilometer von der Erde führte zu dem Nachweis, dass das vorhandene Licht von den Galaxien im Universum stammt und dass es keine bisher unbekannten sonstigen Lichtquellen gibt, die zur optischen Hintergrundstrahlung beitragen. Dies wurde möglich, da man den Anteil an Streustrahlung am galaktischen Staub inzwischen präziser ermitteln konnte.[74][75] Voraussetzung für die erfolgreichen Messungen war die Position von New Horizons weit außerhalb des inneren Sonnensystems, in dem die Streustrahlung der Sonne die Ergebnisse stark beeinträchtigt.
Weitere Objekte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]New Horizons beobachtete weitere Kuipergürtelobjekte aus großer Entfernung, um ihre Form, Albedo und Rotationsperiode zu bestimmen, sowie mögliche Ringsysteme und Satelliten zu entdecken.[5] Bis März 2021 wurden annähernd 30 Objekte untersucht,[43] darunter Máni, die Zentauren Pholus und Chiron, die Plutinos Huya und Ixion sowie die Zwergplaneten Haumea, Makemake und Eris.[76][77] Das New-Horizons-Team wurde hierfür mit Spezialisten verstärkt.[78] Weitere beobachtete Objekte sind 2011 HJ103, 2011 HK103, und 2011 JY31.[79]
Die Treibstoffvorräte nach der Beobachtung von Arrokoth reichten noch aus, um die Sonde für hunderte weitere Aufnahmen auszurichten, nicht aber für einen nahen Vorbeiflug an einem anderen bereits bekannten Kuipergürtelobjekt.[3] Daher wurde mit dem Hubble-Teleskop und einigen der größten erdbasierten Teleskope – darunter das japanische Subaru-Teleskop und die US-amerikanischen Gemini- und Keck-Teleskope – nach weiteren KBO Ausschau gehalten.[42][80] Insgesamt eine ganze Woche Beobachtungszeit des Subaru-Teleskops wurde im Mai, Juni, August und Oktober 2020 für die Suche aufgewendet, dabei wurden 75 neue KBO gefunden. Ungefähr 15 bis 20 davon sind nahe genug für eine wissenschaftliche Beobachtung durch New Horizons, aber nicht für einen nahen Vorbeiflug. Die ersten Beobachtungen dieser Objekte fanden im Dezember 2020 statt. Weitere Beobachtungszeit am Subaru-Teleskop wurde für 2021 angefragt und 2022 wurde noch einmal gesucht.[12]
Am 17. April 2021 erreichte die Sonde 50 AE Abstand zur Sonne.[81]
2022 wurden neue Energiesparmaßnahmen getestet und umgesetzt. Damit wäre trotz nachlassender Energieversorgung mindestens fünf Jahre länger der gleichzeitige Betrieb beider Sender und damit die maximale Datenrate möglich. Ein Teil der weniger priorisierten Daten vom Vorbeiflug an Arrokoth befanden sich Anfang 2022 immer noch im Speicher und wurden fortan gesendet. Zuvor gab es jeweils höher priorisierte Daten zur Übertragung, und die 70-Meter-Antennen des Deep Space Networks waren wegen Überholung längere Zeit nicht im üblichen Umfang einsatzbereit.[20]
Kuiper Belt Extended Mission 2
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vom 1. Juni 2022 bis zum 1. März 2023 war die Sonde erstmals seit 2018 wieder im Schlafmodus.[82][83] Seit der Missionsverlängerung zum 1. Oktober 2022 wurde weiter nach einem neuen Ziel für einen nahen Vorbeiflug gesucht, das sich mit dem Rest von ungefähr 11 kg Treibstoff im Tank erreichen ließe. Die Suche mit dem Subaru- und den Gemini-Teleskopen wird von künstlicher Intelligenz unterstützt; auf diese Weise konnten wesentlich mehr Objekte gefunden werden als mit den bisherigen Methoden.[9]
Ab dem 1. März 2023 wurden wesentlich weiter entfernte KBO beobachtet. Die Lichtreflexion der weit entfernten Planeten Uranus und Neptun wurde aus hohem Phasenwinkel gemessen. Es gab eine umfangreiche Untersuchung der Hintergrundstrahlung im sichtbaren und ultravioletten Licht. Dabei wurde die Position weit weg von den großen Planeten und von der Sonne ausgenutzt. Man will dadurch Rückschlüsse auf die Zahl der Galaxien im Weltall ziehen.[9] Die Beobachtungen dauerten bis Mai 2023, danach wechselte die Sonde in den spinstabilisierten Betrieb, um für mehrere Monate Daten zur Erde senden. Im August und September 2023 gab es wieder Beobachtungen. Inzwischen wird von einem Team ausgelotet, ob und wie New Horizons eine neue Version von Pale Blue Dot erstellen kann.[84]
Ende 2023 wurde eine weitere Verlängerung der Mission bis 2028 oder 2029 angekündigt. Ein Softwareupdate war in Planung, das Energieeinsparungen und den stabilen Weiterbetrieb bei sinkender Leistung des RTGs ermöglichen soll. Auch die Suche nach neuen Vorbeiflugzielen wurde fortgesetzt.[85]
Das Venetia-Instrument ergab neue Erkenntnisse über den Kuipergürtel, die Staubdichte und Staubverteilung im Sonnensystem. Bis dahin war man davon ausgegangen, dass die Zahl der Objekte ab einer Entfernung von ca. 50 AE deutlich abnimmt, jedoch fand New Horizons im Bereich zwischen 45 und 55 AE eine Zunahme von Staubteilchen, die wahrscheinlich aus Zusammenstößen von Himmelskörpern stammen. Weiterhin offenbarte die intensive Suche nach weiteren Vorbeiflugzielen eine überraschend große Zahl an Objekten weit jenseits des bisher vermuteten äußeren Rands des Kuipergürtels. Die Daten deuten darauf hin, dass es jenseits davon einen zweiten Gürtel an Objekten geben könnte, oder dass sich der Kuipergürtel viel weiter nach außen fortsetzt, als man bisher angenommen hat, nämlich in eine Entfernung von ca. 80 AE. Daneben gibt es einige weitere Modelle, die diese hohe Partikeldichte erklären könnten.[86]
Am 1. Oktober 2024 erreichte New Horizons einen Abstand zur Sonne von 60 AE, anschließend ging sie vom 3. Oktober bis 2. April 2025 in treibstoffsparende langsame Rotation und in den Winterschlafmodus. Auch während dieser Phase wurden weiter Daten über Staub und Partikel gesammelt. Danach ging die Sonde wieder voll in Betrieb, sendete diese Daten, und erhielt über den Sommer ein Update der Flug-Software, das für mehr Autonomie und stabileren Betrieb sorgen soll. Das Update soll den Betrieb mit der schwächer werdenden Energieversorgung aus dem Radioisotopengenerator für die nächsten 15 Jahre optimieren. Durch den zunehmenden Abstand wird es für die Sonnensensoren schwieriger, die Sonne zu erkennen. Das Update verbessert nun die Auswertung der Sonnensensoren.[87]
Am 7. August 2025 wurde die Sonde in einer Entfernung von über 62 AE in den Winterschlafmodus versetzt. Nach der bisher längsten Ruhephase von 321 Tagen wurde sie am 24. Juni 2026 wieder aktiviert.[88][89] Die folgenden Aktivitäten sind weitere Software-Updates für einen autonomen sonnenferneren Betrieb. Zudem untersucht das UV-Spektrometer Alice die Verteilung von Wasserstoff in der äußeren Heliosphäre.[89]
Ergebnisse der KEM2
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Position weit außerhalb des inneren Sonnensystems mit seinen Störfaktoren wie Absorption und Lichtreflexionen am dünnen Gasnebel und Staubpartikeln erlaubte einmalige und zuvor nicht mögliche Untersuchungen.
- Untersuchung des optischen Hintergrunds des Universums
- Eine Kartografierung der Wasserstoffverteilung im interstellaren Raum in der Umgebung des Sonnensystems. Eine flächendeckende Untersuchung der Lyman-α Strahlung in einer Entfernung von 57 AE von der Sonne ergab die erste Lyman-Alpha Karte der Galaxie. Nach Auswertung der Ergebnisse und Entfernung aller bekannten Lyman-Alpha-Emitter ergab sich eine überraschend gleichmäßige Verteilung der diffusen Lyα über den gesamten Himmel.[90]
- Eine Karte der kosmischen UV-Hintergrundstrahlung des Universums
- Eine Untersuchung über die unerwartet hohe Staubkonzentration im äußeren Bereich des Kuipergürtels
- Neue Berechnungen und Modelle zur Entstehung von Arrokoth und ähnlichen KBO
- Eine Untersuchung der sogenannten Pickup-Ionen, die einen großen Anteil am Gasdruck in den äußeren Zonen der Heliosphäre haben. Diese Ionen entstehen, wenn interstellares Gas in das Sonnensystem einströmt, dort in Sonnennähe ionisiert wird und die Ionen dann vom Sonnenwind wieder nach außen getragen werden.
- Erstmalige Beobachtung der Rückseite des Uranus und neue Erkenntnisse über die Atmosphäre des Uranus
- Entdeckung von knapp 250 weit entfernten KBO
- Eine Untersuchung eines Phänomens auf der Oberfläche Plutos, bei dem sich die Oberfläche von dunkel zu hell verändert, je nach Beobachtungswinkel[91]
Ausblick
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]New Horizons ist weiterhin voll funktionstüchtig und zeigte bisher keine Abnutzungserscheinungen, durchfliegt weiterhin den Kuipergürtel und wird die Randstoßwelle, die Heliopause und schließlich den interstellaren Raum erreichen.[12] Die Kommunikation zwischen der Sonde und den bestehenden Anlagen des DSN wäre bis zu einer Entfernung von mehr als 200 AE möglich. Diese Entfernung wird voraussichtlich um 2070 erreicht. Die Systeme der Sonde werden sich aber schon früher abschalten, weil nicht mehr genügend elektrische Energie verfügbar sein wird. An dieser Stelle wirkt sich die verringerte Beladung mit 238Pu aus.[3] Die Energieversorgung könnte bis 2050 ausreichen, was einer Entfernung von über 125 AE entspricht.[10] Da Voyager 1 und 2 die Heliopause bei ca. 120 AE durchquerten, ist es wahrscheinlich, dass auch New Horizons bis dahin Messungen vornehmen kann.[92]
Flugbahn
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Flugbahn bei Begegnung mit Jupiter am 28. Februar 2007
- Position der Sonde am 14. Juli 2015 (Vorbeiflug an Pluto)
- Position der Sonde am 2. Dezember 2018
- Seitliche Perspektive der Flugbahn
- Detail
- Die Bahn von New Horizons zu Arrokoth
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anlässlich des Vorbeiflugs an „Ultima Thule“ am 1. Januar 2019 veröffentlichte der Astrophysiker und Musiker Brian May ein Musikvideo mit dem Titel New Horizons (Ultima Thule Mix).
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Thorsten Dambeck: Der Voyager-Erbe. In: Astronomie heute. Jan./Feb. 2006, S. 16–19.
- Alan Stern: Plutos Enthüllung. In: Spektrum der Wissenschaft. Nr. 3, 2018, S. 60–67.
Dokumentationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Zwergplanet Pluto – Entdeckung einer fernen Welt. TV-Dokumentation in HD von Alastair Duncan, Original-Titel: Pluto – Back From the Dead. GB 2020, deutsche Bearbeitung: ZDF 2020, zuletzt ausgestrahlt auf ZDFinfo am 27. April 2022.
- Kopernikus – Rätsel der Galaxis – Der Zwergplanet Pluto. TV-Dokumentation in HD, USA 2018, deutsche Synchronfassung, ServusTV 2019.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- NASA-Seite zur Sonde (englisch)
- Seite der Johns Hopkins University zur Sonde (englisch)
- New-Horizons-Missionsbeschreibung von Bernd Leitenberger
- Umfangreiche Beschreibung von New Horizons, übernommen aus dem Pressematerial zum Start (englisch)
- The New Horizons Instrument Suite (englisch, PDF von 15 Seiten, 13 MB)
- Johns Hopkins Magazine – Mission: Pluto (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Mission Timeline. Abgerufen am 31. Dezember 2018.
- ↑ NASA’s New Horizons Team Selects Potential Kuiper Belt Flyby Target. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 26. September 2015; abgerufen am 29. August 2015.
- 1 2 3 4 Alan Stern: The New Horizons Kuiper Belt Extended Mission, Seite 21, abgerufen am 8. Oktober 2018.
- 1 2 Nasa Pressemappe vom Januar 2006, S. 11 (PDF; 1,3 MB).
- 1 2 The PI’s Perspective: To Boldly Go On, In the Service of Exploration. In: pluto.jhuapl.edu. 14. April 2016, abgerufen am 18. Juli 2016.
- ↑ Tricia Talbert: NASA Extends Exploration for 8 Planetary Science Missions. 25. April 2022, abgerufen am 28. April 2022.
- ↑ NASA Plans Threaten the Future of New Horizons. In: Universe Today. 15. April 2023, abgerufen am 22. April 2023.
- ↑ Nathaniel Scharping: NASA extends 8 missions, including plans to scrutinize a large asteroid that will swing by Earth in 2029. Abgerufen am 28. April 2022 (englisch).
- 1 2 3 New Horizons: The PI’s Perspective: Extending Exploration and Making Distant Discoveries. Abgerufen am 23. August 2022.
- 1 2 New Horizons: The PI’s Perspective: A New Mission Update for the New Year. Abgerufen am 8. Mai 2025.
- ↑ NASA (Hrsg.): NASA Fact Sheet. Spacecraft Power for New Horizons. Februar 2005 (jhuapl.edu [PDF]).
- 1 2 3 Alan Stern: The PI’s Perspective: New Plans Afoot. In: pluto.jhuapl.edu. 4. November 2020, abgerufen am 5. November 2020 (englisch).
- ↑ Emily Lakdawalla: Talking to Pluto is hard! In: planetary.org. 30. Januar 2015, abgerufen am 3. Februar 2018.
- ↑ Leonardo Star Trackers – Flight Experiences and Introduction of SPACESTAR Product on GEO Platforms. (esa.int [PDF]).
- ↑ The New Horizons Science Instrument Suite. ( vom 13. November 2014 im Internet Archive). Daten der Instrumente. Bei: jhuapl.edu.
- ↑ NASA’s New Horizons Mission Honors Memory of Engineer Lisa Hardaway. Abgerufen am 13. Juli 2017 (englisch).
- 1 2 3 4 5 New Horizons: The PI’s Perspective: Keeping Our Eyes on New Horizons. Abgerufen am 24. Oktober 2021.
- ↑ A. F. Cheng, H. A. Weaver u. a.: Long-Range-Reconnaissance Imager on Ne Horizons. In: Space Telescopes and Instrumentation 2010: Optical, Infrared, and Millimeter Wave, 77311A (5. August 2010). 2009, doi:10.1117/12.826484 (arxiv.org [PDF]).
- ↑ Alan Stern: The PI’s Perspective: Looking Back and Exploring Farther. The Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory, 22. Oktober 2019, abgerufen am 26. Oktober 2019 (englisch).
- 1 2 Alan Stern: New Horizons: The PI’s Perspective: Looking Back, Looking Forward. Abgerufen am 11. Januar 2022.
- 1 2 Glen H. Fountain, Harold A. Weaver, Dennis C. Reuter, S. Alan Stern, Ivan R. Linscott, David J. McComas, Matthew E. Hill, Mihály Horányi: The New Horizons Instrument Suite. In: Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory (Hrsg.): Johns Hopkins APL Technical Digest. Band 37, Nr. 1, 2023, ISSN 0270-5214, S. 34–48 (englisch, jhuapl.edu [PDF; 13,1 MB; abgerufen am 1. April 2024]).
- ↑ To Pluto, with postage: Nine mementos fly with NASA’s first mission to the last planet. Bei: collectspace.com. 28. Oktober 2008, abgerufen am 7. Juni 2015.
- ↑ Weitgereist: Guinness-Weltrekord für Pluto-Briefmarke.
- ↑ William Harwood: New Horizons launches on voyage to Pluto and beyond. Bei: SpaceflightNow.com. 19. Januar 2006, abgerufen am 31. August 2015.
- ↑ Outbound for the Frontier, New Horizons Crosses the Orbit of Mars. ( vom 5. Oktober 2008 im Internet Archive). Bei: NASA.gov. 10. April 2006.
- ↑ A Summer’s Crossing of the Asteroid Belt. ( vom 1. September 2006 im Internet Archive). Bei: jhuapl.edu. 1. Juni 2006.
- ↑ Pluto-Bound Camera Sees ‘First Light’. ( vom 13. November 2014 im Internet Archive). Bei: jhuapl.edu. 1. September 2006.
- ↑ New Horizons Tracks an Asteroid. ( vom 9. März 2011 auf WebCite). Bei: jhuapl.edu. 15. Juni 2006.
- ↑ Jupiter Ahoy! ( vom 13. November 2014 im Internet Archive). Bei: jhuapl.edu. 26. September 2006.
- ↑ Jupiter Encounter Begins. ( vom 13. November 2014 im Internet Archive). Bei: jhuapl.edu. 10. Januar 2007.
- ↑ New Horizons: The Path to Pluto and Beyond. Abgerufen am 9. Dezember 2018.
- ↑ Course Correction Keeps New Horizons on Path to Pluto. ( vom 9. März 2011 auf WebCite). Bei: jhuapl.edu. 1. Juli 2010.
- ↑ NASA’s New Horizons Spacecraft Crosses Neptune Orbit En Route to Historic Pluto Encounter. Bei: NASA.gov. 25. August 2014.
- ↑ Where Is the Centaur Rocket? ( vom 1. September 2006 im Internet Archive). Bei: jhuapl.edu. 1. Mai 2006.
- ↑ Deborah Netburn: NASA’s journey to Pluto: Here’s what might go wrong. In: latimes.com. 15. April 2015.
- ↑ Raumsonde New Horizons – Der Fehler ist behoben. Bei: Raumfahrer.net. 6. Juli 2015, abgerufen am 6. Juli 2015.
- ↑ Pluto Exploration Complete: New Horizons Returns Last Bits of 2015 Flyby Data to Earth. NASA, 27. Oktober 2016, abgerufen am 27. Oktober 2016 (englisch).
- ↑ Pluto’s Small Moons Nix and Hydra | Pluto New Horizons. Abgerufen am 17. März 2017 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Lillian Gipson: New Horizons Picks Up Styx. In: NASA. 9. Oktober 2015 (nasa.gov [abgerufen am 17. März 2017]).
- ↑ Sarah Frazier: NASA’s New Horizons Fills Gap in Space Environment Observations. Rob Garner, NASA’s Goddard Space Flight Center, Greenbelt, Md., 5. April 2016, abgerufen am 10. September 2016 (englisch).
- ↑ G. R. Gladstone u. a.: The Lyman‐α Sky Background as Observed by New Horizons. Geophysical Research Letters 859, 7. August 2018; doi:10.1029/2018GL078808.
- 1 2 Alan Stern: The PI’s Perspective: What a Year, What a Decade! Abgerufen am 2. März 2020.
- 1 2 Alan Stern: The PI’s Perspective: Far From Home. In: pluto.jhuapl.edu. 23. März 2021, abgerufen am 21. April 2021 (englisch).
- ↑ New Horizons: Suche nach Folgeziel war erfolgreich! Bei: Raumfahrer.net. 19. Oktober 2014.
- 1 2 Emily Lakdawalla: Finally! New Horizons has a second target. The Planetary Society, 15. Oktober 2014, abgerufen am 25. Januar 2016 (englisch).
- ↑ Rachel Feltman: NASA’s New Horizons probe to visit mysterious object in outer solar system. In: WashingtonPost.com. 5. Juli 2016, abgerufen am 8. Juli 2016.
- ↑ The PI’s Perspective: Exploration Ahead!
- 1 2 The PI’s Perspective: No Sleeping Back on Earth! Abgerufen am 25. Mai 2017 (englisch).
- ↑ New Horizons: New Mysteries Surround New Horizons’ Next Flyby Target. Abgerufen am 15. Juli 2017 (englisch).
- ↑ New Horizons’ Next Target Just Got a Lot More Interesting. Abgerufen am 6. August 2017 (englisch).
- ↑ The PI’s Perspective: Tally Ho Ultima! Abgerufen am 16. September 2018 (englisch).
- ↑ New Horizons Conducts Final Course Correction for New Year’s Day Flyby of Next KBO in 2019.
- ↑ NASA’s New Horizons Completes Record-Setting Kuiper Belt Targeting Maneuvers.
- ↑ New Horizons Refines Course for Next Flyby. Bekanntgabe auf der Webseite The Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory am 1. Februar 2017.
- ↑ New Horizons Exits Brief Safe Mode, Recovery Operations Continue.
- ↑ New Horizons: Halfway from Pluto to Next Flyby Target. Abgerufen am 21. Mai 2017 (englisch).
- ↑ New Horizons Corrects Its Course in the Kuiper Belt. Abgerufen am 29. Januar 2018 (englisch).
- 1 2 New Horizons Enters Last Hibernation Period Before Kuiper Belt Encounter. Abgerufen am 29. Januar 2018 (englisch).
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- ↑ JHUAPL: Ultima in View. In: New Horizons. (jhuapl.edu [abgerufen am 1. September 2018]).
- ↑ JHUAPL: New Horizons Sets Up for New Year’s Flyby of Ultima Thule. In: New Horizons. (jhuapl.edu [abgerufen am 7. Oktober 2018]).
- ↑ The PI’s Perspective: On Final Approach to Ultima – Pluto New Horizons. Abgerufen am 23. Dezember 2018 (amerikanisches Englisch).
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- 1 2 NASA’s New Horizons Spacecraft Wakes from Hibernation in Good Health. JPL, 7. Juli 2026, abgerufen am 10. Juli 2026.
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- ↑ Alan Stern: The PI’s Perspective: A New Mission Update for the New Year. 12. Februar 2025, abgerufen am 12. März 2025.
- ↑ Nola Taylor Tillman: What Spacecraft Will Enter Interstellar Space Next? 30. Januar 2019, abgerufen am 15. September 2022 (englisch).










