Neuses am Berg
Neuses am Berg Stadt Dettelbach | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Koordinaten: | 49° 50′ N, 10° 11′ O | ||||||
| Höhe: | 260 m ü. NHN | ||||||
| Fläche: | 4,96 km²[1] | ||||||
| Einwohner: | 368 (2024)[2] | ||||||
| Bevölkerungsdichte: | 74 Einwohner/km² | ||||||
| Eingemeindung: | 1. Mai 1978 | ||||||
| Postleitzahl: | 97337 | ||||||
| Vorwahl: | 09324 | ||||||
Lage von Neuses am Berg (fett) im Dettelbacher Gemeindegebiet
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Die folgenden Verwaltungseinheiten waren der Gemeinde Neuses am Berg übergeordnet.
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Gerichtlich unterstand Neuses am Berg folgenden Instanzen.
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Wappen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Blasonierung: „Gespalten von Silber und Schwarz; vorne eine rote Mitra, hinten ein goldenes Patriarchenkreuz.“[16] | |
| Wappenbegründung: Ursprünglich war auf dem Dorfsiegel des 17. Jahrhunderts der heilige Nikolaus dargestellt. Dieser ist noch heute Patron der örtlichen Kirchen, worauf die Mitra im Wappenbild verweist. Das Kreuz ist ein Hinweis auf die evangelisch-lutherische Kirche, die auch „Heilig-Kreuz-Kirche“ genannt wird. Dagegen erklärt sich die Tingierung in Weiß-Rot bzw. Weiß-Schwarz durch die grundherrschaftliche Zugehörigkeit des Dorfes in der Vergangenheit, als dort das Hochstift Würzburg und die Markgrafen von Ansbach begütert waren. |
Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vom Bürgermeister zum Ortssprecher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wahrscheinlich war Neuses wie vergleichbare Gemeinden im Umland organisiert. Die Bevölkerung wählte aus ihren Reihen einen Bürgermeister oder Vorsteher, der allerdings gegenüber der Obrigkeit keinerlei Befugnisse innehatte, sondern lediglich als Ansprechpartner fungierte. Ihm gegenüber stand der weitaus mächtigere Schultheiß, der vom Grundherren eingesetzt wurde. Aus der herrschaftlichen Zersplitterung des Dorfes in Mittelalter und Früher Neuzeit resultierte die Tatsache, dass sowohl die Markgrafen von Ansbach als auch der Würzburger Fürstbischof einen Schultheißen ernannte.
| Liste der Bürgermeister von Neuses am Berg (ab 1900) | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Name | Amtszeit | Anmerkungen | |||||
| N. Stier | 1899–1911 | ||||||
| N. Kemmeter | 1911–1923 | ||||||
| Georg Lindner | 1923–1930 | ||||||
| Leonhard Stier | 1930–1934 | ||||||
| Richard Krauß | 1934–1945 | ||||||
| Fritz Prappacher | 1945–1960 | ||||||
| Hans Geuter | 1960–1978[17] | * 4. März 1923, Weinkommissar, † 9. August 1984[18] | |||||
Erst ab dem 19. Jahrhundert stand ein von der Bürgerschaft gewählter Bürgermeister der bayerischen Ruralgemeinde Neuses am Berg vor. Letzter gewählter Bürgermeister war Hans Geuter, der 1978 die Auflösung der Gemeinde abschloss. Fortan vertraten ein oder mehrere Personen aus Neuses den Gemeindeteil im größer gewordenen Dettelbacher Stadtrat. Wird kein Stadtrat gewählt, entsendet Neuses einen Ortssprecher nach Dettelbach, der die Interessen des Dorfes vertritt.
Einwohnerentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neuses am Berg zählte in Mittelalter und Früher Neuzeit zu den größeren Orten entlang des Maindreiecks. Um 1500 wurden die Bewohner erstmals eher indirekt erfasst, als man die Haushaltsvorstände nach ihrer herrschaftlichen Zuordnung erfasste. Damals lebten 73 Haushaltsvorstände, Männer und Witwen, im Ort.[19] Durch Hochrechnungen kann deshalb eine Bevölkerungszahl von ca. 350 Einwohnern angenommen werden. Wahrscheinlich waren diese Zahlen in den folgenden Jahrhunderten lediglich der natürlichen Geburtenschwankung ausgesetzt.
Erstmals umfassend erfasst wurden die Bewohner des Ortes zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Anders als viele andere Orte in der Umgebung verlor in den Jahrzehnten des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Neuses viele Einwohner. 1840 lebten noch etwa 500 Menschen vor Ort, 1939 war die Bevölkerung auf etwa 420 Personen gesunken. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg, als viele Flüchtende aus den ehemals deutschen Gebieten Franken erreichten, stiegen die Einwohnerzahlen nur leicht. Heute leben um 400 Menschen in Neuses am Berg.
| Jahr | Einwohner | Jahr | Einwohner | Jahr | Einwohner |
|---|---|---|---|---|---|
| um 1500 | ca. 350[20] | 1919 | 470 | 1961 | 367[21] |
| 1840 | 496 | 1933 | 421 | 1970 | 361[22] |
| 1867 | 519[23] | 1939 | 425 | 1987 | 400[24] |
| 1890 | 493 | 1946 | 565 | 2005 | 408[2] |
Kultur und Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Baudenkmäler
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Evangelische Nicolaikirche
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die evangelisch-lutherische Nicolaikirche in der nach ihr benannten Kirchgasse ist das ältere der beiden Gotteshäuser in Neuses am Berg. Im Jahr 1417 gründeten Johann von Stein und das Würzburger Domkapitel im Ort die Vikarie St. Nicolai, die sich von der Mutterkirche in Prosselsheim löste. 1528 gelangte die Kirche in den Besitz des Ansbacher Markgrafen Georg des Frommen von Ansbach. Mittlerweile war sie zur Pfarrkirche aufgestiegen. Während der Zeit der Glaubenskriege wechselten die Neuseser mehrfach in schnellem Wechsel die Konfession. Als Kompromiss entstand schließlich 1650 ein Simultaneum, sodass die Nicolaikirche von beiden christlichen Konfessionen besucht werden konnte. 1784 wurde sie in ein rein evangelisches Gotteshaus umgewandelt.
Die Nicolaikirche ist ein geosteter Saalbau mit einem Chorturm. Die leicht erhöht stehende Kirche ist von einer Mauer umgeben. Sie geht zurück auf einen mittelalterlichen Vorgängerbau. Zwischen 1784 und 1786 wurde die Kirche im sogenannten Markgrafenstil umgebaut. Damals entstanden der Turm und das heutige Langhaus. Der Kirchturm trägt eine schwarzgedeckte Zwiebelhaube. Beide Neuseser Kirchen ähneln sich in ihrem Äußeren, da auch die katholische Nikolauskirche eine solche Haube besitzt.
Der Innenraum der Nicolaikirche ist relativ schlicht gehalten. Der übereinanderliegende Aufbau von Altar und Orgelempore ist typisch für eine Kirche des Markgrafenstils. Der Taufstein stammt aus dem Jahr 1600 und trägt neben dem Wappen des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn die Wappenreliefs anderer Dorfherren. Er erinnert an die Gegenreformation. Die Kanzel wurde im Jahr 1805 mit der Kircheninstandsetzung errichtet und zitiert die Formen des Klassizismus.
Katholische Nikolauskirche
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die katholische Nikolauskirche ist das jüngere der beiden Gotteshäuser in Neuses. Sie liegt nördlich von ihrem evangelischen Pendant an der Kreuzgasse. Nachdem die konfessionellen Verhältnisse in dem Ort ab 1570 immer wieder zu Streitigkeiten geführt hatten, richtete man zunächst ein Simultaneum ein. In der mittelalterlichen Nicolaikirche wurde wechselnder Gottesdienst abgehalten. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts löste sich dieses Verhältnis allerdings auf. Die katholischen Neuseser planten eine eigene Kirche, die zwischen 1784 und 1790 vom Baumeister Adam Valentin Fischer errichtet wurde.
Obwohl es sich um ein katholisches Gotteshaus handelt, zitiert die Nikolauskirche die Formen des lutherischen Markgrafenstils. Die Kirche präsentiert sich als Saalbau. Sie wurde gewestet errichtet und weist einen geschlossenen Westchor auf. Das Langhaus wurde mit drei Fensterachsen ausgestattet. Die Ostfassade mit dem Turm bildet das Zentrum der Anlage. Die eingeschnürte Zwiebelhaube prägt das Ortsbild von Neuses entscheidend mit. Sie wurde an ihr protestantisches Gegenstück angepasst.
Das Innere der Kirche wird von den Altären der Bauzeit geprägt. Zentrum des Kircheninneren bildet der Hochaltar im Inneren des Chores. Neben dem Hochaltar finden sich zwei weitere Altäre im Inneren der Kirche. Sie befinden sich links und rechts des Chorbogens. Genau wie der Hochaltar entstanden sie im Stile des Klassizismus. Die Kanzel ergänzt das Ensemble, auch sie entstand um 1790 und lehnt sich an die Altäre an. Die Orgel der kleinen Kirche stammt aus der Werkstatt Seuffert aus Würzburg.
Rathaus
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Das Rathaus in der Kirchgasse 2 ist eines der älteren Häuser im Neuseser Ortskern. Es entstand wohl kurz nach der Annahme der Reformation um 1570 und diente den (zwei) Schultheißen und dem Gericht als fester Tagungsort. Fertiggestellt wurde das Haus im Jahr 1574, worauf eine Inschrift über einem der Türstürze hinweist. Das Neuseser Rathaus blieb auch nach der Auflösung der Markgrafschaft und der Säkularisation des Hochstifts Sitz der Gemeindeverwaltung, die sich im 19. und 20. Jahrhundert zunehmend professionalisierte. Erst mit der Eingemeindung 1978 verlor das Gebäude seine ursprüngliche Funktion.
Das ehemalige Rathaus präsentiert sich als zweigeschossiger Renaissancebau mit Fachwerkobergeschoss. Es schließt mit einem Satteldach ab. Während das Erdgeschoss in Massivbauweise entstand, verwendete man für das Obergeschoss Fachwerk. Besondere Bedeutung hat das Fachwerk des Obergeschosses und des Giebeldreiecks. Es besitzt reich geschnitzte Ecksäulen, die mit farbigem Ornament verziert wurden. In ähnlicher Weise bearbeitete man auch die Fensterzonen an der Giebelseite, die außerdem leicht hervortreten.
Ehemaliger Ansitz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gesichert ist, dass in Neuses am Berg ursprünglich ein herrschaftlicher Ansitz oder eine Burg bestand. Der genaue Standort dieser Baulichkeiten ist allerdings bis heute unklar. Im Zuge von Renovierungsarbeiten im Jahr 2001 stieß man in den Kellern des Hauses Dorfstraße 24 auf herrschaftliche Bauformen des 15. Jahrhunderts, sodass die Dorfchronik das Schloss an dieser Stelle verortete.[25] Eventuell war hier auch der sogenannte Äbtische Hof zu finden, der als Verwaltungsgebäude des Klosters Münsterschwarzach in Neuses am Berg errichtet wurde.
Das Haus Dorfstraße 24 ist als Bauernhof vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Baudenkmal vermerkt. Es präsentiert sich heute als zweigeschossiger Barockbau, der von der Hauptstraße etwas zurückversetzt erbaut wurde. Das Haus schließt mit einem Mansarddach ab und wurde in Fachwerkbauweise errichtet. Die Fensterrahmungen weisen Ohrungen auf. Die Untergeschosse des Hauses bestehen aus mehreren Räumlichkeiten. Einer der Kellerbögen ist mit der Jahreszahl 1707 bezeichnet. In diesem Jahr dürfte das heutige Haus erbaut worden sein.
Privathäuser und Höfe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neuses besitzt mit der oberen (nördlichen) Dorfstraße ein Baudenkmalensemble, das allerdings in keiner offiziellen Liste auftaucht. Die hier befindlichen Grundstücke wurden wohl im 15. bzw. 16. Jahrhundert bebaut. Allerdings erfuhren die meisten Baulichkeiten in den folgenden Jahrhunderten Renovierungen und teilweise tiefgreifende Veränderungen in ihrer Struktur, sodass nur sieben Häuser, abgesehen vom ebenfalls hier gelegenen ehemaligen Ansitz und dem Rathaus, in den Baudenkmallisten geführt werden.

Ältestes erhaltenes Bauwerk ist wohl das Anwesen Dorfstraße 27. Es geht in seinem Kern auf das beginnende 16. Jahrhundert zurück. Es handelt sich um ein stattliches, zweigeschossiges Giebelhaus mit Satteldach. Das Anwesen wurde in Fachwerkbauweise errichtet. Heute ist es allerdings verputzt. Nur unwesentlich jünger ist das auf der gegenüberliegenden Straße befindliche Haus Dorfstraße 34/Dorfstraße 36. Zwei große Hofanlagen wurden hintereinander errichtet, wobei sich beide äußerlich sehr ähnlich dem Haus Dorfstraße 27 präsentieren. An Haus 34 hat sich ein barocker Torbogen und eine Madonnenfigur des 18. Jahrhunderts erhalten. → siehe auch: Dorfstraße 27 (Neuses am Berg)
Auf 1598 datiert das Haus in der Dorfstraße 23. Die verzierten Eckstiele der Fachwerkobergeschosse verweisen auf die Erbauungszeit. Entlang der Dorfstraße lebte jahrhundertelang die dörfliche Oberschicht. So lebte hier zeitweise der Bürgermeister und Siebner Johann Georg Stier. Weiter im Süden werden die Baulichkeiten weniger repräsentativ. So weist das Haus Dorfstraße 17 nur noch ein Vollgeschoss auf. Wie die anderen Bauten schließt auch dieses Haus mit einem Fachwerkobergeschoss ab. → siehe auch: Dorfstraße 17 (Neuses am Berg) und Dorfstraße 23 (Neuses am Berg)
Wesentlich jünger sind einige Bauten am Rande der zentralen Dorfstraße. So entstand auf einem straßenabgewandten Grundstück in zweiter Reihe mit der heutigen Adresse Dorfstraße 29 im Jahr 1707 ein zweigeschossiger Walmdachbau, der mit seiner Dachgestaltung bereits den moderneren Barock aufgreift. Noch jünger ist das Gasthaus Zum Hirschen am Anfang der nördlichen Dorfstraße. Es entstand als zweigeschossiger giebelständiger Halbwalmdachbau aus unverputztem Bruchsteinmauerwerk an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.
Weitere Baudenkmäler sind in den Nebenstraßen um die Kirchen zu finden. So errichtete man 1803 das Haus Kirchgasse 9 als zweigeschossigen Halbwalmdachbau mit Fachwerkgiebel. Im 18. Jahrhundert entstand bereits das evangelisch-lutherische Pfarrhaus direkt neben der Nicolaikirche. Eine historische Pforte hat sich in der Kirchgasse 21, 23 erhalten. Das ehemalige Schulhaus in der Kreuzgasse 8 entstand für die Unterrichtung der katholischen Dorfjugend. Das ehemalige Schulhaus präsentiert sich als zweigeschossiger Walmdachbau aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. → siehe auch: Kreuzgasse 8 (Neuses am Berg)
- Innenraum der evangelischen Nicolaikirche
- Katholische Nikolauskirche
- Innenraum der katholischen Nikolauskirche
- Haus Dorfstraße 17
- Gasthof Zum goldenen Hirschen
- Fußgängerpforte Kirchgasse 21, 23
- Ehemaliges katholisches Schulhaus Kreuzgasse 8
Dorfhag
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Jahrhundertelang besaß Neuses am Berg eine eigene Dorfbefestigung. Anders als bei vielen Orten entlang des Maintals, die ebenfalls mit einer solchen Befestigung ausgestattet waren, wurde der sogenannte Hag von Neuses wissenschaftlich erforscht und ist dadurch in seinem Umfang detailliert nachvollziehbar. In Teilen errichtete man sogar eine Ringmauer. Der Dorfhag wurde von den beiden Konfessionen gemeinsam errichtet. Erst im 18. Jahrhundert verzichtete man auf die Erneuerung der Dorfwehr.
Die steinernen Abschnitte zogen sich entlang der Nord- und Ostseite des Dorfes. Hier lag auch das ehemalige Schloss der mittelalterlichen Dorfherren, das wohl den Kern der Befestigung bildete. Ergänzt wurde der Hag durch eine Hecke mit einem Graben, der um das gesamte Dorf geführt wurde. Neuses besaß zwei Tore, im Norden in Richtung Köhler/Vogelsburg und im Südosten, wo die Straße zwischen Mainfähre/Sommerach und Dettelbach verlief. Zusätzlich war auch die evangelische Nicolaikirche mit einer Kirchhofbefestigung umgeben.[26]
Wirtschaft und Infrastruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weinbau
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Neuses am Berg ist heute Weinbauort im Anbaugebiet Franken. Eine Weinlage existiert um das Dorf, der Wein wird seit den 1970er Jahren mit dem Namen Neuseser Glatzen vermarktet. Neuses ist Teil des Bereichs Volkacher Mainschleife, bis 2017 waren die Winzer im Bereich Maindreieck zusammengefasst. Die Muschelkalkböden um Neuses eignen sich ebenso für den Anbau von Wein, wie die Lage in der Maingauklimazone, die zu den wärmsten Deutschlands gehört.
Bereits seit dem Frühmittelalter betreiben die Menschen um Neuses am Berg Weinbau. Die fränkischen Siedler brachten wohl im 7. Jahrhundert die Rebe mit an den Main. Im Mittelalter gehörte die Region zum größten zusammenhängenden Weinbaugebiet im Heiligen Römischen Reich. Die Menschen betrieben zumeist Nebenerwerbsweinbau zur Selbstversorgung, gleichzeitig bildeten sich bereits Exportzentren insbesondere entlang des Maines heraus.
Der Weinbau erlebte nach der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen umfassenden Niedergang. Vor allem klimatisch weniger begünstige Lagen gab man vollständig auf. Zusätzlich erschwerte das Aufkommen von Schädlingen wie der Reblaus den Anbau. Konsolidieren konnte sich die Weinbauregion Franken erst wieder in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Einsatz von Düngern und verbesserte Anbaumethoden hatten dazu ebenso beigetragen wie die Organisation in Genossenschaften und die Flurbereinigung der 1970er Jahre.[27]
Neuses wird also seit Jahrhunderten vom Weinbau geprägt. In den vielen Winzerhöfen im Altort mit Tordurchfahrt und tiefen Kellern wurde der Wein gelagert. Heute sind sechs Weingüter in dem kleinen Dorf ansässig, die mit ihren Hoffesten das dörfliche Leben prägen. Mittelpunkt des Festkalenders ist das Neuseser Straßenweinfest Mitte Juni.
| Weinlage[28] | Größe 1993[29] | Größe 2004 | Himmelsrichtung | Hangneigung | Hauptrebsorten | Großlage |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Glatzen | 80 ha | 70 ha | Osten | 30–60 % | Müller-Thurgau, Silvaner | Volkacher Kirchberg |
Weitere Wirtschaftszweige
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neben dem dominierenden Weinbau werden in Neuses auch andere landwirtschaftliche Produkte erzeugt. Im Ort bestehen keine Einzelhandels- oder Dienstleistungsgeschäfte, diese sind stattdessen im Hauptort Dettelbach zu finden. Nichtsdestotrotz existieren im Ort mehrere kleinere Betriebe, die der Handwerksbranche zugeordnet werden können. Mit der Bustouristik Klaus Neuss besteht außerdem ein Unternehmen der Reisebranche vor Ort.
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neuses besitzt eine Abseitslage ohne Anschluss an bedeutende Verkehrswege. Historisch verband der Ort die beiden Städte Volkach und Dettelbach miteinander und besaß mit der Mainfähre Sommerach, deren Fährrecht an Einwohner aus dem Nachbarort vergeben wurde, einen wichtigen Übergang über den Main. Die Fähre wurde vor allem von Wallfahrern zur Kirche Maria im Sand in Dettelbach genutzt. 1959 wurde die sie aufgegeben. Die engen Verbindungen in Richtung Sommerach wurden dadurch zerstört. → siehe auch: Mainfähre Sommerach
Zwei Kreisstraßen bilden heute die einzigen regionalen Ortsverbindungen. Die Kreisstraße KT 25 zweigt bei Schnepfenbach von der Staatsstraße 2270 ab und durchquert Neuses, wo sie als Dorfstraße weitergeführt wird. Sie verlässt das Dorf in Richtung Süden und verbindet Neuses mit Dettelbach. Die Kreisstraße KT 31 endet in dem Dorf. Sie bildet die Verbindungsstraße ins benachbarte Köhler und weiter nach Escherndorf und Volkach. Im Ort heißt sie Bocksbeutelstraße. Daneben spielt die alte Verbindung nach Köhler sowie die Ortsstraße nach Schwarzenau eine untergeordnete Rolle.
Bildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Neuses am Berg bestanden jahrhundertelang zwei Schulen nebeneinander. Hier wurden die Dorfkinder, nach Konfessionen getrennt, unterrichtet. Andauernde Streitigkeiten über Zuständigkeit prägten diese Zeit. Nach einer Einigung im Jahr 1650 war es den katholischen Einwohnern nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder erlaubt ein eigenes Schulhaus einzurichten. 1783 sah ein neuerlicher Vertrag das Schulhaus unter lutherischer Verwaltung vor. Erst in den nachfolgenden Jahren entstand an der heutigen Stelle das katholische Schulhaus in der Kreuzgasse.
Die beiden alten Schulhäuser wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts zu eng und so entstanden Neubauten. 1879 errichtete man das neue evangelische Schulhaus an der Straße nach Dettelbach, 1914 entstand sein katholisches Pendant in Richtung Köhler. Die beiden Schulen waren einklassig. Kinder unterschiedlicher Altersgruppen wurden gemeinsam unterrichtet. Im Jahr 1969 schloss sich Neuses am Berg dem Schulverband Dettelbach an und die beiden Bekenntnisschulen wurden aufgelöst.[30]
Neuses gehört heute zum Sprengel der Rudolf-von-Scherenberg-Grundschule in Dettelbach. Ebenso wurde der Ort dem Mittelschulsprengel Dettelbach als Teil des Schulverbandes Dettelbach-Volkach zugeordnet. Weiterführende Bildung wird von der Staatlichen Realschule Dettelbach geleistet. Gymnasien sind in Volkach-Gaibach (Franken-Landschulheim Schloss Gaibach), Schwarzach (Egbert-Gymnasium Münsterschwarzach) und Kitzingen (Armin-Knab-Gymnasium) zu finden.
Vereine und Verbände
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Trotz seiner geringen Größe besitzt Neuses am Berg mehrere Vereine. Ältester dieser Vereinigungen ist die Freiwillige Feuerwehr, die bereits im Jahr 1874 gegründet wurde und damit zu den älteren Wehren innerhalb der Großgemeinde Dettelbach zählt. Die Feuerwehr besitzt ein Feuerwehrhaus in der Bocksbeutelstraße 13. Für die Brandbekämpfung wurde ein Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) angeschafft. Amtierender Kommandant der Neuseser Wehr ist Johannes Kohlhaupt.[31]
Einige Jahre jünger ist der Gesangverein, der am 15. Januar 1897 von acht Männern gegründet wurde. Während der nationalsozialistischen Diktatur wurde das Vereinsleben unterbrochen, lebte aber nach dem Zweiten Weltkrieg bald wieder auf. Der Posaunenchor, der 1925 von Pfarrer Wilhelm Matthes gegründet wurde, ist eine Institution der evangelischen Kirchengemeinde. Er hat eine funktionierende Jugendarbeit und derzeit etwa 15 Bläser. Besondere Bedeutung für den Ort hat außerdem der Weinbauverein, der erst im Jahr 1980 gegründet wurde. Der Verein organisiert das jährlich abgehaltene Weinfest.[32] Daneben existiert der Fußball Club Neuses am Berg und eine Soldaten- und Reservistenkameradschaft.
Die Weinbautradition in Neuses führte auch zur Gründung des sogenannten Fränkischen Glatzenclubs. Der Verein, der auf die Neuseser Weinlage „Glatzen“ anspielt, besteht aus Personen mit einer Glatze. Auf dem Weinfest wird außerdem jährlich eine Glatzenpersönlichkeit, ebenfalls ohne Haupthaar, prämiert, die aus dem In- und Ausland kommen kann. Der Glatzenclub Neuses am Berg besitzt enge Verbindungen zum „Club der fidelen Glatzköpfe“ im hessischen Schlüchtern.
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Alois Josef Ruckert (1846–1916), Lehrer und Heimatdichter, Ruckert unterrichtete zwischen 1872 und 1877 an der katholischen Schule im Ort
- Karl Wolf (1878–1964), Lehrer in Neuses und Schulleiter in Dettelbach, Wolf wurde 1958 zum Ehrenbürger von Dettelbach ernannt
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hans Bauer: Aus der Geschichte des Ortsteils Neuses am Berg 1900–1984. In: Stadt Dettelbach (Hrsg.): Dettelbach. 1484–1984. Festschrift und kleine Charakteristik einer 500jährigen Stadt. Dettelbach 1984. S. 283–287.
- Hans Bauer: Die kulturlandschaftliche Entwicklung des alten Amtes Dettelbach seit dem 16. Jahrhundert (= Mainfränkische Studien Bd. 17/I). Würzburg 1977.
- Johann Kaspar Bundschuh: Neuses am Berge. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 3: I–Ne. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1801, DNB 790364301, OCLC 833753092, Sp. 778 (Digitalisat).
- Rolf-Harald Haus, Fritz Mägerlein: Familienregister der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Neuses am Berg (= Fränkische Ahnen Bd. 3, Deutsche Ortssippenbücher Reihe B Bd. 146). Nürnberg 1997.
- Georg Paul Hönn: Neuses oder Neusez aufm Berg. In: Lexicon Topographicum des Fränkischen Craises. Johann Georg Lochner, Frankfurt und Leipzig 1747, OCLC 257558613, S. 139 (Digitalisat).
- Anton Rottmayer (Hrsg.): Statistisch-topographisches Handbuch für den Unter-Mainkreis des Königreichs Bayern. Sartorius’sche Buchdruckerei, Würzburg 1830, OCLC 248968455, S. 140 (Digitalisat).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Neuses am Berg
- Neuses am Berg in der Ortsdatenbank von bavarikon.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Gemarkung Neuses a.Berg (091123). In: geoindex.io. Geoindex Aktiengesellschaft, abgerufen am 7. Januar 2026.
- 1 2 Neuses am Berg-Stadt Dettelbach. In: dettelbach.de. Abgerufen am 11. Februar 2021.
- ↑ Stadt Dettelbach, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 7. Januar 2026.
- ↑ Webkarte. ALKIS®-Verwaltungsgrenzen - Gemarkungen. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 7. Januar 2026.
- ↑ Hans Bauer: Landkreis Kitzingen. Ein Kunst- und Kulturführer. Marktbreit 1993. S. 35.
- ↑ Hans Bauer: Stadt Dettelbach. In: Landrat und Kreistag des Landkreises Kitzingen (Hrsg.): Landkreis Kitzingen. Münsterschwarzach 1984. S. 489.
- ↑ Rolf-Harald Haus, Fritz Mägerlein: Familienregister der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Neuses am Berg (= Fränkische Ahnen Bd. 3, Deutsche Ortssippenbücher Reihe B Bd. 146). Nürnberg 1997. S. 273.
- ↑ O. A.: Chronik von Neuses am Berg. Dorfchronik ( des vom 21. April 2021 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. S. 2.
- ↑ O. A.: Chronik von Neuses am Berg. Dorfchronik S. 3.
- ↑ O. A.: Chronik von Neuses am Berg. Dorfchronik S. 5.
- ↑ Hans Bauer: Aus der Geschichte des Ortsteils Neuses am Berg 1900–1984. In: Stadt Dettelbach (Hrsg.): Dettelbach. 1484–1984. Festschrift und kleine Charakteristik einer 500jährigen Stadt. Dettelbach 1984. S. 286 f.
- ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 748 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1 MB]).
- ↑ Rudi Krauß: Ortsnamen im Landkreis Kitzingen. In: Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen. Im Bannkreis des Schwanbergs 2012. Dettelbach 2012. S. 233–244. Hier: S. 243.
- ↑ Michael Steinbacher: Slawische Spuren entlang der Volkacher Mainschleife. In: Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen. Im Bannkreis des Schwanbergs 2017. Dettelbach 2017. S. 303–321. Hier: S. 312.
- ↑ Monika Fritz-Scheuplein, Almut König, Sabine Krämer-Neubert, Norbert Richard Wolf: Dreidörfer Narrn stehn auf drei Sparrn. Ortsnecknamen in Unterfranken. Würzburg 2012. S. 80.
- ↑ Hans Bauer: Alte und neue Wappen im Landkreis Kitzingen. In: Jahrbuch des Landkreises Kitzingen 1980. Im Bannkreis des Schwanbergs. Kitzingen 1980. S. 57.
- ↑ Hans Bauer: Aus der Geschichte des Ortsteils Neuses am Berg 1900–1984. In: Stadt Dettelbach (Hrsg.): Dettelbach. 1484–1984. Festschrift und kleine Charakteristik einer 500jährigen Stadt. Dettelbach 1984. S. 283.
- ↑ Hermann Kleinhenz: Dettelbacher Bürger (Teil 3) (= Dettelbacher Geschichtsblätter Nr. 151, 20. Jhg.). Dettelbach 1995. O. S.
- ↑ O. A.: Chronik von Neuses am Berg. Dorfchronik S. 1.
- ↑ O. A.: Chronik von Neuses am Berg. Dorfchronik S. 1.
- ↑ Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, OCLC 230947413, Abschnitt II, Sp. 883 (Digitalisat).
- ↑ Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, OCLC 220710116, S. 188 (Digitalisat).
- ↑ Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, OCLC 311071516, S. 214, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
- ↑ Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, OCLC 231287364, S. 364 (Digitalisat).
- ↑ O. A.: Chronik von Neuses am Berg. Dorfchronik S. 1.
- ↑ Hans Bauer: Die kulturlandschaftliche Entwicklung des alten Amtes Dettelbach seit dem 16. Jahrhundert (= Mainfränkische Studien Bd. 17/I). Würzburg 1977. S. 14 f.
- ↑ Hans Ambrosi, Bernhard Breuer: Deutsche Vinothek: Franken. Begleiter zu den Weinberg-Lagen, Winzern und ihren Küchen. Herford2 1993. S. 50–52.
- ↑ Regierung von Unterfranken: Weinbergslagen in Bayern gegliedert nach Bereichen ( des vom 28. Juli 2018 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., PDF-Datei, abgerufen am 16. Mai 2019.
- ↑ Hans Ambrosi, Bernhard Breuer: Deutsche Vinothek: Franken. Begleiter zu den Weinberg-Lagen, Winzern und ihren Küchen. Herford2 1993. S. 237.
- ↑ O. A.: Chronik von Neuses am Berg. Dorfchronik S. 1.
- ↑ KFV-Kitzingen: Freiwillige Feuerwehr Neuses am Berg, abgerufen am 24. Februar 2021.
- ↑ Stadt Dettelbach (Hrsg.): Dettelbach. 1484–1984. Festschrift und kleine Charakteristik einer 500jährigen Stadt. Dettelbach 1984. S. 250–253.




