Nendingen
Nendingen Stadt Tuttlingen | |
|---|---|
| Koordinaten: | 48° 0′ N, 8° 52′ O |
| Höhe: | 637 m ü. NN |
| Fläche: | 18,68 km² |
| Einwohner: | 2965 (30. Aug. 2022)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 159 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1973 |
| Postleitzahl: | 78532 |
| Vorwahl: | 07461 |
Nendingen innerhalb der Stadt Tuttlingen | |
Nendingen ist ein ländlich geprägtes Dorf an der jungen Donau zwischen der Kreisstadt Tuttlingen, dessen Ortsteil es seit 1973 ist, und Mühlheim an der Donau. Es hat rund 3000 Einwohner und geht auf eine alemannische Siedlung zurück. Regionale Bekanntheit hat es durch seine katholische Pfarrkirche St. Petrus und Jakobus maior, seine Flussauen im Naturpark Obere Donau und als Ringerhochburg (ASV Nendingen).
Geographie
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Geographische Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nendingen liegt im südlichen Scherragau im Naturpark Obere Donau im in die Hochebenen der Schwäbischen Alb eingeschnittenen Tal der Donau. Der 48. Breitengrad geht zentral durch die Nendinger Gemarkung. Die Donau teilt die Berge des großen Heubergs im Norden des Nendinger Siedlungsgebiets von den Bergen der Hegaualb. Der Ortskern von Nendingen liegt auf 637 m ü. NHN. Die niedrigste Stelle mit 633,7 m befindet sich auf den Breitwiesen (genauer Kreuzwiesen), einem sehr breiten und flachen Wiesengebiet Richtung Stetten, welches aus Hochwasserschutz nicht bebaut werden darf.[2] Das Nendinger Donautal ist Teil des Naturraums Oberen Donautal. Nendingen liegt am Donau-Kilometer 2736. In das Hochplateau des Großen Heubergs zieht sich nördlich von Nendingen das Ursental mit einem Rast-, Sport- und Spielplatz an der Quelle des Ursentaler Baches als Teil des Landschaftsschutzgebiets Ursental mit unterem Bräunisberg. Östlich grenzt das Gebiet Sommerschafweide auf dem Bäunisberg und Kraftstein direkt an. Im Ursental befindet sich außerdem ein besonderer Grenzstein, weil im Mittelalter viele Gemeinden von der Quelle profitieren wollten. Dies sind im Uhrzeigersinn Nendingen, Wurmlingen, Rietheim, Dürbheim und Mühlheim. Der nördliche Teil des Ursentals gehört zum Vogelschutzgebiet Südwestalb und Oberes Donautal.[3] Die höchste Stelle der Nendinger Gemarkung ist am Bräunisberg mit 892 m, wobei sich die höchste Stelle des Berges auf Mühlheimer Gebiet befindet. Von den Höhen von Nendingen ist ein Blick auf die Alpen sowie das Schloss Bronnen und die Burg Wildenstein, jedoch nicht auf den Bodensee möglich. Eine noch erhaltene Ruine zeugt von der ehemaligen Bräunisburg, die dem Bräunisberg seinen Namen gegeben hat. Die Berge der nördlichen Gemarkung sind Teil des Naturraums Hohe Schwabenalb (093.20 Westlicher Heuberg) und der Tourismusregion Donaubergland.
Der höchste „Gipfel“ auf Nendinger Gebiet ist Brennten mit 828 m im Süden der Gemarkung. Das zweite Landschaftsschutzgebiet Altental-Rottweiler Tal ist auf dem südlichen Teil der Gemarkung und verbindet den Weiler Altental mit dem Dorf Nendingen. Die südlichen Berge Nendingens gehören zur westlichen Flächenalb mit der Hattingen-Kreenheinstettener Hochfläche, welche sich durch die naturnahen Bergwiesen auszeichnen (beispielsweise Bergwiesengewand Haldenlang).
Wasserwirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Donautal bei Nendingen ist verglichen mit dem Donaudurchbruch östlich von Mühlheim verhältnismäßig breit und wird insbesondere Richtung Tuttlingen durch die Altarme der mäandernden Donau dominiert (Altwasser bei der Bleiche). Obwohl die Donau hier noch sehr jung ist, ist die Wasserqualität durch viele Wehre, die den geringen Wasserstand durch die Donauversinkung ausgleichen sollen, sehr schlecht.[4] Besonders das Wehr an der „Groß Bruck“ in Tuttlingen sorgt seit Jahren für Diskussionen bezüglich der Sicherung einer Wasserqualität nach Vorgaben der EU.[5] Um die Wasserqualität zu verbessern und somit eine aktive Nutzung des Wassers zu erlauben,[6] sollte in Nendingen ein Lamellenabscheider installiert werden.[4] Bisher bleibt die Nutzung der Donau auf das vierjährlich stattfindende Wasserfest und vereinzelte Angler beschränkt, was dem fischökologisch bedeutsamen Gewässer nicht Rechnung trägt.[7] Jedoch schränken gefährliche Strudel und Sogströmungen ab 200 Meter westlich der Donaubrücke das Schwimmen ein, wovor Kindern mit dem Hakenmännle gewarnt werden.[8] Ein Abbau des Wehres von Nendingen wird derzeit (2010) von der Stadt Tuttlingen aufgrund von möglichem Verlust der Trinkwassersicherung ausgeschlossen.[9]
Umgebung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Stadtrand der Kreisstadt Tuttlingen ist am Ludwigstal rund zwei Kilometer von Nendingen entfernt. Zum Oberzentrum der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg Villingen-Schwenningen sind es etwa 30 Kilometer. Nächstgelegene Großstädte sind Winterthur (57 km) und Reutlingen (60 km). Die Landeshauptstadt Stuttgart (89 km) ist über die Autobahn 81 sowie die Gäubahn, die Bezirkshauptstadt Freiburg (76 km) über die Bundesstraße 31 sowie die Höllentalbahn zu erreichen.
Flächennutzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nendingen verfügt über reichlich agrar- und forstwirtschaftlich nutzbare Flächen. So sind 55,44 % der Gemarkung Wald und 36,36 % landwirtschaftlich (680 ha) genutzte Fläche. Etwa 5 % der Gemarkung sind bebaut.[10]
Da in Nendingen die Teilung der Erbflächen vor allem durch Realteilung und nur selten durch das Anerbenrecht vollzogen wurde, gibt es in Nendingen wesentlich kleinere Höfe als beispielsweise in Oberschwaben oder dem Allgäu.[11] Dies führte dazu, dass es vor allem bis zur baden-württembergischen Flurbereinigung 1979, aber auch noch heute, viele sehr kleine oder „unförmige“ Felder gab, auch durch die vergleichsweise hohe Anzahl an landwirtschaftlichen Familienbetrieben und damit Besitzern.
Der Großteil der 1036 ha Waldflächen, mehrheitlich Buchenwälder, liegt südlich des Ortes Richtung der angrenzenden Gemeinden Mühlheim, Fridingen und Neuhausen. Teile dieser Waldflächen (160 ha) gehören auch heute noch der Familie Enzberg.
| Besitzer | Waldfläche in ha |
|---|---|
| Stadt Tuttlingen (früher Gemeindewald Nendingen) | 700 |
| von Enzberg | 160 |
| Land Baden-Württemberg | 22 |
| Katholische Kirchengemeinde Nendingen | 8 |
| Diözese Rottenburg-Stuttgart | 1 |
| Flugplatz Neuhausen | 12 |
| Tauschwald mit Stetten | 3 |
| privat | 139 |
Am südlichen Rand liegen 26 Hektar des Neuhauser Flugplatzes auf Nendinger Gemarkung.
Geologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nendingen liegt im Geopark Schwäbische Alb. Der Boden in Nendingen gilt als mittelfruchtbar, der besonders auf der Hochebene von Gesteinstrümmern erfüllt ist. In der Donautalebene haben sich für den Wiesenbau fruchtbare Alluvionen abgelagert. Beim Gestein Nendingens handelt es sich wie im gesamten Heuberg-Bereich um Weißen Jura, das Mergel mit Mergelkalkbänken und Kalkbänken umfasst. Dieser wurde früher in Steinbrüchen zur Gewinnung von Baumaterial abgebaut. Ebenso gab es eine Lehmgrube und eine Töpfertongrube. Ammoniten, vor allem der Idoceras Balderum, sind reichlich vorhanden.[12] Eine Besonderheit ist das starke Auftreten von Bohnerzen, welches die Nendinger Bauern früher zum Nebenerwerb gesammelt und an die Schwäbische Hüttenwerke im Ludwigstal weitergegeben haben.
Morphologie und Tektonik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die durch Transgression eines Burdigalmeeres entstandene Albhochfläche wurde ab dem untersten Pliozän von der Aare-Donau mäandert. Anhebungen im Pliozän führten zu jungpliozänen Laufverlegungen, beispielsweise einer großen Donauschlinge bei Berchenreute durch das Hummerstal und das Rottweiler Tal, mit Prallhang entlang des Hebsacks und Gleithang entlang des Dietweges. Im Gegensatz zu den direkten Erdbebengebieten gibt es auf Nendinger Gemarkung nur geringe Verwerfungen und Störungen mit Sprunghöhen bis drei Metern.[13]
Klima
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nendingen besitzt ein Seeklima, Cfb nach der Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger. Es gibt das ganze Jahr regelmäßigen, deutlichen Niederschlag. In den niederschlagschwachen Monaten Januar, Februar, März und Oktober zwischen 63 mm und 65 mm, im niederschlagreichen Juni durchschnittlich 109 mm. Der Jahresniederschlag beträgt damit 973 mm, die Jahresdurchschnittstemperatur 8,3 °C.[14] Die klimatischen Verhältnisse gehören aufgrund der Tallage zu den milderen des Landkreises. Der Januar ist der einzige Monat, der mit −0,3 °C eine negative Durchschnittstemperatur aufweist. Im Juli hat es durchschnittlich 17,2 °C. Frühlingsfröste und kalte Nebel kommen zuweilen vor. Die Auen und Altarme der Donau begünstigen diese häufigen, typischen Nebel.
Traditionell wurde daher als Getreide vor allem Dinkel und Gerste, ferner viel Kartoffeln, Futterkräuter (dreiblätterigen Klee, Luzerne, Esparsette) und Hanf angebaut. Bestimmend für die landwirtschaftlichen Flächen sind jedoch seit jeher Wiesen. Obstwirtschaft ist nicht möglich.
Naturkatastrophen sind in Nendingen selten und überwiegend durch Hochwasser verursacht. Bei einem hundertjährigen Donau-Hochwasser stehen flussnahe Teile des Dorfes voraussichtlich unter Wasser,[15] weshalb zusätzlich zum ständigen Damm auf der Donau-Südseite Häuser mit objektbezogenem Hochwasserschutz ausgestattet sind.[16] Die Vergangenheit hat gezeigt, dass ein Starkregenereignis im Ursental oder im Rottweiler Tal / Altental plötzlich auch die Wohnbebauung in diesen Tälern fluten kann, sodass im Rottweiler Tal ein Hochwasserrückhaltebecken gebaut wurde.[17] Nendingen liegt in der Erdbeben-Zone 2 und damit außerhalb der besonders gefährdeten Gebiete der Schwäbischen Alb bei Albstadt. Hagelschlag gehört zu den Seltenheiten.[18][19] Durch die Tallage betreffen Stürme vor allem die unbebauten Hochflächen der Gemarkung auf dem Bräunisberg, dem Leutenberg und beim Flugplatz Neuhausen.
Nachbarortschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die umliegenden Gemeinden und Ortsteile sind im Uhrzeigersinn von Westen Tuttlingen, Wurmlingen, Rietheim, Dürbheim, Mühlheim, Stetten, Fridingen, Neuhausen und Liptingen.
Ortsgliederung
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Siedlungen außerhalb des Dorfgebietes sind:
- Ziegelhütte mit Ottilienkapelle (im Südwesten), errichtet um 1560
- Schinderhütte (im Süden)
- Altental (im Süden)
- Neumühle (im Osten), erbaut 1834 vom Müller Xaver Schellinger
- Aussiedlerhof mit Wasserreservoir (im Norden)
Ortsentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nendingen wurde auf der rechten Seite der jungen Donau, wo das Rottweiler Tal in das hier breite Donautal von Süden her einzieht, auf einem flachen Terrainausläufer des Hebsacks gegründet.[20] Durch die Prallhänge östlich und westlich des Dorfes war eine einfachere Sicherung der frühen Siedlung möglich; gleichzeitig war die Siedlung auf der leichten Anhöhe vor den regelmäßigen Hochwassern geschützt. Die an dieser Stelle flache Donau ermöglichte die Errichtung einer Furt auf dem Weg an der Donau entlang. Die Besiedlung war im Mittelalter im heutigen Dorfkern (Thürn/Rußberg) sowie beim Fronhof mit der romanischen Kirche aus dem 12. Jahrhundert (Blasiuskapelle). In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die neue Kirche mit Friedhof und Pfarrhaus am Dorfrand an der Donau errichtet. Bis ins 19. Jahrhundert waren die Gebäude größtenteils aus Holz, mit steinernem Unterstock erbaut und mit Ziegelplatten gedeckt.[21] Die Trinkwasserversorgung wurde durch dutzende Pumpbrunnen sichergestellt, welche durch das von der Donau herrührende Grundwasser gespeist wurden. Mit dem Bau der Eisenbahn 1890 entstand im Norden die neue Siedlung auf der Donaunordseite um das Bahnhofsgelände. Es gab zusätzlich zur Poststraße von Tuttlingen nach Mühlheim einen Fuhrweg nach Mahlstetten. Durch die Begradigung der Donau wurden auf dem trockengelegten Gebiet neue Häuser im Bereich der Kirchstraße und Am Damm gebaut. Ab den 1930er Jahren begann die Besiedlung des Rottweiler Tals und nach dem Zweiten Weltkrieg Hinter den Häusern unterhalb des Hornsteins. Während Unter Hoch eine weitere Besiedlung durch den Hochwasser-Damm begrenzt wurde, gibt es weitere Siedlungsmöglichkeiten in den höheren Lagen Im Tal sowie auf der südlich angrenzenden Hochfläche Häldele. Weitere Erweiterungsflächen um Nendingen sind im Nordosten Auf Galgen und Richtung Mühlheim sowie im Nordwesten bis zum Wasserschutzgebiet auf Gries und an den Hängen des Bräunisbergs. Eine Besiedlung der Bräunisberghochfläche wird aktuell nicht diskutiert und würde erst bei mehr als 6.000 Einwohnern relevant. Das Industriegebiet Brenner kann Richtung Westen zwischen Eisenbahn und Donau erweitert werden.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Steinzeit bis Antike
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die ersten Niederlassungen auf der heutigen Nendinger Gemarkung sind rund 6000 Jahre alt. Davon zeugt unter anderem ein Breitmeißel aus der Jungsteinzeit, der im Ursental gefunden wurde. Auch Funde aus der Spätbronze- (Gefäßscherben) und der Hallstattzeit (Hügelgräber) zeugen von einer frühen und durchgehenden Existenz von Siedlungen auf der Nendinger Gemarkung. In der späten La-Tène-Zeit belegen keltische Münzen aus Bronze am alten Weg zum Bräunisberg die Bevölkerung.
Der Ort Nendingen ist die Gründung eines Sippenoberhauptes oder Grundherrn namens Nando, der sich hier mit Familie und dienstbaren Leuten während der Vertreibung der Römer durch den germanischen Volksstamm der Alemannen zwischen 260 und 300 nach Christus niederließ und der der Siedlung den Namen gab. Davon zeugen noch heute alemannische Reihengräber Auf Galgen.
Mittelalter
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792 verschenkte Graf Gerold, ein Schwager Karls des Großen, das Dorf an das Kloster Reichenau, das die weltliche Verwaltung in die Hände der von Äbten bestellten Amtsleute (Vögte) legte. Als Vögte der Abtei waren die Grafen von Nellenburg eingesetzt. Als Teil der Scherragrafschaft gehörte es zum Herzogtum Schwaben innerhalb des Ostfrankenreiches. Später kam Nendingen an das Geschlecht der Hirscheck zu Konzenberg, danach an Friedrich von Wartenberg und Heinrich von Diessenhofen. Danach wurde Nendingen an Albrecht von Steusslingen und dessen Söhne Konrad und Heinrich weitergegeben.
Im Hochmittelalter ist der Ortsadel „von Nendingen“ belegt.
- 1092: Adalbert, Eberhard und Folkmar von Nendingen in einer Urkunde des Klosters St. Georgen
Im Jahr 1092 wird Nendingen erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahre 1094 findet sich die Aufzeichnung zur Gründungsgeschichte des Klosters St. Georgen, dass die Freien A(da)lbert und Eberhard von Nendingen ihren Besitz in Othelineswilare (Ettisweiler) dem Heiligen Georg übergaben.[22]
- 1138: Folkmar von Nendingen
Die Blasius-Kapelle im Fronhof wird im Jahr 1160 erwähnt, ebenso, dass der Herzog von Spoleto dem Kloster St. Blasien Eigenleute zu Nendingen übergibt. Um 1200 hielt das Kloster Salem als Salzmonopolist auf Halldorf zwei Höfe als Lagerplätze. Der erste Pfarrer von Nendingen wird mit Luitfried Plebanus 1239 erwähnt.
- 1270: Diethelm und Konrad von Nendingen
- 1359: Konrad von Nendingen, gesessen zu Hausen an der Aitrach
Friedrich von Wartenberg verkauft an Freiherr von Zollern sein Gut in Nendingen mit dem Zehnten und dem Kirchensatz.
- 1372: Beita von Nendingen, Gemahlin des Ritters von Ow
Am 21. Februar 1392 verkauft Graf Friedrich von Zollern Nendingen um 700 Pfund Schilling an Konrad von Weitingen
- 1394 Anna von Nendingen, unvermählt: Sie vermachte ihren gesamten Besitz an Graf Heinrich zu Fürstenberg
Am 21. September 1409 wurde Nendingen für 8500 fl von Konrad und Volz von Weitingen an ihre Vettern Friedrich und Engelhardt von Enzberg verkauft. Trotz des kleinen Gebietes konnten die Reichsritter von Enzberg ihre Machtansprüche über die Herrschaft Mühlheim als Teil der Hegauischen Ritterschaft bis ins 19. Jahrhundert wahren. Als Mitglied des Schwäbischen Ritterkreises war das Gebiet nicht im Schwäbischen Reichskreis beziehungsweise in der Reichsstandschaft, sodass keine direkten Kampfhandlungen des Schwäbischen Bunds während des Deutschen Bauernkriegs im Ort stattfanden.
Neuzeit
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Während des Dreißigjährigen Krieges kam es am 21. Februar 1633 zu einer großen Schlacht zwischen schwedischen und österreichischen-kaiserlichen Truppen mit einer vernichtenden Niederlage der schwedischen Truppen unter General Rosa, bei der 200 Mann am Ortseingang von Nendingen umgebracht wurden. An diese Schlacht erinnert heute noch das Schwedengrab in Mühlheim. 1635 starb ein Drittel der Einwohner durch die Pest. 1643 fand die Schlacht bei Tuttlingen auch auf den Breitwiesen statt. Da der Baron von Enzberg immer die Nähe zu den Habsburgern suchte, um seine Macht in der vorderösterreichisch dominierten Region zu festigen, wurde die Reformation in Nendingen herrschaftlich verhindert, was später durch den Augsburger Religionsfrieden legitimiert wurde. Johann Baptist Schwarz war 1782 Vogt in Nendingen. Für die Bewirtschaftung der großen Enzberg’schen Waldflächen waren bis ins 19. Jahrhundert Nendinger Leibeigene, vor allem Tagelöhner und Bauern, verantwortlich. Durch die vom Baron von Enzberg verlangten hohen Abgaben und die harten Arbeitsbedingungen kam es 1786 zu Aufständen, die der Lokaladel nur durch die Zuhilfenahme von Truppen des österreichischen Kaisers Joseph II. niederschlagen konnte.
Bei der Schlacht bei Liptingen (Zweiter Koalitionskrieg) gab es Gefechte auf Nendinger Gemarkung. In diesem Zuge wurde im Jahre 1802 in Nendingen die erste Holzbrücke über die Donau errichtet. Als Ergebnis der Koalitionskriege mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803, der folgenden Mediatisierung und dem Vertrag von Brünn vom 12. Dezember 1805 fiel Nendingen an das Kurfürstentum Württemberg. Am 18. Dezember 1805 besetzten badische Truppen Mühlheim, denn das Kurfürstentum Baden beanspruchte die Lehenshoheit über die gesamte ehemalige Herrschaft Mühlheim. Mit dem Tausch- und Epurationsvertrag vom 17. Oktober 1806 kehrte Nendingen wie alle Mühlheimer Orte außer Buchheim wieder vom badischen Einflussbereich in das am 1. Januar 1806 gegründete Königreich Württemberg zurück. Nendingen wurde 1808 dem neu gegründeten Oberamt Tuttlingen unterstellt und besaß im Süden eine Landesgrenze zum Großherzogtum Baden mit Liptingen. Alle drei Nendinger fielen bei Napoleons Russlandfeldzug im Dienste Württembergs. 1835 verlor Nendingen seine Grenze zu Mahlstetten (Oberamt Spaichingen), da Kraftstein Mühlheim (Oberamt Tuttlingen) zugeordnet wurde. Im folgenden Jahre wurden die Fronen abgelöst.
1859 machte German Wolf das erste Foto von Nendingen. Im Jahr darauf wurde die neue Straße südlich der Donau über das Ludwigstal nach Tuttlingen gebaut. Im Deutschen Krieg 1866 fielen 20 Bürgersöhne bei der Schlacht von Königgrätz. Im Deutsch-Französischen Krieg starben 19 Nendinger. 1878 wurde die Postagentur in Nendingen eingerichtet. 1890 brachte der Bahnhof an der neuen Bahnstrecke Tuttlingen–Inzigkofen einen großen Aufschwung für das Dorf. 1902 wurde die Donau verlegt und eine neue Brücke gebaut. Im Ersten Weltkrieg fielen 64 und drei Nendinger blieben vermisst. 239 von insgesamt 1220 Einwohnern waren ausgerückt. 1915 erhielt das Rathaus das erste Telefon. Mit der Abdankung des Königs Wilhelm II. wurde Nendingen Teil des Volksstaats Württemberg. 1920 kehrte der letzte Nendinger aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft heim.
Das erste Auto Nendingens kaufte sich 1921 Leopold Betzler, dessen Schokoladenfabrik 1937 abbrannte. Das erste Neubaugebiet Nendingens entstand 1937 während der Zeit des Nationalsozialismus mit zwölf identischen Siedlungshäusern. In diesem Jahr wurde auch die Nachtwächterstelle aufgegeben. Durch Umordnung des Deutschen Reichs kam Nendingen vom Oberamt Tuttlingen 1938 zum entstandenen Landkreis Tuttlingen. Als erste Gemeinde Württembergs erhielt Nendingen 1939 eine Ortslautsprecheranlage. Während des Zweiten Weltkriegs fielen 93 Nendinger Soldaten, 34 blieben vermisst. Durch Luftangriffe am 23. Februar 1945 starben weitere vier Nendinger Bürger. Am 21. April 1945 befreiten Truppen der Ersten französischen Armee Nendingen, vom Heuberg über Mühlheim kommend. Während der Französischen Besatzungszeit wurden vier Nendinger durch Übergriffe der fremden Soldaten ermordet. Ab 1947 war Nendingen Teil des Lands Württemberg-Hohenzollern. 1952 ist Württemberg-Hohenzollern im Land Baden-Württemberg der 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland aufgegangen, welchem Nendingen seitdem angehört.
Im Dezember 1954 wurde die Festhalle eingeweiht, 1955 überschwemmte der Talbach den gesamten Ortskern. Zu dieser Zeit war Nendingen die Gemeinde mit dem größten Pferdebestand im Landkreis Tuttlingen.[23]
Zeit ab 1970
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 1. Januar 1973 verlor Nendingen bei der Gemeindereform seine Eigenständigkeit, als es mit der Stadt Möhringen nach Tuttlingen eingemeindet wurde.[24] Dabei gab es innerhalb der Gemeinde teilweise starken Unmut über den Verlust der Eigenständigkeit. So wurde unter anderem eine Eigenständigkeit aus geschichtlichen Gründen im Gemeindeverwaltungsverband Donau-Heuberg oder auch im Verwaltungsraum Tuttlingen angestrebt, wie sie in Wurmlingen geschah. Schließlich stimmte der Gemeinderat Nendingens vor allem aus finanziellen Gründen der Eingemeindung in die Stadt Tuttlingen zu. Damit mussten auch viele Nendinger Straßen, die es schon in Tuttlingen gab, einen neuen Namen finden, z. B. wurde die Schillerstraße zur Ottilienstraße oder die Bahnhofstraße zur Bräunisbergstraße, weshalb diese auch am Bahnhof und nicht erst am Bräunisberg endet. Ein Unikat stellt die Kirchstraße dar, deren Bürger mit Leserbriefen und Petitionen eine Umbenennung verhindert haben, sodass sie in Tuttlingen in Stadtkirchstraße umbenannt wurde. Bis zur Eingemeindung lautete die Postleitzahl Nendingens 7201, danach 72(00) Tuttlingen (16). Am 1. Juli 1993 wurde sie mit der deutschlandweiten Umstellung auf 78532 Tuttlingen umgeändert.
Das Jahrhunderthochwasser mit dem Höchststand am 16. Februar 1990 war das größte Hochwasser seit dem Beginn der Aufzeichnungen. Nur durch den nach dem Hochwasser 1981 erhöhten Damm blieb der Ortskern trocken, jedoch war die Verbindungsstraße nach Tuttlingen tagelang gesperrt.
Im Jahre 1992 hat Nendingen das 900-jährige Bestehen mit einer großen Parade gefeiert. Dabei wurde auch das Nendinger Heimatbuch herausgebracht.
1998 wurde eine 110-kV-Stromleitung über die Gemarkung von Tuttlingen nach Fridingen fertiggestellt, weswegen es große Proteste innerhalb des Orts gab mit Klagen bis vor das Bundesverwaltungsgericht[25] und Reportagen im Südwest-Fernsehen. 2011 wurde die neue Multifunktionshalle fertiggestellt. 2023 gab es eine Petition zu einer Ortsumfahrung mit mehr als 1768 Unterstützenden.[26]
Einwohnerentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1826 | 945 |
| 1. Januar 1834 | 955 |
| 1848 | 1118 |
| 1853 | 1039 |
| 1855 | 966 |
| 1875 | 946 |
| 1. Januar 1880 | 991 |
| 1885 | 1000 |
| 1. Januar 1910 | 1200 |
| 1933 | 1385 |
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1939 | 1478 |
| 1950 | 1583 |
| 6. Juni 1961 | 1863 |
| 1964 | 2000 |
| 1. Januar 1970 | 2146 |
| 1. Januar 1987 | 2454 |
| 1. Januar 1992 | 2612 |
| 1. Januar 2000 | 2740 |
| 1. Januar 2002 | 2803 |
| 1. Januar 2006 | 2863 |
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 20. Januar 2007 | 2850 |
| 1. Januar 2012 | 2793 |
| 1. Januar 2017[27] | 2839 |

Die Bevölkerungsdichte beträgt damit 153 Einwohner je km² im Jahr 2008.
Durch die strengen politischen und die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen unter der Enzberg’schen Herrschaft haben viele Nendinger versucht, sich durch Freikauf und Auswanderung ein besseres Leben zu ermöglichen. So sind zwischen 1740 und 1880 ungefähr 50 Personen ins von Habsburg von den Türken zurückeroberte Gebiet ausgewandert (Donauschwaben). Auch später unter der württembergischen Königsherrschaft und nach dem Scheitern der Revolution von 1848 wanderten in nur zwei Jahren (1854/55) über 70 Personen in die USA aus. Zwischen 1800 und 1900 waren es über 200 Personen, die in die Vereinigten Staaten und nach Südamerika auswanderten, sodass die Bevölkerung durch das Auswanderungssaldo insgesamt stagnierte, obwohl die natürliche Bevölkerungszahl stark zunehmend war. Nach der miserablen Wirtschaftslage mit der Inflation 1923 wanderten weitere 22 Personen, vor allem nach Brasilien und Argentinien aus.
Obschon Nendingen im Gegensatz zu seinen Nachbargemeinden Fridingen und Mühlheim nie Stadtrecht zugesprochen bekam, hatte es bis weit ins letzte Jahrhundert mehr Bewohner als Fridingen, mehr als Mühlheim noch heute. Im 19. Jahrhundert war es noch die siebtgrößte Gemeinde des Oberamts Tuttlingen. Eine Besonderheit Nendingens ist, dass die Einwohner Nendingens lange Zeit „unter sich“ geblieben sind, was sich nicht nur in alten Dokumenten mit typischen Namen, sondern auch noch heute zeigt durch besonders starke Häufungen der Namen Schwarz (220 Personen), Huber (170), Schilling (140), Mattes (110), Betzler oder Berchtold. Zur Unterscheidung hat deshalb ein Großteil der Bewohner bis heute einen Übernamen.
Mundart
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Nendingen wird von der einheimischen Bevölkerung schwäbisch gesprochen. Einzigartig am Schwäbischen, wie es in Nendingen und nur wenigen umliegenden Gemeinden gesprochen wird, ist die partiell ausgebliebene Diphthongierung des Neuhochdeutschen mit der Nähe zum Niederalemannischen und die Entwicklung von „oa“ aus dem mittelhochdeutschen „ei“ [ɛi]. Eine Besonderheit (Schibboleth) stellt das Wort unser/unsere dar, was nur in Nendingen als aiser/aisre ausgesprochen, im Umland eeser/eesre oder iiser/iisre.
Die lokale Gliederung der Dialektegrenze zum Niederalemannischen zeigt das Partizip Perfekt Passiv von sein, zu welchem in Tuttlingen „gsi“ gesagt wird, während es in Nendingen „gsai“ heißt.[28] In den südwestlichen Teilen des Landkreises Tuttlingen ab Möhringen haben sich die Monophthonge des Mittelhochdeutschen gehalten. Das frikative „ch“ ist ab Immendingen geläufig (Bodenseealemannisch). Im Unterschied zu den echt alemannischen Gegenden, z. B. des Heubergs, bleibt der Vokal a vor ss, z und ch kurz, wie zum Beispiel bei Acht, voll oder Fass.[28] Hingegen stimmt die lokale Aussprache beim Ausfall eines ch nach langem Vokal (Nɑːt <Nacht>, Rɛːt <Recht>, Lɪːt <Licht>, Hoːzig <Hochzeit>, Deːdr <Tochter>, Fruət <Frucht>, Kille [Kilch]) mit dem Nieder- und Hochalemannischen überein.[28] Lange Vokale mit dem abschließenden Morphem „-er“ haben ebenfalls Monophthonge behalten, wo das Neuhochdeutsche Diphthonge gebildet hat (Fɪːr <Feuer>, Stɪːr <Steuer>, Buːr <Bauer>). Ein au in einsilbigen Wortbestandteilen ist ein kurzes u (Schumm <Schaum>, uffrummə <aufräumen>), kurzes offenes o (Bomm <Baum>; Bɛmm <Bäume>) und selten auch als langes offenes o (I hau troomt <Ich habe geträumt>). Die Lautverschiebung mitgemacht hat der lokale Dialekt mit der Diphthongisierung betonter Vokale bei grauß <groß>, Schdrau (Stroh) oder dɛif <tief>. Das mittelhochdeutsche uo hat nur in wenigen Fällen im raschen Vokal den Diphthong wahren können (Muodr <Mutter>), oft jedoch zu einem u verkürzt (Brunnə <Brunnen>), während in niederschwäbischen Gegenden die Verkürzung zu einem o stattfand (Bronna). Im gedehnten Vokal wurde das uo zu einem offenen o (Blóam <Blume>; Blɛamle <Blümelein>) oder hielt sich sogar als Diphthong (Briədr <Bruder>, wiədig <wütend>).[28]
Nendinger Sprachelemente, welche als charakteristisch für das schwäbische gelten, ist das „n“ am Wortende, welches den voranstehenden Vokal dehnt, aber als Laut entfällt (Maː <Mann>, Zɛː <Zähne>, Kɪː <Kinn>) oder wird nach „o“ oft nasaliert (Tɔ̃ <Ton>, Miljɔ̃ <Million>), zu einem kurzen offenen o verkürzt (schɔ <schon>) oder zu au (Frauhof <Frohnhof>, Lau <Lohn>).[28] Ein nachfolgendes „n“ diphthongisiert das „i“ (I bai <Ich bin>, Wɛiter <Winter>).[28] Nendingen gehört zu jenem schwäbischen Gebiete, wo bei den altkemptischen Verben der Auslaut im Infinitiv entfällt (hau <haben>, gau <gehen>, lau <lassen>, stau <stehen>).[28] Die Abgrenzung zum Niederschwäbischen ermöglicht das mittelhochdeutsche „ei“ [ɛi] (neuhochdeutsch [ai]), welches zu oa nasaliert wird (ɛlɔ̃anig <alleine>, Gmɔ̃ad <Gemeinde>, Stɔ̃anr <Steine>, Schibɔ̃a [Schienbein]) im Gegensatz zum niederschwäbischen oi. Vor l, m und r konserviert sich das reine „e“ in kurzer Qualität (schellə <schälen>, aber schɛllə <schellen/läuten>).[28] Das „g“ hingegen verstummte teilweise, wie bei I wett me naalegge. (Ich wollte/möchte mich hinlegen.) zu I hau me naagle-it. (Ich habe mich hingelegt). Ein neuhochdeutsches ü wird oft durch i (schiirə <schüren>, Kiə <Kühe>) ausgedrückt, in kurzen Vokalen (vor „ck“) durch u (Kruckə <Krücken>) oder andere Laute (grɛa <grün>). Ein neuhochdeutsches ö wird meist e ausgesprochen (Rerle <Röhrlein/Trinkhalm>, Kepf <Köpfe>).
Als identitätsstiftendes Merkmal besitzt der lokale Dialekt eine starke Verbreitung. Verstärkte Binnenmigration lassen die sprachlichen Eigenarten verblassen.
Mineralbad
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nendingen verfügte einst über ein eigenes Mineralbad am Kesselbach.[29] Das Bad wurde an einen Bader verpachtet.
Nendinger Heimatlied
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zum 200. Jubiläum der Nendinger Kirche wurde 1955 vom Pfarrer Franz Deißler das Nendinger Heimatlied getextet, welches von Anton Freitag vertont wurde. Später wurde es vom Gemeinderat offiziell anerkannt und wurde daher früher zu bedeutenden Anlässen gespielt.
Wo Donauwellen fließen,
da liegt die Heimat mein.
Vom Berg die Felsen grüßen
im hellen Sonnenschein;
vom Bräunisberg und Hebsack schau’n
tiefdunkle Wälder in die Au’n:
Mein Nendingen im Donautal,
dich grüß’ ich tausendmal!
Du bist von Gott gegeben,
du schöne Heimat mein.
In dir nur kann ich leben,
kann hier nur glücklich sein.
Mein Herz, das singt, die Kehle klingt
und von der Lippe froh sich schwingt:
Mein Nendingen im Donautal,
Dich grüß ich tausendmal!
Mag rau die Sprache klingen,
ich bleib dir ewig treu!
Im Grunde ist’s ein Singen,
für uns ist’s immer neu!
Ob herb der Mensch euch auch erscheint,
froh lacht er, doch im Leid er weint.
Mein Nendingen im Donautal,
Dich grüß ich tausendmal!
Muss ich den Tod erleiden
und nach des Lebens Freud’
von Nendingen muss scheiden,
schenk Gott mir Seligkeit.
Wenn ich dann endlich Ruhe find’
dort bei der alten Friedhofslind’.
Mein Nendingen im Donautal,
Grüß ich zum letzten Mal!
Religion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2019 waren noch über 60 % der Nendinger Bevölkerung Katholiken. Bis 1945 lag die Quote noch bei 100 %,[30] da der Katholizismus in Nendingen eine lange Geschichte hat.
Katholische Kirche
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Nendingen gehört seit 1817 bzw. 1828 zur württembergischen Diözese Rottenburg (heute: Diözese Rottenburg-Stuttgart) und seit dessen Gründung 2006 zum untergeordneten Dekanat Tuttlingen-Spaichingen.
Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der liber decimationis erwähnt den ersten Pfarrer Nendingens 1239. Weitere Daten weisen darauf hin, dass in Nendingen schon früh eine Kirche stand: 1479 wird ein ewiger Jahrtag gestiftet, 1534 erwirbt man in Talheim den Hochaltar für die Nendinger Kirche, 1682 wird beim Bau des Kirchturms der untere Teil belassen. Aus diesem Jahr stammt auch das im Jahr 2001 restaurierte Turmkreuz, wie eine in der Turmkugel aufgefundene Urkunde belegt. Die Tauf-, Ehe- und Totenbücher bestehen seit 1654. Bis zu dessen Auslösung 1821 war die Gemeinde Teil des Bistums Konstanz. Dabei war sie Teil des Archidiakonates Rauhe Alb und des Dekanats Wurmlingen.
Die heutige Kirche St. Petrus und Jakobus maior wurde 1754/55 erbaut und zeigt barocken Baustil mit Anklängen an das Rokoko. Das Glockenhaus und der Turmaufsatz ist der Gotik und der Romanik zuzuordnen.
Außerhalb der Kirche, an der Südwestecke, schuf Professor Weiß aus Nürnberg im Jahre 1886 einen Ölberg mit lebensgroßen Figuren. Das Werk geht auf eine Stiftung zurück. Rechts vom Kirchenportal steht eine Statue des hl. Nepomuk, die daran erinnert, dass hier einmal eine Donaubrücke über den Fluss führte. Das stattliche Pfarrhaus ist ein Bau aus dem Jahre 1760. Baumeister war Gregorius Flaig aus Villingen. Zuletzt wurde es im Jahre 1979 restauriert und erhielt im Jahr 2001 einen neuen Fassadenanstrich.
Der Friedhof Nendingens ist 78 Hektar groß und für Gläubige aller Religionen als Bestattungsstätte frei. 1920 hat er Kriegsgefallenen-Denkmal erhalten. 2006 wurde er durch eine Urnenwand erweitert.
Im Jahre 1988 wurde das katholische Gemeindehaus „Bischof-Moser-Haus“ eröffnet.
Seit 2001 bildet die Nendinger Gemeinde „St. Petrus und Jakobus maior“ zusammen mit den Tuttlinger Gemeinden „St. Gallus“ und „Maria Königin“ die „Seelsorgeeinheit Tuttlingen-Nendingen“.
Nendingen liegt am Donau-Randen-Pilgerweg von Beuron über den Randen und Schaffhausen nach Einsiedeln.
Bruderschaft vom allerheiligsten Altarsakrament
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine Besonderheit Nendingens stellt die Bruderschaft vom allerheiligsten Altarsakrament dar.[31] Errichtet wurde sie von Papst Klemens XII. am 23. August 1736 zur besonderen Verehrung, Anbetung und des Wissens um das Altarsakrament, unter dem Pfarrer Benedikt Schuh. Außerdem sollte Ersatz für Beleidigungen und Irrglauben geleistet werden um die göttliche Gnade für eine glückselige Sterbestunde zu erhalten. Die Bruderschaft wurde noch einmal durch Johann Franz, damaliger Bischof von Konstanz am 30. August 1737 bestätigt. Durch den Eifer des folgenden Pfarrers Joseph Anton Mayers aus Rottweil wurde durch Papst Benedikt XIV. der vollkommene Ablass für das Titularfest bewilligt.
Stetten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Pfarrer von Nendingen war laut der ältesten amtlichen Statistik, dem „liber decimationis“ von 1275, außerdem der Seelsorger von Stetten. Darin eingeschlossen war die Beisetzung der Stettener Bürger in Nendingen. Dies änderte sich auch nicht 1492 als Stetten die St. Nikolaus-Kapelle von Friedrich von Ensberg gestiftet bekamen. Mit einem Vertrag von 1781 wurde die Zugehörigkeit Stettens auf Nendingen und Mühlheim verteilt. Diese Teilung endete erst 1812, als Stetten in die Stadtpfarrei Mühlheim eingepfarrt wurde und ab 1815 die Zehnten und die Geldzinse an Mühlheim gingen.
Ludwigstal
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach der Reformation gab es in der Stadt Tuttlingen lange Zeit keine katholische Kirche, sodass im Jahre 1698 der Württembergische Herzog Eberhard Ludwig den im Ludwigstal wohnenden Arbeitern die Erlaubnis gab, ihre Kinder im nahen Nendingen zu taufen und ihre Toten dort zu begraben. Im Jahre 1873 erfolgte schließlich die Umpfarrung in die neu errichtete Stadtpfarrei Tuttlingen.
Kapellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schwesternstation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nendingen besitzt eine Schwesternstation, die 1902 zur Krankenpflege und zur Kinderschule durch zwei Vinzentiner-Schwestern des Klosters Untermarchtal gegründet wurde. Der katholische Kindergarten „St. Vinzenzius“ existiert heute noch mit ungefähr 50 Kindern neben dem städtischen Kindergarten Nendingen. Bis 2010 waren die beiden Schwestern Anthia, als Mesnerin der Kirche, und Kreszentiana, innerhalb des Altenpflegedienstes „Diakonie“ tätig, in Nendingen. 2008 wurden die beiden Schwestern Anthia Peter und Kreszentiana Schips mit dem höchsten Tuttlinger Ehrengeschenk, dem „Kannitverstan“ ausgezeichnet.[32] Die zwei Jahre zuvor aufgegebene Schwesternstation wurde 2012 von Nonnen der indischen Missionsschwestern von der unbefleckten Empfängnis Mariens (MSMI) wiederbelebt.[33]
Evangelische Kirche
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Evangelische Bevölkerungsteile wanderten erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch Vertreibung aus Ostpreußen und Donauschwaben zu. Später folgte auch Zuzug aus umliegenden Gemeinden, sodass 1970 die evangelische Kirche „Krippe Christi“ erbaut wurde. Nendingen ist Teil des Kirchenbezirks Rottweil in der Prälatur Reutlingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Nendingen unterstand bis 2011 der Kirchengemeinde Mühlheim. Seit 2011 ist es der Kirchengemeinde Tuttlingen unterstellt.[34]
Weitere Glaubensgemeinschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Bevölkerungsanteil der Konfessionslosen nimmt wie in der gesamten Region kontinuierlich zu. Muslime besuchen die türkischen, bosniakische und albanische Moscheen in Tuttlingen. Juden steht die Synagoge der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg am Nägelesgraben in Rottweil zur Verfügung. Die Zeugen Jehovas von Nendingen sind wie die Mitglieder anderer Freikirchen (Evangelisch-methodistische Kirche, Neuapostolische Kirche) auf die Einrichtungen in Tuttlingen angewiesen.
Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nendingen gehört wie alle Orte des Landkreises zum Bundestagswahlkreis Rottweil – Tuttlingen und zum Landtagswahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen. Nendingen besteht aus den beiden Wahlbezirken Geschäftsstelle Nendingen und GS Donauschule Nendingen.
Kommunalpolitik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Ortsvorsteher von Nendingen heißt Daniel Milkau (CDU).
Politische Angelegenheiten, die sich ausschließlich auf Nendingen beziehen, werden durch den Nendinger Ortschaftsrat geregelt. Dieser besteht aus elf ehrenamtlichen Räten, einschließlich des Ortsvorstehers. Dieser bildet das Bindeglied zum Tuttlinger Gemeinderat und dem Oberbürgermeister. Bis zur Wahl 2019 hat Nendingen entsprechend der unechten Teilortswahl drei Räte in den Gemeinderat Tuttlingen entsendet. Diese Regelung wurde zur Wahl 2024 aufgehoben, wobei weiterhin eine Zuordnung der Kandidaten je Wohnbezirk stattfindet.[35] Bei der Kreistagswahl gehört Nendingen zum Wahlkreis 1 Tuttlingen, wobei die Aufstellung der Kandidaten nach Wahlkreis innerhalb des Landkreises gewählt werden kann.
Nach den Kommunalwahlen in Baden-Württemberg 2024 ergibt sich für den Nendinger Ortschaftsrat folgende Sitzverteilung[36]
- CDU: 7
- Freie Wähler: 4
Bei den Ortschaftsratswahlen gab es mit 14 Kandidaten auf 2 Listen eine historisch niedrige Bewerberzahl.[37] Daniel Milkau wurde zum neuen Ortsvorsteher gewählt und trat die Nachfolge von Franz Schilling an.
Bei der Gemeinderatswahl für die Stadt Tuttlingen wurden 6 Personen aus dem Wohnbezirk Nendingen (inklusive Altental gewählt). Von der CDU wurden 3 Nendinger von insgesamt 10 Personen in den Tuttlinger Gemeinderat gewählt, wobei 4 Nendinger auf der CDU-Liste mit insgesamt 31 Kandidaten standen (3/10; 4/31). Von der SPD (1/4; 4/27), FDP (1/2; 3/15) und AfD (1/3; 1/4) wurde je eine Person aus Nendingen gewählt. Keine Person kam von den Listen von LBU (0/7; 0/32), Freie Wähler (0/5; 2/27) und Tuttlinger Liste (0/1; 0/16) in den Tuttlinger Gemeinderat. In den Kreistag des Landkreises Tuttlingen wurden 2 Personen aus Nendingen gewählt.[38] Von der CDU (1/3; 2/16) kam eine Person aus Nendingen von insgesamt 3 CDU-Mandatsträgern aus dem Wahlkreis 1.[39] Von der FDP (0/1; 4/15) und SPD (0/1; 1/15) schaffte es keiner der Kandidaten ins Parlament. Freie Wähler (0/2; 0/16) und OGL (0/2; 0/16) hatten keine Nendinger Kandidaten auf der Wahlliste. Der Nendinger Kandidat für die AfD (0/2; 0/4) stellte sich im angrenzenden Wahlkreis 2 Mühlheim zur Wahl und errang dort als einziger Bewerber für die AfD ein Kreistagsmandat.
Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1999 bis 2019 war die Sitzverteilung während vier Wahlperioden (1999, 2004, 2009, 2014) mit 5 Mitgliedern von der CDU, 4 von den FW und 2 von der SPD gleich.[40] 2004 konnte die Bürgerinitiative „Wir für Nendingen“ nicht in das Kommunalparlament einziehen. Zwei Mitglieder der CDU wurden 2004 in den Kreistag des Landkreises Tuttlingen gewählt. 2009 wurde ein Nendinger Kandidat der SPD in den Kreistag gewählt. 2014 beendeten sechs der elf Ortschaftsräte, unter ihnen Ortsvorsteher Hans-Dieter Schwarz, ihre Tätigkeit aufgrund der tiefgreifenden Zerwürfnisse durch die Standortsuche des geplanten Heizerheimes.[41] Nach der Kommunalwahl 2014 hat Nendingen zwei Vertreter von der CDU und einen von der SPD in den Gemeinderat Tuttlingen entsendet. Ein Vertreter der Nendinger CDU war Mitglied des Kreisrats.
Nach den Kommunalwahlen 2019 setzte sich der Ortschaftsrat aus 6 Personen der CDU, 3 Personen der Freien Wähler und 2 Personen der SPD zusammen.[42] Die Tierschutzallianz um den deutschen Spitzenkandidaten der am selben Tag stattfindenden Europawahl konnte mit 3,7 % der Wählerstimmen nicht in den Ortschaftsrat einziehen, jedoch errang sie jeweils einen Sitz im Gemeinderat und im Kreisrat. 2019 wurde ferner ein Mitglied der Nendinger CDU in den Kreistag gewählt. Für den Gemeinderat Tuttlingen konnten sich zwei Vertreter der CDU und ein Vertreter der SPD qualifizieren.
Bürgermeister und Ortsvorsteher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten](bis 1918 Schultheiß, danach (erster) Bürgermeister, ab 1973 Ortsvorsteher)
| Jahr | Politiker |
|---|---|
| bis 1830 | Huber |
| 1830–1859 | Barnabas Mattes |
| 1859–1861 | Schwarz |
| 1861–1869 | Theobald Wolf |
| 1869–1902 | Konrad Schilling |
| 1902–1906 | Eugen Schwarz |
| 1906–1931 | Franz Xaver Mattes |
| 1931–1940 | Walter Johner |
| 1940–1941 | Karl Haid¹ |
| 1941–1945 | Xaver Schwarz² |
| 1945 | Carlen Bran³ |
| 1945–1962 | Theodor Schilling |
| 1962–1973 | Werner Präg |
| 1973–1975 | Alfred Schwarz |
| 1975–1980 | Georg Schwarz |
| 1980–2004 | Georg Betzler (CDU) |
| 2004–2014 | Hans-Dieter Schwarz (CDU) |
| 2014–2024 | Franz Schilling (CDU) |
| Seit 2024 | Daniel Milkau (CDU) |
¹ fällt 1941 im Krieg ² 1940–1945 als Stellvertretender Bürgermeister gewählt ³ kommissarisch
Wappen und Banner
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| Blasonierung: „In Blau ein goldenes (gelbes) Dreiecksschildchen, dessen Ecken in Dreipassform mit je einer goldenen (gelben) Lilie besteckt sind.“[43] | |
| Wappenbegründung: Das Nendinger Wappen geht auf Konrad von Nendingen zurück, dessen seit 1366 bekanntes Wappen ein mit drei Lilien bestecktes Schild zeigt. Die Farben dazu sind die Enzberger Farben blau und gold. Das Nendinger Wappen wurde am 17. September 1958 durch das baden-württembergische Innenministerium offiziell festgelegt. Empfohlen wurde das Wappen von der Archivdirektion Stuttgart, da es den Nendinger Ortsadel und die spätere Herrschaft unter den Enzbergs verbindet. |



