Erstmals entdeckt wurde Nealit in Mineralproben aus den Schlackenfeldern um die Gemeinde Lavrio in der griechischen Region Attika. Die Mineralprobe – es handelte sich um einen einzigen Kristall – befand sich in der Sammlung von Leo Neal Yedlin (1908–1997), einem Micromount-Mineralsammler aus New Haven (Connecticut), USA. Dieser machte die späteren Erstbeschreiber Pete J. Dunn und Roland C. Rouse um 1974 auf den leuchtend orangefarbenen Kristall aufmerksam und opferte die Probe bereitwillig für die nötigen Analysen.
Dunn und Rouse konnten feststellen, dass es sich bei dem Kristall um ein bisher unbekanntes Mineral handelte und benannten es nach dessen Entdecker als Nealit. Mit der Namensvergabe sollte auch dessen selbstlose und umfangreiche Beiträge an Mineralproben ehren, da Leo Neal Yedlin seine gesammelten Exemplare gern teilweise oder ganz opferte, wenn es für wissenschaftliche Studien notwendig war.
Dunn und Rouse sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1979 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1979-050[1]), die den Nealit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde im Folgejahr im Fachmagazin The Mineralogical Record veröffentlicht.
Da der Nealit erst 1979 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/J.03-050. Dies entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Arsenite (mit As3+)“, wo Nealit zusammen mit Finnemanit, Freedit, Georgiadesit, Rouseit und Trigonit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer IV/J.03 bildet.[3]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[8]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Nealit in die erweiterte Abteilung der „Arsenite, Antimonite, Bismutite, Sulfite, Selenite, Tellurite; Iodate“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen und Kristallwasser. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Arsenite, Antimonite, Bismutite; mit zusätzlichen Anionen, mit H2O“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 4.JD.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Nealit die System- und Mineralnummer 46.01.06.01. Das entspricht der Klasse der „Antimonate, Antimonite und Arsenite“ und dort der Abteilung „Basische oder halogenhaltige Antimonite und Arsenite“. Hier findet er sich als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 46.01.06.[9]
Als seltene Mineralbildung konnte Nealit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher rund 20 Fundorte (Stand 2025)[10] bekannt sind.
An seiner Typlokalität, den Schlackenfundstellen in der Umgebung der Gemeinde Lavrio, konnte das Mineral an folgenden Fundpunkten entdeckt werden: Agios Nikolaos (St. Nicholas), Lavrio Hafen, Oxygon, Panormos, Passa Limani, Posidonia, Sounion, Thorikos und Vrissaki.
Pete J. Dunn, Roland C. Rouse:Nealite a new mineral from Laurion, Greece. In: The Mineralogical Record. Band11, 1980, S.299–301 (englisch, rruff.info[PDF; 2,4MB; abgerufen am 4.Mai 2025]).
G. Giuseppetti, F. Mazzi, C. Tadini:The crystal structure of nealite: Pb4Fe(AsO3)2Cl4·2H2O. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. 1993, S.278–288 (englisch).
F. Pertlik, G. Schnorrer:A re-appraisal of the chemical formula of nealite, Pb4Fe(AsO3)2Cl4·2H2O on the basis of a crystal structure determination. In: Mineralogy and Petrology. Band48, 1993, S.193–200 (englisch, rruff.info[PDF; 407kB; abgerufen am 4.Mai 2025]).
John Leslie Jambor, Edward S. Grew:New mineral names. In: American Mineralogist. Band79, 1994, S.387–391;hier:391, New Data. Nealite (englisch, rruff.info[PDF; 926kB; abgerufen am 4.Mai 2025]).
Nealite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 4.Mai 2025(englisch).
123456Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.270 (englisch).
12Pete J. Dunn, Roland C. Rouse:Nealite a new mineral from Laurion, Greece. In: The Mineralogical Record. Band11, 1980, S.299–301 (englisch, rruff.info[PDF; 2,4MB; abgerufen am 4.Mai 2025]).
↑Nealite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 4.Mai 2025(englisch).
↑Richard V. Gaines, H. Catherine Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason und Abraham Rosenzweig:Danas New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, 1997, ISBN 0-471-19310-0 (englisch).