Rialto mit Kirche Sv. Ivan Kristitelj (Hl. Johannes der Täufer)
Motovun (italienischMontona) ist eine Stadt im Norden Istriens, die somit im Westen Kroatiens liegt. Sie erhebt sich 277m über dem Meer auf einem steilen, isolierten Hügel über dem Tal der Mirna.
Das historische Städtchen zählt heute etwa 500Einwohner; gemeinsam mit den Siedlungen Brkač/Bercaz, Kaldir/Caldier und Sveti Bartol/San Bartolo zählt sie 912 Einwohner (gemäß Volkszählung 2021), die hauptsächlich von Tourismus, Weinbau und Landwirtschaft leben.
Die Gegend um Motovun/Montona war früh besiedelt. Vorrömischen Völkern diente der Hügel als Fluchtburg. Zur Zeit der Römer nannte sich die Siedlung „Montana“, ähnlich wie sie heute noch im Italienischen heißt. Nach dem Niedergang des weströmischen Reichs gegen Ende des 5. Jahrhunderts war Montona Teil des Byzantinischen Reichs, zeitweise stand die Stadt unter dem Einfluss der Langobarden, dann der Franken.
Vom 10. bis ins 13.Jahrhundert stand die entstehende Stadt abwechselnd unter der Herrschaft der Bischöfe von Poreč/Parenzo, bzw. der Patriarchen von Aquileia. Im Jahr 1278 kam Montona in venezianischen Besitz, in dem es bis zum Ende der venezianischen Republik im Jahr 1797 verblieb.
Nach der Selbstauflösung der Republik Venedig im Jahr 1797 und durch die Gründung des Königreich Italiens im Jahr 1805 geriet Motovun-Montona – wie ganz Istrien – unter die Herrschaft Napoleons. Beim Wiener Kongress 1815 wurde die Region Illyrien den Habsburgern unterstellt.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie gehörte die Region Istrien durch den Vertrag von Saint-Germain einige Jahre zu Italien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Istrien und somit Motovun/Montona ein Teil von Jugoslawien. In der Folge verließ die – überwiegend italienische – Bevölkerung die Stadt.
Die venezianische Herrschaft gab Motovun/Montona das heutige architektonische Gepräge. Die Stadt ist ein kultur- und architekturgeschichtlich bedeutsames Ensemble. Sie ist zur Gänze von einem um 1300 erbauten inneren und einem im 16. bis ins 17. Jahrhundert errichteten, äußeren Mauerring mit Wehrtürmen und Stadttoren umgeben. Unter der Festung entstand eine Vorstadt.
Von der Ebene der Mirna/Quieto hinaufkommend, auf der Höhe der Friedhofskirche St. Margaretha (Crkva Sv. Margerite), erbaut im Jahr 1818, steht der Besucher am Beginn der Gradiziol (auch Stjepana Beletića genannt), einer schmalen mit unebenen Steinplatten belegten engen Gasse, entlang der während der Tourismussaison mehrere Geschäfte ihre lokalen Produkte (Olivenöl, Weine, Trüffel) zum Kauf anbieten. Gleich zu Beginn dieser zum inneren Stadtkern hinaufführenden Gasse steht die Kirche der Serviten der Heiligen Jungfrau Maria (Crkva Blažene Djevice Marije dei Servi) aus dem Jahre 1585.
Durch den im 14. Jahrhundert errichteten Renaissance-Stadtturm (Toranj novih vrata) führt das doppelte äußere Stadttor, geschmückt mit den Wappen bedeutender Patrizierfamilien, auf den äußeren Platz (Piazza de Soto, heute Trg Josef Ressel) zwischen den beiden Mauerringen. Hier befindet sich an die westliche Stadtmauer angelehnt die im 17. Jahrhundert errichtete Stadtloggia. Ein weiteres Stadttor, das gotische Innere Stadttor (Vrata kaštela), führt hinauf auf den Hauptplatz. Der Platz zwischen den beiden Stadttoren dient heute vor allem als Gartenterrasse dreier Gaststätten. Nach Westen mit Blick über die Stadtmauer hinaus bietet sich eine Aussicht hinunter ins Mirnatal. Auf der Ostseite des Platzes, zwischen den beiden Stadttoren, thront die Westfassade des Podestà-Palasts. Dieser Kommunalpalast gilt als eines der größten weltlichen Gebäude Motovuns aus der damaligen Zeit.
Der große Hauptplatz Trg Andrea Antico, benannt nach dem in Motovun-Montona geborenen Komponisten Andrea Antico, mit dem Gebäudeensemble aus dem 14. bis 17. Jahrhundert, wird von einem zinnengekrönten Wehrturm aus dem 13.Jahrhundert überragt. Der freistehende Glockenturm gehört zur dreischiffigen St. Stephanskirche (Sveti Stjepan) aus dem frühen 17. Jahrhundert, erbaut nach Plänen des venezianischen Architekten Andrea Palladio oder eines seiner Schüler. Auf der Westseite des Platzes, gegenüber der Stephanskirche, befindet sich die Ostfassade des Kommunalpalastes (Podestà Palast). Am nördlichen Ende des Platzes, vor dem Basiliscos Haus, befindet sich ein im 15. Jahrhundert erbauter, von einem Stadtwappen gezierter Brunnen mit Zisterne.
Der Polesini-Palast, angrenzend an den südlichen Teil des Platzes, dient heute als Hotel. Der Brunnen vor dem Hotel aus dem Jahr 1330 trägt das älteste Stadtwappen des Ortes sowie eine Darstellung des venezianischen Löwens.
Motovun/Montona gilt als die Stadt des Veli Jože (deutsch „Großer Sepp“), eines gutmütigen Riesen, der als Sagenfigur überregional bekannt ist und vielfältige literarische Bearbeitung, so unter anderem vom kroatischen Dichter Vladimir Nazor, erfahren hat.
Unterhalb von Motovun/Montona, entlang der Flüsse Mirna und Botonega, erstreckt sich der Wald von Motovun, eine der bekanntesten Fundstellen der begehrten Weißen Trüffel (Tuber magnatum Pico) in Istrien.[2] Das Tal der Mirna mit dem Wald von Motovun erstreckt sich 25 km von Ost nach West und hat eine Breite von 1 bis 1,5 km.[3] Es bildet sich im Tal häufig Nebel, und der Wald selbst wird periodisch überschwemmt oder hat hoch anstehendes Grundwasser, welches zur Versumpfungen führt. Der Wald wächst auf epigleyischen (Vergleyung nahe der Oberfläche) Mineralkarbonatböden.[3] Der Wald ist ein submediterraner Eichen-Hainbuchenwald (Querco roboris-Carpinetum betuli submediterraneum Bert. 1968; Verband: Erythronio-Carpinion (Horvat 1958) Marincek in Wallnöfer et al. 1993) mit den Charakterarten Stieleiche (Quercus robur), Schmalblättrige Esche (Fraxinus angustifolia), Feldulme (Ulmus minor).[3] Dieser Waldtyp ist nur noch an drei Orten im mediterranen Raum erhalten.[4] Die Republik Venedig und Österreich-Ungarn nutzten das Holz, wodurch der Wald als solcher erhalten blieb und nicht in Ackerland umgewandelt wurde, was sonst üblich ist für Karsttäler.[3][5] Im Jahr 1963 wurden 275 Hektar vor der Mirnaschlucht Richtung Buzet unter Schutz gestellt.[3][4] Nach 1974 wurde die Mirna begradigt und eingedeicht (vgl. Abb. 143[5]). Mittlerweile ist die Ulme aufgrund des Ulmensterbens stark reduziert, und der Bodenwasserhaushalt wird gestört durch den Bau der Straße, die Begradigung der Mirna und des Botonega sowie durch den Staudamm im Botonega-Tal.[4] Heute ist der westliche Teil feuchter als der östliche und ist von jungen Eschen dominiert.[6] Im östlichen Teil dominieren Stieleiche und Schmalblättrige Esche, und die Hainbuche (Carpinus betulus) kommt vor.[6] Die Trüffelsuche ist eine Hauptnutzung des Waldes.[4]
Die Verwaltungsgemeinde (kroat. općina) Motovun / Montona setzt sich aus vier Siedlungen (kroat. naselje) zusammen, die wiederum in mehrere Dörfer (kroat. selo) unterteilt sind:
12345Stjepan Betrovic:The Mirna River Valley and Motovun Forest in Istria (Croatia). In: Phytocoenologia. Band2, Nr.3/4, 20.Mai 1975, ISSN0340-269X, S.329–335.
12Ivo Horvat, Vjekoslav Glavač, Heinz Ellenberg:Vegetation Südosteuropas =: Vegetation of Southeast-Europe (=Geobotanica selecta; Bd. 4). G. Fischer, Stuttgart 1974, ISBN 978-3-437-30168-1.Fehler in Vorlage:Literatur–*** Parameterproblem: Dateiformat/Größe/Abruf nur bei externem Link
12Mirjana Žiljak, Zrinka Mesić, Marina Škunca, Luka Škunca, Ana Đanić:Analysis of forest vegetation types in Motovun forest (Istria) (Poster). In: 6th Balkan Botanical Congress. Rijeka 2015 (englisch, researchgate.net).