Mortimer Zuckerman

Mortimer „Mort“ Benjamin Zuckerman (* 4. Juni 1937 in Montreal) ist ein kanadisch-US-amerikanischer Medienunternehmer und Investor. Er ist Mitbegründer, Vorstandsvorsitzender und ehemaliger CEO von Boston Properties, einem der größten Immobilieninvestmentfonds in den USA. Zuckerman ist zudem Eigentümer und Herausgeber des U.S. News & World Report sowie dessen Chefredakteur. Zuvor besaß er die New York Daily News, The Atlantic und Fast Company. Im Mai 2026 wurde sein Vermögen auf 2,6 Milliarden US-Dollar geschätzt.[1]
Biografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Herkunft und Ausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zuckerman wurde am 4. Juni 1937 in Montreal, Quebec, als Sohn von Esther und Abraham Zuckerman geboren, die einen Tabak- und Süßwarenladen besaßen.[2] Seine Familie ist jüdisch, und sein Großvater war ein orthodoxer Rabbiner.[3] Er schloss sein Studium an der McGill University 1957 mit einem B.A. und 1961 mit einem Bachelor of Civil Law (B.C.L.) ab, legte jedoch nie das Anwaltsexamen ab, da er mehr Interesse am Finanzwesen zeigte. Im selben Jahr schrieb sich Zuckerman an der Wharton School der University of Pennsylvania in Philadelphia ein, wo er einen M.B.A. mit Auszeichnung erwarb.[4][2] 1962 erhielt er einen LL.M. von der Harvard Law School.[5] Nach seinem Abschluss blieb Zuckerman neun Jahre lang als außerordentlicher Professor an der Harvard Business School. Außerdem lehrte er an der Yale University.
Karriere als Unternehmer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zuckerman war sieben Jahre lang bei der Immobilienfirma Cabot, Cabot & Forbes tätig, wo er zum Senior Vice President und Chief Financial Officer aufstieg. 1970 gründete er gemeinsam mit Edward H. Linde das Unternehmen Boston Properties, was Büroimmobilien entwickelt.[2][5] 1987 wurde das Unternehmen in einen Real-Estate-Investment-Trust umgewandelt.
Im Jahr 1980 erwarb er die Literaturzeitschrift The Atlantic, deren Vorsitzender er von 1980 bis 1999 war. Im Jahr 1999 verkaufte er die Zeitschrift für 12 Millionen US-Dollar an David G. Bradley. Während er noch Eigentümer des Atlantic Monthly war, kaufte Zuckerman 1984 den U.S. News & World Report, dessen Chefredakteur er bis heute ist. 1993 erwarb er die New York Daily News, die er bis 2017 leitete, als er die Zeitung an Tronc verkaufte.[6]
Bei der Finanzkrise 2007 gehörte Zuckerman zu den Geschädigten des Anlagebetrügers Bernard L. Madoff.[7] Zuckerman gilt als Mentor und enger Vertrauter von Daniel M. Snyder und war ein Investor in dessen Unternehmen Snyder Communications. Zuckerman war außerdem Investor in Bain Capital.
Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zuckermans Parteizugehörigkeit hat sich im Laufe der Zeit, seit den späten 1970er Jahren, immer wieder geändert. Er äußert sich regelmäßig zu politischen Themen in den Meinungskolumnen seiner Publikationen. Als langjähriger Unterstützer der Demokratischen Partei unterstütze er Barack Obama bei der US-Präsidentschaftswahl 2008. Am 12. Juli 2010 erklärte Zuckerman in einem Interview, er habe an der Ausarbeitung einer der politischen Reden von Präsident Barack Obama mitgewirkt, was von Obamas Redenschreibern dementiert wurde.[8] 2010 gab es Spekulationen über ein Bewerbung als US-Senator für New York, er entschied sich jedoch dagegen, anzutreten.[9]
Von den Politikwissenschaftlern John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt wurde Zuckerman als Teil der Israel-Lobby identifiziert.[10] Zwischen 2001 und 2003 war Zuckerman Vorsitzender der Conference of Presidents of Major American Jewish Organizations. In der Regel versucht der Nominierungsausschuss, eine Person auszuwählen, die sowohl angesehen als auch unumstritten ist. Zuckerman stieß jedoch bei liberalen jüdischen Gruppierungen auf breiten Widerstand.[11] George W. Bush berief Zuckerman in die Ehrendelegation, die ihn im Mai 2008 zur Feier des 60. Jahrestags des Staates Israel nach Jerusalem begleitete.[12]
Philanthropie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Mai 2004 sagte Zuckerman der Harvard-Universität 10 Millionen Dollar zur Finanzierung von Stipendien für Studierende zu.[13] Im Mai 2006 sagte Zuckerman 100 Millionen Dollar aus seinem gemeinnützigen Stiftungsvermögen für die neue Krebsforschungsanlage des Memorial Sloan Kettering Cancer Center zu. Seine Spende war die größte Einzelspende einer Privatperson in der Geschichte des Memorial Sloan Kettering.[14]
Im Dezember 2012 sagte Zuckerman 200 Millionen Dollar für die Gründung des „Mortimer B. Zuckerman Mind Brain Behavior Institute“ an der Columbia University zu.[15]
Sonstige Aktivitäten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zuckerman ist Mitglied im Kuratorium mehrerer Bildungs- und privater Einrichtungen, darunter die New York University, das Aspen Institute, das Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, der Hole in the Wall Gang Fund und das Center for Communications. Er ist bzw. war Mitglied im Nationalen Beirat von JPMorgan Chase, im Council on Foreign Relations, im Washington Institute for Near East Policy und im International Institute for Strategic Studies.[5]
1994 nahm er an der Bilderberg-Konferenz in Helsinki teil.[16]
Privatleben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zuckerman hatte Beziehungen mit u. a. Nora Ephron, Arianna Huffington und Gloria Steinem. 1996 heiratete Zuckerman Marla Prather, eine Kuratorin der National Gallery of Art.[17] Er und Prather haben eine gemeinsame Tochter namens Abigail.[18] Das Paar ließ sich 2001 scheiden.[19] Zuckermans zweite Tochter, Renee Esther, wurde am 19. Dezember 2008 geboren. Zuckerman war zu diesem Zeitpunkt 71 Jahre alt; die Mutter ist nicht bekannt.[20]
Zuckerman trug zusammen mit einer Reihe weiterer namhafter Persönlichkeiten zu einem Geburtstagsbuch mit Briefen anlässlich des 50. Geburtstags von Jeffrey Epstein bei.[21] Zuckerman wurde als einer der Kunden von Jeffrey Epstein identifiziert, der Epstein zwischen 2013 und 2015 – Jahre nach Epsteins Verurteilung wegen Sexualdelikten an Kindern – Millionen von Dollar für Nachlassplanung und Finanzdienstleistungen gezahlt hatte.[22]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Mortimer Zuckerman. In: Forbes. Abgerufen am 8. Mai 2026 (englisch).
- 1 2 3 Mortimer Zuckerman: Two Voices, But Both Talking About Himself. 23. Juli 2009, abgerufen am 8. Mai 2026 (britisches Englisch).
- ↑ Current Biography Yearbook. H. W. Wilson Company, 1990 (google.de [abgerufen am 8. Mai 2026]).
- ↑ Braden Kelner: Multifaceted Real Estate And Media Magnate: Mortimer B. Zuckerman, WG '61. In: Wharton Magazine. 1. Juli 2007, abgerufen am 8. Mai 2026 (amerikanisches Englisch).
- 1 2 3 Boston Properties: Corporate Governance: Board of Directors: Mortimer B. Zuckerman. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 23. August 2006; abgerufen am 8. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Sydney Ember, Andrew Ross Sorkin: The Daily News, a Distinctive Voice in New York, Is Sold. In: The New York Times. 4. September 2017, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 8. Mai 2026]).
- ↑ DAILY NEWS OWNER MORT ZUCKERMAN MADOFF VICTIM - New York Post. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 22. März 2009; abgerufen am 8. Mai 2026.
- ↑ Ben Smith: Zuckerman's contribution. 13. Juli 2010, abgerufen am 8. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Ben Smith: Mort's out. 2. März 2010, abgerufen am 8. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Kalb Upbraids Harvard Dean Over Israel | The New York Sun. 21. März 2006, abgerufen am 8. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Opposition grows to publisherchairing top Jewish organization
- ↑ Bush Visit May Boost Olmert | The New York Sun. 13. Mai 2008, abgerufen am 8. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Magazine Owner Gives $10M For Aid | News | The Harvard Crimson. Abgerufen am 8. Mai 2026.
- ↑ MSKCC Receives Record Gift of $100 Million from Mortimer B. Zuckerman for Cancer Research Facility | Memorial Sloan Kettering Cancer Center. Abgerufen am 8. Mai 2026.
- ↑ With $200 Million Gift, Mortimer B. Zuckerman Endows Mind Brain Behavior Institute at Columbia. 6. Mai 2026, abgerufen am 8. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Public Intelligence: 1994 Bilderberg Meeting Participant List | Public Intelligence. 14. Februar 2010, abgerufen am 8. Mai 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Marla Prather, Mortimer Zuckerman. In: The New York Times. 29. September 1996, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 8. Mai 2026]).
- ↑ Thomas Heath: An interview with Mortimer Zuckerman: How he succeeds in real estate. In: The Washington Post. 29. November 2013, ISSN 0190-8286 (washingtonpost.com [abgerufen am 8. Mai 2026]).
- ↑ Blair Golson: Munificent Mortimer. In: Observer. 1. Juli 2002, abgerufen am 8. Mai 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Mort Zuckerman Welcomes Second Daughter, Renee Esther
- ↑ Trump and Clinton named. Here’s who else is allegedly in Epstein’s birthday book. 26. Juli 2025, abgerufen am 8. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Giacomo Tognini: New Details On How Jeffrey Epstein Got So Rich. In: Forbes. (forbes.com [abgerufen am 8. Mai 2026]).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Zuckerman, Mortimer |
| ALTERNATIVNAMEN | Zuckerman, Mortimer Benjamin (vollständiger Name); Zuckerman, Mort |
| KURZBESCHREIBUNG | kanadisch-US-amerikanischer Medienunternehmer und Investor |
| GEBURTSDATUM | 4. Juni 1937 |
| GEBURTSORT | Montreal |