Maldonit kristallisiert im kubischen Kristallsystem, konnte bisher jedoch nur in Form körniger bis derber Massen oder dünner Überzüge gefunden werden. Häufig findet er sich in polierten Dünnschliffen auch zerfallen in eine überwiegend grobe myrmekitischen (wurmförmigen) Verwachsung von Gold und Bismut, in denen Maldonitkörner oder von Maldonit umrandete Goldkörner eingeklemmt sind.[4] Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig und auf frischen Oberflächen von silbergrauer Farbe mit rosafarbener Tönung und einem metallischen Glanz. Mit der Zeit laufen die Oberflächen jedoch oxidierend an und werden kupferrot bis schwarz.
Entdeckt wurde das Mineral zuerst 1869 von Georg Ulrich im Nuggety Reef bei Maldon im australischen Bundesstaat Victoria. Ulrich benannte das Mineral nach dessen Typlokalität als Maldonit (alternativ aber auch als Wismuthgold) und veröffentlichte seine Erstbeschreibung 1870 in seinem Werk Contributions to the Mineralogy of Victoria.
Da der Maldonit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Maldonit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[6] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Maldonit lautet „Mdo“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[7]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Maldonit die System- und Mineralnummer 01.01.03.01. Dies entspricht der Klasse und gleichnamigen Abteilung der „Elemente“, wo das Mineral als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 01.01.03 innerhalb der Unterabteilung „Elemente: Metallische Elemente außer der Platingruppe“ zu finden ist.
In der idealen, stoffreinen Zusammensetzung von Maldonit (Au2Bi) besteht das Mineral aus Gold (Au) und Bismut (Bi) im Stoffmengenverhältnis von 2:1. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 65,34Gew.-%Au und 34,66Gew.-%Bi.[9]
Bei natürlichen Mineralbildungen von Maldonit kann diese Zusammensetzung je nach Bildungsbedingungen und Stofftransport in geringem Umfang schwanken. So ergaben die Analysen der Mineralproben aus dessen Typlokalität eine leicht abweichende Zusammensetzung von 65,12Gew.-%Au und 34,88Gew.-%Bi, was mit der empirischen Formel Au1,99Bi0,99 korrespondiert. Die Elektronenstrahlmikroanalyse von chemisch ähnlichem Material aus der 2004 geschlossenen Goldmine bei Salsigne[10] im französischen Département Aude (Okzitanien) wich mit einer Zusammensetzung von 63,80Gew.-%Au und 36,80Gew.-%Bi (empirische Formel: Au1,94Bi1,06) etwas stärker von der theoretischen Idealzusammensetzung ab.[4]
Die Verbindung Au2Bi lässt sich durch Zusammenschmelzen der entsprechenden Gold- und Bismut-Anteile leicht synthetisch herstellen.[5]
EMS-Aufnahme der Phasen Maldonit, Bismut, Bismuthinit, Pyrit und Au-Ag in Quarz aus der Goldmine Ädelfors. Auffällig ist die Anordnung in sog. Trails, vermutlich ehemalige Risse.
Als seltene Mineralbildung konnte Maldonit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 120 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2025). Außer an seiner Typlokalität im Nuggety Reef trat das Mineral im Bundesstaat Victoria noch im nahe gelegenen Parkins Reef und in der Eaglehawk Mine bei Maldon auf. Weitere bekannte Fundorte in Australien sind Burraga, Kingsgate und Cobar in New South Wales, Chillagoe und Mount Biggenden in Queensland, Bannister, Paterson Orogen und Marvel Loch in Western Australia sowie Moina und Rosebery auf Tasmanien.
In Deutschland fand sich Maldonit bisher nur an einer unbenannten Seifenlagerstätte in Niederbayern und in der ehemaligen, aber aufgelassenen Schachtpinge Güttingloch bei Oberviechtach im Oberpfälzer Landkreis Schwandorf. Vorkommen in Österreich und der Schweiz sind bisher nicht bekannt.[11]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grönland, Indien, Iran, Italien, Japan, Kanada, Mali, Marokko, Mauretanien, Namibia, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden (Ädelfors[12]), Simbabwe, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tschechien, der Ukraine, Usbekistan, und den Vereinigten Staaten von Amerika (Alaska, Idaho, Kalifornien, North Carolina).[11]
George H. F. Ulrich:Contributions to the Mineralogy of Victoria. John Ferres, Melbourne 1870, S.4, Maldonite or bismuthic gold (englisch, online verfügbar bei archive.org– Internet Archive[abgerufen am 19.November 2025]).
T. Jurriaanse:The crystal structure of Au2Bi. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band90, 1935, S.322–329 (englisch, Digitalisat (Memento vom 8. Juli 2024 im Internet Archive) [PDF; 687kB; abgerufen am 19.November 2025]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.58.
123456789
Maldonite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 51kB; abgerufen am 19.November 2025]).
12Paul Ramdohr:Die Erzmineralien und ihre Verwachsungen. 4., bearbeitete und erweiterte Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 1975, S.366.