Löllingit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt prismatische Kristalle, kommt aber auch in Form massiger Aggregate vor. Das Mineral ist undurchsichtig und zeigt auf den Oberflächen der in frischem Zustand silberweißen Proben einen metallischen Glanz. An der Luft laufen diese nach einiger Zeit grau an. Der frische Mineralbruch hat eine hellere Farbe als der ansonsten ähnliche Arsenopyrit.
Benannt wurde Löllingit 1845 durch Wilhelm Ritter von Haidinger nach dessen Typlokalität (erstem Fundort) Lölling im österreichischen Bundesland Kärnten. Bekannt war das Mineral aber bereits früher unter den Bezeichnungen Arseneisen[2], Arsenikalkies (nach Weiß)[2] und Axotomer Arsenikkies.[9]
Da der Löllingit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Löllingit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[12] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Löllingit lautet „Lö“.[1]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Löllingit die System- und Mineralnummer 02.12.02.09. Auch dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:2“ in der „Markasitgruppe (Orthorhombisch: Pnnm)“, in der auch Markasit, Ferroselit, Frohbergit, Hastit, Mattagamit, Kullerudit, Omeiit, Anduoit, Seinäjokit, Safflorit, Rammelsbergit und Nisbit eingeordnet sind.
Als Glaukopyrit wird eine cobalthaltigeVarietät des Löllingit bezeichnet.[14] Es besteht eine Mischbarkeit mit dem Safflorit, CoAs2[8] Allerdings ist diese Mischbarkeit nicht vollständig. Ebenfalls kann Eisen teilweise gegen Nickel ausgetauscht werden und Arsen gegen Schwefel.[15]
Derber Löllingit aus der Nine Mile Mine, Broken Hill, Yancowinna County, New South Wales, Australien (Größe: 4,6 × 3,2 cm)Buntfarbig angelaufener Löllingit aus Hebron, Oxford Co., Maine, USA (Größe: 2 cm)
Als eher seltene Mineralbildung kann Löllingit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher fast 900 Vorkommen dokumentiert (Stand 2024).[16] Neben seiner Typlokalität Lölling trat das Mineral in Österreich unter anderem noch an mehreren Orten am Hüttenberger Erzberg, bei St. Martin am Silberberg, an der Saualpe und am Markogel bei Villach in Kärnten; am Schlossberg bei Gloggnitz in Niederösterreich; im Gasteinertal und am Rotgüldensee in Salzburg sowie am Semmering Basis Tunnel (Semmering-Pass) bei Dürrhof, an den Vetternspitzen und an der Zinkwand in den Schladminger Tauern auf.
Weitere Fundorte sind unter anderem in Ägypten, Australien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Finnland, Frankreich, Georgien, Ghana, Griechenland, Grönland, Guinea, Indien, Iran, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Kirgisistan, Korea, Kosovo, der Demokratischen Republik Kongo, Marokko, Mexiko, der Mongolei, Namibia, Norwegen, Pakistan, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tschechien, Tadschikistan, der Ukraine, Ungarn im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[17]
August Breithaupt:Ueber die in der Natur vorkommenden Arseneisen. In: Annalen der Physik und Chemie. Band24. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1841, S.265–267 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 17.Juli 2024]).
Wilhelm Haidinger:Handbuch der Bestimmenden Mineralogie. Braumüller und Seidel, Wien 1845, S.559, Zweite Klasse: Geogenide. XIII. Ordnung. Kiese II. Arsenikkies. Lölingit (rruff.info[PDF; 246kB; abgerufen am 17.Juli 2024]).
Arne Kjekshus, Trond Rakke, Arne F. Andresen:Compounds of the marcasite type crystal structure. IX. Structural data for FeAs2, FeSe2, NiAs2, NiSb2, and CuSe2. In: Acta Chemica Scandinavica. A28, 1974, S.996–1000, doi:10.3891/acta.chem.scand.28a-0996 (englisch, actachemscand.org[PDF; 568kB; abgerufen am 17.Juli 2024]).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band54, 1969, S.1495–1499, S. 1497: New Data. Safflorite–Loellingite (englisch, rruff.info[PDF; 324kB; abgerufen am 17.Juli 2024]).
Martin Okrusch, Siegfried Matthes:Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. vollständige überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer Verlag, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-540-23812-3, S.40.
Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S.47 (Dörfler Natur).
Löllingite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 17.Juli 2024(englisch).
123456Hans Lüschen:Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S.176,265.
↑Wilhelm Haidinger:Handbuch der Bestimmenden Mineralogie. Braumüller und Seidel, Wien 1845, S.559, Zweite Klasse: Geogenide. XIII. Ordnung. Kiese II. Arsenikkies. Lölingit (rruff.info[PDF; 246kB; abgerufen am 17.Juli 2024]).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.108 (englisch).
123456
Löllingite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 60kB; abgerufen am 16.Juli 2024]).
↑August Breithaupt:Ueber die in der Natur vorkommenden Arseneisen. In: Annalen der Physik und Chemie. Band24. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1841, S.265–267 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 17.Juli 2024]).
↑Glaucopyrite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 17.Juli 2024(englisch).
↑Skage R. Hem, Emil Makovicky:The system Fe–Co–Ni–As–S. II. phase relations in the (Fe,Co,Ni)As1,5S0,5 section at 650° and 500°C. In: The Canadian Mineralogist. Band42, 2004, S.63–86 (englisch, rruff.info[PDF; 1,7MB; abgerufen am 17.Juli 2024]).
↑Localities for Löllingite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 17.Juli 2024(englisch).
12
Fundortliste für MineralName beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 17. Juli 2024.