Mercedes-Benz OM 4xx
| Mercedes-Benz | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
Mercedes-Benz OM403A im Antriebsblock eines Spähpanzer Luchs | ||||||
| Motorenbaureihe OM 40x (OM 401, OM 402, OM 403, OM 404) | ||||||
| Produktionszeitraum | seit 1970 | |||||
| Hersteller | Mercedes-Benz | |||||
| Funktionsprinzip | Diesel | |||||
| Motorenbauform | Reihen- und V-Motoren | |||||
| Zylinder | R5, R6, V6, V8, V10, V12 | |||||
| Ventilsteuerung | OHV | |||||
| Hubraum | 9.204–20.911 cm³ | |||||
| Gemischaufbereitung | Direkteinspritzung | |||||
| Motoraufladung | Saugmotor, turbogeladen mit oder ohne Ladeluftkühlung | |||||
| Kühlsystem | Wasserkühlung | |||||
| Leistung | 120–370 kW | |||||
| Vorgängermodell | OM 300 (groß) | |||||
| Nachfolgemodell | OM 42x, OM 44x | |||||
| Baumuster | Zylinder | Hubraum [cm³] | Bohrung × Hub [mm] | Leistung [kW (PS) bei min−1] | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| OM 401 | V6 | 9.572 | 125 × 130 | 141 (192) bei 2500 | |
| OM 402 | V8 | 12.763 | 188 (256) bei 2500 | 834 Nm bei 1400 min−1 | |
| OM 403 | V10 | 15.953 | 235 (320) bei 2500 | 1010 Nm bei 1500 min−1 | |
| OM 404 | V12 | 20.911 | 125 × 142 | 316 (430) | |
| OM 404 A | |||||
| OM 409 | R5 | 125 × | |||
| OM 409 LA | 9.204 | 125 × 150 | |||
| OM 407 | R6 | 125 × | |||
| OM 407 LA | |||||
| OM 407h | R6 liegend | ||||
| OM 407h A | |||||
| 2. Serie | |||||
| OM 401 LA | V6 | 9.572 | 125 × 130 | 180 (245) | 1991–1994 Euro I |
| 200 (272) | |||||
| 230 (313) | |||||
| OM 402 LA | V8 | 12.763 | 280 (381) | ||
| Die Leistungsangaben der 2. Serie basieren auf ISO und sind ca. 7,3 kW (10 PS) höher als die älteren DIN-Angaben. | |||||
MAN
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Über eine Entwicklungsgemeinschaft zwischen Daimler-Benz und MAN im Vorfeld der 1969 erfolgten Beteiligung von MAN an MTU ist nichts bekannt, die neuen Motoren wurden im selben Jahr auf der IAA vorgestellt und im Folgejahr geliefert. Der gemeinsame Werbesprech dazu lautete: „Gemeinschaftlich entwickelt und gefertigt“. Tatsache ist, dass diese Zusammenarbeit beiden Firmen geholfen hatte, beide konnten die neuen V-Motoren nutzen, die Motoren waren in der Herstellung bis auf wenige Teile wie Kolben und Einspritzdüsen gleich (MAN nutzte damals noch das M-Verfahren, Mercedes-Benz damals wie heute Direkteinspritzung). MAN bevorzugte turbogeladene Sechszylindermotoren über die V-Motoren, während Daimler-Benz sich verpflichtet hatte, den ‚gemeinsamen Reihensechszylinder‘ nicht in LKW in Europa zu nutzen.[3] Später zog sich MAN aus der Beteiligung an MTU und dem Projekt der gemeinsamen Motoren zurück, nutzt aber noch heute (2024) die V-Motoren außerhalb des Nutzfahrzeugsektors.
Industriemotoren
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auch wenn die Motoren überwiegend für eigene Nutzfahrzeuge verwendet wurden, eingesetzt wurden sie immer auch für Sonderfahrzeuge und als Industriemotoren. Während die Vertriebsrechte für diese Motoren früher bei Daimler-Benz selbst gelegen zu haben scheinen, gingen sie 1988 an die MTU über. Hier sind keinerlei Leistungsangaben für Industriemotoren dieser Baureihe gemacht, da diese in weiten Grenzen schwanken können: Für Stromerzeuger benötigt man häufig eine Synchrondrehzahl von 1500 min−1 oder 1800 min−1 (Nenndrehzahl um 40 % reduziert bedeutet vereinfacht, dass auch die Leistung um 40 Prozent reduziert ist. Dauerbetrieb bedeutet, dass die Leistung um weitere 15 bis 20 Prozent reduziert sein kann), bei einem Flugfeldlöschfahrzeug können aufgeladene Motoren auf extrem hohe Leistungen eingestellt werden (weil die Einsatzzeit nur wenige Stunden pro Jahr beträgt und die Nennleistung pro Einsatz nur für wenige Minuten gefordert wird). Hinzu kommen die normalen Korrekturen für die Aufstellbedingungen.
Weiterentwicklungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1980 wurden mit dem OM 42x modernisierte und etwas leistungsstärkere Nachfolger eingeführt, die wiederum 1985 durch die nochmals weiterentwickelten OM 44x abgelöst wurden. Als absehbar war, dass Saugmotoren nicht mehr die gesetzlich vorgeschriebenen Abgasgrenzwerte würden einhalten können, erlebte die Baureihe OM 40x ein Revival als (oben 2. Serie genannte) abgasoptimierte Motoren mit Turboaufladung und Ladeluftkühlung. Zusätzlich erhielten die LKW-Motoren auch ein Dekompressionsventil für eine erhöhte Motorbremsleistung. Mutmaßlich dürfte die Nenndrehzahl dieser Motoren niedriger als bei den Motoren der ersten Serie gelegen haben.
OM 42x
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1980 wurden die Motoren überarbeitet zur Baureihe OM 42x. Die Zylinderbohrung wurde vergrößert auf 128mm, bei den V-Motoren der Kolbenhub vereinheitlicht auf 142 mm, die Motordrehzahl leicht abgesenkt auf typisch 2300 min−1. Die Baureihe OM 42x markiert für LKW von Daimler-Benz den Beginn der Abkehr vom Saugmotor hin zu turbogeladenen Motoren. Mutmaßlich wurde der Kolbenhub bei allen Reihenmotoren etwas vergrößert auf einheitlich 155 mm.
| Bauzeit | Baumuster | Zylinder | Hubraum [cm³] |
Bohrung × Hub [mm] |
Leistung [kW (PS) bei min−1] |
Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|---|
| OM 421 | V6 | 10.964 | 128 × 142 | 159 (216) | ||
| OM 422 | V8 | 14.618 | 206 (280) | auch 184 kW (250 PS) | ||
| 1980- | OM 422 A | 243 (330) | 1400 Nm | |||
| 1980- | OM 422 LA | 276 (375) | 1550 Nm | |||
| OM 423 | V10 | 18.273 | 261 (355) | |||
| 1984–1994 | OM 423 LA | 368 (500) | Euro I, auch 401 kW (545 PS), für Flugfeld 515 kW (700 PS) | |||
| OM 429 LA | R5 | 9.973 | 128 × 155 | |||
| OM 427 | R6 | 128 × | ||||
| OM 427 A | 128 × | |||||
| OM 427h | R6 liegend | 128 × | ||||
| OM 427h A | 128 × |
Industriemotoren
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mercedes-Benz hatte 1988[4], drei Jahre nachdem die OM 44x eingeführt wurden, die Vertriebsrechte für alle LKW-Motoren für Anwendungen außerhalb der eigenen Nutzfahrzeuge an MTU übertragen.
MTU 183
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Unter der gemeinsamen Bezeichnung MTU Serie 183 wurden OM 44x aber auch die älteren OM 42x geführt.[5] Der Sechszylinder-Reihenmotor und die V-Motoren mit sechs, acht, zehn und zwölf Zylindern sind verbürgt, nur für den Fünfzylindermotor finden sich keine Belege, dass er von MTU verkauft wurde. Alle Motoren wurden offensichtlich als Saugmotor, mit Turboaufladung und mit Turboaufladung mit Ladeluftkühlung geliefert.[5][6] Wie zuvor Mercedes-Benz bei der Serie OM40x lieferte ebenso MTU die Serie 183 für zivile Märkte wie auch militarisiert als Antrieb für damals neu zu entwickelnde leichte Panzer (Mowag Trojan, Pizarro, 1. Baulos).
Bekannte Ausführungen der Serie 199 sind:
| Bauzeit | Baumuster | Typ. Leistung | Drehmoment | Verwendung/Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|
| ~1988- | 6V183 | 294 kW (400 PS) | M113-Umbauten durch FFG | |
| 8V183 | 441 kW (600 PS) | Mowag Trojan, Pizarro, 1. Baulos | ||
1996 hatte die Serie 183 bei MTU faktisch drei Nachfolger: Die Mercedes-Benz Baureihe Mercedes-Benz OM 50x als V6- und V8-Motoren und deren militarisierte Version MTU Serie 199 sowie die zeitgleich in den USA bei Detroit Diesel entwickelte MTU Serie 2000 mit höheren Zylinderzahlen und Leistungen für zivile Märkte.
OM 44x
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits ab 1985 wurden mit den OM 44x erneut überarbeitete Motoren geliefert, die jetzt eine „elektronische Dieselregelung“ an der weiterhin vorhandenen Reiheneinspritzpumpe erhielten. Ab 1988 hatten alle Motoren Euro I, ab 1994 dank einer neuen Hubschieber-Einspritzpumpe und Ladeluftkühlung Euro II. Die Bohrung für die zeitweilig gelieferten Saugmotoren wurde weiter vergrößert auf 130mm (bei den aufgeladenen Motoren blieb sie dagegen unverändert bei 128mm), die Nenndrehzahl wurde wiederum leicht abgesenkt auf typisch 2100 min−1.
| Bauzeit | Baumuster | Zylinder | Hubraum [cm³] |
Bohrung × Hub [mm] |
Leistung [kW (PS) bei min−1] |
Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1989–1994 | OM 441 | V6 | 11.309 | 130 × 142 | 160 (218) | |
| 1988–1992 | OM 441 LA | 10.964 | 128 × 142 | 249 (339) | ||
| 1994–1998 | OM 441 LA Euro II | 180 (245) | ||||
| 200 (272) | ||||||
| 1994–1996 | 230 (313) | |||||
| 250 (340) | ||||||
| 1989–1994 | OM 442 | V8 | 15.078 | 130 × 142 | 195 (265) | |
| 1988–1994 | 218 (296) | |||||
| 1985- | OM 442 A | 14.618 | 128 × 142 | 257 (350) | ||
| 1988–1994 | 269 (366) | 1600 Nm | ||||
| 1994–1996 | OM 442 LA Euro2 | 280 (381) | ||||
| 1985– | OM 442 LA | 320 (435) | 1765 Nm | |||
| 1991–1994 | ||||||
| 1994–1996 | OM 442 LA Euro II | |||||
| 1988–1994 | OM 442 LA | 362 (492) | 2000 Nm | |||
| 1991–1994 | 370 (503) | |||||
| 1994–1996 | OM 442 LA Euro II | 390 (530) | 2300 Nm | |||
| OM 449 LA | R5 | |||||
| OM 447 | R6 | |||||
| OM 447 A | ||||||
| OM 447h | R6 | |||||
| OM 447h A | ||||||
| Leistungsangaben nach ISO, d. h. ca. 7,3 kW (10 PS) höher als nach der älteren DIN. | ||||||
OM 50x
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die nächste (und aus Sicht von Mercedes-Benz letzte) Entwicklungsstufe der V-Motoren war die 1996 eingeführte Baureihe OM 50x, die in Nutzfahrzeugen zwischen 2007 und 2010 von neuen Reihenmotoren mit 6 Zylindern und Common-Rail-Einspritzung beerbt wurden: der Baureihe OM 47x. Als Serie 199 hat MTU die V-Motoren als Industriemotoren weitergeführt, weiterentwickelt und 2025 um einen Zehnzylindermotor ergänzt. Parallel dazu hatte aber auch MTU die V-Motoren selbst bedeutend weiterentwickelt zur Serie 2000 mit 8 bis 20 Zylindern, Common-Rail-Einspritzung etc.
OM 457 LA
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit der Umstellung der V-Motoren von OM 44x auf OM 50x wurden die Reihenmotoren offensichtlich nicht mehr als Teil derselben Baureihe betrachtet. Nur der Sechszylinder überlebte als OM 457 mit ähnlichen Änderungen, wie sie auch die OM 50x erfahren hatten (z. B. Einzel-Einsteckpumpen). Darauf folgte der nochmals langhubiger ausgelegte OM 460 LA, der dann wie die V-Motoren im LKW von der Baureihe OM 47x abgelöst wurde. Auch diese Motoren wurden bzw. werden von MTU als Industriemotoren vertrieben.
Verwendete Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Trivia
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das größte Wohnmobil der Welt, gebaut und erstzugelassen in seinem Ursprung als Bus Ende der 1970er, wurde noch 1997 von einem Motor OM 404 mit 324 kW (440 PS) angetrieben, da trotz zwischenzeitlich eingeführter Abgasgesetzgebung Bestandsschutz besteht.[7]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ mercedes-benz-publicarchive.com Mercedes-Benz Pressemappe 1973/1974
- ↑ Neue LKW-Dieselmotorenreihe. In: Kraftfahrzeugtechnik. 3/1970, S. 73.
- ↑ eurotransport.de Eurotransport März 1993: Kleiner V6 statt großem V8 bzw. „Turbo-Sechszylinder löst Saug-V8 ab“
- ↑ 6V183. Abgerufen am 11. Juli 2025 (englisch).
- 1 2 Diesel Engines Series 183. MTU Deutsche Aerospace, abgerufen am 11. Juli 2025 (englisch).
- ↑ Standard Quotation 8V199 TE93. MTU Friedrichshafen, Januar 1994, abgerufen am 11. Juli 2025 (englisch).
- ↑ Doppeldecker-Gelenkzug der Fa. Neoplan – Jumbocruiser N138 www.derbus.de, abgerufen am 7. Dezember 2020.