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M777

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M777


Eine M777 des USMC

Allgemeine Angaben
Militärische Bezeichnung M777
Herstellerbezeichnung Ultralightweight Field Howitzer (UFH)
Entwickler/Hersteller Vickers Shipbuilding and Engineering (BAE Systems)
Entwicklungsjahr 1986
Produktionsstart 2002
Stückzahl 1.200[1]
Modellvarianten M777, M777A1, M777A2
Waffenkategorie Feldhaubitze
Mannschaft 7–10
Technische Daten
Gesamtlänge 10,24 m (feuerbereit)
Rohrlänge 6,09 m
Kaliber 155 mm
Kaliberlänge L/39
Anzahl Züge 48
Gewicht in
Feuerstellung
4.200 kg
Kadenz 2–4 Schuss/min
Höhenrichtbereich −3°–71 Winkelgrad
Seitenrichtbereich ±22,5°
Ausstattung
Verschlusstyp Schraubenverschluss
Ladeprinzip manuell
Munitionszufuhr manuell

Die M777 ist eine gezogene Kanonenhaubitze mit Kaliber 155 mm aus dem Vereinigten Königreich. Entwickelt unter der Bezeichnung Ultralightweight Field Howitzer (UFH) wird sie als M777 von den Streitkräften der Vereinigten Staaten verwendet. Dort wird sie auch „M tripple seven“ genannt. Das Geschütz ist luftverlastbar und wird von BAE Systems produziert.

1986 formulierte das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten (DoD) eine Bedarfsforderung an die Industrie für den Ersatz der Feldhaubitze M198 sowie für ein Geschütz für die Rapid Deployment Joint Task Force (RDJTF). Im Rahmen der anschließenden Ausschreibung waren folgende Anforderungen für das LW155-Geschütz definiert: Das neue Geschütz sollte mindestens über dieselbe Feuerkraft wie die M198 verfügen, ein Gewicht von maximal 4 Tonnen haben, mit Hubschraubern luftverlastbar sein und von Fahrzeugen mit einem Gewicht von weniger als 3 Tonnen gezogen werden können. Nachdem fünf Firmen ihre Angebote eingereicht hatten, bekam Vickers Shipbuilding and Engineering (VSEL) im September 1987 den Zuschlag für die Entwicklung.[2][3][4]

Der Entwurf von VSEL war in den frühen 1980er-Jahren als privates Projekt mit der Bezeichnung Ultralightweight Field Howitzer (UFH) entstanden. 1990 wurden zwei UHF für Tests an das United States Marine Corps (USMC) geliefert. Nach dem Abschluss der Tests genehmigte 1991 das U.S.-Verteidigungsministerium das generelle Konzept des UHF-Entwurfes. Nach weiteren Tests bekam VSEL im März 1997 den Auftrag zur Herstellung von vier Prototypen, die für die Bedürfnisse der U.S.-Streitkräfte modifiziert wurden. Für die Produktion der UHF in den Vereinigten Staaten ging VSEL eine Wirtschaftskooperation mit den U.S.-Firmen Textron und dem Watervliet Arsenal ein. Die XM-777 bezeichneten Prototypen wurde im September 1998 ausgeliefert. Bei den anschließenden Tests mit diesen Prototypen wurden u. A: Probleme mit der Stabilität und Robustheit (Materialermüdung) festgestellt und der Entwurf musste mehrmals nachgebessert werden.[2][5][6]

Im Herbst 2002 erteilte das U.S.-Verteidigungsministerium den Auftrag zur Produktion eines ersten Loses über 94 M777-Geschütze. Hauptlieferant der M777-Geschütze für die U.S.-Streitkräfte wurde BAE Systems, welche 1999 VSEL übernommen hatte. Die ersten Geschütze wurden im Vereinigten Königreich gefertigt, anschließend wurde die Produktion für den amerikanischen Bedarf größtenteils in die USA verlagert. Der Anteil der amerikanischen Industrie an der Produktion betrug zunächst 70 % und später 80 %. Die erste US-amerikanische Einheit, ausgerüstet mit M777-Geschützen, war im Februar 2004 das 3. Artilleriebataillon des 11. Regiments der 1. US-Marineinfanteriedivision des United States Marine Corps. Im März 2005 beschloss das U.S.-Verteidigungsministerium die Serienproduktion der M777 und bestellte ein weiteres Los von 495 M777, gefolgt von weiteren Aufträgen. Der Preis für ein M777 (inkl. Feuerleitanlage) liegt zwischen 3,5 und 4,5 Mio. US-Dollar.[4][6][7][8][9]

  • M777: 1. Serienversion aus dem Jahr 2002
  • M777A1: Version aus dem Jahr 2005 mit digitaler Feuerleitanlage.[10]
  • M777A2: Nachgerüstete Geschütze ab 2007 mit neuer Software und für die induktive Programmierung von M1156-Kurskorrekturzündern und M982 Excalibur-Artilleriegeschossen.[11][12]
  • M777ER: 2018 starteten die USA das ERCA-Programm (Extended Range Cannon Artillery). Ziel dieses Programms war, die Schussdistanzen der M777- und M109-Panzerhaubitzen signifikant zu steigern. Dabei waren Schussdistanzen von bis zu 70 km angestrebt.[13] Dazu wurde in die M777-Haubitze das XM907-Geschützrohr mit 58 Kaliberlängen (L/58) eingebaut. Anfang 2020 wurde bei Testschießen auf dem Yuma Proving Ground mit einem XM1113-Geschoss mit zusätzlichem Raketenantrieb eine Schussdistanz von rund 64 km erreicht.[14][15][16] Im März 2024 wurde die Einstellung des ERCA-Prototypenprogramms bekannt gegeben; das Teilprojekt Munition mit den XM1113 und M1128-Geschossen wird hingegen fortgeführt. Bei den Tests ergab sich eine zu starke Abnutzung der Geschützrohre.[17]
  • M777 L/52: Prototyp von BAE Systems mit einem Geschützrohr mit 52 Kaliberlängen (L/52). Dieses Geschütz wiegt 5.800 kg.
Video der M777 beim Einsatz in Afghanistan

Die M777 ersetzte bei der United States Army und beim United States Marine Corps die Feldhaubitze M198. Aufgrund ihres geringen Gewichtes kann die M777 von leichten LKw’s gezogen und von Hubschraubern transportiert werden. Damit eignet sie sich zur Verwendung bei Luftlandetruppen oder Schnellen Eingreiftruppen. Die große Mobilität und das geringe Gewicht gehen einher mit verschiedenen Nachteilen. So bleibt die M777 hinsichtlich Schusskadenz und insbesondere Schussdistanz hinter zeitgenössischen 155-mm-Feldhaubitzen zurück.[1][18][19]

Die M777 ist eine 155-mm-Feldhaubitze mit Kraftzugsystem. Verwendet wird eine einachsige Kreuzlafette, bei der zwei kurze Arme vor der Schießplattform liegen und zwei Holme das Geschütz rückwärts stabilisieren. Um das Gewicht niedrig zu halten, wurde für viele Bauteile der Lafette Titanlegierungen verwendet, womit das Geschütz in feuerbereiter Stellung 4.200 kg wiegt. In fahrbereitem, gezogenem Zustand wiegt das Geschütz etwa 3.780 kg. Die Länge der Kanonenhaubitze variiert zwischen 9,51 m in gezogener und 10,23 m in feuerbereiter Stellung. Die Höhe beträgt in der gezogenen Stellung 2,34 m und feuerbereit 1,22 m. Die Breite auf der Fahrbahn liegt bei 2,59 m und die Bodenfreiheit beträgt 660 mm. Mit gespreizten Holmen beträgt die Breite 3,72 m. Beim Straßentransport sind die vorderen Arme in Fahrrichtung unter dem Geschützrohr zusammengeklappt und die hinteren Holme sind hochgeklappt. Dabei fungiert das Geschützrohr als Deichsel und ruht mit dem unter der Mündungsbremse angebrachten Kupplungsauge auf der Anhängerkupplung am Zugfahrzeug. Zum Straßentransport können 2,5 Tonnen-Lastkraftwagen verwendet werden. Die maximal zulässige Zuggeschwindigkeit auf der Straße beträgt 88 km/h. Für den Lufttransport können Hubschrauber vom Typ CH-47 „Chinook“ und MV-22 „Osprey“ oder Transportflugzeuge vom Typ C-130 „Hercules“ verwendet werden.[1][3][19][20]

Das M776-Geschützrohr mit Kaliber 155 mm hat 39 Kaliberlängen (L/39). Es ist aus hochfestem Stahl gefertigt und durchgehend autofrettiert. Das Geschützrohr entspricht dem Joint Ballistics Memorandum of Understanding (JBMoU) der NATO und hat 48 Züge. Am Rohrende ist eine Zweikammer-Mündungsbremse angebracht, welche den Rückstoß um rund 17 % mindert. Die Rohrlebensdauer beträgt rund 2650 Schuss. Das Geschützrohr ist auf der zweirädrigen Lafette verbaut. Bei der Rohrwiege sind am Geschützrohr zwei Rohrrücklaufbremsen mit Hydraulikspeicher sowie zwei Rückholeinrichtungen montiert. Am Rohrende befindet sich die Ladungskammer mit einem Volumen von 18,85 Liter. Verwendet wird ein Schraubenverschluss. Aufgrund des langen Rohrrücklaufes und der geringen Höhe der Rohrwiege (0,65 m) ist der schwingende Schildzapfen weit vorne verbaut. Daher ist zum Ansetzen des Geschosses am Verschluss eine lange, gebogene Stange erforderlich. Der Seitenrichtbereich beträgt ±22,5° und der Höhenrichtbereich liegt bei −3° bis +71°. Neben der Rohrwiege sind auf der linken Seite die Visiereinrichtung für Indirektes Feuer sowie die Bedienelemente für den Kanonier montiert. Neben der fest installierten Visiereinrichtung ist ab der Ausführung M777A1 am Geschütz eine digitale Feuerleitanlage, Laserkreisel, Navigationssystem, Wetterstation und V0-Messanlage verbaut.[2][6][8]

Um das Geschütz feuerbereit zu machen, benötigt die 10-köpfige Bedienmannschaft rund 3 Minuten. Dabei wird die auf der Unterlafette angebrachte Schießplattform abgesenkt und das Geschütz angehoben. Dies geschieht mit Muskelkraft mit einem an der Lafette montiertem Hydraulikheber. Danach werden die Haupträder angehoben sowie die vier Holme der Kreuzlafette in Stellung gebracht und das Geschütz auf die Holme abgesenkt. Am Ende der hinteren Holme sind selbsteingrabende Erdsporne angebracht, welche die Rückstoßkraft in das Erdreich ableiten. Ist das Geschütz feuerbereit kann es zur Not von 5 Mann bedient werden. Nach dem Schießen werden zwischen 2 und 3 Minuten benötigt, um das Geschütz wieder fahrbereit zu machen.[3][4][7]

Das Geschütz wird von den Kanonieren manuell geladen. Für 2 Minuten ist mit der M777 eine Schussfolge von 4 Schuss pro Minute möglich. Bei anhaltendem Schießen ist die Schussfolge infolge der thermischen Beanspruchung des Geschützrohres und der Arbeitsbelastung auf 2 Schuss pro Minute begrenzt.[1][2]

Die M198 verwendet getrennt geladene Munition mit variablen Treibladungsbeuteln (Zonenladungen), das heißt, das Artilleriegeschoss und die Treibladung werden nacheinander geladen. Verwendet können z. B. NATO-Standard-Treibladungen wie M3A1 (Zonen 3, 4 und 5), M4A2 (Zonen 3, 4, 5, 6 und 7), M119A1 (Zone 7 und 8), M203 (Zone 8). Die M777 verwendet dieselbe Munition wie die M198. Mit der Standard-Sprenggranate M795 wird eine maximale Schussdistanz von 22,7 km erreicht. Mit der M549 HERA-Sprenggranate mit Raketenantrieb beträgt die maximale Schussdistanz rund 30 km. Mit der präzisionsgelenkten Artilleriegranate M982 Excalibur werden um die 38 km erreicht.[21][22][23]

Kriegseinsätze

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Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und Kanadischen Streitkräfte setzten die M777 im Krieg in Afghanistan (2001–2021) ein.[18]

Das Geschütz wird von der Ukraine im Russisch-Ukrainischen Krieg eingesetzt. Laut dem Oryx-Blog sind mit Stand Dezember 2025 mindestens 55 Geschütze zerstört sowie weitere 46 beschädigt, wobei ein beträchtlicher Teil davon signifikant beschädigt wurde.[24] Laut der russischen Seite Lost-Armour hat die Ukraine 90 Stück verloren und 50 weitere Exemplare wurden beschädigt.[25]

Commons: M777 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 Baesystems.com: Lighweight Field Howitzer 155 M777 (PDF)
  2. 1 2 3 4 5 Christopher F. Foss: Jane’s Armour and Artillery 2011-2012. Jane’s Information Group, 2011, S. 1008–1010.
  3. 1 2 3 T. J. O’Malley: Moderne Artilleriesysteme. Motorbuch Verlag, 1996, S. 22–23.
  4. 1 2 3 Military-today.com: M777 (Archivlink)
  5. Fas.org: XM777 Lightweight 155mm howitzer (LW155)
  6. 1 2 3 Opisybroni.pl: 155 mm Ultralekka haubica holowana M777
  7. 1 2 Army-guide.com: M777
  8. 1 2 Army-technology.com: M777 155mm Ultralightweight Field Howitzer, US
  9. Thedefensewatch.com: M777 Howitzer
  10. Dtic.mil: LW155 Howitzer Towed Artillery Digitization (Archivlink)
  11. Defensemedianetwork.com: PM Towed Artillery Systems
  12. Yumpu.com: ST 3-09.71 M777A2 TTP's
  13. M777A2 Extend Range Howitzer Program Looking to Demonstrate 70KM Range (Memento vom 14. Juni 2018 im Internet Archive)
  14. https://www.nationaldefensemagazine.org/articles/2017/10/11/army-to-demonstrate-new-extended-range-artillery-by-2018
  15. The National Interest: Big Guns: Army Prototypes Range-Doubling New Artillery Weapon to Outgun Russia (englisch)
  16. Defensenews.com: US Army takes 40-mile shots from extended-range cannon in demo
  17. Waldemar Geiger: Extended Range Cannon Artillery – U.S. Army beerdigt Prototypenprogramm für reichweitengesteigerte Panzerhaubitze. In: hardtpunkt.de. 12. März 2024, abgerufen am 12. März 2024.
  18. 1 2 Army.mil: Artillery Strong – Modernizing the Field Artillery for the 21st Century (PDF)
  19. 1 2 Ijpsat.org: Comparison of Ballistic Performance Between Conventional and Modern Artillery Weapons: A Review on the M777 Howitzer Cannon
  20. Svoboda.org: M777
  21. Leland Ness & Anthony G. Williams: Jane’s Ammunition Handbook 2006–2007, Fifteenth Edition. Jane’s Information Group, 2006, S. 615–637.
  22. Fas.org: 155 mm Projectiles
  23. Militarynewbie.com: Army Ammunition Data Sheets: Artillery Ammunition, Guns, Howitzers, Mortars, Recoilless Rifles, Grenade Launchers, and Artillery Fuzes (PDF)
  24. Oryx: Attack On Europe: Documenting Ukrainian Equipment Losses During The Russian Invasion Of Ukraine. In: Oryx. Abgerufen am 19. September 2025.
  25. Потери 155-мм гаубиц M777 ВСУ. Abgerufen am 2. Mai 2024.
  26. 1 2 3 Trade Register auf sipri.org, abgerufen am 27. Mai 2026
  27. 1 2 3 The International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 2026. Routledge Revivals, 2026.