Lusern
| Lusern Luserna | ||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Staat | Italien | |||||||||
| Region | Trentino-Südtirol | |||||||||
| Provinz | Trient (TN) | |||||||||
| Koordinaten | 45° 55′ N, 11° 19′ O | |||||||||
| Höhe | 1333 m s.l.m. | |||||||||
| Fläche | 8,24 km² | |||||||||
| Einwohner | 266 (31. Dez. 2024)[1] | |||||||||
| Fraktionen | Tetsch | |||||||||
| Postleitzahl | 38040 | |||||||||
| Vorwahl | 0464 | |||||||||
| ISTAT-Nummer | 022109 | |||||||||
| Schutzpatron | St. Antonius | |||||||||
| Website | www.comune.luserna.tn.it | |||||||||
| Jahr | 1921 | 1931 | 1951 | 1961 | 1971 | 1981 | 1991 | 2001 | 2011 | 2021 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 906 | 846 | 640 | 642 | 561 | 456 | 386 | 297 | 269 | 270 |
Quelle: ISTAT
Sprache und zimbrische Tradition
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In Lusern wird eine von noch insgesamt rund 1000 Sprechern beherrschte zimbrische Mundart gesprochen,[11] die auf Grund ihrer sehr guten Erhaltung in der jahrhundertelangen Isolation von besonderem Interesse für die Sprachwissenschaft und die Erzählforschung ist.
Das Zimbrisch von Lusern gehört zur Dialektgruppe des Südbairischen. Intensiv erforscht hat den Dialekt in neuerer Zeit der deutsche Sprachwissenschaftler Hans Tyroller in den 1970er Jahren, als der Student die Region im Trentino nach Material für seine Magisterarbeit durchforschte. 1997 beauftragten ihn die Gemeinden, eine Grammatik zu verfassen, die er 2002 vorlegte. Er verfasste zudem Lehrbücher für Zimbrisch-Kurse und Schulen.
Der Tiroler Pfarrer Franz Zuchristian richtete 1866 die deutsche Volksschule ein, die vom Wiener Schulverein unterstützt wurde. 1882 wurden auch eine Klöppelschule und 1893 ein deutscher Kindergarten eingerichtet.
Die italienische Lega Nazionale (später Pro Patria) gründete 1890 eine italienische Schule mit 20 bis 30 Schülern, die auch das Mittagessen kostenlos anbot. Die große Mehrheit der Familien schickte dennoch ihre Kinder (ca. 120) trotz Armut weiterhin in die deutsche Schule. Der Südtiroler Pfarrer Josef Bacher veröffentlichte 1905 in Innsbruck das Buch Die deutsche Sprachinsel Lusern.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die deutsche Schule nicht mehr eröffnet. Ab den 1970er Jahren wurde neben Italienisch auch wieder Deutsch und Zimbrisch unterrichtet. 2006 musste die Volksschule von Lusern jedoch wegen zu geringer Schüleranzahl schließen. Seitdem besuchen die Luserner Kinder die Volksschule in Lavarone. Hier wird die zimbrische Sprache als Wahlfach unterrichtet. Ein italienisches Gesetz zum Minderheitenschutz von 1999 macht es möglich.[12] Von diesem Angebot machen auch viele Kinder aus Lavarone und den Nachbardörfern Gebrauch, wo die zimbrische Sprache schon seit Jahrzehnten ausgestorben ist.
Das gut ausgestattete, ehrenamtlich betreute Dokumentationszentrum Lusern, das auch Publikationen in deutscher, italienischer und zimbrischer Sprache herausgibt und regelmäßig kulturhistorische Ausstellungen veranstaltet, und der Einfluss der deutschsprachigen Medien stellen eine Brücke zum deutschen Sprachraum dar.
Während des italienischen Faschismus (1922–1943) wurden alle zimbrischen Traditionen und die Sprache im öffentlichen und privaten Bereich infolge der Politik der Italianisierung durch Mussolini und Ettore Tolomei unterdrückt und verboten. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1980er Jahre hinein führte das Zimbrische in Lusern ein Nischendasein und war durch die starke Abwanderung auf Grund fehlender Infrastruktur und schlechter wirtschaftlicher Chancen von langsamer Auszehrung bedroht. Erst seit wenigen Jahren werden die zimbrischen Traditionen und vor allem die Wirtschaftsentwicklung (in erster Linie Fremdenverkehr) von der Provinz Trient, der Region Trentino-Südtirol, dem italienischen Staat und der EU unterstützt. Im August 1993 besuchte der damalige österreichische Außenminister Alois Mock Lusern und sicherte die Unterstützung der Sprachinseln der Zimbern zu.
Es gibt neuerdings auch wieder ein reges literarisches Leben in Lusern: Lieder und Erzählungen in zimbrischer Sprache werden gesungen bzw. geschrieben und vom Dokumentationszentrum veröffentlicht. Anfang 2005 wurde das Kulturinstitut Lusern gegründet, dessen Hauptaufgabe die Erhaltung und Festigung des Luserner Zimbrisch ist. Besonders Adolfo Nicolussi Zatta und der Bürgermeister von Lusern, Luigi Nicolussi Castellan, fördern und verbreiten sehr selbstbewusst und offensiv die zimbrischen Traditionen Luserns regional, überregional und international.
Der 1992 gegründete zimbrische Chor (Polifonica Cimbra) ist inzwischen zu einem im In- und Ausland renommierten Kulturbotschafter der Luserner Zimbern geworden.

Heute wird bei den Lusernern Wert auf die Pflege der Muttersprache und Tradition gelegt: Die örtliche Zeitung druckt regelmäßig Teile in zimbrischer Sprache und jeder Besucher Luserns wird am Ortseingang von einem Schild in italienischer, zimbrischer und deutscher Sprache begrüßt.
In den Lusern am nächsten gelegenen Orten Lavarone und Folgaria (deutsch: Vielgereuth, zimbrisch: Folgrait) wurde bis vor wenigen Jahrzehnten noch zimbrisch gesprochen, spätestens seit der Faschistenzeit (1922–1943) ist es aber ausgestorben. Die letzten Sprecher in der Gemeinde Folgaria lebten in den 1950er Jahren in den Fraktionen Carbonare und San Sebastiano.[13] Zahlreiche Flurnamen und lokale Bezeichnungen lassen noch die zimbrische Geschichte der Orte erkennen.
Heute bestehen zudem enge Kontakte zu den anderen oberdeutschen Sprachinseln, insbesondere zu den am nächsten gelegenen im Fersental (Provinz Trient) und in den Sieben Gemeinden mit dem Hauptort Asiago (Provinz Vicenza), aber auch zu den Dreizehn Gemeinden (Provinz Verona) im Südwesten und zu den weiter östlich in den Karnischen Alpen gelegenen Sprachinseln Sappada, Sauris und Timau (Region Friaul-Julisch Venetien).
Vor allem die engen Kontakte Luserns mit Südtirol sowie mit Österreich und Deutschland helfen der Gemeinde nachhaltig und begründen positive Perspektiven für die zimbrische Sprachinsel Lusern. Mit Lusiana (zimbrisch Lusaan) in der heutigen Gemeinde Lusiana Conco verbindet der Ort nicht nur eine Namensähnlichkeit, sondern auch die zimbrische Tradition.
Mittlerweile ist die zimbrische Gemeinde Lusern auf europäischer, nationaler, regionaler und provinzieller Ebene als deutschsprachige ethnisch-sprachliche Minderheit anerkannt.[14]
Tourismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das touristische bzw. kulturelle Angebot umfasst das Lusérn-Museum, das Hausmuseum Haus von Pruekk, die Kunstgalerie Rheo Martin Pedrazza und das Forte Werk Lusérn. Außerdem existieren vier thematische Routen, die auch für Familien und Mountainbiker geeignet sind.
Gemeindepartnerschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Tiefenbach bei Landshut, seit 2001
Sonstiges
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kulinarische Spezialitäten wie Vezzena-Käse sind mittlerweile landesweit bekannt und gefragt. Die typische Luserner Küche ähnelt der Tiroler; Knödel, Kartoffelpolenta, Gulasch, Steinpilze und Käse.
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Söhne und Töchter der Gemeinde
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hermann Nicolussi-Leck (1913–1999), Politiker
Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hugo Resch (1925–1994), Zimbernforscher
- Eduard Reut-Nicolussi (1888–1958), Jurist und Politiker
- Josef Bacher (1864–1935), Priester
- Josef Pardatscher, Priester
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Karin Heller, Luis Thomas Prader und Christian Prezzi (Hrsg.): Lebendige Sprachinseln. 2. Auflage, Bozen 2006. Online zu Lusern.
- Josef Bacher: Von dem deutschen Grenzposten Lusern im wälschen Südtirol. In: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 1900 pp. 151ff, 306ff, 407ff, 1901 pp. 28ff, 169ff, 290ff, 443ff, 1902 pp. 172ff.
- Josef Bacher: Die deutsche Sprachinsel Lusern. Wagner’sche Universitäts-Buchhandlung, Innsbruck, 1905.
- Carina Braun: Die letzten Bayern Italiens. In Lusern spricht man Zimbrisch, eine jahrhundertealte Mundart. In: Donaukurier Ingolstadt vom 20. September 2011, S. 33.
- Max von Prielmayer: Deutsche Sprachinseln. In: Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Jahrgang 1905. Band XXXVL. Innsbruck 1905, S. 87–112
- Hans Tyroller: Grammatische Beschreibung des Zimbrischen von Lusern. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-515-08038-4.
- R. A. Trentino – Alto Adige, Istituto Cimbro (Hrsg.): Bar lirnen z’schraiba un zo reda az be biar. Grammatik der zimbrischen Sprache von Lusérn. (ital. / deutsch – zimbrisch). Lusern, 2006, ISBN 978-88-95386-00-3.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kulturinstitut Lusern: in italienischer und deutscher Sprache, teilweise englisch
- Flickr Gruppe LUSERNA ISOLA CIMBRA Bilder aus Lusern und seiner Umgebung
- Moesslang.net: Seite über Lusern im Ersten Weltkrieg und die Festungen, mit vielen Fotos
- Fersentaler Gemeinden
- Kulturinstitut Fersental-Lusern Die in der Regel ein Mal jährlich erscheinende Zeitschrift „Lem“ des Kulturinstituts Bersntol-Lusern (Fersental-Lusern) kann als PDF-Datei heruntergeladen werden. „Lem“ ist dreisprachig (italienisch, zimbrisch, bersentolerisch/fersentalerisch).
- Überblicksseite in deutscher Sprache: allgemein über die Zimbern
- Die letzten Bayern Italiens, Bericht über Lusern auf sueddeutsche.de
- Sebastian Beck und Hans Kratzer: Tzimbar lentak! In: Süddeutsche Zeitung. Online-Version vom 20. Juli 2018, abgerufen am 21. Juli 2018.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Bilancio demografico e popolazione residente per sesso al 31 dicembre 2024. ISTAT. (Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2024).
- ↑ Webseite der Gemeinde Lusern, abgerufen am 22. Juli 2014
- ↑ siehe dazu:
- Ausstellung Ori delle Alpi (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive ) im Castello del Buonconsiglio, Trient, 1997.
- KOMPASS Wander- und Radtourenkarte Nr. 631.
- Ulrich Mößlang's Reisebericht und Bilder über Menhire, Dolmen und Opferstein.
- ↑ siehe dazu:
- Codex Wangianus: Urkundenbuch des Hochstifts Trient, No. 132, Folgaria und Centa, pp. 304–306
- Reich, Desiderio: Notizie e documenti su Lavarone e dintorni, Trient, 1910, pp 127/128, p 216, p 222 Anm. 159.
- KOMPASS Wander- und Radtourenkarte Nr. 631.
- Terragnolo: Weiler Pedrazzi im Terragnolo Tal südlich von Serrada.
- Bacher, Josef: Die Deutsche Sprachinsel Lusern, Innsbruck, 1905, S. 25.
- ↑ siehe dazu:
- Reich, Desiderio: Notizie e documenti su Lavarone e dintorni, Trient, 1910, p 160.
- Tyroller, Hans: Grammatische Beschreibung des Zimbrischen von Lusern, Stuttgart, 2003, p 6.
- ↑ Vgl. den Kurzbericht der Bozner Nachrichten vom 25. August 1911, S. 5 (Digitalisat).
- ↑ siehe dazu:
- Bacher, Josef: Die Deutsche Sprachinsel Lusern, Innsbruck, 1905, S. 25.
- Prezzi, Christian: Luserna Isola Cimbra, Lusern, 2002; Die Einwohnerzahl von Lusern stieg bis 1910 auf 940 an.
- Reich, Desiderio: Notizie e documenti su Lavarone e dintorni, Trient, 1910, pp 228–229.
- ↑
siehe dazu:
- Tagebuch des Pfarrers von Lusern, Josef Pardatscher, in: Dar Foldjo (Zeitschrift der Gemeinde Lusern), Dezember 2008, S. 16.
- Befestigungswerke in den Gebieten Folgaria, Lavaone und Lusern: Werk Serrada, Werk Sommo, Werk Sebastiano, Werk Gschwent, Werk Lusern, Werk Verle und der Beobachtungsposten auf dem Pizzo di Levico (Spitz Verle).
- Kulturinstitut Lusern: Lusern im Ersten Weltkrieg (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche im Internet Archive ) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.).
- Zur Bauzeit des Werks Lusern: Grestenberger nennt eine Bauzeit von 1907 bis 1910 in: Grestenberger, Erwin Anton: K.u.K. Befestigungsanlagen in Tirol und Kärnten 1860–1918, Wien 2000, p. 152.
- Dokumentationszentrum Lusern: Die Zimbrische Sprachinsel Lusern, Einblick in die südlichste der deutschsprachigen Gemeinden, 2. Auflage, 2002, p 39, p 71.
- Dokumentationszentrum Lusern: Folgaria, Lavarone, Luserna 1915–1918, Tre anni di guerra sugli Altipiani nelle immagini dell' archivo fotografico Clam Gallas Winkelbauer. Lusern, 2005, pp 97/98 und p 135.
- Zur neuen politischen Aufteilung nach dem Ersten Weltkrieg: Vertrag von St. Germain.
- Geschichte der Zimbern ( des vom 4. November 2009 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis..
- ↑ siehe dazu:
- Dokumentationszentrum Lusern: Die Zimbrische Sprachinsel Lusern. Einblick in die südlichste der deutschsprachigen Gemeinden. 2. Auflage, 2002, S. 71.
- Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Oktober 1996, Nr. 232, S. B4.
- Wedekind, Michael: Nationalsozialistische Besatzungs- und Annexionspolitik in Norditalien 1943 bis 1945. München 2003, S. 17.
- Zur Anzahl der Aussiedler: Die Anzahl der „Optanten“ / Aussiedler aus Lusern wird in den Quellen unterschiedlich – entweder mit 280 oder 408 – genannt. Möglicherweise ist in Familien und Personen zu unterscheiden.
- ↑ siehe dazu:
- 100 km dei Forti. Die Geschichte erfahren, die Natur entdecken und dabei sportlich aktiv sein.
- Sentiero della Pace.
- Mitteilungsblatt der Gemeinde Lusern: Dar Foldjo, September 2007, S. 16.
- ↑ Bernd Geisen: Die Benediktiner und das Zimbrische: zwei Klöster helfen einer Sprache. (mp3-Audio; 8,2 MB; 8:55 Minuten) In: Deutschlandfunk-Sendung „Tag für Tag“. 11. April 2023, abgerufen am 11. April 2023.
- ↑ Helmuth Luther: Überlebenskampf in Norditalien: Wir sind die Letzten, aber kein Museum. In: faz.net. 21. Mai 2014, archiviert vom am 21. Mai 2014; abgerufen am 11. April 2023.
- ↑ Bruno Schweizer: Zimbrische Gesamtgrammatik. Hrsg. von James R. Dow. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2008.
- ↑ https://www.region.tnst.it/Themen/Sprachminderheiten#




