Liberales Forum
| Liberales Forum | ||
| Gründung | 4. Februar 1993 | |
| Gründungsort | Wien | |
| Fusion | 25. Jänner 2014 (aufgegangen in: NEOS – Das Neue Österreich und Liberales Forum) | |
| Mitgliederzahl | ca. 700 (2013)[1] | |
| Ausrichtung | Liberalismus Klassischer Liberalismus | |
| Internationale Verbindungen | Liberale Internationale | |
| Europapartei | Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa | |
| Farbe | | |
| Website | lif.at | |
| Ergebnisse des LIF bei Nationalratswahlen | ||
|---|---|---|
| Jahr | Stimmenanteil | Mandate |
| 1994 | 6,0 % (+6,0) | 11 (+11) |
| 1995 | 5,5 % (−0,5) | 10 (−1) |
| 1999 | 3,7 % (−1,8) | 0 (−10) |
| 2002 | 1,0 % (−2,7) | 0 (-) |
| 2006 | n.k. | 1 (+1) |
| 2008 | 2,1 % (+2,1) | 0 (−1) |
Wahlen 1994, 1995, 1999, 2002
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei den Wahlen zum österreichischen Nationalrat erreichte das LIF in den Jahren 1994 elf Mandate und 1995 noch zehn Mandate. Bei der Wahl 1999 scheiterte das Liberale Forum an der 4-Prozent-Hürde und war seither nicht mehr im österreichischen Parlament vertreten.
Bei der Wahl 2002 versuchte es die Partei noch einmal mit dem (damals) Ex-ORF-Moderator Reinhard Jesionek als Spitzenkandidat und einem auf jugendliche Zielgruppen zugeschnittenen Wahlkampf. Das Experiment unter Bundessprecher Alexander Zach scheiterte jedoch mit einem Wahlergebnis von nur mehr 0,98 Prozent.
Wahl 2006
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei den Nationalratswahlen am 1. Oktober 2006 trat das LIF nicht mehr mit eigener Wahlliste an. Heide Schmidt gab in einem Interview mit der Tageszeitung Der Standard an, dass ihre Kandidatur an den finanziellen Rahmenbedingungen scheitere.
Anfang September 2006, wenige Wochen vor der Wahl am 1. Oktober, ging das Liberale Forum ein Wahlbündnis mit der SPÖ ein.[20] LIF-Bundessprecher Alexander Zach erhielt ein Fixmandat auf der Bundesliste der SPÖ; im Gegenzug gaben prominente Liberale wie Schmidt, Resetarits und Hans Peter Haselsteiner eine Wahlempfehlung für die SPÖ ab.
Diese in Österreich unübliche Form der Zusammenarbeit war innerhalb des LIF heftig und teils auch in der SPÖ umstritten.[21][22] Josef Kalina, damaliger Leiter der SPÖ-Kommunikation, erklärte, dass das Wahlbündnis – vergleichbar mit „L’Ulivo“ des italienischen Premierministers Romano Prodi – ein Zweckbündnis gewesen sei.
Organisatorisch wurde Alexander Zach im Nationalrat dem Parlamentsklub der SPÖ zugerechnet.
Wahl 2008
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Nachdem Zach als Parteivorsitzender in Interviews seit 2006 einen Antritt bei den (regulären) Nationalratswahlen 2010 zur Diskussion stellte,[23] trat das Liberale Forum mit Heide Schmidt als Spitzenkandidatin und dem Bauunternehmer Hans Peter Haselsteiner als Wirtschaftssprecher und Vorsitzendem des Unterstützungskomitees bei den Nationalratswahlen 2008 an. Am 19. August gab das Liberale Forum bekannt, dass die nötigen Unterstützungserklärungen vorliegen und einem bundesweiten Antritt somit nichts mehr im Weg stehe.[24]
Im Wahlkampf wurden alte Vorwürfe wiederholt, Zach habe im Vorfeld der Kaufentscheidung Österreichs für neue Kampfflugzeuge für den Eurofighter-Hersteller EADS lobbyiert. Dies bestritt er zunächst; später musste er aber doch eingestehen, mit seiner damaligen Firma eurocontact im Auftrag der deutschen Agentur Salaction in Österreich für EADS tätig gewesen zu sein. Zach beteuerte zwar immer wieder, dass er schon vor seiner Tätigkeit im Nationalrat seine Mitarbeit bei eurocontact beendet hätte, und betonte, dass er als Abgeordneter unter anderem für die Einsetzung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Eurofighter-Beschaffung gestimmt hatte. Er vermeinte damit seine Unabhängigkeit unter Beweis gestellt zu haben.
Dennoch trat er am 23. September 2008 unter parteiinternem und medialem Druck als Bundessprecher und als Kandidat für die Wahl zurück und legte sein Mandat als Abgeordneter zum Nationalrat nieder. Den Parteivorsitz übernahm interimistisch Heide Schmidt,[25] sein Mandat besetzte regelkonform die SPÖ nach, da Zach ja auf einem „roten“ Abgeordnetenplatz im Parlament saß.
Während des Wahlkampfes lag das Liberale Forum in Umfragen bei etwa vier Prozent, kurz nach Bekanntgabe der Spitzenkandidatur Heide Schmidts sogar bei acht bis zehn Prozent. Unterstützt wurden diese guten Umfragewerte durch ein großes Medieninteresse. Von Schmidt wurde wiederholt als Ziel genannt, nach der Wahl eine Koalitionsregierung mit SPÖ und Grünen bilden zu wollen, um damit auch eine Regierungsbeteiligung von FPÖ und BZÖ zu verhindern.
Trotz der starken Umfragewerte blieb das LIF letztlich mit 2,1 Prozent Stimmenanteil unter den für den Einzug in den Nationalrat erforderlichen vier Prozent der Stimmen. Schmidt und Haselsteiner kündigten in der Folge an, sich aus der Politik zurückzuziehen.
Wahl 2013
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Vorfeld der Nationalratswahl 2013 gab die Partei bekannt, für das Wahlbündnis NEOS (Das Neue Österreich und Liberales Forum) zu kandidieren. Bundessprecherin Angelika Mlinar trat auf Platz 2 der Bundesparteiliste von NEOS an.
Europaparlament
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Abgeordneter des LIF zum Europaparlament (MdEP) war von 1996 bis 1999 Friedhelm Frischenschlager. Karin Resetarits, die für die Liste Martin Mitglied des Europaparlaments wurde, trat am 7. Juni 2005 der liberalen Fraktion im Europaparlament bei, in der Folge dann auch dem LIF. 2012 wurde auch Angelika Werthmann unabhängiges Mitglied dieser Fraktion.
Bundessprecher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Heide Schmidt, 1993–2000
- Christian Köck, 2000
- Friedhelm Frischenschlager, 2000–2001
- Alexander Zach, 2001–2008
- Heide Schmidt, 2008 (designiert)
- Werner Becher, 2008–2009
- Angelika Mlinar, 2009–2014

Einbindung in transnationale Parteiorganisationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Liberale Forum war Mitglied der Föderation der Liberalen und demokratischen Parteien Europas (EDLR), der Liberalen Internationale (LI) und der liberalen Fraktion im Europäischen Parlament (ALDE).
Vorfeldorganisationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Liberales Bildungsforum
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit dem Einzug ins Parlament als eigene Partei stand dem Liberalen Forum auch die Finanzierung einer politischen Akademie zu. Für das „Liberale Bildungsforum“ (LIB) wurde die Rechtsform eines Vereines gewählt und als erster Geschäftsführer Christian Allesch bestellt, der als Angestellter der Universität Salzburg für die Jahre 1995 und 1996 für die Aufbauarbeit des LIB karenziert wurde.[3]
Im Vorwort zur ersten Publikation „Liberalismus und Judentum“ beschrieb Christian Allesch das Konzept des LIB: „Wir wollen in weiterer Folge mit Dokumentationen über unsere Seminare und Diskussionsveranstaltungen einen Beitrag zur politischen Bildung in Österreich leisten. Und das heißt gerade in einem Land wie Österreich auch die verdrängten, vernachlässigten und kontroversiellen Themen in das Bewußtsein der Öffentlichkeit zu rücken.“[26]
Dafür ergab sich bereits die Gelegenheit in der ersten Veranstaltung des LIB anlässlich des 50-jährigen Endes des Nationalsozialismus in Österreich in Kooperation mit dem Jüdischen Institut für Erwachsenenbildung mit dem Symposium „Judentum und Liberalismus“ in der Wiener Urania. Diese Kooperation bot dem LIF die Möglichkeit, sich nach der Abspaltung von der FPÖ noch deutlicher abzugrenzen. Die Vorträge in der Urania von Julius Schöps – damals Direktor des Wiener Jüdischen Museums –, Alfred Gerstl – Mitarbeiter des LIB – und Anton Pelinka erschienen in der ersten Publikation des LIB, von den Autoren bearbeitet und erweitert und ergänzt durch einen Beitrag der deutschen „Friedrich Naumann-Stiftung“. Titel der Publikation war „Liberalismus und Judentum“.[27] Präsentiert wurde diese Publikation am 13. März 1996 im Wiener Jüdischen Museum von Friedhelm Frischenschlager, Julius Schöps und Doron Rabinovici.[28]
Im Frühjahr 1996 erschien nach der Fachtagung „Strafe, Strafrecht und Politik“ mit Vorträgen von Professoren für Strafrecht in Wien und Graz, einem Wiener Dozenten für Rechtssoziologie, einem Linzer Staatsanwalt und einer Psychologin von der Strafanstalt Stein eine weitere Publikation des LIB.[29]
Im Mai 1996 folgte nach einer stark besuchten Fachtagung die Publikation „Kirchen und Staat“. Die Tagung setzte sich mit den bis heute diskutierten Themen Konkordat, Laizität in Frankreich, dem Verhältnis von Kirche und Staat und Religions- versus Ethikunterricht auseinander – auch aus evangelischer Sicht. Zu den prominenten Referenten zählten Herbert Köck, Richard Potz, Maximilian Liebmann, Dietrich Pirson aus München, Philippe Gustin von der französischen Botschaft, Franz Nikolasch, Gustav Reingrabner, Ingo Mörth, Heiner Boberski und Rudolf Schermann. In Auszügen dokumentiert wurde die von Adolf Holl geleitete und ebenfalls prominent besetzte Schlussdiskussion mit Johannes Dantine, Volker Kier, Rainald Tippow, Paul Ladurner von der Plattform „Kirchenvolksbegehren“ und Anton Berger.[30]
Nachfolger von Christian Allesch als Leiter des LIB wurde nach einem Hearing der ehemalige katholische Pfarrer Elmar Kuhn.[31] Seit der Fusion des LIF mit NEOS ist die Akademie als NEOS Lab tätig.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Friedhelm Frischenschlager: Politischer Liberalismus in Österreich – Chancenlos als Partei? Das Liberale Forum 1996–2000. In: Österreichisches Jahrbuch für Politik 1999. S. 543–585.
- Alfred Gerstl: Die Entstehung und Entwicklung des Liberalen Forums (LiF) 1993/94. Dissertation. Uni Wien, Wien 1998.
- Gerhard Kratky: Das Experiment einer Parteigründung. Das liberale Forum im Rückblick. Studienverlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2009, ISBN 978-3-7065-4665-2.
- Barbara Liegl: Das Liberale Forum auf dem Weg zu einer etablierten Partei? Diplomarbeit. Uni Wien, Wien 1995.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Archivaufnahmen zum Liberalen Forum im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Austroliberalismus 2013: Ein Überblick. In: Die Presse, 1. Februar 2013, abgerufen am 5. Februar 2023.
- 1 2 Dieter Grillmayer: National und Liberal: Die Geschichte der Dritten Kraft in Österreich. Genius-Gesellschaft für freiheitliches Denken, Wien 2006.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Gerhard Kratky: Das Experiment einer Parteigründung. Das Liberale Forum im Rückblick. Studienverlag Innsbruck, Innsbruck 2009, ISBN 978-3-7065-4665-2.
- ↑ Margit Reiter: Die Ehemaligen. Der Nationalsozialismus und die Anfänge der FPÖ. Wallstein, Göttingen 2019.
- ↑ Lothar Höbelt: Defiant Populist: Jörg Haider and the Politics of Austria. Purdue University Press, 2003.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Friedhelm Frischenschlager: Das Liberale Forum und das österreichische politische System. In: Österreichisches Jahrbuch für Politik. 1994, S. 543–585.
- 1 2 3 Barbara Liegl: Kleinparteien. Hrsg.: Herbert Dachs, Peter Gerlich, Herbert Gottweis, Helmut Kramer, Volkmar Lauber, Wolfgang C. Müller, Emmerich Tálos. Manz, Wien 2006, S. 402–411.
- 1 2 3 Laurenz Ennser-Jedenastik, Anita Bodlos: Liberal Parties in Austria. In: Emilie van Haute, Caroline Close (Hrsg.): Liberal Parties in Europe. Routledge, London 2018.
- 1 2 3 Robert Kriechbaumer: „...ständiger Verdruss und viele Verletzungen.“ Die Regierung Klima/Schüssel und die Bildung der ÖVP-FPÖ-Regierung. Österreich 1997–2000. Böhlau, Wien 2014.
- ↑ „Unfreundlicher Akt“ bei Unterstützungserklärung. In: Der Standard. 28. April 2009.
- ↑ LIF-Vertreter Ronald Pohoryles in seinem Blog: Warum das LIF nicht für die EP-Wahlen kandidiert. ( vom 2. Mai 2009 im Internet Archive), 27. April 2009.
- ↑ LIF-Reformprozess. ( vom 30. Juni 2009 im Internet Archive) Presseaussendung 26. Oktober 2008, abgerufen am 22. Juni 2009.
- ↑ Liberale Leitlinien für eine faire und effiziente Marktwirtschaft. ( vom 17. Juli 2012 im Webarchiv archive.today) Presseaussendung 21. Juni 2009, abgerufen am 22. Juni 2009.
- 1 2 Martin Stuhlpfarrer: Liberales Forum tritt im Herbst bei der Wien-Wahl an. In: Die Presse (Printausgabe), 22. Mai 2010, abgerufen am 24. Mai 2010.
- ↑ Liberales Forum tritt bei Wien-Wahl an. In: wien.orf.at, 22. Mai 2010, abgerufen am 24. Mai 2010.
- 1 2 Aktuelle Informationen zur Wien-Wahl am 10. Oktober 2010. In: wien.gv.at, Rathauskorrespondenz vom 14. August 2010, abgerufen am 13. September 2010.
- ↑ Sechs Parteien kandidieren bei Wien-Wahl. In: wien.orf.at, 3. September 2010, abgerufen am 13. September 2010.
- ↑ “Wir kämpfen. Wir werden es schaffen. Der Wind ist rauh!” Angelika Mlinar will das LIF wiederbeleben. Interview am 12. September 2010 in neuwal.com, abgerufen am 13. September 2010.
- ↑ Endergebnis der Stadtwahlbehörde.
- ↑ Fix-Mandat für Liberalen-Chef Zach – SPÖ hilft dem LIF ins Parlament. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2018. Suche im Internet Archive ) In: Kurier, 3. September 2006
- ↑ LIF-Gründer sind empört. In: Salzburger Nachrichten. 4. September 2006.
- ↑ Ärger über SP-Mandat für Liberalen. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2018. Suche im Internet Archive ) In: Kurier, 7. September 2006
- ↑ Interview mit Alexander Zach: „Wir sind jung und haben Zeit“. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2018. Suche im Internet Archive ) In: CHiLLi.cc, April 2007
- ↑ Bundesweites Antreten von LIF bei Wahl fix. ( vom 24. August 2008 im Internet Archive) In: orf.at, abgerufen am 20. August 2008.
- ↑ Zach geht als LIF-Chef, Schmidt kommt zurück. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive ) In: ORF, 23. September 2008.
- ↑ Liberales Bildungsforum (Hrsg.): Liberalismus und Judentum. Liberales Bildungsforum, Wien 1996, ISBN 3-901640-01-0.
- ↑ Liberales Bildungsforum (Hrsg.): Liberalismus und Judentum. Liberales Bildungsforum, Wien 1996, ISBN 3-901640-01-0.
- ↑ Einladung des „Liberalen Bildungsforum“ für den 13. März 1996.
- ↑ Liberales Bildungsforum (Hrsg.): Strafe, Strafrecht und Politik. Liberales Bildungsforum, Wien 1996, ISBN 3-901640-03-7.
- ↑ Liberales Bildungsforum (Hrsg.): Kirchen und Staat – Ein schwieriges Verhältnis? Liberales Bildungsforum, Wien 1996, ISBN 3-901640-04-5.
- ↑ Gerhard Kratky: Das Experiment einer Parteigründung. Das Liberale Forum im Rückblick. Studienverlag, Innsbruck 2009, ISBN 978-3-7065-4665-2.
