Langendernbach
Langendernbach Gemeinde Dornburg | |
|---|---|
| Koordinaten: | 50° 32′ N, 8° 3′ O |
| Höhe: | 246 m ü. NHN |
| Fläche: | 8 km²[1] |
| Einwohner: | 1613 (31. Dez. 2024)[2] |
| Bevölkerungsdichte: | 202 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Juli 1974 |
| Postleitzahl: | 65599 |
| Vorwahl: | 06436 |
Luftbild des Orts, aus Nordwesten | |
Langendernbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Dornburg im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg. Den Namen verdankt er dem Dermesbach, der den Ort durchfließt.
Geografische Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Langendernbach liegt am Osthang des Westerwalds, rund 17 Kilometer nördlich der Kreisstadt Limburg an der Lahn. Naturräumlich wird Langendernbach noch dem Oberwesterwald zugeordnet, genauer dem Oberwesterwälder Kuppenland, befindet sich aber im Übergang zum hohen Westerwald. Der Ort wird von der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bundesstraße 54 durchschnitten. Der Elbbach verläuft südwestlich des Orts, von Nordosten fließt der Dermesbach durch das bebaute Gebiet.
Die Gemarkung grenzt im Südosten in einem kurzen Abschnitt an den Waldbrunner Ortsteil Hausen, im Süden an den Elbtaler Ortsteil Elbgrund, darauf folgende im Südwesten in einem kurzen Abschnitt an den Dornburger Zentralort Frickhofen und im Westen an Wilsenroth. In ihrem nördlichen Verlauf ist die Gemarkungsgrenze zugleich Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz. Im Nordwesten schließen sich Berzhahn, Gemünden und Seck an, im Nordosten Irmtraut und Neunkirchen.
Der Ort liegt am sanft ansteigenden Osthang des Elbbachtals, das an dieser Stelle durch das Tal des Dernbachs in Richtung Nordosten erweitert wird. Außer nach Südosten, in Fließrichtung des Elbbachs, steigt das Gelände rundherum an, insbesondere in Richtung der Dornburg. Höchste markante Erhebung auf Langendernbacher Gebiet ist der Kohlhack mit 409 Meter Höhe, nahe am östlichen Ortsrand. Der höchste Punkt der Gemarkung befindet sich mit 414 Metern allerdings östlich der Hohen Hahnscheid (433 Meter), deren Gipfel in Rheinland-Pfalz liegt. Das Dorf selbst erstreckt sich auf einer Höhe von 210 bis 280 Metern.
Neben dem Wald, der die östlichen und nördlichen Teile der Gemarkung bedeckt, wird das Gebiet um Langendernbach insbesondere von landwirtschaftlich genutzten Flächen und einer Tongrube nordwestlich des Orts geprägt.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ortsgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die älteste bekannte Erwähnung erfolgte unter der Bezeichnung Derembach und datiert auf den 9. November 879. Damals wurde ein Fronhof im Ort dem Stift St. Severus in Gemünden gestiftet.[3] Am Anfang des 10. Jahrhunderts wurde Langendernbach dem Kirchspiel Bleßberg mit der Blasiuskapelle als Mittelpunkt angeschlossen.
Um das Jahr 1100 zählte Langendernbach zur Herrschaft Diez. Die Grafen von Diez haben Teile ihres Besitzes verschiedentlich verpfändet. Im 14. Jahrhundert verpfändeten sie u. a. Frickhofen an die Grafen von Nassau-Hadamar. Mit dem Kirchspiel Frickhofen kam Langendernbach im 15. Jahrhundert an die Grafen von Nassau-Dillenburg.
Als Ortsadel traten Burgmannen der Nassauer auf. Die Herren Obentraut ließen 1556 das Hofhaus als Herrensitz am Ortsrand erbauen. Im Jahr 1602 kam das Anwesen an Bernkott von Welschenengsten, den Ehemann von Christine von Diez, dessen Familie im Dreißigjährigen Krieg vertrieben wurde. Die Soldateska des Dreißigjährigen Krieges plünderte den gesamten Ort, so dass bis zum Kriegsende nur noch etwa 20 Familien in Langendernbach wohnten. Die Grafschaft Nassau-Hadamar zog die Ländereien ihrer Lehnsnehmer in Langendernbach während des Kriegs ein, mussten den Besitz jedoch nach dem Westfälischen Frieden zurückerstatten. 1651 gab es Grabungen nach Vorkommen von Braunkohle und Eisenerz in der Gemarkung. Eine Ausbeutung im größeren Umfang und die geplante Errichtung einer Eisenhütte kamen jedoch nicht zustande. Später kam der Besitz an Nassau-Dillenburg. 1739 kam der Ort an Nassau-Oranien. 1789 galt Langendernbach als einer der ärmsten Orte des Westerwalds.
Je nach Herrschaft wechselte auch der zuständige Amtsbezirk von Ellar nach Hadamar oder Mengerskirchen. Im Jahr 1808 kam Langendernbach zum Großherzogtum Berg, durch den Wiener Kongress 1815 an das Herzogtum Nassau. Mit Nassau wurde Langendernbach 1866 preußisch. Zu jener Zeit zählte der Ort etwa 1370 Einwohner. Die Lebensverhältnisse waren weiterhin sehr bescheiden, was u. a. zu starker Auswanderung führte. Erst nach dem Übergang zu Preußen und dem Bau der Eisenbahn über den Westerwald nach Köln kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung am Ort. Der 1872 gegründete Vorschuß-Verein (Vorläufer der heutigen Volksbank) begünstigte maßgeblich die Bautätigkeit und die Gründung von Kleinunternehmen in Langendernbach. Bald gab es vier Gastwirtschaften am Ort und zahlreiche Kleinunternehmen. Im Jahr 1893 wurde die Steinbrücke über die Elb, 1897 die Pfarrkirche, ein Jahrzehnt später das Pfarrhaus und die evangelische Kirche erbaut. Bis vor dem Ersten Weltkrieg kamen das Backhaus, das Spritzenhaus und die Wasserleitung hinzu. Die starke auf Krediten basierende Bautätigkeit blieb nicht ohne Probleme: die Genossenschaftsbank entging 1910 nur knapp dem Ruin, da viele Schuldner zahlungsunfähig waren.
Der Erste Weltkrieg, die nachfolgende wirtschaftliche Depression und der Zweite Weltkrieg führten zu einer mehrere Jahrzehnte dauernden Stagnation in der Entwicklung des Ortes. Im März 1945 wurde der Ort kampflos von vorrückenden amerikanischen Verbänden besetzt.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
zum 1. Juli 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Langendernbach im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch Landesgesetz in die Gemeinde Dornburg als Ortsteil eingemeindet.[4][5] Für Langendernbach wurde, wie für die übrigen Ortsteile von Dornburg, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.[6]
Verwaltungsgeschichte im Überblick
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Langendernbach angehört(e):[1][7]
- vor 1711: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Hadamar, Amt Mengerskirchen
- 1717–1743: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Dillenburg, Amt Mengerskirchen
- 1743–1806: Heiliges Römisches Reich, Grafen von Nassau-Diez als Teil des Fürstentums Nassau-Oranien, Amt Mengerskirchen
- 1806–1813: Großherzogtum Berg,[Anm. 2] Département Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Hadamar
- 1813–1815: Fürstentum Nassau-Oranien, Amt Mengerskirchen
- ab 1816: Herzogtum Nassau, Amt Hadamar[Anm. 3]
- ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt Hadamar[Anm. 4]
- ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Hadamar
- ab 1867: Norddeutscher Bund[Anm. 5], Königreich Preußen,[Anm. 6] Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis[Anm. 7]
- ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis
- ab 1886: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg
- ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg
- ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Limburg
- ab 1945: Amerikanische Besatzungszone,[Anm. 8] Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Limburg
- ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Limburg
- ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Limburg
- ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Limburg
- ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Limburg-Weilburg, Gemeinde Dornburg[Anm. 9]
- ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Limburg-Weilburg, Gemeinde Dornburg
Bevölkerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Langendernbach 1578 Einwohner. Darunter waren 96 (6,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 285 Einwohner unter 18 Jahren, 654 zwischen 18 und 49, 303 zwischen 50 und 64 und 336 Einwohner waren älter.[8] Die Einwohner lebten in 654 Haushalten. Davon waren 177 Singlehaushalte, 207 Paare ohne Kinder und 216 Paare mit Kindern, sowie 45 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 126 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 372 Haushaltungen lebten keine Senioren.[8]
Einwohnerentwicklung
| Langendernbach: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2019 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1834 | 1.152 | |||
| 1840 | 1.206 | |||
| 1846 | 1.270 | |||
| 1852 | 1.382 | |||
| 1858 | 1.363 | |||
| 1864 | 1.420 | |||
| 1871 | 1.308 | |||
| 1875 | 1.431 | |||
| 1885 | 1.105 | |||
| 1895 | 1.052 | |||
| 1905 | 1.090 | |||
| 1910 | 1.073 | |||
| 1925 | 1.152 | |||
| 1939 | 1.111 | |||
| 1946 | 1.594 | |||
| 1950 | 1.477 | |||
| 1956 | 1.350 | |||
| 1961 | 1.374 | |||
| 1967 | 1.454 | |||
| 1970 | 1.608 | |||
| 1980 | ? | |||
| 1990 | ? | |||
| 2000 | ? | |||
| 2011 | 1.578 | |||
| 2019 | 1.591 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: LAGIS[1]; Gemeinde Dornburg[2]; Zensus 2011[8] | ||||

