Elbgrund
Elbgrund Gemeinde Elbtal | |
|---|---|
| Koordinaten: | 50° 31′ N, 8° 4′ O |
| Höhe: | 225 (180–380) m ü. NHN |
| Fläche: | 4,75 km²[1] |
| Einwohner: | 788 (31. Dez. 2024)[2] |
| Bevölkerungsdichte: | 166 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Juli 1974 |
| Postleitzahl: | 65627 |
| Vorwahl: | 06436 |
Luftaufnahme des Orts aus Südosten mit Mühlbach vorne und Waldmannshausen hinten sowie der Burg Waldmannshausen hinten links | |
Elbgrund ist ein Ortsteil der Gemeinde Elbtal im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg. Der Ort ist mit über 770 Einwohnern der größte der Gemeinde und besteht aus den beiden heute noch im Ortsbild deutlich erkennbaren Vorgängerorten Waldmannshausen und Mühlbach.
Geographische Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Ort liegt im südlichen Westerwald. Die Bundesstraße 54 durchschneidet Elbgrund, westlich des Ortes verläuft der Elbbach, der auch die Westgrenze der Gemarkung bildet. Durch die beiden alten Ortskerne und die versuche, die Lücke zwischen beiden zu schließen, ergibt sich ein in Richtung Nordwesten-Südosten gestrecktes Bebauungsbild.
An die grob rautenförmige Gemarkung mit zwei Ausläufern nach Nordwesten und Nordosten grenzen im Westen Frickhofen, im Norden Langendernbach (beide Gemeinde Dornburg), im Nordosten Hausen und im Südosten Ellar, beides Waldbrunner Ortsteile, und im Süden der Elbtaler Verwaltungssitz Dorchheim.
Das Gelände fällt insgesamt nach Westen zum Tal des Elbbachs hin ab. Zudem stellt der in Richtung Südwesten dem Elbbach zufließende Mühlbach, der die beiden Vorgängerorte trennte, einen weiteren Geländeeinschnitt dar, der sich quer durch den Ort zieht. Der niedrigste Punkt der Gemarkung befindet sich im Südwesten am Elbbach bei rund 180 Metern, der höchste im Nordosten der Gemarkung bei etwa 380 Metern. Die Fläche außerhalb der Ortslage wird in erster Linie landwirtschaftlich genutzt. Ausnahmen sind der nordöstliche Ausläufer der Gemarkung, der in einen von Mischwald bedeckten Höhenzug hineinreicht, die Aue des Elbbachs im Westen und ein Basaltsteinbruch nordöstlich des Orts.
Geschichte
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Ortsgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die beiden Vorgängerorte Mühlbach und Waldmannshausen gehörten im Mittelalter und der frühen Neuzeit zum Kirchspiel Blasiusberg. 1896 wurden sie der Pfarrvikarie Dorchheim zugeordnet. Für 1231 sind in Mühlbach Besitzungen des Deutschen Ordens verbürgt.[3]
Das markanteste Gebäude Elbgrunds ist die 1486 erbaute Burg Waldmannshausen, heute ein Schullandheim. Im Jahr 1780 erhielt der Ort ein Schulhaus, das heute als Gemeinschaftshaus genutzt wird.
Mühlbach und Waldmannshausen schlossen sich im Jahr 1937 zu Elbgrund zusammen. Bereits zuvor hatten beide Orte Einrichtungen wie Kirche, Friedhof und Schule gemeinsam betrieben und geraume Zeit einen gemeinsamen Bürgermeister gehabt, der aber unabhängig von beiden Orten gewählt worden war.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Am 1. Juli 1974 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin eigenständige Gemeinde Elbgrund kraft Landesgesetz mit der Gemeinde Elbtal zur neuen Gemeinde mit dem Namen Elbtal zusammengeschlossen.[4][5] Sitz der Gemeindeverwaltung ist der Ortsteil Elbtal-Dorchheim. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.
Die von Waldmannshausen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Waldmannshausen war Sitz einer auch überregional bedeutsamen niederadligen Familie. Sie wird im Jahr 1136 erstmals erwähnt. Vermutlich bereits 1220 erlangten sie das Amt des Walpoden der Grafschaft Diez und banden es auf Dauer an die Familie. Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts wurde die Amtsbezeichnung zum Namensbestandteil mehrerer Zweige der Familie. Eine sichere Stammfolge lässt sich jedoch erst vom Ende des 14. Jahrhunderts an fassen. Stammsitz des Hauses war die Alte Burg am heutigen Ortsrand. Zusätzlich muss spätestens 1394 ein Walpodenhof bestanden haben, der 1588 als baufällig letztmals erwähnt wird. Im Jahr 1488 ließ Thebes von Waldmannshausen die Burg Waldmannshausen fertigstellen. Trotz des vergleichsweise langen Bestehens der Familie und der räumlich weit gestreuten Beamtenfunktionen ihrer Mitglieder blieb der Besitz stark auf die Herkunftsregion im örtlichen Westerwald konzentriert.
Insbesondere vom 15. Jahrhundert an erscheinen Mitglieder der Familie als Beamte benachbarter Territorien auf, darunter die Landgrafschaft Hessen und die Grafschaften Nassau, Wied und Leiningen-Westerburg, vom 16. Jahrhundert an auch Nassau-Dillenburg, Oranien und die Kurpfalz. Wichtige Mitglieder waren:
- Thebus oder Debus (=Matthäus, ersterwähnt 1482, † 31. Oktober 1506), nassau-dillenburgischer Amtmann und Gesandter und angeblich kaiserlicher Rat
- Meffert oder Meffert Kubel (ersterwähnt 1488, † 1530), Johann (ersterwähnt 1528, †vor 1567), Komtur des Deutschen Ordens in Koblenz und Waldbreitbach
- Liebmuth (ersterwähnt 1535, † 22. März 1578), Äbtissin in Gnadenthal
- Wilhelm (* 3. November 1522, † 13. November 1591), kurkölnischer Hofmeister
- Philipp (* 30. März 1525, † 3. Oktober 1596), nassau-idsteinischer Hofmeister und nassau-weilburgischer Rat
- Matthäus (* 11. März 1530, † Februar 1582), Beisitzer am Hofgericht Marburg, nassau-dillenburgischer Rat
- Johann (* 8. Juli 1531, † 5. September 1615), Professor der Theologie in Marburg
- Johann Kraft (ersterwähnt 1591, † 1638), hanau-lichtenberger Hofmeister im Elsass
- Hermann (* 1572, † August 1621), nassau-beilsteinischer Hofmeister, Offizier in nassau-diezer und kurpfälzischen Diensten
- Hans Georg (ersterwähnt 1603, † 30. Oktober 1654), nassau-hadamarischer Hofmeister, Kunigund (erwähnt von 1615 bis 1625), nassau-dillenburgische Hofmeisterin
- Burkhard (ersterwähnt 1593, † 14. März 1625), Offizier in zahlreichen Diensten, kurpfälzischer Kriegsrat und Söldnerführer unter anderem unter Peter Ernst II. von Mansfeld
Im Mannesstamm starb die Familie kurz nach 1625 aus, in weiblicher Linie kurz vor 1697.
Neben dieser bekannteren Familie von Waldmannshausen gab es ein weiteres Rittergeschlecht, das sich nach dem Ort nannte. Es ist allerdings nur von 1270 bis 1424 nachweisbar und scheint keine überörtliche Bedeutung gehabt zu haben.
Verwaltungsgeschichte im Überblick
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen die Ortschaften Waldmannshausen, Mühlbach und Elbgrund angehört(e):[6]
- Waldmannshausen und Mühlbach bis 1925:
- Im Früh- und Hochmittelalter: Herrschaft Ellar. Die Herrschaft Ellar bestand im Früh- und Hochmittelalter aus den Zenten Lahr, Elsoff (Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz), Niederzeuzheim und Frickhofen (Bleseberg), weshalb die Herrschaft auch als die „Vier Zehnten“ bezeichnet wurde.
- bis 1367: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Diez (1337–1405 als Pfand zur Grafschaft Hadamar)
- 1367–1405: Heiliges Römisches Reich, als Teil der „Vier Zehnten“ Grafschaft Katzenelnbogen
- 1405–1479: Heiliges Römisches Reich, „Vier Zehnten“ (1/3 im Besitz von Nassau-Dillenburg und 2/3 im Besitz der Grafschaft Katzenelnbogen)
- 1479–1534: Heiliges Römisches Reich, „Vier Zehnten“ (2/3 der Landgrafschaft Hessen und 1/3 den Grafen von Nassau-Dillenburg)
- 1534–1557: Heiliges Römisches Reich, „Vier Zehnten“ (Landgrafschaft Hessen, die Grafen von Nassau-Dillenburg und Kurtrier je 1/3)
- 1557–1606: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Sayn, „Vier Zehnten“
- 1606–1650: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Nassau-Hadamar, „Vier Zehnten“
- 1650–1711: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Hadamar, Amt Mengerskirchen
- 1717–1743: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Dillenburg, Amt Mengerskirchen
- 1743–1806: Heiliges Römisches Reich, Grafen von Nassau-Diez als Teil des Fürstentums Nassau-Oranien, Amt Mengerskirchen
- 1806–1813: Großherzogtum Berg,[Anm. 2] Département Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Hadamar
- 1813–1815: Fürstentum Nassau-Oranien, Amt Mengerskirchen
- ab 1816: Herzogtum Nassau,[Anm. 3] Amt Hadamar[Anm. 4]
- ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt Hadamar
- ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Hadamar
- ab 1867: Norddeutscher Bund[Anm. 5], Königreich Preußen,[Anm. 6] Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis[Anm. 7]
- ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis
- ab 1886: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg
- ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg
- am 1. Oktober 1937 werden Mühlbach und Waldmannshausen zu Elbgrund zusammengeschlossen.[7]
- Elbgrund:
- ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Limburg
- ab 1945: Amerikanische Besatzungszone,[Anm. 8] Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Limburg
- ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Limburg
- ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Limburg
- ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Limburg
- ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Limburg-Weilburg, Gemeinde Elbtal[Anm. 9]
- ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Limburg-Weilburg, Gemeinde Elbtal
Bevölkerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einwohnerentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Waldmannshausen
Belegte Einwohnerzahlen bis 1925 sind:[8]
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Mühlbach
Belegte Einwohnerzahlen bis 1925 sind:[9]
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Elbgrund:
- 1961: 47 evangelische (= 8,82 %), 484 katholische (= 90,81 %) Einwohner[1]
| Elbgrund: Einwohnerzahlen von 1925 bis 2020 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1925 | 409 | |||
| 1939 | 423 | |||
| 1946 | 632 | |||
| 1950 | 622 | |||
| 1956 | 551 | |||
| 1961 | 533 | |||
| 1967 | 580 | |||
| 1987 | 701 | |||
| 1991 | 750 | |||
| 2000 | ? | |||
| 2011 | 783 | |||
| 2020 | 773 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: LAGIS[1]; Gemeinde Elbtal[2]; Zensus 2011[10] | ||||