Die Baureihe EL 12 des LEW Hennigsdorf bezeichnet eine Elektrolokomotive, die von 1952 bis 1983 in 36 Exemplaren für Betriebe der ehemaligen DDR und der UdSSR nach Herstellerangaben gebaut wurde.[1] Nach Rangierdiesel wird die Stückzahl mit 22 Stück angegeben.
Die Baureihe ist eine Feldbahnlokomotive, von der um 2020 noch 6 Stück beim Sodawerk Staßfurt vorhanden waren. Es existieren Fotos aus dem Einsatz beim Tagebau Olbersdorf, diese Lokomotiven hatten lediglich ein Scheinwerfer und die im Braunkohlenbau üblichen Haupt- und Seitenstromabnehmer auf einem niedriger ausgelegten Podest.[2]
Die Grubenlokomotive wurden in verschiedenen Varianten gebaut. Eine genaue Liste der gelieferten Fahrzeuge ist nicht vorhanden. Konzipiert ist sie für den Einsatz über Tage.
Die sechs Staßfurter Maschinen waren die letzten gelieferten Lokomotiven der Baureihe. Bis 2019 waren sie vorhanden.[7] Die letzte Erwähnung stammt aus dem Jahr 2021, als schon einige Exemplare abgestellt waren.[8] Eine weitere Verwendung ist nicht bekannt.
Fünf Lokomotiven waren im Tagebau Olbersdorf eingesetzt. Obwohl die Baureihe nur in den Spurweiten 600 bis 785 mm gefertigt wurde, wurden diese auf 900 mm umgespurt. Die Breite von 1480 mm und die Befestigung der Mittelpufferkupplung an den Querrahmen ermöglichte dies. Der Tagebau Olbersdorf war um 1960 schon vollständig auf 900 mm umgespurt und mit 600V Gleichspannung elektrifiziert.[9] Die angegebenen technischen Daten stimmen mit den Herstellerangaben überein.
Die Lokomotiven waren im Hilfsfahrbetrieb wie dem Bedienen von Gleisrückmaschinen ohne Antrieb eingesetzt[10] führten aber auch Transportarbeiten mit Kohlezügen durch, wobei eine Gesamtzuglänge von 30m (ein Förderwagen) nicht überschritten werden durfte.[11] Mit der Umsetzung von LEW EL 3 und schrittweisen Anhebung der Fahrdrahtspannung auf 1200 V wurden die Altbaulokomotiven und die fünf LEW EL 12 bis 1978 verschrottet.[12]
Der Rahmen der Lokomotiven bestand aus geschweißtem Grobblech. Der Endführerstand hatte einen Zugang nur von der rechten Seite. Der Stromabnehmer befand sich auf einem Portal über dem Rahmen. Bei den Staßfurter Maschinen war er bis zuletzt mit einem Aufsatzgerüst ausgelegt. Neben der Ausführung mit einfachem Scherenstromabnehmer gab es auch Versionen mit Haupt- und Hilfsstromabnehmer für den Braunkohletagebau. Die Räder waren rollengelagert mit Scheibenrädern und aufgeschrumpften Radreifen. Abgefedert waren sie durch einfache Blattfedern. Sie besaßen eine Mittelpufferkupplung, die abgefedert werden konnte.
Die Tatzlager-Fahrmotoren besaßen einen geradverzahnten einseitigen Antrieb auf geteilte Großräder.
Die elektrische Ausrüstung von LEW bestand aus Gleichstromtechnik, wo über die elektrische Spannung von der Fahrleitung über den zentral gelegenen Nockenfahrschalter mit der Widerstandssteuerung die elektrischen Fahrmotoren angetrieben wurden, die als Reihenschlussmaschinen ausgeführt waren. Elektromechanische Schütze schalteten die Hilfsbetriebmotoren. Die Steuer- und Beleuchtungsspannung betrug 24V. Die Lokomotiven hatten zehn Reihenfahrstufen, sechs Parallelfahrtstufen, sowie zehn Bremsstufen. Die Anfahr- und Bremswiderstände waren eigenbelüftet, für die Fahrmotoren war ein Lüfter vorhanden, der mit Schmelzsicherung abgesichert war.
Autorenkollektiv, Zeitzeugnisse 1945–1990 Teil II, Jahresringe, Verband für Vorruhestand und aktives Alter, Land Brandenburg e.V. Ortsgruppe Hennigsdorf, Hennigsdorf 2000
↑Autorenkollektiv, Zeitzeugnisse 1945–1990 Teil II, Jahresringe, Verband für Vorruhestand und aktives Alter, Land Brandenburg e. V. Ortsgruppe Hennigsdorf, Hennigsdorf 2000, Seite 152
12Andreas Walter, Die Geschichte des Zugbetriebes im Tagebau Olbersdorf, Seite 24.
↑Holger Neumann, Sven Kästner Schmalspurige Industrielokomotiven der DDR, Herdam, Gernrode, ISBN 978-3-933178-22-0, Seite 45