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Konrad Grebe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Konrad Grebe 1950 bei der Arbeit am Reißbrett.
Lebenslauf aus dem Fotobuch über Konrad Grebe
Seite 48 & 49 des Fotobuches über Konrad Grebe

Konrad Grebe (* 7. Juni 1907 in Heiligenwald, heute Ortsteil von Schiffweiler; † 12. Juli 1972 in Wuppertal[1][2]) war ein deutscher Bergmann und Erfinder. International bekannt ist er als Vater des Kohlenhobels.

Herkunft, Ausbildung und erste Berufsjahre

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Der im Saarrevier geborene Sohn eines Grubeninspektors begann als Vierzehnjähriger seine bergmännische Laufbahn in den Werkstätten der Grube Reden in Landsweiler-Reden.[3] Er kam in den 1920er-Jahren nach Ibbenbüren, wo sein Vater Anstellung als Grubeninspektor erhalten hatte.[4] Am 6. Dezember 1926 trat er als Elektriker in die Dienste der Steinkohlenbergwerke Ibbenbüren der Preußischen Bergwerks- und Hütten AG (Preussag).[5] Nach Abschluss der Bergvorschule in Neunkirchen und der Elektrosteigerklasse der Bergschule in Bochum wurde er dort 1931 zum Hilfssteiger, 1933 zum Steiger, 1935 zum Reviersteiger und 1938 zum Elektrofahrsteiger befördert.[3][6] Als Maschinen- und Elektroobersteiger leitete er den Maschinen- und Elektrobetrieb unter Tage.[7]

Erfindung des Kohlenhobels

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Kohlenhobel-Denkmal in Ibbenbüren

In diesen Jahren hatte sich Grebe bereits betriebsintern einen Namen als Tüftler und Erfinder gemacht, hielt mehr als ein Dutzend Patente, darunter eines für ein elektrotechnisches Gerät, das die Grubensicherheit erhöhte.[8] Erste Versuche mit einem schälend arbeitenden Kohlengewinnungsgerät gab es bereits zur Jahreswende 1936/37. Dazu ließ man in einer Grundstrecke des Flözes Glücksburg durch drei Grubenlokomotiven eine mit einer angeschweißten Schneide versehene Grubenschiene am Kohlenstoß entlangziehen und damit einen 15 cm breiten Streifen abschälen. So technisch unausgereift dieser Versuch war, ermutigte er doch zu weiteren Experimenten. Grebe widmete sich mit besonderem Ehrgeiz der Weiterentwicklung.[4] Auch bei einer 1939 gebauten Konstruktion aus Schrapperkasten mit beiderseitigen Schneiden gab es noch verschiedene technische Probleme. Anfang 1940 gab es zudem Versuche mit einem pflugartigen Aufreißer.[9]

Im Jahr 1941 hatte der Bergbau-Verein einen Preis zur „Förderung der maschinellen Kohlengewinnung“ ausgelobt. Auf dem Bergwerk Ibbenbüren wurden die Bemühungen um eine Maschinenentwicklung intensiviert, um Flöze abbauen zu können, deren Mächtigkeit bisher als zu gering angesehen worden war.[10] Aus den Erkenntnissen der Vorversuche wurde schließlich im Juni 1941 ein Modell entwickelt, das fast schon dem späteren Kohlenhobel entsprach. Der anhand dieser Vorlage gebaute Ur-Hobel kam im September 1941 in einem Restpfeiler des Flözes Glücksburg erstmals zum Einsatz und wurde bis zum Jahresende nochmals weiter verbessert.[11] Dieser unter Federführung Grebes entwickelte „Einheitshobel“ gewann den Preis und wurde auch im Ruhrbergbau angewandt. Die DAF-Tageszeitung Der Angriff berichtete 1942, dass bei 100 t geförderter Kohle bereits 13 Schichten eingespart worden seien. Nach offizieller Bewertung war die Mann-Schicht-Leistung gegenüber der Gewinnung mit Druckluft-Abbauhämmern von 3,6 auf 7,8 t gesteigert.[12] Am 24. März 1942 folgte die Patentanmeldung als „Abbau- und Lageanlage, insbesondere für niedrige Flöze in Erz-, Kohle- bzw. Salzbergwerken“ durch die Preussag beim Reichspatentamt.[11] In den folgenden Jahren entspann sich allerdings ein Rechtsstreit um die Erfinderrechte zwischen Ernst Seeber als Betriebsdirektor der Steinkohlenbergwerke Ibbenbüren und Grebe.[5] Auch war nicht nur in Ibbenbüren an einem Kohlenhobel gearbeitet worden. Ein Diplom-Gewerbelehrer aus Jena beanspruchte das Allein-Patent, aber die patentrechtliche Prüfung fiel zu Gunsten der Preussag aus.[13] Am 4. Dezember 1942 ließ sich die schottische Maschinenfabrik Mavor and Coulson in Glasgow eine ähnliche Anlage vom britischen Patentamt schützen.[5]

Am 9. Dezember 1942 besuchte Robert Ley die von-Oeynhausen-Schachtanlage und ließ sich den Kohlenhobel vorführen. Anschließend hielt er eine Lobrede auf die Belegschaft. In der Propaganda galt der Kohlenhobel nicht nur als Mittel zur Leistungssteigerung der Kriegswirtschaft, sondern auch als Beleg für deutsche Überlegenheit.[14] Grebe wurde am 1. Mai 1943 von Ley im Mosaiksaal der Reichskanzlei als neunter Schaffender zum „Pionier der Arbeit“ ernannt.[15] Offenkundig ließ sich Grebe, der auch Mitglied der NSDAP war, bereitwillig von der NS-Propaganda vereinnahmen.[5]

Der unter Federführung Grebes entwickelte „Einheitshobel“ bewährte sich aber nicht überall. Auf der Hückelhovener Zeche Sophia-Jacoba erzielte der Kohlenhobel bei der Erprobung 1942 in der harten Kohle keine ausreichende Schnitttiefe.[16] Der Betriebsdirektor des Ostfeldes in Ibbenbüren kritisierte im September 1945 den Aufwand, der für die Entwicklung der Maschine betrieben worden sei. Er konstatierte, dass der Kohlenhobel den Beweis seiner technischen Eignung im Betrieb schuldig geblieben sei. Stattdessen sei alles in die Entwicklung der Grebe’schen Phantasiepläne eingespannt gewesen.[17] Noch 1944 lag der Anteil des Einheitshobels an der Gewinnung auf dem Ostfeld des Ibbenbürener Steinkohlenbergbaus bei 0,88 Prozent, was auch mit Lieferschwierigkeiten für Maschinenteile zusammenhing.[18] Entscheidend für den Durchbruch der schälenden Gewinnung war die Entwicklung des Schnellhobels im Jahr 1949, der nach seinem Erfinder Wilhelm Löbbe auch als „Löbbe-Hobel“ bekannt ist, und die zuvor getrennten Antriebe von Hobel und Fördereinrichtung verband.[5]

Weiterer Berufsweg nach Kriegsende

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Grab von Konrad und Luise Grebe auf dem Zentralfriedhof Ibbenbüren

Grebe wurde im Rahmen der Entnazifizierung nach Kriegsende als Funktionsträger des NSDAP verhaftet und verbrachte zwei Jahre im britischen Internierungslager Staumühle (Civil Internment Camp No. 5).[7] Nach seiner Entlassung im Sommer 1947 hatten die Steinkohlenbergwerke Ibbenbüren für ihn, wie es hieß, keine Verwendung mehr. Grebe gründete am 1. September 1947 sein eigenes Ingenieurbüro in Wuppertal.[5] In enger Kooperation mit der Bergbau-Zulieferindustrie, vorrangig mit der Gewerkschaft Eisenhütte Westfalia in Lünen und der Maschinenfabrik Hermann Hemscheidt in Wuppertal befasste er sich weiter mit der Entwicklung von Maschinen und Anlagen zur weiteren Mechanisierung im Bergbau.[5] 1950 entwickelte sein Büro einen umlaufenden, kurvengängigen Endlos-Förderer für die Zechen Victor und Ickern in Castrop-Rauxel.[19] Dieses Hemscheidt-Grebe-Kurvenband wurde von der Salzgitter-Maschinen-AG in Lizenz gebaut.[7]

Das Deutsche Patentamt verzeichnet 467 Patentanmeldungen von Konrad Grebe.[5] Insgesamt hielt er weit über 100 Patente.[2] 1962 ehrte ihn das Deutsche Institut für Erfindungswesen (DIE) mit der Verleihung der Rudolf-Diesel-Medaille in Gold.[7]

Konrad Grebe starb nur wenige Wochen nach seinem 65. Geburtstag am 12. Juli 1972 in Wuppertal. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Zentralfriedhof Ibbenbüren.[2]

Im Oktober 2023 wurden einige Objekte sowie eine umfangreiche Akten- und Fotoüberlieferungen aus dem Nachlass Konrad Grebes in das Montanhistorische Dokumentationszentrum übernommen.[5]

Commons: Konrad Grebe – Sammlung von Bildern
  • Grebe Konrad in der Datenbank Saarland Biografien
  • Klaus Rotte: Kohlenhobel revolutionierte Bergbau: Konrad Grebe – Pionier der Arbeit. In: Ibbenbürener Volkszeitung vom 30. Dezember 1998
  • Hubert Rickelmann und Hans Röhrs: Der Ibbenbürener Steinkohlenbergbau von den Anfängen bis zur Gegenwart. Schöningh, Paderborn, München, Wien und Zürich 1987, ISBN 3-506-77223-6, S. 143–151
  • Lutz Andres: Konrad Grebe -- ein Leben für die Kohle. Selbstverlag 2021, 54 Seiten, gebunden, Bildband.

Einzelnachweise

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  1. Todesanzeige der Familie in der Ibbenbürener Volkszeitung vom 18. Juli 1972
  2. 1 2 3 N.N.: Konrad Grebe †. Kurzer Nachruf in: Ibbenbürener Volkszeitung vom 19. Juli 1972.
  3. 1 2 Kurzbiografie Grebes (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2018. Suche im Internet Archive ) im Webauftritt der RAG Anthrazit Ibbenbüren; abgerufen am 31. Juli 2012.
  4. 1 2 Gunnar Gawehn: Im tiefen Norden. Die Geschichte des Steinkohlenbergbaus in Ibbenbüren. Aschendorff, Münster 2018, S. 354.
  5. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Stefan Przigoda: Konrad Grebe und der Kohlenhobel. In: Deutsches Bergbau-Museum Bochum & montan.dok. Deutsches Bergbaumuseum, 1. November 2024, abgerufen am 1. Juni 2026.
  6. Hubert Rickelmann und Hans Röhrs: Der Ibbenbürener Steinkohlenbergbau von den Anfängen bis zur Gegenwart. Schöningh, Paderborn, München, Wien und Zürich 1987, S. 149.
  7. 1 2 3 4 Notiz unter Ibbenbürener Mosaik. In: Ibbenbürener Volkszeitung vom 10. November 1962.
  8. Klaus Rotte: Kohlenhobel revolutionierte Bergbau: Konrad Grebe – Pionier der Arbeit. In: Ibbenbürener Volkszeitung vom 30. Dezember 1998.
  9. Hubert Rickelmann und Hans Röhrs: Der Ibbenbürener Steinkohlenbergbau von den Anfängen bis zur Gegenwart. Schöningh, Paderborn, München, Wien und Zürich 1987, S. 144.
  10. Gunnar Gawehn: Im tiefen Norden. Die Geschichte des Steinkohlenbergbaus in Ibbenbüren. Aschendorff, Münster 2018, S. 354 f.
  11. 1 2 Hubert Rickelmann und Hans Röhrs: Der Ibbenbürener Steinkohlenbergbau von den Anfängen bis zur Gegenwart. Schöningh, Paderborn, München, Wien und Zürich 1987, S. 147.
  12. Gunnar Gawehn: Im tiefen Norden. Die Geschichte des Steinkohlenbergbaus in Ibbenbüren. Aschendorff, Münster 2018, S. 355 f.
  13. Gunnar Gawehn: Im tiefen Norden. Die Geschichte des Steinkohlenbergbaus in Ibbenbüren. Aschendorff, Münster 2018, S. 358.
  14. Gunnar Gawehn: Im tiefen Norden. Die Geschichte des Steinkohlenbergbaus in Ibbenbüren. Aschendorff, Münster 2018, S. 356.
  15. Gunnar Gawehn: Im tiefen Norden. Die Geschichte des Steinkohlenbergbaus in Ibbenbüren. Aschendorff, Münster 2018, S. 358.
  16. Gunnar Gawehn: Im tiefen Norden. Die Geschichte des Steinkohlenbergbaus in Ibbenbüren. Aschendorff, Münster 2018, S. 355, 358.
  17. Gunnar Gawehn: Im tiefen Norden. Die Geschichte des Steinkohlenbergbaus in Ibbenbüren. Aschendorff, Münster 2018, S. 358 f.
  18. Gunnar Gawehn: Im tiefen Norden. Die Geschichte des Steinkohlenbergbaus in Ibbenbüren. Aschendorff, Münster 2018, S. 360.
  19. Angaben auf der Homepage zur Geschichte der ehemaligen Steinkohlenzeche Victor-Ickern (Memento vom 18. Oktober 2011 im Internet Archive); abgerufen am 31. Juli 2012.