Kleinwittenberg wurde 1817 gegründet. In den Befreiungskriegen wurden 1813 die Vorstädte Wittenbergs zerstört und brannten ab, als die von den Franzosen besetzte Festung durch preußische Truppen beschossen wurde. Um den dort ausgesiedelten Menschen eine neue Heimstatt zu schaffen, entstanden neue Bauplätze in den Wittenberger Vorstädten.
In einer zeitgenössischen Zeitung heißt es: „Die neue Vorstadt soll den Namen Kleinwittenberg erhalten. Sie liegt am linken Elbufer, 1800 Schritte weit von der Stadt, dem schönen Eichenwäldchen, das unsre Rothemark umschließt, in einiger Entfernung südlich gegenüber, reicht nördlich bis an die anhaltische Poststraße, und wird auf der Abendseite von dem pistritzer Bach begrenzt.“[2]
Durch Gräben und Pappelanpflanzungen wurden eine Hauptstraße und mehrere Querstraßen abgegrenzt, es entstanden 63 Baustellen mit Hof- und Gartenräumen. Ein Platz für eine Schule für die neue Vorstadt und das nahegelegene Dorf Piesteritz wurde festgelegt.
In Kleinwittenberg befand sich während des Ersten Weltkriegs ein Kriegsgefangenenlager, das aus 55 Baracken, einem Lazarett und Wirtschaftsgebäuden auf 12ha Fläche bestand. Hier waren 16.000 russische, französische, englische und italienische Gefangene untergebracht. Das Lager befand sich zwischen Dessauer Straße und Bahnlinie.[3]
Kleinwittenberg war jahrzehntelang ein vorwiegend von Fischern und Elbschiffern bewohnter Vorort Wittenbergs. Durch die abnehmende Bedeutung der Elbschifffahrt wurden die einstigen Hafenanlagen zum größten Teil nicht mehr benötigt und verfielen. Heute sind nur noch der Schutzhafen und zwei Anleger für Fahrgastschiffe in Betrieb.
Kleinwittenberg war eine selbstständige Gemeinde im Landkreis Wittenberg. Am 1. Juli 1950 wurde sie nach Lutherstadt Wittenberg eingemeindet.
2015 entstand der neue Bahnhof Lutherstadt Wittenberg-Piesteritz zwischen den Haltepunkten Lutherstadt Wittenberg West und Lutherstadt Wittenberg-Piesteritz Werkbf,[10] sodass der ursprüngliche Haltepunkt in Kleinwittenberg aufgegeben wurde.[11]
In Kleinwittenberg befindet sich eine Anlegestelle für Flusskreuzfahrtschiffe der Viking-Reederei.[12]
↑Heinrich Kühne: Vom Kriegsgefangenenlager 1914–18 in Kleinwittenberg. In: Heimatkalender 1998. Drei Kastanien Verlag, Lutherstadt Wittenberg 1997, S. 100–101.
↑Michael Rademacher:Kleinwittenberg.Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006.In:eirenicon.com.Abgerufen am 1.Januar 1900