Zum Inhalt springen

Kiberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Kiberg
Kiiperi
Kiberg (Norwegen)
Kiberg (Norwegen)
Kiberg
Basisdaten
StaatNorwegen Norwegen
Provinz (fylke) Finnmark
Gemeinde (kommune): Vardø
Koordinaten: 70° 17′ N, 31° 0′ OKoordinaten: 70° 17′ N, 31° 0′ O
Einwohner: 202 (2020)
Fläche: 0,28 km²
Bevölkerungsdichte: 721 Einwohner je km²
Höhe: 4 moh.
Verkehr
Straße: Europastraße 75
Blick auf Kiberg
Blick auf Kiberg

Kiberg (kvenisch Kiiperi[1]) ist eine Ortschaft in der norwegischen Kommune Vardø in der Provinz (Fylke) Finnmark. Im Jahr 2020 hatte das Fischerdorf 202 Einwohner.[2]

Geografie und Einwohner

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kiberg liegt an der Küste der Barentssee in der Kommune Vardø im äußersten Nordosten Norwegens. Etwa zehn Kilometer weiter nördlich befindet sich die Stadt Vardø. Im Nordosten schließt sich die Landspitze Kibergsneset, der östlichste Punkt des norwegischen Festlands, an die Ortschaft an. In Kiberg mündet die Kibergselva ins Meer.[3]

Die Ortschaft hat eine Fläche von rund 0,28 km². Die Zahl der Einwohner ist rückläufig. Von 2000 bis 2020 sank sie von 277 auf 202 Einwohner. Seit 2021 wird Kiberg vom Statistisk sentralbyrå nicht mehr als eigenständiger Tettsted gewertet.[2]

Wirtschaft und Verkehr

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westlich von Kiberg verläuft die Europastraße 75 (E75). Sie verbindet Städte wie Vardø und Vadsø mit der weiter südlich verlaufenden Europastraße 6 (E6). Von Kiberg aus stellt der Fylkesvei 8106 die Anbindung an die E75 her.[3]

Die Fischerei ist von großer Bedeutung für die lokale Wirtschaft. In Kiberg werden sowohl Kabeljau als auch Krabben weiterverarbeitet.[4]

Im 16. und 17. Jahrhundert war Kiberg eines der größten Fischerdörfer der Finnmark.[5]

Die erste Erwähnung einer Kirche in Kiberg stammt aus dem Jahr 1589. Sie wurde um das Jahr 1667 abgerissen und durch eine neue Kirche ersetzt, die in Bergen errichtet und nach Kiberg transportiert wurde. Sie zählte zu den reichsten und am besten dekorierten Kirchen der ganzen Finnmark. Im Jahr 1747 wurde sie im Rahmen einer Versteigerung verkauft und später abgerissen.[6]

Partisanen aus Kiberg im Zweiten Weltkrieg

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 1940 kamen die ersten Soldaten der Wehrmacht in Vardø und Kiberg an.[7] In Kiberg bauten die deutschen Besatzer die Küstenbatterie Kiberg auf.[8] Sie gingen gegen die Kommunisten der Region vor, weshalb mehrere Familien in die Sowjetunion flohen. Während die meisten Frauen und Kinder in den Ural geschickt wurden, wurden einige Frauen sowie die meisten Männer vom Volkskommissariat für innere Angelegenheiten (NKWD) angeworben und ausgebildet. Sie wurden unter anderem als Soldaten und Spione eingesetzt.[7]

Ab Oktober 1940 wurden einige der Partisanen nach Norwegen geschickt, um Informationen über die deutschen Besatzer einzuholen.[7] Sie übermittelten unter anderem die Positionen von Transportschiffen, Truppen sowie Lebensmittel- und Waffenlagern der Besatzer.[9] Von den insgesamt 45 Partisanen überlebten nur 18 den Zweiten Weltkrieg.[10]

Im Gegensatz zu den meisten Orten der Finnmark wurde Kiberg beim Rückzug der deutschen Besatzer nicht im Rahmen der Kriegstaktik Verbrannte Erde zerstört. In Kiberg sind deshalb bis heute noch ältere Gebäude erhalten. So blieb unter anderem der Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Hundsethgården erhalten.[11]

Foto eines Denkmals mit den Namen von 17 Gefallenen. Im Hintergrund ein rotes Holzhaus.
Partisanen-Denkmal beim Partisanen-Museum

Von den 18 überlebenden Partisanen kehrten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 17 nach Kiberg zurück. Das Fischerdorf erhielt dadurch den Beinamen Lille Moskva (deutsch Klein-Moskau).[10] Im August 1948 wurde in Kiberg ein Denkmal für die gefallenen Partisanen enthüllt.[12]

Im Kalten Krieg wurden die kommunistischen Partisanen überwacht. Sie wurden verdächtigt, weiter für die Sowjetunion zu spionieren.[10] Im Gegensatz zu anderen Widerstandskämpfern erhielten die gefallenen Partisanen aus Kiberg nicht die Kriegsmedaille (Krigsmedaljen) post mortem.[9]

Im Sommer 1983 legte Olav V. einen Kranz am Partisanen-Denkmal in Kiberg nieder. Im August 1992 bat König Harald V. schließlich bei einer Rede in Kiberg bei den Betroffenen um Entschuldigung für die Behandlung, die sie nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhren.[10] Im Mai 2000 wurde das Partisanen-Museum (Partisanmuseet) in Kiberg eröffnet.[13]

Im Jahr 1520 wurde Kiberg als Krybber erwähnt. Der Name leitet sich möglicherweise vom altnordischen Wort kið (deutsch Kitz) ab. Möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang mit dem Wort kive, einer Möwenart.[14]

Persönlichkeiten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Commons: Kiberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ Kiberg. Kartverket, abgerufen am 12. September 2026 (norwegisch).
  2. 1 2 14216: Area and population of urban settlements, by urban settlement, year and contents. In: ssb.no. Abgerufen am 14. September 2026 (englisch).
  3. 1 2 Kiberg. In: Norgeskart. Abgerufen am 14. September 2026 (norwegisch).
  4. ↑ Geir Thorsnæs, Svein Askheim: Vardø. In: Store norske leksikon. Abgerufen am 14. September 2026 (norwegisch).
  5. ↑ Svein Askheim: Kiberg. In: Store norske leksikon. Abgerufen am 14. September 2026 (norwegisch).
  6. ↑ Kiberg kirkested 2 / Kiberg kirke 2, Kirkested. In: Kulturminnesøk. Riksantikvaren, abgerufen am 15. September 2026 (norwegisch).
  7. 1 2 3 History. In: Partisan Museum. Abgerufen am 14. September 2026 (englisch).
  8. ↑ Svein Askheim: Kibergneset. In: Store norske leksikon. Abgerufen am 12. September 2026 (norwegisch).
  9. 1 2 Arne Egil Tønset: De hemmelige agentene Norge helst ville glemme. In: NRK. 9. Juni 2018, abgerufen am 14. September 2026 (norwegisch).
  10. 1 2 3 4 Thomas Alkärr: Partisanene i Finnmark. In: NRK. 10. Dezember 2008, abgerufen am 14. September 2026 (norwegisch).
  11. ↑ Hundsethgården (Hundseth Building). In: Arkitekturguide. Universität Tromsø, abgerufen am 14. September 2026 (englisch).
  12. ↑ Bautaen over de falne fra Kiberg avsløres 22. august. In: Finnmarken. 3. August 1948, S. 2 (norwegisch, nb.no).
  13. ↑ Jørn Jensen: Partisanmuseet i Kiberg feiret 25-års jubileum. In: Østhavet. 28. Oktober 2025, abgerufen am 14. September 2026 (norwegisch).
  14. ↑ Kiberg. In: Norsk stadnamnleksikon. Abgerufen am 14. September 2026 (norwegisch).