Spanische Sprache
| Spanisch español castellano | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
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Gesprochen in |
sowie in Hispanoamerika, in Teilen der USA | ||||||
| Sprecher | 485 Millionen Muttersprachler (2023) | ||||||
| Linguistische Klassifikation |
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| Offizieller Status | |||||||
| Amtssprache in | Europa: Afrika: Karibik: Nordamerika: Mittelamerika: Südamerika: Internationale Organisationen: | ||||||
| Sonstiger offizieller Status in | |||||||
| Sprachcodes | |||||||
| ISO 639-1 | es | ||||||
| ISO 639-2 | spa | ||||||
| ISO 639-3 | spa | ||||||
| vorne | zentral | hinten | |
|---|---|---|---|
| geschlossen | i | u | |
| mittel | e | o | |
| offen | a |
Konsonanten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Spanische kennt 24 Konsonanten, wobei die Frikative und die Plosive Allophone der Phoneme sind. Zum Deutschen unterschiedliche Konsonanten sind das ñ ([ɲ]) und die beiden Digraphen ll ([ʎ]) und ch ([t͡ʃ]).
| Konsonanten des Spanischen[45] | bilabial | labio- dental |
dental | alveolar | post- alveolar |
palatal | velar |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Plosive | p b | t d | k g | ||||
| Affrikaten | t͡ʃ | ||||||
| Nasale | m | n | ɲ | ||||
| Flaps/Trills | ɾ r | ||||||
| Frikative | β | f | θ ð | s | x ɣ | ||
| Approximanten | w | j | |||||
| Laterale | l | ʎ |
Mundartlich wird s vor Verschlusslauten manchmal wie h ausgesprochen, z. B. España („Spanien“) als ɛhˈpaɲa.
Yeísmo / Šeísmo / Žeísmo
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine Unterscheidung der Laute /ʎ/ und /j/ bzw. /ʝ/ erfolgt nicht im gesamten spanischsprachigen Raum, vor allem nicht in Lateinamerika, was am Yeísmo deutlich wird. In Spanien selber wird ll mundartlich manchmal wie d͡ʑ oder d͡ʐ ausgesprochen. Inzwischen liegt der Yeísmo auch in weiten Teilen Spaniens vor. Eine Unterscheidung zwischen /ʎ/ und /j/ bzw. /ʝ/ gilt heutzutage teilweise als untypisch. Es bestehen aber im gesamten spanischsprachigen Raum noch Zonen, in denen die Phoneme unterschieden werden. Die hohe Verbreitung des Yeísmo in der gesamten spanischsprachigen Welt führte zu seiner Akzeptanz in der gebildeten Sprache - so wird er unter anderem von der Real Academia Española akzeptiert.[46] Durch den Yeísmo kommt es zu einer Aufhebung von Minimalpaaren, da mit ihm die Wortpaare ‹halla› und ‹haya› gleich ausgesprochen werden. Des Weiteren existieren in Lateinamerika die Aussprachephänomene des Žeísmo und des Šeísmo, bei denen nicht /ʎ/, /j/ bzw. /ʝ/, sondern /ʒ/ und /ʃ/ gesprochen werden.[47]
Seseo und Ceceo
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Große Aussprachevariationen in der spanischsprachigen Welt gibt es auch bezüglich der Laute /s/ und /θ/. Zonen, in denen die Wörter ‹casa› und ‹caza› beide mit dem Phonem /s/ gesprochen werden (große Teile Lateinamerikas und Südspanien: Sevilla, Kanaren, Murcia, aber auch in Valencia, Katalonien, Mallorca und im Baskenland), bezeichnet man als Seseo-Regionen. Zonen, in denen beide Laute als /θ/ gesprochen werden (ebenfalls vor allem Südspanien: z. B. Málaga, Granada), werden als Ceceo-Regionen bezeichnet. In großen Teilen Lateinamerikas gilt der Seseo auch als Standardaussprache und der stimmlose interdentale Frikativ wird nahezu gar nicht verwendet. Im Süden Spaniens wird der Seseo auch in der gebildeten Sprache akzeptiert. Der Ceceo ist im spanischsprachigen Raum jedoch deutlich seltener vertreten und gilt als dialektal.[48][49][50]
Grammatik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Spanische weist über 50 konjugierte Formen pro Verb auf, mit Endungen für Personalformen, Tempus und Aspekt, hat aber nur eine eingeschränkte Flexion von Substantiven und Determinativen.[51] Letztere zeigen nur zwei grammatische Geschlechter sowie Singular- und Pluralformen.
Die Wortstellung des Spanischen ist grundsätzlich Subjekt-Verb-Objekt, erlaubt aber viel Variation. Ein Personalpronomen als Subjekt kann wegfallen, d. h. Spanisch ist eine Pro-Drop-Sprache. Die Merkmale des Subjekts werden dann nur von der Verbform angezeigt. Das Spanische besitzt ferner ein System von unselbständigen (klitischen) Objektpronomen, wie es auch für die anderen romanischen Sprachen typisch ist.
Wortarten und Wortbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Bedeutung, Funktion ↓ | Formen, Klassen[52][53] | |
|---|---|---|
| flektierbar | flexionslos | |
| Lexikalisch | Substantiv (sustantivo), Verb (verbo), Adjektiv (adjetivo) | Adverb (adverbio), Zahlwort (nombre numeral[54]) |
| Grammatikalisch | Artikel (articulo), Pronomen (pronombre) | Präposition (preposición), Konjunktion (conjuncion) |
Für die Produktion neuer Wörter aus vorhandenen Wörtern, also die Wortbildung, formación de palabras werden zwei Varianten unterschieden: Wortableitung (Derivation, derivación) und Wortzusammensetzung (Komposition, composición).
Im Bereich der Lehnwörter bzw. Entlehnung, so etwa in der Begrifflichkeit der elektronischen Datenverarbeitung, zeigt sich ein großer Einfluss der englischen Sprache. So weist vor allem der Internetwortschatz im Spanischen eine hohe Anzahl von Anglizismen oder angloamerikanisch geprägten spanischen Wortschöpfungen auf.[55]
Lexikalische Negation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Durch den Gebrauch folgender Präfixe können Worte mit negativer Bedeutung, als Ausdruck einer syntaktischen Negation (siehe im Gegensatz hierzu die Adverbien der Verneinung), entstehen:
- a-, des-, in-, i-, im-, ir-. Beispiele: a-político, des-acertado, in-formal, i-legible, im-posible, ir-racional.
Als Basislexeme für die negative Wortbildung dienen Substantive, Adverbien, Verben und Adjektive. Wortarten welche allesamt zu den Autosemantika zählen. Dabei sind einige Worte in der Lage, jeweils zwei unterschiedliche Präfixe zu binden. Beispiel: in-moral und a-moral.[56]
Varietäten der spanischen Sprache
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das äquatorialguineische Spanisch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das philippinische Spanisch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neben der Verbreitung in Europa wird Spanisch ebenfalls in Asien, d. h. auf den Philippinen gesprochen. Viele Inseln, Ortschaften sowie die Filipinos und das Land selbst tragen spanische Namen, die aus der kolonialen Epoche herrühren.
Das amerikanische Spanisch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am weitaus bedeutsamsten ist Spanisch in Amerika, indem es in den meisten Ländern als Muttersprache gesprochen wird. Da sie dort ein sehr großes Gebiet einnimmt und da seit der Kolonialisierung durch die Spanier bereits Jahrhunderte vergangen sind, weist die spanische Sprache auf den Großen Antillen und im übrigen Lateinamerika gewisse Abweichungen zum europäischen Spanisch auf. Diese sind in der Schrift- und Verkehrssprache nicht allzu groß, wohingegen sich Umgangssprache und Dialekte der einzelnen Länder teilweise recht deutlich unterscheiden, und zwar nicht nur in der Aussprache, sondern auch im Vokabular.
In Südamerika sind Mischdialekte entstanden, die teils als „Portuñol“ bezeichnet werden.

Bedeutende Sprache, aber keine Amtssprache Amtssprache Amtssprache neben anderen
Im grammatikalischen Bereich sind bis auf die Eigenheiten in der Verwendung der Vergangenheitstempora (Dominanz des Indefinido), der Nichtexistenz von Vosotros und dem Voseo (nur regional geprägt) keine nennenswerten Besonderheiten festzustellen.
Demgegenüber haben einige Wörter durchaus einen Bedeutungswandel vollzogen. Manche Abweichungen sind konkret auf den Einfluss indigener Sprachen zurückzuführen, der in den einzelnen Regionen unterschiedlich intensiv ausgestaltet ist. Vorrangig in Mexiko, der Karibik, Zentralamerika und Venezuela spürbar sind auch die Einflüsse des US-amerikanischen Englischen auf den Wortschatz des Spanischen, die sich wesentlich stärker niederschlagen als in Europa. Generell lässt sich in Spanien der lateinamerikanische Wortschatz als archaischer, verglichen mit dem kontinentaleuropäischen, beschreiben. In Lateinamerika wird dagegen das iberische Spanisch als altmodisch und harsch empfunden.
Ein charakteristisch-markantes Erkennungszeichen lateinamerikanischer Sprecher ist die vom europäischen Spanisch stark abweichende Sprachmelodie. Die Unterschiede in dieser Beziehung sind jedoch zwischen dem andinen Spanisch, den La-Plata-Dialekten, Mexiko und Zentralamerika sowie den karibischen Dialekten praktisch ebenso groß wie zum Kontinentalspanischen, sodass sich allgemeine Regeln nur schwer definieren lassen.
Obgleich Aussprache und Wortschatz zwischen den und ebenso in den einzelnen lateinamerikanischen Ländern mitunter stark variieren, lassen sich doch einige Hauptunterschiede zwischen der Sprache Mexikos und Süd- und Mittelamerikas und dem europäischen Spanischen festhalten.
Unterschiede in der Grammatik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die Vergangenheitsform Pretérito Perfecto (he comprado) ist in einigen Ländern wie Argentinien marginal gebräuchlich, stattdessen wird meist das Pretérito Indefinido verwendet (compré), soweit man das „Noch-Andauern“ einer Handlung nicht explizit betonen möchte.
- Die in Spanien ausschließlich als Höflichkeitsform im förmlichen Umgang (vgl. „Siezen“ im Deutschen) verwendete Anrede ustedes (von vuestra merced, etwa: „Euer Gnaden“) ist in Lateinamerika die standardsprachliche und allgemein verbreitete Anredeform, unabhängig von Sprachebene oder Vertrautheit. So wird die 2. Person Plural im amerikanischen Sprachraum überhaupt nicht benutzt und stets durch die Anrede in der 3. Person ersetzt. An die Stelle des Personalpronomens vosotros tritt hingegen immer ustedes (eine der wenigen Regeln, die universal für ganz Lateinamerika gelten). Auch im Singular ist die Anrede in der 2. Person mit tú in manchen Gebieten weniger gebräuchlich (oder wirkt schroff bzw. pedantisch) und man greift entweder zu vos oder zur 3. Person mit usted.
- Mit dem in vielen Teilen Lateinamerikas verbreiteten Voseo wird anstelle des Personalpronomens tú oder ti in der 2. Person Singular das Pronomen vos verwendet und die Verben werden dementsprechend abweichend konjugiert (beispielsweise vos sos, standardspanisch tú eres „du bist“). Die grammatikalischen Regeln zum Voseo werden regional unterschiedlich angewandt, so sind Varianten wie vos tomás, tú tomás und vos tomas (standardspanisch tú tomas) möglich.
- Er ist praktisch in Argentinien, Uruguay, Paraguay und Nicaragua anzutreffen und in abgeschwächter Form auch in anderen Ländern wie Guatemala, dem venezolanischen Bundesstaat Zulia sowie den kolumbianischen Regionen Paisa und Valle de Cauca.
- Costa Rica stellt einen Sonderfall dar, da tú nicht gebraucht wird, dafür aber vos und usted gleichermaßen.
- Eine kleinere Sonderform des Voseo ist in Chile verbreitet, wo in der informellen Sprache in der 2. Person Singular eine an die 2. Person Plural bzw. die Konjugationsformen des Voseo erinnernde Verbform in Gebrauch ist. Die auf -ar endenden Verben erhalten in der 2. Person Singular die Endung -ái(s), wobei das Schluss-s nicht ausgesprochen wird. Die Verben auf -er/-ir erhalten die Endung -ís, wobei das Schluss-s nur manchmal gehaucht wird.
- Beispiele: ¿Cómo estás? wird zu ¿Cómo estái(s)? ¿Qué haces? wird zu ¿Qué hacís? bzw. ¿Qué hací(h)? oder ¿Te acuerdas? wird zu ¿Te acordái(s)?
- Beachtenswert sind diesbezüglich die Parallelen zum Italienischen, wo die Endung der 2. Person Singular stets -i ist. Als Pronomen wird generell tú verwendet und nur selten vos, was einen noch legereren (oft auch aggressiven) Charakter hat.
- Phonetisch ähneln sich der Voseo in Chile und der in Venezuela, da in diesem die Konjugation der klassischen Form (-áis, -éis, -ís) entspricht, das Schluss-s aber genauso wie in Chile gehaucht wird.
- Beispiele: ¿Cómo estáis? ¿Qué hacéis? ¿Venís? (gesprochen ¿kómo ehtáih? ¿ké aséih? ¿beníh?).
Unterschiede im Wortschatz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es gibt viele Abweichungen zwischen dem europäischen und dem lateinamerikanischen Wortschatz und überdies auch innerhalb Lateinamerikas von Land zu Land diverse semantische Eigenarten. Sie betreffen hauptsächlich die Umgangssprache und Begriffe des täglichen Lebens. Ernsthafte Verständigungsprobleme zwischen Sprechern (und ihrem mentalen Lexikon) aus verschiedenen europäischen und amerikanischen Teilarealen des spanischen Sprachraums gibt es in der Regel jedoch kaum.
- Einige Beispiele
| Deutsch | europ. Span. | amerik. Span. | ein Spanier oder Nicht-Muttersprachler könnte verstehen |
|---|---|---|---|
| Butter | mantequilla | manteca (Argentinien, Paraguay) | Schmalz, Fett |
| Erdbeere | fresa | frutilla (Argentinien, Bolivien, Chile, Ecuador, Paraguay) | Früchtchen |
| Eisschrank | nevera | refrigerador, heladera (Argentinien, Bolivien, Chile, Mexiko – nur Refrigerador-, Peru, Paraguay) | Kühler; Eisverkäuferin |
| Rock | falda | pollera (Argentinien, Uruguay, Paraguay) | Hühnerverkäuferin |
| Auto(mobil) | coche | carro (Ecuador, Kolumbien, Mexiko, Peru, Venezuela, Zentralamerika) auto (Argentinien, Bolivien, Chile, Ecuador, Mexiko, Peru, Paraguay) máquina (Argentinien; von ital. macchina für Auto) |
Karren, Handwagen (carro) Maschine (máquina) |
| Banane | plátano | banano, guineo (Karibik, Zentralamerika) cambur (Venezuela) banana (Argentinien, Paraguay) |
|
| Bohnen | judías | alubias (Kanarische Inseln) caraotas (Venezuela) frijoles (Mexiko, Peru, Zentralamerika) habichuelas (Kolumbien) fréjol (Ecuador) porotos (Argentinien, Bolivien, Chile, Paraguay) |
|
| Kartoffel | patata | papa (Argentinien, Bolivien, Chile, Ecuador, Kolumbien, Mexiko, Peru, Zentralamerika, Kanarische Inseln) | Papst (dann jedoch Maskulinum), Vater (falls als papá endbetont) |
| Lastwagen | camión | troca (nördliche mexikanische Bundesstaaten und „kalifornisches Slang-Spanisch“, von amer.-engl. truck) |
- Je nach Land gibt es eine unterschiedliche Anzahl Wörter, die aus den jeweiligen Sprachen der indigenen Völker entlehnt wurden. Einige davon haben auch das europäische Spanisch erreicht. Dazu gehören u. a. die Begriffe aguacate („Avocado“) und patata („Kartoffel“, siehe Tabelle).
- Insbesondere Namen für Obst- oder Gemüsesorten variieren unter den lokalen Varietäten der unterschiedlichen spanischsprachigen Länder sehr stark. So heißt etwa in der Dominikanischen Republik „die Orange“ la china, „die Mandarine“ la italiana, „die Papaya“ la lechoza, „die Banane“ el guineo und „die Maracuja“ la chinola – Ausdrücke, die oft nicht nur in Spanien und Südamerika, sondern selbst in benachbarten Ländern wie Kuba oder Mexiko bereits nicht mehr verstanden werden. Ähnliches gilt für Bezeichnungen wie frutilla – „Erdbeere“ (in Europa fresa genannt), ají – „scharfe Paprika“ (europ. chili) oder palta – „Avocado“ (europ. aguacate), wie sie in Chile und einigen anderen südamerikanischen Ländern geläufig sind.
- Zu Missverständnissen kommt es am ehesten bei Wörtern, die neben der allgemeinen Bedeutung in bestimmten Ländern über eine umgangssprachliche Spezialbedeutung verfügen.
- Das in Spanien unverfängliche und für alle möglichen Sachverhalte häufig gebrauchte Verb coger („nehmen, ergreifen, fangen“) etwa ist in ein paar Ländern Lateinamerikas (vor allem Mexiko, Argentinien, Uruguay und Paraguay) ein ordinärer Ausdruck für die Ausübung des Geschlechtsverkehrs. Der Satz „Ich werde den Bus nehmen“ (Voy a coger el autobús) bedeutet daher bei Argentiniern „Ich werde den Bus bumsen“. In ganz Lateinamerika wird anstelle von coger häufiger das Verb agarrar oder tomar („nehmen, einnehmen, trinken“) verwendet.
- Das Wort guagua bezeichnet in der Dominikanischen Republik, auf Kuba und auf den Kanarischen Inseln einen innenstädtischen „Linienbus“, in Andenländern wie Chile, Peru oder Ecuador steht es für „Krabbel-“ oder „Kleinkind“ (hier: Xenismus aus den Quechua), sodass auch in diesem Fall Missverständnisse vorbestimmt sind.
- Für „hübsch“ oder „schön“ formuliert man in den meisten Ländern Lateinamerikas Adjektive wie bonito/-a oder lindo/-a. Das in Spanien verbreitete guapo/-a ist demgegenüber ungebräuchlich und hat in manchen Ländern (etwa auf Kuba und in der Dominikanischen Republik) die Bedeutung „aggressiv“ oder „wild“. Somit ist una chica guapa in Madrid ein hübsches, in Havanna ein wütendes Mädchen.
Unterschiede in der Aussprache
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Viele lateinamerikanische Aussprachebesonderheiten erinnern an südspanische Dialekte und sind in erster Linie gerade deswegen präsent, weil im 16. und 17. Jahrhundert die meisten spanischen Einwanderer aus dem Süden Spaniens (v. a. Extremadura und Andalusien) kamen (siehe auch Andalusischer Dialekt).
- Typisch ist der Seseo. Während im europäischen Spanisch ein z zumeist wie ein stimmloses englisches „th“ ausgesprochen wird, klingt es in lateinamerikanischer Artikulation wie ein stimmloser „s“-Laut. Dasselbe trifft auf das „c“ vor e und i zu (z. B. in nación).
- Der Yeísmo tritt praktisch in ganz Lateinamerika auf, mit Ausnahme des Andengebiets und Paraguays. Zwei Sonderformen sind in den Río-de-la-Plata-Staaten (Argentinien, Uruguay) weit verbreitet. Dort wird das Phonem ll nicht wie ein deutsches „j“, sondern stimmhaft wie ein weiches „sch“, zunehmend auch stimmlos ähnlich einem deutschen „sch“ (Šeísmo) ausgesprochen wird.
- „j“ wird je nach Region mal mehr und mal weniger hart ausgesprochen. Die Aussprache variiert vom spanischen harten und hinteren „ch“ über das deutsche eher weichere „ch“ (wie in Bu-„ch“) bis hin zum herkömmlichen „h“.
- Regional differenziert in der Ausprägung ist das Verstummen oder Verändern bestimmter Endungen.
- Besonders in der Karibik ist diese Erscheinung ausgeprägt und führt mitunter zu starken Verständnisproblemen bei ungeübten Hörern. So wird insbesondere die Wortendung -ar abweichend als -á, -al oder auch -ai (z. B. im Norden der Dominikanischen Republik nahe Puerto Plata) ausgesprochen. Der Infinitiv caminar wird demnach zu caminá, caminal oder caminai – analog bei Verben auf -er oder -ir wird poner oft ponel oder auch ponei ausgesprochen.
- „d“ wird am Wortende oft nicht gesprochen, die Betonung bleibt aber auf der letzten Silbe. Beispiel: ciudad wird gesprochen wie siudá. Das „d“ wird auch zwischen Vokalen meist ausgelassen, beispielsweise wird cansado zu cansao.
- „s“ im Silbenauslaut bzw. am Wortende wird oft als Hauchlaut gesprochen oder verstummt ganz. Die Tendenz, das „s“ anzuhauchen (z. B. ehtoy statt estoy) ist in vielen Küstendialekten vorzufinden und scheint abermals dem Andalusischen ähnlich.
- Durch faktisches Verschwinden der 2. Person Plural im lateinamerikanischen Spanisch lässt sich auch die 2. Person Singular oft nicht von der 3. Person Singular unterscheiden.
- Beispiel: ¿Qué quiere? („Was möchte er/sie?“) könnte vor Wegfall des „s“ auch ¿Qué quieres? („Was möchtest du?“) bedeutet haben.
- Ausnahmen gibt es in Argentinien, Chile, Uruguay, Paraguay, einigen mittelamerikanischen Ländern und einigen Regionen Kolumbiens, Venezuelas und Boliviens.
- In großen Teilen Chiles wird in der 2. Person Singular querís anstatt quieres gesagt. Die Endung -as wird durch -ái und -es durch ein -ís ersetzt, wobei das Schluss-s entweder gehaucht wird oder in der Aussprache ganz wegfällt. In beiden Fällen wird die letzte Silbe betont, was teilweise eine Änderung der anderen Vokale innerhalb des Wortes nach sich zieht.
- Beispiel: ¿Adonde vai? („Wohin gehst du?“) statt ¿Adonde vas? venís („du kommst“) statt vienes; podís („du kannst“) statt puedes.
- Dies gilt auch für fast alle anderen Formen der 2. Person Singular.
- In Argentinien, Uruguay, Paraguay, einigen mittelamerikanischen Ländern und auch in Teilen Kolumbiens und Boliviens wird statt quieres querés (auch oft mit gehauchtem Schluss-s) gesagt, was seine Grundlage in der Konjugationsform des altspanischen vos hat. In diesen Ländern wird außerdem statt tú vos gesagt, was ebenfalls „du“ bedeutet, aber eine andere Konjugationsform nach sich zieht.
- So heißt es nicht puedes („du kannst“), sondern podés. Hier wird – anders als in der in Spanien gebräuchlichen vosotros-Form – das „i“ nicht ausgesprochen.
- Eine Ausnahme bilden die Verben der -ir-Konjugation, die der vosotros-Form entsprechen (z. B. vivís).
- Die von vos abhängige Konjugation in Venezuela (Bundesstaat Zulia) entspricht der des vosotros (-áis, -éis, -ís), obschon das „Schluss-s“ nur gehaucht wird, wodurch die Verben klanglich den chilenischen ähneln.
- Durch die insgesamt starken Unterschiede zwischen der 2. und 3. Person Singular wird die tendenzielle Schwächung des „Schluss-s“ wieder relativiert.
- Durch faktisches Verschwinden der 2. Person Plural im lateinamerikanischen Spanisch lässt sich auch die 2. Person Singular oft nicht von der 3. Person Singular unterscheiden.
- Beispiel für das Verstummen von „d“ und „s“ in einem Satz: estamos cansados („wir sind müde“) wird bei der Aussprache zu e(h)tamo(h) cansao.
| Allgemein1 | Chile | Venezuela2 |
|---|---|---|
| vivís | ||
| venís | ||
| podés | podís | podéis |
| querés | querís | queréis |
| ¿qué hacés? | ¿qué hacís? | ¿qué hacéis? |
| ¿cómo estás? | ¿cómo estái? | ¿cómo estáis? |
| ¿adonde vas? | ¿adonde vai? | ¿adonde vais? |
| 1 Allgemein bedeutet alle anderen Länder mit Voseo 2 Im Bundesstaat Zulia | ||
Vom Spanischen abgeleitete Sprachen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Spanisch hat z. T. andere Varianten und Mischformen entwickelt.
- Tochtersprache:
- Ladino (auch „sephardische Sprache“) ist das Spanisch der 1492 (Alhambra-Edikt) aus Spanien vertriebenen Juden (Sephardim). Sie leben heute in Israel, Griechenland, der Türkei, Nordmarokko und den USA. Die Sprecherzahl wird auf höchstens 100.000 geschätzt
- Hybriddialekte, d. h. Mischsprachen existieren überall dort, wo Spanisch und Portugiesisch aufeinandertreffen:
- Barranquenho in Portugal oder
- Portuñol in Uruguay und Brasilien.
- Kreolsprachen:
- Palenquero in Kolumbien,
- Papiamentu auf den ABC-Inseln oder
- Chabacano auf den Philippinen.
Sprachbeispiel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Allgemeine Erklärung der Menschenrechte:
Todos los seres humanos nacen libres e iguales en dignidad y derechos y, dotados como están de razón y conciencia, deben comportarse fraternalmente los unos con los otros.
„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“
Beispiele gesprochen von einem Einwohner Madrids:
- (24 KB) – „Was gibt’s Neues?“
- (29 KB) – „Danke, mir geht es gut, und dir?“
- (27 KB) – „Auf Wiedersehen, bis morgen.“
Zwei Beispiele aus dem Buch Der kleine Prinz deuten die Unterschiede der europäischen und amerikanischen Aussprache an. Sie stammen aus zwei unterschiedlichen Übersetzungen des französischen Originals:
Sprachfallen: „Falsos Amigos“
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit den typischen Fehlern, die beim Erlernen und Übersetzen der spanischen Sprache auftreten können, beschäftigen sich folgende Beiträge:
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Allgemein
- Joachim Born, Robert Folger, Christopher F. Laferl, Bernhard Pöll (Hrsg.): Handbuch Spanisch. Sprache, Literatur, Kultur, Geschichte in Spanien und Hispanoamerika. Für Studium, Lehre, Praxis. Schmidt, Berlin 2012, ISBN 978-3-503-09875-0.
- Ursula Klenk: Einführung in die Linguistik: Spanisch. GOEDOC – Dokumenten- und Publikationsserver der Georg-August-Universität Göttingen, (2008) doi:10.3249/webdoc-1933 (PDF; 934 kB)
- Reinhard Meyer-Hermann: Spanisch. In: Thorsten Roelcke (Hrsg.): Variationstypologie / Variation Typology. Ein sprachtypologisches Handbuch der europäischen Sprachen in Geschichte und Gegenwart / A Typological Handbook of European Languages Past an Present. De Gruyter, Berlin / New York 2003, ISBN 3-11-016083-8, S. 449–479 (archivierte Kopie. [ vom 12. April 2021 im Internet Archive] [PDF; 492 kB] books.google.de).
- Daniel Reimann: Sprachbeschreibung Spanisch. Universität Duisburg/Essen, Stiftung Mercator, proDaZ, Dezember 2016 PDF; 21 MB
Spanische Sprachwissenschaft
- Helmut Berschin, Julio Fernández-Sevilla, Josef Felixberger: Die Spanische Sprache. Verbreitung, Geschichte, Struktur. 3. Auflage. Georg Olms, Hildesheim / Zürich / New York 2005, ISBN 3-487-12814-4.
- Annegret Alsdorf-Bollee, Ingrid Neumann-Holzschuh: Spanische Sprachgeschichte. 5. Auflage. Klett, Stuttgart 2009.
- Wolf Dietrich, Horst Geckeler: Einführung in die spanische Sprachwissenschaft: Ein Lehr- und Arbeitsbuch. 5. Auflage. Schmidt, Berlin 2007.
- Arnim Gassner: Das altspanische Verbum. Niemeyer, Halle 1897. (als Nachdruck bei Hansebooks GmbH. Norderstedt 2016, ISBN 3-7434-8817-5, DNB 1178098451 – Katalogeintrag der Deutschen Nationalbibliothek)
- Johannes Kabatek, Claus D. Pusch: Spanische Sprachwissenschaft. Narr Francke Attempto, Tübingen 2009, ISBN 978-3-8233-6404-7.
- Petrea Lindenbauer, Michael Metzeltin, Margit Thir: Die romanischen Sprachen. Eine einführende Übersicht. Egert, Wilhelmsfeld 1995.
- Michael Metzeltin: Las lenguas románicas estándar. Historia de su formación y de su uso. Academia de la Llingua Asturiana, Uviéu 2004
- Ralph Penny: A History of the Spanish Language. Cambridge University Press 2002, ISBN 0-521-80587-2. (eingeschränkte Vorschau bei „google-books“)
- Antonio Tovar: Einführung in die Sprachgeschichte der Iberischen Halbinsel: das heutige Spanisch und seine historischen Grundlagen. 3. Auflage. Narr Francke Attempto, Tübingen 1989.
- Gesina Volkmann: Weltsicht und Sprache. Epistemische Relativierung am Beispiel des Spanischen. Narr Francke Attempto, Tübingen 2005, ISBN 3-8233-6101-5.
- Andreas Wesch: Grundkurs Sprachwissenschaft Spanisch. 5. Auflage. Klett, Stuttgart 2006.
- Johannes Kabatek, Claus Dieter Pusch: Spanische Sprachwissenschaft: Eine Einführung (bachelor-wissen). Gunter Narr Verlag, Tübingen 2011, ISBN 978-3-8233-6658-4
Spanische Wortschätze
- André Höchemer: Man spricht Spanisch! Spanische Wortschätze auf gut Deutsch. Verlag Winfried Jenior, Kassel 2011, ISBN 978-3-934377-19-6.
- Manuel Seco, Olimpia Andrés, Gabino Ramos: Diccionario fraseológico documentado del español actual. Locuciones y modismos españoles. Aguilar lexicografía, Madrid 2004, ISBN 84-294-7674-1.
Spanische Grammatiken
- Michael Metzeltin: Erklärende Grammatik der romanischen Sprachen. Praesens, Wien 2010.
- Michael Metzeltin: Gramática explicativa de la lengua castellana. De la sintaxis a la semántica. Praesens, Wien 2009.
Didaktik
- R. del Río Miguel: Unterrichtsmaterialien Spanisch – Reaktivierung. [ vom 13. Oktober 2016 im Internet Archive; PDF; 4,8 MB] Unterrichtsmaterialien – Weiterbildendes Studium, Wasser und Umwelt – Fachsprachen. Universität Weimar, Wintersemester 2002/2003.
- Dee L. Eldredge: Teaching spanish, my way. Xlibris LLC, 2014, ISBN 978-1-4931-2657-6.
Spanische Varietäten und Mundarten
- Günter Holtus, Michael Metzeltin, Christian Schmitt (Hrsg.): Lexikon der Romanistischen Linguistik. 12 Bände. Niemeyer, Tübingen 1988–2005; Band VI,1: Aragonesisch/Navarresisch, Spanisch, Asturianisch/Leonesisch. 1992.
- Gabriele Knauer (Hrsg.): Lateinamerikanische Linguistik. Zwei Bände (= Neue Romania, Bd. 25). Inst. für Romanische Philologie d. FU, Berlin 2002.
- Hugo Kubarth: Das lateinamerikanische Spanisch. 1987.
- Steve Pagel: Spanisch in Asien und Ozeanien. Lang, Frankfurt am Main 2010.
- Hans-Dieter Paufler: Lateinamerikanisches Spanisch. 1977.
- Volker Noll: Das amerikanische Spanisch. 2001.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Real Academia Española, 2024
- VeinteMundos Sprachmagazin: Sprachbesonderheiten aller spanischsprachigen Länder im Überblick. [ vom 22. Oktober 2017 im Internet Archive]
- Linguistische Fachbegriffe und Wörterbücher. Erstellt am 25. Dezember 2003 von Cornelia Steinmann. Webhosting durch Siteware Systems GmbH. Ein Verweis auf spanische Lexika findet sich auf der Seite unter Einsprachige Wörterbücher. Spanisch, online
- Portal del hispanismo. Instituto Cervantes y Ministerio de Educación, Cultura y Deporte.
- Wikilengua del español. Fundéu BBVA
- Centro Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes
- Liste der Ausgaben und Jahreszahlen der veröffentlichten spanischen Grammatiken der Real Academia Española – RAE (PDF; 108 kB, spanisch)
- Karten der Phonologie des Spanischen in vielen Ländern und mit spanischsprachigem Slang
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Siehe hierzu Vergleich von Spanisch und Portugiesisch.
- ↑ siehe u. a. Symbiosismus, Generative Grammatik
- ↑ Ein Begriff, der auf Hugo Schuchardt zurückgeht und den er in seiner 1864 veröffentlichten Dissertation De sermonis Romani plebei vocalibus erstmals entwickelte.
- ↑ Latein und seine Tochtersprachen. Universität München Lehramt, S. 1–11 (PDF; 2,3 MB).
- ↑ Eugenio Coseriu: Das sogenannte „Vulgärlatein“ und die Erstdifferenzierungen in der Romania. [ vom 21. Januar 2022 im Internet Archive; PDF; 1,7 MB] Aus dem Spanischen von Wulf Oesterreicher. Unveröffentlichtes Manuskript. Montevideo 1954, S. 2–43, 135–150, 172–202.
- ↑ Marcos Roman Prieto: Spanisch-germanischer Lehnaustausch. Books on Demand (BoD), 2008, ISBN 978-3-638-94414-4, S. 6 f.
- ↑ Wolf Dietrich; Volker Noll (Hrsg.): Einführung in die spanische Sprachwissenschaft Ein Lehr- und Arbeitsbuch. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-503-13719-0, S. 15 f.
- ↑ Heiner Böhmer: Grammatikalisierungsprozesse zwischen Latein und Iberoromanisch. Gunter Narr Verlag, Tübingen 2010, ISBN 978-3-8233-6564-8.
- ↑ Hinweis für Philologen: Das Wort Mio im Werktitel ist ein im modernen Spanischen nicht mehr existierendes atonales Possessivpronomen (Verwendung strukturell ähnlich wie port. meu, ital. mio und frz. mon) und schreibt sich (anders als das moderne spanische Wort mío) ohne Akut.
- ↑ Untersuchung von Riaño Rodríguez und Gutiérrez Aja, 2003 ( vom 20. März 2009 im Internet Archive; PDF; 382 kB)
- ↑ Reinhard Kiesler: Einführung in die Problematik des Vulgärlateins. Walter de Gruyter, 2006, ISBN 3-11-091655-X, S. 105 f.
- ↑ Annegret Alsdorf-Bollee, Ingrid Neumann-Holzschuh: Spanische Sprachgeschichte. 5. Auflage. Klett, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-12-939624-7, S. 107.
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- ↑ Zahlwörter, nombres numerales können eingeschränkt flektierbar sein.
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