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Julius Lippmann

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Julius Lippmann (ca. 1919)

Julius Lippmann (* 22. Juli 1864 in Danzig; † 13. November 1934 in Berlin) war ein deutscher Jurist und liberaler Politiker (FVP, DDP). Er war von 1908 bis 1918 Abgeordneter im Preußischen Landtag, 1919/20 Mitglied der Weimarer Nationalversammlung sowie von 1919 bis 1930 Oberpräsident der Provinz Pommern.

Lippmanns Vater Michael (1818–1887) war der Kantor der Weinberger Synagoge in Danzig. Er hatte eine ältere Schwester, Agathe (1860–1942), die später in Berlin lebte und im Holocaust ermordet wurde.[1]

Julius Lippmann besuchte das Akademische Gymnasium Danzig, wo er 1881 das Abitur ablegte, und begann anschließend ein Studium der Klassischen Philologie. Ab dem Sommersemester 1882 studierte er Rechtswissenschaften an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Dort gehörte er der Landsmannschaft Normannia[2] an (Austritt: 1923). Nach seinem Studienabschluss war er ab 1886 Gerichtsreferendar und bestand 1891 die große juristische Staatsprüfung. Im Jahr darauf wurde er als Rechtsanwalt zunächst in Berlin zugelassen, wechselte aber noch im selben Jahr nach Stettin. Dort heiratete Lippmann 1893 die ebenfalls jüdische Anwaltstochter Margarete Werner.[3] Später wurde ihm der für erfahrene Anwälte vorgesehene Ehrentitel Justizrat verliehen. Nach seiner Eheschließung, aber vor seiner ersten Wahl zum Abgeordneten (1908) ließ sich Lippmann evangelisch taufen.[4]

Lippmann wurde 1900 in die Stettiner Stadtverordnetenversammlung gewählt. Als Kandidat der Freisinnigen Vereinigung im Wahlkreis Stettin 3 (Stadtkreis Stettin) wurde er 1908 ins Preußische Abgeordnetenhaus gewählt, dem er bis 1918 angehörte.[5] Durch die Fusion der drei linksliberalen Parteien wurde er 1910 Mitglied der Fortschrittlichen Volkspartei (FVP). Er war stellvertretender Fraktionsvorsitzender und widmete sich im Abgeordnetenhaus besonders wasserrechtlichen Fragen. Maßgeblichen Anteil hatte er an der Vorbereitung des Fischereigesetzes. Während des Ersten Weltkrieges gehörte er der Budgetkommission für kriegswirtschaftliche Aufgaben als Berichterstatter an.

Nach der Novemberrevolution 1918 löste sich die FVP zugunsten der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) auf, welcher Lippmann in der Folgezeit angehörte. Als Vertreter des Wahlkreises 7 (Provinz Pommern) wurde er im Januar 1919 in die Weimarer Nationalversammlung gewählt.

Die preußische Staatsregierung unter Ministerpräsident Paul Hirsch (SPD) berief den bisherigen, noch während der Monarchie eingesetzten und konservativ-deutschnational eingestellten Oberpräsidenten der Provinz Pommern Georg Michaelis zum 1. April 1919 ab und ernannte den republiktreuen Liberalen Lippmann zu dessen Nachfolger. Als politischer Beamter und „eine Art Statthalter“ der Zentralregierung des Freistaats Preußen (einer Weimarer Koalition aus SPD, Zentrumspartei und DDP) hatte er deren Richtlinien und Weisungen in seiner Provinz umzusetzen und hatte nur wenig politischen Gestaltungsspielraum.[6] Die einflussreichen deutschnationalen und konservativen Kräfte in Pommern setzten ihm starken Widerstand entgegen, insbesondere wenn es um die Besetzung von Verwaltungs- und Landratsstellen ging. Die Provinz Pommern war in der Zeit der Weimarer Republik eine Hochburg der DNVP, welche die mit Abstand stärkste Fraktion im Provinziallandtag stellte. Lippmanns eigene Partei war dort nur sehr schwach vertreten. Wegen seiner jüdischen Herkunft sah sich der zum evangelischen Christentum konvertierte Lippmann antisemitischer Hetze ausgesetzt.

Lippmann engagierte sich für die Vertiefung des Fahrwassers zwischen Stettin und Swinemünde und förderte die Erweiterung des Stettiner Hafens. Zugunsten der Landwirtschaft in Pommern regte er 1927/28 eine Notstandsaktion an. Den Bibliotheksdirektor Erwin Ackerknecht unterstützte er beim Ausbau des Bibliothekswesens in der Provinz. 1930 trat Lippmann mit Erreichen der Altersgrenze zurück.

Bereits 1927 hatte ihn die Universität Greifswald zum Ehrensenator ernannt. Ab dem Wintersemester 1930 war er in Greifswald Dozent für Verwaltungslehre, Verwaltungsrecht und -politik. Angesichts der sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten abzeichnenden Restriktionen und Repressalien gegen Hochschullehrer jüdischer Herkunft ließ er sich zum Sommersemester 1933 zunächst beurlauben und dann, nach dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, ganz von seinem Lehrauftrag entbinden.[7] Wegen des in Stettin unter dem Gauleiter Wilhelm Karpenstein besonders starken nationalsozialistischen Terrors siedelte Lippmann nach Berlin über. Dort starb er 1934 infolge eines Autounfalls.

  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 8: Supplement L–Z. Winter, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-8253-6051-1, S. 32–33.
  • Helmut Neubach: Jüdische Politiker aus und in Pommern. In: Margret Heitmann, Julius H. Schoeps (Hrsg.): „Halte fern dem ganzen Lande jedes Verderben...“ Geschichte und Kultur der Juden in Pommern. Georg Olms, Hildesheim 1995, ISBN 3-487-10074-6, S. 345–247.
  • Bert Becker: Die pommerschen Oberpräsidenten der Revolutionsperiode. In: Thomas Stamm-Kuhlmann (Hrsg.): November 1918. Revolution an der Ostsee und im Reich. Böhlau, Wien, Köln, Weimar 2020 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern, Reihe V: Forschungen zur Pommerschen Geschichte; 53), ISBN 978-3-412-51603-1, S. 209–253.
  • Bert Becker: Chief President Julius Lippmann and the Port of Stettin in the Weimar Republic In: Studia Maritima, 23, 2025, ISSN (print) 0137-3587, ISSN (online) 2353-303X, S. 103–134.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Stolpersteine Trautenaustr. 20, Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf.
  2. ↑ Paul Goldschmidt: Zur Geschichte der Landsmannschaft Normannia in Berlin 1842-1902. Berlin 1902.
  3. ↑ Bert Becker: Die pommerschen Oberpräsidenten der Revolutionsperiode. In: Thomas Stamm-Kuhlmann (Hrsg.): November 1918. Revolution an der Ostsee und im Reich. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2020, S. 209–253, hier S. 217.
  4. ↑ Bert Becker: Die pommerschen Oberpräsidenten der Revolutionsperiode. In: Thomas Stamm-Kuhlmann (Hrsg.): November 1918. Revolution an der Ostsee und im Reich. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2020, S. 209–253, hier S. 218.
  5. ↑ Mann, Bernhard (Bearb.): Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867–1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf : Droste Verlag, 1988, S. 248 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3)
  6. ↑ Bert Becker: Die pommerschen Oberpräsidenten der Revolutionsperiode. In: Thomas Stamm-Kuhlmann (Hrsg.): November 1918. Revolution an der Ostsee und im Reich. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2020, S. 209–253, hier S. 230.
  7. ↑ Hannelore Kohl: Ein Frauenstudium in Umbruchzeiten - Studienjahre in Greifswald 1931–1934. In: Konstanze Görres-Ohde (Hrsg.): Die OLG-Präsidentin. Gedenkschrift für Henriette Heinbostel. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-8305-1444-2, S. 36–37. (Google bücher).