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Josef Buchmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Josef Buchmann (2013)

Josef Buchmann (* 10. Juli 1930[1] in Łódź; † 19. September 2026) war ein deutscher Unternehmer und Mäzen polnisch-jüdischer Herkunft. Er war ein wichtiger Immobilieninvestor in Frankfurt am Main und soll einer der reichsten Bürger Deutschlands gewesen sein. Sein Vermögen wurde 2011 auf etwa eine Milliarde Euro geschätzt.[2] Des Weiteren war er der Initiator mehrerer Stiftungen und Wohltätigkeitsverbände, wie beispielsweise der Josef-Buchmann-Stiftung,[3] des Josef-Buchmann-Stipendiums,[4] der Buchmann-Fakultät für Rechtswissenschaften in Tel Aviv oder des Jüdischen Museums in Frankfurt.

Buchmanns Jugend wurde durch den Nationalsozialismus geprägt; er wuchs größtenteils im Konzentrationslager Auschwitz auf. Er selbst überlebte als 14-Jähriger, seine Eltern hingegen starben im Vernichtungslager.[5]

In den Nachkriegsjahren arbeitete er im Frankfurter Bahnhofsviertel als Bar- und Varietébesitzer. Er zog 1954 vor Gericht, als eine US-Soldatenzeitung andeutete, dass seine „New York City Bar“ ein Großbordell und eines der Zentren des organisierten Verbrechens in Frankfurt sei. Buchmann befahl seinen Leuten, Fotojournalisten anzugreifen, die versuchten, ihn während seines Auftritts vor Gericht zu fotografieren, wobei einem die Ausrüstung und einem anderen die Knochen gebrochen wurden. Buchmann gewann die Prozesse: Die Verbreitung von The Overseas Weekly wurde eingestellt und der Fotograf, der ihn ungefragt fotografiert hatte, musste ihm eine Entschädigung zahlen.[6] Mit dem Kauf und Bau eines Wohn- und Geschäftshauses in der Nähe seiner „New York City-Bar“ begann er in den 1960er Jahren mit Immobiliengeschäften. Im Erdgeschoss errichtete er den Nachtclub „Imperial“, der in ganz Deutschland bekannt wurde. Für den Shell-Konzern errichtete er 1966 im Frankfurter Nordend das Shell-Hochhaus, damals höchstes Gebäude der Stadt.

Im Jahre 1982 hatte Buchmann die Idee für ein Hochhaus auf dem Areal des ehemaligen Palais Reichenbach-Lessonitz (Löwensteinsches Palais) im Westend. Das Grundstück hatte er zuvor erworben und einen architektonischen Entwurf für ein Hotelgebäude anfertigen lassen. Später verkaufte er das Grundstück an den Münchner Unternehmer Josef Schörghuber, der dort für die Deutsche Bank deren Zentrale im Deutsche-Bank-Hochhaus errichtete.[7][8]

In den 1990er Jahren erwarb Buchmann von dem Perser Max Faktor das Nordwestzentrum, eine der größten Shoppingmalls in Deutschland, und baute es um. Das Gebäude wurde von ihm danach auch als eigener Arbeitsplatz und Sitz seiner Stiftung, Straßenbaufirma, Bauunternehmung und Immobilienverwaltung genutzt.[9]

1988 kaufte er die vom Verfall bedrohte Naxoshalle im Ostend und vermietete sie an die Stadt Frankfurt, die in der denkmalgeschützten ehemaligen Fabrikhalle ein Kulturzentrum einrichtete. Im Jahr 2006 kaufte die Stadt Buchmann die Halle für einen Betrag von 20 Millionen Euro ab.[10]

Des Weiteren kaufte er 1989 in Tel Aviv ein ehemaliges Delphinarium, für das 1981 im Bau 10.000 m² Meer trockengelegt worden war und das nach der Schließung 1985 als Nachtclub genutzt wurde. Das Bauwerk wurde jedoch von der Stadt nach Baubeginn zurückgefordert, was zu einem langen Ringen mit der Stadt führte, bis Buchmann im Jahre 2015 das Grundstück für 50 Millionen Euro schlussendlich verkaufte.[11] Nach langer Debatte und turbulenter Geschichte wurde der Komplex im Mai 2018 abgerissen.

Seit den 1980er Jahren trat er als Förderer in den Vordergrund. So unterstützte er den Neubau des Zentrums für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am Frankfurter Uniklinikum, das den Namen „Josef-Buchmann-Flügel“ erhielt. Außerdem wurde das Klinikum bei der Anschaffung modernster medizinischer Geräte von ihm unterstützt. Die Josef Buchmann Laureatus-Professur wurde 2004 bis 2008 durch den Frankfurter Förderverein für physikalische Grundlagenforschung durch Josef Buchmann vergeben. Im Senckenberg Museum war Buchmann Mitglied des Kuratoriums und unterstützte die Neugestaltung der Vogelhalle. Diese ist ebenfalls nach ihm benannt.[12] 2005 wurde in Tel Aviv die nach ihm benannte dortige Musikhochschule neu strukturiert, die Buchmann-Mehta School of Music.

Buchmann baute durch über 30-jährige Förderung das Institut für Molekulare Lebenswissenschaften[13] an der Goethe-Universität in Frankfurt auf, weshalb er im Jahr 2013 für seine Verdienste, zu denen auch viele Doktorandenstipendien gehören, zum Ehrensenator der Universität ernannt wurde.[14]

Buchmann war verheiratet und hatte zwei Töchter.[15][16]

Buchmann starb am 19. September 2026 im Alter von 96 Jahren.[17]

Folgende Bauwerke wurden von Buchmann maßgeblich finanziert oder befanden sich unter anderen in seinem Besitz:

Im Rahmen der sogenannten Beker-Affäre wurde Buchmann Anfang der 1990er Jahre verschiedentlich in der Presse angegriffen. Bei einer Hausdurchsuchung im Büro Hersch Bekers fanden Ermittler Hinweise auf eine Beteiligung Buchmanns an Immobiliengeschäften der Beker-Brüder mit der Stadt Frankfurt. Der Spiegel sah in seiner Ausgabe vom 9. Juli 1990 Bezüge zwischen Beker, Buchmann und der damaligen CDU-geführten Landesregierung.[19] In der am 5. März 1991 ausgestrahlten ZDF-Reportage Mafia am Main wurde Buchmann als Pate von Frankfurt bezeichnet.

Buchmann wehrte sich stets gegen die Vorwürfe und veröffentlichte stadtweit Anzeigen mit der Überschrift „Ich, Josef Buchmann, werde gejagt von publizistischen Hetzern“.[20] Zu keinem Zeitpunkt wurde gegen ihn ermittelt oder ein Verfahren eröffnet.[21]

Commons: Josef Buchmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Traueranzeigen. In: trauer-rheinmain.de. 26. September 2026, abgerufen am 29. September 2026.
  2. ↑ Frankfurts reichste Bürger
  3. ↑ Josef Buchmann Stiftung (Memento des Originals vom 17. Mai 2017 im Internet Archive)
  4. ↑ Das Josef Buchmann Stipendium
  5. ↑ Jugend im KZ
  6. ↑ Guli Dolev-Hashiloni: Von Auschwitz zu Wolkenkratzern, in: The Diasporist, 12. März 2025.
  7. ↑ Verkauf des Turm-Entwurfs an die Deutsche Bank
  8. ↑ Umzug der Deutschen Bank
  9. ↑ Josef Buchmann führt das Nordwestzentrum
  10. ↑ Stadt kauft Naxos Halle
  11. ↑ Buchmann verkauft Grundstück für 50 Millionen
  12. ↑ Vogelhalle nach Josef Buchmann benannt
  13. ↑ Institut nach Josef Buchmann benannt
  14. ↑ Die Goethe-Universität ernennt Josef Buchmann zum Ehrensenator
  15. ↑ Warum Branchenriese ECE jetzt das Frankfurter Nordwestzentrum leitet, Frankfurter Neue Presse vom 2. November 2017, abgerufen am 1. Februar 2023.
  16. ↑ Astrid Ludwig: Vater der Wolkenkratzer und Förderer der Wissenschaft, Forschung Frankfurt, Ausgabe 2.2014, S. 110, 111.
  17. ↑ tagesschau.de: Hessen: Holocaust-Überlebender und Stifter: Frankfurter Unternehmer Josef Buchmann gestorben. Abgerufen am 24. September 2026.
  18. ↑ Artikel: Bekanntgabe vom 1. Mai 2023. Abgerufen am 10. November 2023.
  19. ↑ Griff in den Kasten. In: Der Spiegel. Nr. 28/1990, 9. Juli 1990 (Archiv digital). im September 2014 ergänzt um die redaktionelle Bemerkung „Die Josef Buchmann betreffenden Vermutungen wurden bis heute nicht bewiesen.“
  20. ↑ Zeitungsausschnitte aus der FAZ (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  21. ↑ Im Porträt: Josef Buchmann, F.A.Z. vom 14. April 2012