Zum Inhalt springen

Jake Adelstein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Jake Adelstein

Joshua Lawrence (Jake) Adelstein (geb. am 28. März 1969 in Columbia) ist ein US-amerikanischer investigativer Journalist, Autor mehrerer Bestseller, Blogger und buddhistischer Priester,[1] der den größten Teil seiner Karriere in Japan verbracht hat. Er ist der einzige westliche Journalist, der jemals als Polizeireporter bei einer japanischen Zeitung zugelassen war. Er ist Autor der Memoiren Tokyo Vice, die als Vorlage für die 2022 auf HBO Max ausgestrahlte Original-Streaming-Fernsehserie dienten, in der Ansel Elgort, Ken Watanabe, Rachel Keller und Ella Rumpf die Hauptrollen spielen.

Kindheit und Jugend

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adelstein wuchs in Columbia auf und absolvierte die Rock Bridge High School. Als Teenager arbeitete er ehrenamtlich beim Lokalradio KOPN und moderierte dort gemeinsam mit anderen eine Punk-Musiksendung. 1988 zog er im Alter von 19 Jahren nach Japan, schrieb sich an der Sophia-Universität für das Studium der japanischen Literatur in englischer Sprache ein und lebte als Student drei Jahre in einem Zen-Buddhismus-Tempel. Er lernte Japanisch so schnell, dass er innerhalb von fünf Jahren nach Beginn des Sprachstudiums die dreiteilige Prüfung bestanden hatte, um als Polizeireporter bei der Tokioter Zeitung Yomiuri Shinbun, der auflagenstärksten Zeitung der Welt, zugelassen zu werden.[1]

Am 15. April 1993 wurde Adelstein der erste nicht-japanische Redakteur und Polizeireporter bei der Zeitung Yomiuri Shimbun in Urawa, wo er von 1993 bis Ende 2005 lang tätig war.[2] Nach seinem Ausscheiden bei der Yomiuri veröffentlichte Adelstein einen Enthüllungsbericht mit dem Titel Tokyo Vice, in dem er schilderte, wie ein mutmaßlicher Verbrecherboss, Tadamasa Goto, einen Deal mit dem FBI geschlossen hatte, um für eine Lebertransplantation an der University of California Los Angeles (UCLA) in die Vereinigten Staaten einreisen zu können, indem er die Identität mehrerer Paten der japanischen Mafia preisgab. Zudem bestach er Ärzte dieses Krankenhauses mit Geld, das er in mehreren Casinos in Las Vegas gewaschen hatte.[3] Adelstein warf Goto vor, ihm wegen dieser Geschichte mit dem Tod gedroht zu haben.[4]

Adelstein war anschließend als Reporter für eine Untersuchung des Außenministeriums der Vereinigten Staaten zum Thema Menschenhandel in Japan tätig[5] und schreibt nun für The Daily Beast,[6] Vice News‚ The Japan Times,[7] das Japan Subculture Research Center[8] sowie weitere Publikationen.[1]

Insbesondere nach der Ausstrahlung der Serie Tokyo Vice wurden verschiedentlich Zweifel an der Glaubwürdigkeit der in Adelsteins Memoiren beschriebenen Ereignisse und an den zahlreichen Zitaten, die er in seinen journalistischen Beiträgen anonymen Quellen zugeschrieben hatte, geäußert. Adelstein bot zunächst an, Beweise für die Existenz seiner anonymen Quellen vorzulegen, lehnte dies dann jedoch ab.[9] Im November 2022 berichtete Esquire, dass Adelstein über Twitter einen Ordner mit Quellenmaterial veröffentlicht habe, das seine Darstellung der Ereignisse stützen sollte.[10] Im Juni 2023 veröffentlichte ein Team aus drei europäischen Investigativjournalisten einen Artikel in der belgischen Zeitung Le Soir, der ebenfalls Zweifel am Inhalt seiner Memoiren sowie an seiner Karriere bei der Yomiuri Shinbun aufkommen ließ. Die japanische Zeitung äußerte sich in dem Artikel erstmals öffentlich zu Adelstein und erklärte, er habe nie zum Reporterteam für organisierte Kriminalität gehört und während seiner Zeit dort nur sehr wenige Artikel über die Yakuza verfasst.[11]

Jake Adelstein ist Jude, was in der einschlägigen Fachpresse thematisiert wurde.[12][13][14][15][16] Er war früher mit Sunao Adelstein verheiratet und hat zwei Kinder, welche beide im Bundesstaat Missouri leben. Seit Januar 2026 lebt er mit seiner brasilianischen Freundin Jessy Nakamura in Tokio.

  • Tokyo Vice. Eine gefährliche Reise durch die japanische Unterwelt. Riva Verlag, München 1921. ISBN 978-3-7423-2091-9. (Englischer Originaltitel von 2009: Tokyo Vice: An American Reporter on the Police Beat in Japan.)
  • Operation Tropical Storm: How an FBI Jewish-Japanese Special Agent Snared a Yakuza Boss in Hawaii. Kindle Single, 7. Juni 2015. ASIN B00Z7DUV7W.[17]
  • (zusammen mit Nathalie Stucky) Pay the Devil in Bitcoin: The Creation of a Cryptocurrency and How Half a Billion Dollars of It Vanished from Japan. Erstveröffentlichung: Kindle Single, 2017. Erweiterte Ausgabe unter dem Titel The Devil Takes Bitcoin: Cryptocurrency Crimes and the Japanese Connection, Scribe, Melbourne-London-Minneapolis 2025.
  • The Last Yakuza. A Life in the Japanese Underworld. Erstpublikation bei Scribe, Melbourne-London-Minneapolis 2023. Zweitpublikation bei Corsair, London 2024. ISBN 978-1-4721-5831-4.
  • Tokyo Noir. In and out of Japan’s Underworld. Scribe, Melbourne-London-Minneapolis 2024. ISBN 978-1-957363-91-2.
  • Code Blue: The Serial Killer, the Cover-Up, and a Two-Generation Quest for Justice. Scribe, Melbourne-London-Minneapolis 2027. ISBN 978-1-964992-54-9.
Commons: Jake Adelstein – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 3 Peter Hessler: All Due Respect. In: The New Yorker. 9. Januar 2012, abgerufen am 5. Oktober 2026.
  2. ↑ Exposing Japan’s Insidious Underbelly (Memento vom 20. Oktober 2009 im Internet Archive)
  3. ↑ John M. Glionna and Charles Ornstein: Japanese gang figures got new livers at UCLA. In: Los Angeles Times. 30. Mai 2008, abgerufen am 5. Oktober 2026.
  4. ↑ Jake Adelstein: This Mob Is Big in Japan. In: The Washington Post. 11. Mai 2008, abgerufen am 5. Oktober 2026.
  5. ↑ An American In Japan, Investigating The 'Tokyo Vice'. In: NPR. 9. November 2009, abgerufen am 23. Oktober 2026.
  6. ↑ Jake Adelstein. In: The Daily Beast. Abgerufen am 23. Oktober 2026.
  7. ↑ Jake Adelstein. In: The Japan Times. Abgerufen am 23. Oktober 2026.
  8. ↑ Editor-in-Chief: Jake Adelstein. In: Japan Subculture Research Center. Abgerufen am 23. Oktober 2026.
  9. ↑ Gavin J Blair: Insiders Call B.S. on ‘Tokyo Vice’ Backstory. In: The Hollywood Reporter. 29. April 2022, abgerufen am 5. Oktober 2026.
  10. ↑ Laura Martin: The Gripping True Story Behind ‘Tokyo Vice’ and Jake Adelstein's Tussles With the Yakuza. In: Esquire. 23. November 2022, abgerufen am 23. Oktober 2026.
  11. ↑ Louis Colart; Antoine Harari; Clément Fayol: Infiltré chez les yakuzas: le journalisme flou du 'justicier' Jake Adelstein. In: Le Soir. Abgerufen am 23. Oktober 2026.
  12. ↑ Jake Adelstein. In: Hachette UK. Abgerufen am 23. Oktober 2026.
  13. ↑ Episode 31 – Tokyo Vice: A Jewish journalist against the Yakuza with Jake Adelstein. In: Jewish Journal. Abgerufen am 23. Oktober 2026.
  14. ↑ Irene Katz Connelly: ‘Tokyo Vice’ is a portrait of the reporter as a terrible coworker. In: Forward. 11. April 2022, abgerufen am 23. Oktober 2026.
  15. ↑ Tokyo Vice TV review: An outsider Jew in Japan. In: The Jewish Chronicle. 22. Dezember 2022, abgerufen am 23. Oktober 2026.
  16. ↑ Sharyn Kolieb: An insight into the Japanese underworld. In: The Australian Jewish News. 7. Mai 2024, abgerufen am 23. Oktober 2026.
  17. ↑ James Stern: Yakuza Japanese Mob, Operation Tropical Storm. In: YouTube. Abgerufen am 23. Oktober 2026.